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Heiliger Assange

Dezember 8, 2010 5 Kommentare

Ich wollte eigentlich nichts schreiben, bis sich der Nebel nicht weiter gelichtet hat. Aber da alle möglichen Blogger (und da vor allem Männer), jetzt grade wieder telepolis es nicht lassen können ihrem Helden beiseite zu springen möchte ich auf einige Aspekte eingehen:

Zu gutem Sex gehört auch das gegenseitige Einverständnis der beiden Geschlechtspartner. Gesetzlich und gesellschaftlich wurde das lange Jahre anders gesehen. Vergewaltigung in der Ehe war in Deutschland nicht strafbar und noch immer glauben viele ein Mann könne sich beim Sex alles erlauben, sofern die Frau denn erst mal grundsätzlich eingewilligt hat. Dass sie dann aber ihre Meinung ändern könnte oder nicht jeden Scheiss akzeptiert – und dass dann die Mißachtung ihrer Grenzen als sexueller Mißbrauch oder Vergewaltigung zu interpretieren ist, sollte eigentlich klar sein.

Viele können es nicht lassen ihren Schmutz auf die beiden Frauen abzuladen. Und dahinter steht für mich eher ein Denken wie: „Assange ist ein Mann und der Held der Geschichte, es kann einfach nicht sein, dass er gefehlt hat!“ – Wir waren alle nicht dabei. Ich muss da auch nicht jedes Detail wissen.

Offenbar lebt Assange in den Augen vieler Blogger/Hacker den modernen Männertraum (Florian Rötzer auf telepolis):

Liest man, was die Daily Mail aus den Polizeiberichten [extern] erzählt, dann wird die ganze Angelegenheit noch konfuser und zu amourösen Liebschaften, die sich ergeben, wenn hübsche, Prominenz bewundernde Frauen auf einen jungen Mann treffen, der Weltruhm genießt und sich entsprechend wichtig nimmt – und sexuell attraktiv. Und dann auch noch, dass Assange nicht nur zwischen den Frauen wechselte, sondern auch den Computer als wichtiger betrachtete als die Frauen.

… und ist insofern unfehlbarer als der Papst.

Für mich siehts so aus, dass ich es für eher unwahrscheinlich halte, dass sich Frauen solche Geschichten ausdenken und sich freiwillig in das Kreuzfeuer der Medien begeben. Ausschließen kann man ja nix – aber die Bloggerkollegen schließen jetzt schon eines aus: Das Assange hier in irgendeiner weise einen Fehler gemacht hat. Im Gegenteil – sie bewundern ihn jetzt schon dafür, wie scheisse er sich den Frauen gegenüber verhalten hat. Man kennt das ja auch vom Fall Kachelmann. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung aber die Frauen die die Anzeige erstatten sind von Anfang an  schuldig ? Komisches Verständnis und leider allzu durchschaubar sexistisch.

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