#GDLstreik Verständnisprobleme? #tarifeinheit

Der Bahn-Chef Weber sagt “Niemand versteht den Sinn dieser Streiks, abgesehen von der Tatsache, dass eine Gewerkschaft das Spielfeld der anderen erobern will”. Offenbar verstehen das aber doch viele Bahnmitarbeiter, denn die GDL wurde bei den vergangenen Betriebsratswahlen von mehr Mitarbeitern gewählt.

Ich mag die GDL und deren Vorsitzenden Weselsky, weil sie einfach nur das tun, was Gewerkschaften tun sollten: Für ihre Mitglieder am meisten raushole. Die EVG im Gegensatz dazu hat sich zu sehr auf die Rolle der Co-Manager konzentriert. Und ein ehemaliger Chef (Norbert Hansen) wechselte dann auch in den Personalvorstand der Bahn AG. Die EVG verlor in den letzten drei Jahren fast 40.000 Mitglieder (Quelle: Wikipedia).

Zur Tarifeinheit ein paar Worte: Dieses Konzept wurde im Dritten Reich von den Nazis entwickelt, die keine Freunde von Demokratie und Gewerkschaften waren. Und so muss man dieses Konzept auch betrachten: Es hat mit Demokratie oder Pluralismus nicht viel zu tun.

Tarifeinheit würde bedeuten, dass nur eine Gewerkschaft in einem Betrieb alle Bedingungen aushandelt. Also ein zentralistisches Monopol. So wie früher im realexistierenden Sozialismus. Es ist bezeichnend, wenn Journalisten als auch kapitalistische Firmenlenker dieses Konzept beklatschen. Die Tarifautonomie und die freie Wahl der Organisierung gehört zu den fundamentalen demokratischen Grundrechten. Das war auch der Grund, warum das Bundesarbeitsgericht von der Rechtsprechung abwich, die seit der Nazizeit in Deutschland angewendet wurde.

Natürlich sind Streiks unbequem. Aber hier geht es um das freie Aushandeln von Arbeitsbedingungen. Wenn eine Gewerkschaft hier nicht aktiv wird, dafür aber eine andere, dann sollte das vollkommen legitim sein.

Ich finde es immer wieder absurd, wenn Menschen von einem Streik quasi erwarten, dass er unauffällig bleibt und niemand davon betroffen ist. Nur der Streik, der so handzahm wäre, wäre tatsächlich sinnlos. Weil welches Unternehmen sollte aus welchen Gründen auf einen Streik reagieren, der sich nicht niederschlägt? Ein Streik ohne Effekt ist kein Streik, sondern vielleicht ein Appell oder eine Demo. Dann doch lieber gleich die Gewerkschaft auflösen und auf die gute Laune der Arbeitgeber vertrauen.

Ich zitiere hier mal eine Pressemitteilung der GDL zum heutigen Streiktag:

Mit dem heutigen Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat das Zugpersonal erneut deutlich gemacht, dass es sich von der Deutschen Bahn nicht länger vorführen lässt. Durch den Ausstand der Lokomotivführer, Lokrangierführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren und Trainer in den Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB standen am Samstag von 6 bis 9 Uhr über 90 Prozent der Züge der DB still oder hatten die entsprechende Verspätung.

Streik der GDL in München. Foto: GDL
Streik der GDL in München. Foto: GDL

„Die Verantwortung für die Arbeitskämpfe trägt alleine die Deutsche Bahn“, so der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. „Mit ihrer Weigerung über unsere Forderungen zu verhandeln, verärgert sie mutwillig die Reisenden und brüskiert die eigene Belegschaft. Aber so ist das eben, wenn ein Arbeitgeber seine Hausgewerkschaft zum Jagen tragen will – und dann feststellt, dass sie nur 21 Prozent hat.“

Die Deutsche Bahn weigert sich auch weiterhin beharrlich, mit der GDL über ihre Forderungen zu verhandeln. Stattdessen will sie ihre Hausgewerkschaft EVG mittels Kooperationsabkommen in die Führungsrolle hieven – und das, obwohl die GDL über 80 Prozent der Lokomotivführer und 30 Prozent der Zugbegleiter in den Eisenbahnverkehrsunternehmen und damit mehr als 51 Prozent des Zugpersonals organisiert.

„Wir anerkennen den Organisationsschwerpunkt der EVG in den Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Aber die uns qua Organisationsgrad zustehende Tarifhoheit für das Zugpersonal in den Eisenbahnverkehrsunter-nehmen lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen“, so Weselsky.

Die glasklare Botschaft des Zugpersonals ist nicht mehr zu überhören. Nun ist der Arbeitgeber gefordert, endlich ein substantielles Angebot zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen vorzulegen. „Bleibt die DB allerdings weiterhin taub, leiten wir kommende Woche die Urabstimmung ein“, so Weselsky. „Dann gilt: Wer nicht hören will, muss fühlen.“

#GDLstreik Verständnisprobleme? #tarifeinheit

ver.di im Kurs gegen die Arbeitenden!

Solche Aussagen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

Berlin (dapd-hes). Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, droht dem Flughafen Frankfurt mit Konsequenzen, falls die streikenden Mitarbeiter der Flugsicherung sich mit ihren Lohnforderungen durchsetzen sollten. “Je nachdem, was da rauskommt in den Verhandlungen und am Ende dieses Tarifkonfliktes, wird das Konsequenzen haben für das Gefüge der Löhne am Flughafen”, sagte Bsirske in der ARD-Sendung “Bericht aus Berlin” am Sonntagabend. Er selbst wolle “keinen Zweifel dran lassen: wenn sich nur in annähernder Größenordnung diese Gruppe durchsetzen sollte, dann wird das entsprechende Forderungen auch für die anderen beschäftigten Gruppen an diesem Flughafen geben”.

Was heißt das übersetzt? Bsirskes Stellungnahme ist alles als die geschickte Einleitung eines eigenen Arbeitskampfes. Es ist im Kern der Versuch Lohnerhöhungen für GdF-Mitglieder zu verhindern. Ähnlich wie die EVG oft Stellung gegen die GDL bezogen hat. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Repräsentant einer Gewerkschaft möchte mit all seinen Mitteln verhindern, dass Arbeitende bessere Löhne bekommen. Und das nur, weil sich ver.di den Arbeitgebern viel verpflichteter fühlt und somit seit Jahren nicht mehr gegnerfrei ist. Nur wenn ver.di befiehlt soll marschiert werden. Wehe denen, die meinen es ginge um höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen. Nein, es geht nur um die Macht der Zentralgewerkschaften und um die Macht der mit ihr marschierenden FunktionärInnen. Im Zweifelsfall gegen die eigene Klasse heißt ihr offensichtlich immer mehr das Motto? Brecht die Macht der Zentralgewerkschaften! Besser gestern als heute!

Hier das Interview

ver.di im Kurs gegen die Arbeitenden!

Pro Bahn gegen bessere Arbeitsbedingungen

Der Fahrgastverband Pro Bahn äußert sich gegen die Lokomotivführer, die für bessere Arbeitsbedingungen streiken. Der Flächentarifvertrag ist nur ein Ziel. Auch will die GDL auch von der Bahn mehr Lohn. Die Darstellung, dass die GDL von der Bahn gar nichts will aber bestreikt ist nachweislich falsch. Offenbar versucht die Tagesschau wieder einmal bewusst Meinung zu manipulieren. Pro  Bahn schreibt:

Beim heutigen Streik, der in den Morgenstunden ganz Deutschland lahm legte, wurde deutlich, wie sehr die Bevölkerung unter der festgefahrenen Situation leidet. Die Fahrgäste haben mehrheitlich das Gefühl, von einer Spartengewerkschaft in Geiselhaft genommen zu werden und akzeptieren diese Art der Vorgehensweise nicht.

Was schon mal  gelogen ist. Denn im ARD-Deutschlandtrend äußerten 73% der befragten mit Verständnis für den Streik.

Pro Bahn verkennt dabei ganz nebenbei, dass nur zufriedene, gut bezahlte und ausgeruhte Lokführer den Fahrgästen auch ausreichende Sicherheit bieten. Der Fahrgastverband wird also seinem Namen nicht gerecht und schlägt sich auf die Seite einiger frustrierter Kunden. Die Interessen von Fahrgästen und Bahnangestellten aber gegeneinander auszuspielen ist billig und nützt keiner der beiden Seiten, lediglich der DB und den Privatbahnen. Am besten sofort austreten aus diesem Verband!

Pro Bahn gegen bessere Arbeitsbedingungen

LokführerInnen streiken für ihre Rechte

Wenn man so manche Stimmen in den Medien und bei Bürgern liest, so muss man feststellen, dass viele offenbar gar nicht mehr wissen, was ein Streik ist und wie Streiks funktionieren.

So wie der Kommentator der WELT. Unter dem Strich halten viele Streiks per se für falsch, weil sie den normalen Ablauf stören. Der GDL wird vorgeworfen Fahrgäste “in Geiselhaft” zu nehmen.  Dabei besteht in erster Linie ein Abhängigkeitsverhältnis der Beschäftigten von den Bahnunternehmen. Die Bahner streiken und verzichten damit jeden Tag auf Geld.

Von der DB fordert die GDL 5 Prozent mehr Lohn und von allen Bahnen einen Flächentarifvertrag auf DB-Niveau. Bislang ist es so, dass es Privatbahnen ermöglicht wird deutlich unterhalb der DB Beschäftigte anzustellen und damit in Konkurrenz zur DB im Wettbewerb Strecken zu übernehmen, weil ihr Angebot günstiger ist. Defakto bedeutet das dann eine langsame Entwertung der Jobs. Die anderen Bahngewerkschaften haben dem zugestimmt. die GDL leistet Widerstand.

Die GDL ist halt eine der Gewerkschaften, die keine Streiks scheut. Sie tritt für die Forderungen ihrer Mitglieder ein. Und das ist gut so. Streik ohne Beeinträchtigungen kann es nicht geben. Wer sowas fordert hat Streiks nicht verstanden. Würde es keine Beeinträchtigungen geben, so würde kein Streik erfolgreich sein.

Und zu den Aussagen so mancher Bahnkunden, dass sie ja auch gerne mehr Lohn hätten: Na dann los, organisiert euch!

LokführerInnen streiken für ihre Rechte

Ansätze zur Diktatur in Spanien?

Die Beendigung des Fluglotsenstreiks in Spanien zeigt, wie demokratische Staaten handeln, wenn ihnen Beschäftigte auf der Nase rumtanzen. Die Fluglotsen protestierten mit dem Streik gegen ungerechtfertigte Kürzungen ihrer Gehälter. Heute die Fluglotsen, morgen die Müllmänner und übermorgen DEIN Arbeitsplatz. Wer glaubt bei Fluglotsen handele es sich nur um ein Jammern auf hohem Niveau verkennt, dass das Muster, was hier angewendet in Spanien genau so gegen jede Berufstätige angewendet werden kann.

Es zeigt wozu demokratische, westeuropäische Staaten im Stande sind bei einer eher nichtigen Angelegenheit: Ausfall von Flugverkehr in einer Jahreszeit, wo das witterungsbedingt sowieso oft passiert.

Was in Spanien geschieht ist ein Angriff auf die Menschenrechte. Militär gegen Bevölkerung nur wegen eines einfachen Streiks? Was passiert dann, wenn da mal wirklich harter Widerstand passiert?

Spaniens Fluglotsen brauchen unsere Solidarität. Diese Art Militärherrschaft darf sich nicht als Arbeitskampfmaßnahme der Regierung durchsetzen. Denn sonst haben wir wirklich bald in ganz Europa eine Militärdiktatur.

Ansätze zur Diktatur in Spanien?

Tarifeinheit endlich gekippt!

Eine großartige Nachricht für kleine Gewerkschaften ist das Kippen der

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Tarifeinheit ein Betrieben. Die bisherige Regelung hat zu massiven Lohnsekungen geführt, da die großen Gewerkschaften sich nur noch als Dienstleister verstehen und zu echten Streiks gar nicht mehr bereit sind. Wie es anders geht zeigte die FAU in Berlin.

Nun wird es auch für kleine Gewerkschaften möglich sein sich in Betrieben als Alternative zu positionieren.

Lustig anzusehen sind die Reaktionen aus dem politischen Deutschland in der Tagesschau. Das weder FAU noch die Woblies interviewt wurde ist schon klar. Die Vertreter des Status quo sind natürlich dagegen, weil sie so besser die Beschäftigten unter Kontrolle hatten. Und Transfer als Pseudo-Gewerkschaft meldet sich auch zu Wort…

Gewerkschaft geht aber anders. Nun haben die kleineren Gewerkschaften auch ein Argument für neue Mitglieder. Bislang war klar: Nur die Monopolgewerkschaften hatten Chance auf Tarifabschlüsse. Es wird spannender und offener. Es werden auch die sog. Gelben Gewerkschaften profitieren, dafür aber auch die Radikaleren. Insgesamt wird die Gewerkschaftslandschaft also endlich mal in Bewegung geraten.

Tarifeinheit endlich gekippt!