Web 3.0 – Unser Web / niemandes Web

Als Reaktion auf  verschiedene Skandälchen rund um Soziale Netzwerke taucht nun wieder eine Frage auf, auf die ich bereits 2008 Antworten gefordert habe. Damals hatte ich zu Was kommt nach dem Web 2.0 geschrieben:

soziale netzwerke in deutschland
soziale netzwerke in deutschland (Photo credit: 47grad)
  • “Bedeutung” – es wird in Zukunft darauf ankommen, das vorhandene Daten mehr darüber mitteilen, was sie bedeuten. ( Semantic Web )
  • “Teilen” – Das Teilen von Information wird immer wichtiger. Es gibt zwar schon diverse Ansätze auch und gerade durch Web 2.0 – doch stossen diese auch immer wieder an technische und rechtliche Grenzen.
  • “Rechte” – Das Internet bildet einen riesigen Raum von Rechtsunsicherheiten. Dies liegt auch zum teil daran, das das Recht nicht für das Internet gemacht wurde und zum teil veraltete Konzepte einfach auf das Internet ausgedehnt wurden. Wir brauchen mehr Klarheit und Einfachheit.

Ich würde heute einen neuen Schwerpunkt beim Eigentum legen. Firmen wie Facebook, Yahoo oder Google gehören unsere Daten. Während wir bei den Netzwerken umsonst mitmachen dürfen werten sie unser Nutzerverhalten aus und dienen wir ihren Profitinteressen. Es ist naiv sich auf der einen Seite total auf Firmen zu verlassen – und dabei macht Größe noch nicht einmal einen großen Unterschied. Zum anderen erwartet man jede Art von Freizügigkeit.

Manche langjährigen Blogger und Netzaktivisten meinen jetzt die Antwort auf alles gefunden zu haben: Wir müssen mehr auf unseren eigenen Blogs bloggen. Dort würden uns ja die Daten gehören. Vergessen tun sie dabei die letzten 10 Jahre vergessen. Facebook wurde 2004 gegründet, Twitter 2006. Soziale Netzwerke wie diese (ja es gibt auch freie Alternativen) lösten bestimmte Probleme:

  1. Einstiegshürde. Obwohl Blogs die Hürden dramatisch senkten, wie bereits zuvor die Einführung von HTML, war und ist das Einrichten eines eigenen Blogs für viele User immer noch eine nicht einfach zu bewältigende Herausforderung.
  2. Mitbekommen was läuft. Das Netz ist voller Informationen. Aber wollen wir wirklich täglich alle möglichen Seiten absurfen? RSS hat da für einige Websites und Blogger eine Lösung gebracht, um bestimmten Streams zu folgen. Viele nutzten den Google Reader (anno 2005). Dessen Abschaffung beschwor viele Proteste herauf. Fakt ist aber auch, dass das Folgen in Sozialen Netzwerken viel einfacher ist für die Mehrheit der Menschheit und zudem einen Rückkanal ermöglicht. Und damit als Feature der Mehr Interaktivität auch etwas bietet, was ich mich erinnere die einfachen User bereits auf Veranstaltungen unseres Bürgernetzes in den 90er Jahren von Webseiten forderten. User wollen immer mehr Interaktivität und immer mehr mitbekommen.
  3. Soziale Vernetzung. Soziale Netze bieten wie der Name schon sagt die Möglichkeit des „Socializing“. Die Ausage „Der Mensch ist ein soziales Wesen“ ist trivial aber sehr war und besonders essentiell. Auch bei Blogs gibt es eine sog. Blogosphäre in der man sich austauscht und aufeinander bezieht. Aus meiner Sicht vereinfachen Soziale Netzwerke diese Interaktion und demokratisieren sie auch in dem Sinne, dass mehr Leute daran teilnehmen können.

Das Problem aktueller Sozialer Netzwerke ist aber dennoch ein Demokratiedefizit. Die Daten der User werden verkauft und sie wie Vieh missbraucht. Versuche der User innerhalb von Facebook gegenüber Änderungen der Datenschutzbestimmungen aufzustehen scheiterten bisher regelmäßig aufgrund fehlender Masse. Wenn wir uns in Strukturen bewegen, die uns nicht gehören und noch wichtiger bestimmten Firmen gehören, die damit ihren wirtschaftlichen Verwertungsinteressen verfolgen werden wir als einzelne User aber auch als Gruppe immer den kürzeren ziehen.

Die Lösung kann aber weder sein, dass jeder Mensch nun sein eigenes Blog eröffnet, noch das wir hunderte alternativer Netzwerke auf Basis von Open Source eröffnen. Die Lösung wäre zum einen Soziale Netzwerke auf Basis offener Standards, die miteinander interagieren und zum anderen die Finanzierung der Infrastruktur. Das sind schwierig zu lösende Fragen. So mancher Ansatz hat sich als verfehlt herausgestellt. Weil manche kleine, geile Firma angetreten ist als Startup Facebook Konkurrenz zu machen (Beispiel Diaspora). Aber wenn man sich in die Logik des „freien“ Wettbewerbs, ins Haifischbecken, begibt, dann werden immer die größeren die kleineren Fische fressen. Es sei denn man ist in der Lage selber die kleineren Fische zu fressen und die großen auszutricksen. Denn auch Microsoft und Google mussten ja einmal klein anfangen.

Meine Hoffnung liegt aber nicht darin, dass endlich die kleine Firma kommt, die alles richtig macht. Wenn wir wollen das Soziale Netzwerke anders laufen, müssen wir sie von Grund auf selber und richtig machen. Dazu braucht es Soziale Verträge. Wir als User müssen die Bedingungen festlegen, nach dem die Netzwerke betrieben werden und das heißt auch, dass wir sie selber betreiben müssen. Bestimmte Regeln müssen festgeschrieben werden als Selbstverpflichtung. Eine demokratische Mitbestimmung muss möglich sein. Es kann also nur um eine vollständige und transparente Organisation gehen. Eigeninteressen müssen dabei zurückstehen. Konstrukte bei denen eine Firma etwas sponsort werden auf Dauer nicht tragfähig sein und scheitern. Ich bin sicher es sind intelligente Möglichkeiten der Finanzierung hinzubekommen, wenn man sich nur ein wenig den Kopf zerbricht. Ohne Beteiligung der User wird es allerdings nichts werden. Die Umsonst-Kultur wird hier natürlich zuschlagen. Daher wäre meine Empfehlung auf freiwillige Spenden zu setzen statt auf einen Pflichtbeitrag. Wikipedia ist auch ein Beispiel wie sich ein freies, soziales Netzwerk selbst erhalten kann und vielleicht können sie auch wichtige Impulsgeber sein bei einer solchen Entwicklung.

Was uns m.E, aber wenig weiterbringt ist zu glauben mit einer Rückbesinnung auf die Anfangszeit des Web 2.0 würden wir die Zukunft bewältigen können.  Facebook und Google werden nur bezwungen, wenn wir es schaffen ihnen voraus zu sein und unsere Nischen schaffen, die sie nicht aufkaufen können. Letztlich leben alle kommerziellen Firmen von unserem Geld. Wenn wir in der Lage sind die Profitinteressen auszusperren, die ja dann oft nur den Kapitalanlegern zugute kommen, sollten wir unsere eigenen Kosten massiv senken können. Dazu ist aber etwas mehr Weitsicht von nöten.

Leider haben sich Alternativen wie identi.ca/status.net nicht als richtiger Ansatz erwiesen. Soziale Netzwerke müssen entweder in einer Nische gut funktionieren oder eine kritischen Masse erreichen. Dazu brauchen auch freie soziale Netzwerke eine Strategie, weil sie sonst in ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit vor sich hindümpeln und die ewige theoretische Alternative bleiben. Was nützt es mir, wenn identi.ca Open Source ist, wenn doch die meisten User auf Twitter unterwegs sind?

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Web 3.0 – Unser Web / niemandes Web

Fiasco Diaspora- Was läuft schief?

Das Projekt Diaspora ist vorerst mit dem bisherigen Plan gescheitert. Warum können sich solche Projekte und Alternativen wie auch StatusNet (identi.ca) oftmals nicht durchsetzen?

Aus meiner Sicht liegt das oft aml Egoismus der Entwickler und an der doch sehr kapitalistischen Struktur der Gründungsunternehmen. Im Grunde setzt ja Open Source auf Offenheit. Bei übermächtigen Gegnern wie Facebook oder Twitter reicht es nicht, wenn ein Entwicklerteam mit ein wenig Wagniskapital versucht eine Alternative aufzubauen. Solange jedoch das Konkurrenzdenken an vorderster Stelle steht, wird es schwerfallen eine breitere Masse anzusprechen.

Projekte kommen und gehen. Erfolgreiche Projekte wie Debian oder Firefox haben auch eine starke Organisation hinter sich, die über die Ziele wacht und die Community und die Demokratie organisiert.

Zu viele Projekte leben von einem einzelnen Programmierer, einem Zirkel von Programmierern oder einer Startup-Firma. Geht denen das Geld aus, weil sich die Idee nicht schnell genug monetarisieren läßt, sterben auch Open Source-Projekte.

Aber auf diese stümperhafte Art wird man Facebook oder Twitter nicht kacken können. Dazu kommt das NIH-Syndrom: „Not invented here!“ – Kommt nicht von uns – kann nicht gut sein. Gerade im Open Source Bereich tummeln sich eine Heerschar ehrgeiziger Männer und die Vielzahl an Software und Protokollen ist dort kaum geringer als im kommerziellen Bereich. Dazu fällt mir dann wieder die Geschichte von qmail ein.

Gegen Facebook hilft nur, dass sich eine Szene herausbildet, die strategisch zusammenarbeitet und UnterstützerInnen sammelt. Ein demokratischer Aufbau von Organisationen und Entscheidungen sorgt dafür, dass niemand unsinnige Alleingänge macht.

Es ist natürlich jedem unbelassen seine Bahnen ganz alleine um die Sonne zu ziehen. Das mag auch Anregungen geben. Aber nur gemeinsam sind wir stark genug den Großkonzernen etwas eigenes entgegenzusetzen!

Fiasco Diaspora- Was läuft schief?

OpenBSD Backdoors und Sicherheit

Angeblich hat das FBI Softwareentwickler dafür bezahlt Hintertüren in den Network-Stack des OpenBSD-Projektes einzubauen.

Nun muß das erst einmal überprüft werden. Bekannt wurde dies durch eine Mail eines ehemaligen Entwicklers, bei dem angeblich sein NDA gegenüber dem FBI auslief.

Wenn die Behauptungen zutreffen ist dies schon ein schwerer Ansehensschaden für OpenBSD – noch mehr aber fürs FBI, da natürlich solche Hintertüren von jedem benutzt werden könnten. Es kann gut sein, dass das FBI so zu Datendiebstahl beigetragen hat, oder dazu, dass Websites kompromittiert wurden.

Das würde schon so einer gewissen Regierungs-Denke entsprechen, die glauben, dass Hintertüren natürlich immer nur zu den besten Zwecken und von den Richtigen(TM) genutzt werden. Aber hat Diebe suchen und finden immer Hintertüren. Solches Vorgehen des FBI wäre natürlich im höchsten Maße kriminell. Aber wundern sollte es uns nicht.

Man muß jetzt mal abwarten ob es die Sicherheitslücken überhaupt noch gibt. Diejenigen die jetzt schon jubilieren, weil es das sichere OpenBSD getroffen hat, sollten sich nicht zu früh freuen. Code von OpenBSD läuft auf fast allen Linuxbetriebssystemen, dem Mac OS und Windows. Und wenn da irgendwas gefixt wird, dann sicher als erstes bei OpenBSD. Das zeigt auch ganz gut, wie offen die Leute da mit Informationen umgehen, auch wenn in dem Fall natürlich die Privatheit einer Email gebrochen wurde. Schlimmer wäre aber wohl de Raadt hätte die Fakten für sich behalten. Spätestens dann, wenn er sie Entwicklern weitergegeben hätte, wären weitere Gerüchte herumgetragen worden. Andere Betriebssysteme funktionieren da anders. Und das sage ich auch als jemand er auch schon persönlich von de Raadt angeflamet wurde. 😉

Auf meinen Servern nutzte ich fast nur OpenBSD. Die Entwicklungsstrategie von OpenBSD ist genial. Lange vor Debian, Ubuntu oder Fedora haben die einen sechsmonatlichen Veröffentlichunsgzyklus eingeführt. Da können sich noch immer viele Open Source Projekte eine Scheibe von abschneiden:

Einziger Wehrmutstropfe ist, dass OpenBSD nach dem Prinzip des Benevolent Dictatorship funktioniert. Aber vielleicht ist es damit trotzdem demokratischer als Ubuntu oder Fedora, wo ja doch Red Hat und Canonical als Firmen immer noch mehr zu sagen haben.

Also noch mal: Erst mal schauen, was an den Vorwürfen dran ist und dann ob der Code tatsächlich heute noch tangiert ist. Und wenn ja, dann wird er mit Sicherheit gefixt und der Code Review sicher noch mal verschärft. Kein anderes Betriebssystem hat einen derartigen Code Review. Und ich denke das es daher auch nicht verwunderlich wäre, dass:

  1. OpenBSD Ziel einer FBI-Attacke wird
  2. Bei OpenBSD diese Attacke als erstes bekannt würde.
OpenBSD Backdoors und Sicherheit

GNOME und das Web

Leider  immer noch au dem Holzweg scheint GNOME zu sein, wenn man dem Artikel GNOME soll mit dem Web zusammenwachsen auf Pro-Linux glauben schenkt.

Seit Jahren nun verkündet man uns, dass das Web alles ersetzen wird und Desktops zunehmend an Bedeutung verlieren werden.

Nun ist hier das wesentliche Problem, dass GNOME ein Desktop ist – und außerhalb dessen – bei Webtechnologien – gibt es keine Plattformen mehr im übliche Sinne. Es macht keinen Sinn da wieder an einem GNOME zu basteln.

Die Sichtweise ist von der typischen Scheuklappenmentalität vieler Open Source-Programmierer geprägt, die den ganzen Tag nur iM Web abhängen- und dabei vergessen, dass die Mehrheit der Menschheit nciht einmal eienn Computer hat, geschweige denn von einem „always on“ nur träumen können. Das wachstum im PC-Bereich wird vor allem in China und Indien passieren. Länder mit zwar relativ zu Afrika guter Internetanbindung – aber dann doch auch wieder großer Einschränkungen.

Super ein Computeruser in China, der versucht Dienste zu nutzen die nur im Web laufen – und die Zensur kann alles mitzeichnen, was er abspeichert. Tolle Idee … „Villa gesteht ein, dass es im Web Probleme mit proprietären Anwendungen sowie Datenschutz und Privatsphäre gibt.“ – Nein Luis, wenn Du das so abtust bist Du ein Idiot, sorry.

Das große Thema der Zukunft ist die Datensicherheit – von Industriespionage über den täglichen Umgang mit dem Internet. Es macht sehr wenig Sinn mehr und mehr Daten vom PC ins Internet zu verlagern, solange die Probleme, die wir heute bereits haben nicht einmal ansatzweise gelöst sind.

Jetzt wird technologische wieder die nächste Sau durchs Dorf getrieben. GNOME gibt alles auf, was es bisher ausgemacht hat, will hip und modern sein. Und am Ende steht das Ende von GNOME – als ein Webtoolkit unter vielen. und GNOME will tatsächlich ernsthaft in Konkurrenz treten mit allen bereits etablierten Toolkits und Projekten die seit Jahren ausgesprochene Webentwickler an Bord haben. Und die ganzen Applikationen sollen umgeschrieben werden? Ich lach mich krank.

Als Hintegrund sehe ich eher, dass viele Programmierer in der IT-Industrie arbeiten – und da grassieren gerade diese Ideen – Ziel sind dabei nicht die Mehrheit der User, sondern da wo das Geld verdient wird. Da ist GNOME als weitere Konkurrenzlösung gerne gesehen, insbesondere von Firmen wie Nokia. GNOME lässt sich benutzen und vor den Karren spannen von IT-Großkonzernen und den kleinen Firmen, die hinterherlaufen um auch noch Krümel vom Kuchen abzubekommen.

Dafür dann das ganze Rumgehühner mit den ständigen Updates? Ich will da mal in den kommenden Jahren die Fortschritte sehen. Software as a Service hat sich bisher nicht durchgesetzt – und das aus gutem Grund. GNOME überlässt da gerade Microsoft ein wichtiges Terrain, währen Microsoft in GNOMEs neuem Jagdrevier deutlich besser positioniert ist. Das ist der Anfang vom Ende von GNOME. Ihr werdet sehen.

GNOME und das Web

Plädoyer für Identi.ca

… oder Status.Net.

Status.net ist eine microblogging-Software, die mein bevorzugtes Interface ist. Es ist eine Open Source Software.  Die meist verbreiteste Instanz ist die Site identi.ca, die somit auch die Referenzimplementation darstellt.

Heute habe ich von der Ankündigung gelesen, dass Twitter Werbung platzieren möchte. Und da dachte ich wäre es mal angebracht auch auf den OpenMicroblogging-Standard hinzuweisen. man kann auch Twitter via identi.ca nutzen. Es gibt eigentlich keinen Grund dafür sich auf Twitter zu verlassen.

Daher meine Empfehlung an alle Twitterer, sich einen weiteren Account zumindest bei identi.ca zu holen. Oder wer kann für seine Organisation eine eigene status.net-Instanz. Damit sind dann auch weltweit eindeutige Addressierungen  möglich.

Wer Ahnung von Open Source hat, sollte schon längst identi.ca bevorzugen.

ja, auf Twitter sind (noch) mehr User. So what?

Plädoyer für Identi.ca

Hörtip: Ernst Toller Eine Jugend in Deutschland

Zufällig drauf gestoßen, dass Bayern2 jetzt ihr Hörspiel-Archiv zum Internet hin geöffnet hat.

Das hier fand ich sehr beeindruckend: Ernst Toller – Eine Jugend in Deutschland (bisher 3 Teile) zur Zeit um 1919 herum (Münchner Räterepublik,…).

Am besten lädt man die mit einem Podcast-Programm wie Miro herunter. ja, scheiss auf iTunes, Open Source sollte es schon sein. 🙂

Hier die URL des Hörspiel RSS-Feeds von Bayern 2. In Miro dann im Menü Seitenleiste->Feed hinzufügen „Audio“ auswählen und auf „Feed hinzufügen“

PS: Liebe Piraten, die  rechten Ideen in den Erzählungen sind die, denen ihr gegenüber so tolerant sein wollt.

Hörtip: Ernst Toller Eine Jugend in Deutschland