Naziaufmarsch in Magdeburg: Die Politik hat versagt

Es sollte ein Zeichen für Demokratie werden. 6000 Menschen hätten sich an Aktionen rund um die „Meile der Demokratie“ beteiligt.

In Wirlichkeit ist dies aber ein Armutszeugnis für Landes- und Lokalpolitiker. Anders als in Dresden hat man den Bürgern den Rücken gekehrt, die sich das einzig richtige tun wollten: Sich den Nazis in den Weg stellen. Denn was die 6000 Magdeburger gemacht haben ist folgendes: Sie haben den Nazis die Straße überlassen. Und so sah diese Vergnügungsmeile (Update: 2010) aus:

Da behauptet der Oberbürgermeister doch ganz dreist, man könne einen erfolgreichen Durchmarsch nicht verhindern. Wieso schickt ihr dann Polizei auf die Straßen, die genau das beweisen wollen, dass in Magdeburg das gleiche möglich sein könnte wie in Dresden:

  • Ein breites Bündnis gegen Nazis in dem auch Blockierer Platz haben!?

Ein Großteil der Magdeburger verschließt seine Augen vor der Realität, vergnügt sich auf einer Meile, zählt die Zuschauer als Demonstranten und meint damit „irgendein“ Zeichen gesetzt zu haben. Das habt ihr vielleicht auch: Das es euch egal ist, wenn ihr die Stadt den Nazis überlasst, die sich doch nur über eure komische Meile totlachen und sich freuen, dass nur 300 Demonstrantinnen versucht haben sie zu stoppen. Mit 6300 wäre das vermutlich kein Problem. Dann dürfte der OB auch sagen, dass sie es verhindert haben – was angeblich unmöglich war. Unmöglich offenbar nur in Städten wie Magdeburg, wo echte Demokraten kriminalisiert werden, während falsche Demokraten sich selbst feiern.

Typisch für die Magdeburger Sichtweise wohl diese Videos und die Kommentare der Filmer:

Oder er hier:

Und sowas kommt dann dabei heraus:

Und wenn die Nazis euren Landtag besetzen wollen, räumt ihr den dann auch? Wäre ja logisch. Dann könnt ihr ja wieder auf eurer Demokratiemeile spielen gehen.

Nix gerlent aus der Geschichte…. Nehmt euch mal ein Beispiel an anderen Städten! Nächstes Jahr! Kritik an dieser Stelle aber auch an der bundesweiten Antifa, die zwar zu Dresden mobilisiert wie nix gutes, aber Magdeburg fast gänzlich unerwähnt lässt. Dazu möchte ich mich selbst von Twittern zitieren:

Korrektur: Füßte->Füße

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Naziaufmarsch in Magdeburg: Die Politik hat versagt

Reflexionen zu Opfern und dem Dresdner Gedenken

Dresden hat mehrere Facetten. Ich möchte hier zunächst einmal auf diejenigen eingehen, die den Bombenangriff auf Dresden selbst miterlebt haben: Ich denke, dass man deren persönliches Erleben, deren Traumata, eventuell über Jahrzehnte Flashbacks u.ä. als ihr persönliches Leiden anerkennen muss. Das ist unpolitisch. Hier geht es nicht um Deutung und Schuldzuweisung. Und einem Kind kann man auch nicht vorwerfen, Täter gewesen zu sein. Diese Menschen haben unser Mitgefühl verdient.

Was aber in Dresden passiert ist nicht eine Gruppentherapie, es werden oftmals sogar alte Wunden aufgerissen – insbesondere dann, wenn man den Verursachern der Leiden des Dritten Reiches, in dessem Zuge auch Dresden bombardiert wurde, so viel Platz einräumt. Und dann z.B. auch noch als Aufmarschplatz einen Platz zuweist, an dem früher Juden abtransportiert wurden.

Was war der Bombenkrieg?

Man kann den Bombenkrieg nicht nur aus dem Rückblick betrachten? Würden wir heute akzeptieren, wenn in irgendeinem Land 2010 ein derartiger Luftkrieg geführt würde? Wahrscheinlich nicht. Aber bislang gab es auch keine vergleichbare Situation. Und man vergisst so leicht, dass es damals um alles oder nichts ging. Es gab eine Zeit, an der man in Großbritannien davon ausging, dass man den Luftkrieg verlieren würde. Der Krieg eskalierte immer weiter – und die Bombenangriffe der Aliierten wurden im späteren Verlauf ausgeweitet – denn ein Friedenssschluss war nich in Sicht. Die Strategie war nicht zuletzt, die deutschen Jäger in der Heimat zu binden und zu beschäftigen. Ich denke auch, dass eine konkrete Kritik an einzelnen Luftangriffen erlaubt ist. Wer Krieg und Militär per se ablehnt (also eine Pazifistin), hat es da sowieso einfacher – denn aus seiner Sicht ist jede Kriegshandlung zu verurteilen.

Dresdner Gedenken

Das problematische am Dresdner Gedenken, mit dem ich mich aber auch nur oberflächlich befasst habe, scheitn die unzureichende geschichtliche Eindordnung zu sein – und vielleicht auch überhaupt die Absicht ein Gedenken zu inszenieren. Die Frage ist, was man damit bezwecken will? Wenn es darum geht eine Gedenkminute für die vielen Bombenopfer abzuhalten – von mir aus – sei es ihnen gegönnt. Aber was hier ja passiert ist, dass dieses Ereignis „emototional aufgeladen“ wird, wie die Marketingexperten sagen. Es wird an einem Opfermythos gebastelt – der Bombenangriff und somit der Bombenkrieg als solcher wird zum Unrecht als solches umdefiniert. Es wird eben zu einem Angriff und die Ursachen des Bombenkrieges negiert. Mit eben diesen Mythen hat man unzähliche Nazis angezogen, die genau auf diese Geschichtsklitterung abfahren. Denn wenn die Aliierten Unrecht begangen haben, dann war das Unrecht der Nazizeit weniger Unrecht. Man holt Jugendliche dort ab, wo sie die Bürgerliche Mitte stehen lässt: „Du glaubst, das die Bomardierung Dresdens Unrecht war? Ok – und jezt erzähle ich Dir, dass Hitler gar nicht so schlimm war!

Was Dresden und die Politik dort macht ist eine explizite Förderung rechtsextremen Gedankengutes. Was glaubt ihr, warum die so gerne in eurer zugegeben schönen Stadt demonstrieren wollen zu den gleichen Themen und dem gleichen Grundtenor wie eure Opferinszenierungen? Eben weil es im Kern identische Vorstellungen sind. Obwohl ich manchmal so den Gedanken hatte, wie lustig es wäre wenn der Naziumob mal ohne Polizei auf die Händchenhalter getroffen wären, die die „Linksextremen“ auf dem anderen Ufer so verdammt haben. Was hättet ihr dann gemacht? Mit Kerzen geworfen? Oder einfach schön beiseite gehen und euch dem Willen der Nazis ein weiteres mal unterwerfen?

Fazit?

Es gibt keinen gerechten Krieg – aber das bedeutet nicht, dass man jedes Kriegsopfer für eine Mythisierung missbrauchen darf!

Reflexionen zu Opfern und dem Dresdner Gedenken

Der Medien Dresden-Dilemma

Nun wurde der Marsch der Nazis verhindert. Aber nicht nur Gebete oder Händchenhalten (Menschenketten) an Orten an denen gar keine Nazis waren, sondern konkret vor Ort im Widerstand von eher linken Gruppen und Sympathisanten. Die Tagesschau schafft es nicht es realistisch darzustellen.

Man hatte sich in Dresden entschlossen den Weg der Provokation einzuschlagen in dem man die Route der Nazis durch den  eher linksalternativen Stadtteil Neustadt leitete. Nun hätte man zugeben müssen, das weder Polizei noch die bürgerliche Mitte die Nazis aufhalten wollten und konnten, sondern dass dies nur durch die Bewegung gelang die vorher so stark kriminalisiert wurde. Die jetzige Berichterstattung hat fast demagogische Qualitäten. Von Journalismus überhaupt keine Spur.

Das Dresden-Dilemma bezeichne ich als das: Man will sich gerne als Politik und Gesellschaft die Verhinderung des Nazi-Aufmarsches auf die Fahnen schreiben, aber man kann nicht die Wahrheit sagen. Denn das hieße ja, dass man sich geirrt hätte. Wie toll wäre das mal, wenn die Tagesschau zur Blockade aufrufen würde. Dann kämen vielleicht auch mal 100.000 Gegendemonstranten?

Na egal, hat ja auch so geklappt. Nur das wir leider immer wieder erleben, dass sobald Nazis auflaufen eine Schönfärberei besonderen Ausmaßes zu hören und zu sehen ist.  Genau wie 2005 hier in Kiel.

Der Medien Dresden-Dilemma