Sexismus in unserer Gesellschaft – Brüderle /QUED

Deutsch: Rainer Brüderle
Deutsch: Rainer Brüderle (Photo credit: Wikipedia)

Es ist schon bezeichnend, was man alles so liest zum Thema Sexismus und  Brüderle. Da geht ein Riss durch die Gesellschaft. Für die einen ist die ganze Debatte absolut absurd, weil ja „Gar nichts passiert ist“, bzw. sehen sie sogar, dass Sexismus banalisiert würde (Broder). Manche Journalistin gibt pauschal den Frauen schuld, wenn sie nicht adäquat reagieren. Der Mann kann da offenbar gar nichts falsch machen?

Wenn Frau Betroffene sexueller Belästigung ist, muss sie offenbar aus Sicht mancher irgendwas falsch gemacht haben. Ich musste da an den Film „The Accused/Angeklagt“ aus 1988 mit Jodie Foster denken:

Ich denke es macht gar keinen Unterschied wie schwer es wiegt, was z.B. ein Mann tut. Immer finden sich Menschen, die die Aktion oder Tat rechtfertigen oder relativieren. Der Betroffenen einen Mitschuld zuzusprechen ist dabei ein häufig vorkommendes Muster.

Wer jetzt Brüderle Sexismus absprechen will, der tut nur denen einen Gefallen, die weiter ihren Sexismus praktizieren wollen. Nein Brüderle hat weder vergewaltigt noch kam es in den beschriebenen Fällen zu einer Sexuellen Nötigung. Auch gibt es im Bereich des sprachlichen Sexismus sicher schlimmere Fälle, als das, was die Journalistin Himmelreich hier notierte.

Darum geht es aber gar nicht: Es geht zum einen ganz konkret um den Mann, den Politiker, den Kandidaten Rainer Brüderle. Zum anderen geht es darum, wofür sein Verhalten steht.

Meine Vermutung ist, dass viele Kritiker des Sterns ein ähnliches Verhalten selber an den Tag legen oder für ganz normal halten. Manche weisen auch darauf hin, dass man die eigenen Privilegien (z.B. als Mann) oftmals gar nicht sieht, weil sie für einen normal sind. So wird es sich auch mit solchen Grenzüberschreitungen verhalten: Herr Brüderle bewegt sich ganz normal in seinem Verständnis. Und diejenigen Frauen und Männer, die ihm beispringen, für die ist das auch ganz normal.  Sexismus ist ja eben auch alltäglich und nicht die Ausnahme. Ganz nebenbei ist keiner von uns davon frei, auch ich nicht.

Manche zeichnen auch ein Horrorbild der Zukunft, in einer Welt ohne Sexismen. Die wäre ihrer Meinung nach so:

  • Männer und Frauen dürfen nicht mehr miteinander reden
  • Gegenseitige Attraktion wäre verboten

Eine erschreckende Vision. Wie um alles in der Welt kommt man darauf, dass es nur so geht: Entweder verbale Übergriffe und Anzüglichkeiten oder gar nicht mehr miteinander reden? Was für ein schreckliches Menschenbild haben die Menschen? Sind das alles Menschen mit extremen Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit und Beziehung?

Diese Vision ist genau so dumm, wie zu behaupten, dass man Ausländer*innen oder Migrant*innen entweder beleidigen kann oder man kann nicht mit ihnen reden.

Sprich die betroffenen Gruppe muss froh sein, dass sie überhaupt wahrgenommen und angesprochen wird, weil sonst nur die totale gesellschaftliche Ausgrenzung bleibt. So wird Sexismus nicht mehr nur zum alltäglichen Ärgernis, sondern umdefiniert zur unabdingbaren Voraussetzung on Kommunikation und somit zur Existenz in unserer Gesellschaft.

Und deswegen gehts mir ehrlich mit vielen Kommentaren und manchen Diskussionen, die pro Brüderle sprechen so, dass mir Herr Brüderle fast leid tut solche Fürsprecher zu haben. Denn so schlimm wie so mancher Kommentar ist selbst Brüderle nicht. Ich glaube z.B. nicht, dass Brüderle Frauen ihre gesellschaftliche Existenz absprechen wollen würde, wenn sie sich seinen Avancen auf rüde Weise entziehen. Ganz im Gegenteil von manchen Männern und Frauen.

Da wird zum einen Teil beklagt,  dass sich Frauen ja wehren sollen. Tun sie dies aber vor Ort und deutlich gelten sie schnell als zickig und prüde. Tun sie es laut und deutlich öffentlich, wie Frau Himmelreich, so ist das auch nicht ok. Frauen sollen also still sein. Viele beklagen, dass man das ganze doch privat und leise klären kann. Mein Eindruck von Brüderle war aber, dass er an dem Abend die stille Grenzziehung von Frau Himmelreich nicht akzeptiert hat. Und offenbar weder vorher noch nachher bei anderen Frauen auch nicht.

Es ist beschämend, wenn Politiker wie Edathy, der mir durchaus durch den NSU-Ausschuß etwas sympathisch geworden war, sich genötigt fühlen einem sabernden, geilen Altpolitiker beizuspringen und dafür die Medien und damit auch betroffenen Frauen anzugreifen.

Die #aufschrei-Welle auf Twitter hat deutlich gezeigt, wie normal die Brüderles unter uns sind. Auch diese Welle stieß auf Kritik und vor allem Ignoranz. Sexismus ist zwar alltäglich, wird aber negiert und oft als Erfindung dargestellt. Damit soll er offenbar unsichtbar gehalten werden.

Ich finde daher so wichtig und toll, dass sich einige Journalist*innen und Twitter*innen trauen da etwas öffentlich zu machen, was im Grunde alltäglich ist. Alle nehmen dabei in Kauf, dadurch Nachteile zu erfahren. Wohingegen die Brüderles und Broders darauf hoffen können, dass sie den Sturm unbeschadet überstehen.

Mir sind diese stumpfen Geschlechtsgenossen, die nichts sehen wollen und gerade ein Vorurteil nach dem anderen Gegen Männer bestätigen mächtig peinlich, weil sie mich als Mann beleidigen. Wir sind natürlich alle nicht frei von Fehlern, aber damit sollte es anfangen: Ein wenig Selbstreflexion und nicht diejenigen anzugreifen, die betroffen sind. Niemand erwartet ja gleich die vollkommene Einsicht. Aber was man da zur Zeit liest ist einfach nur peinlich und man glaubt manchmal wir wären in Deutschland in den 50er Jahren stehengeblieben.

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Sexismus in unserer Gesellschaft – Brüderle /QUED

Brüderle-Debatte sehr wichtig

Selten hat in Deutschland Sexismus mal die Aufmerksamkeit, die er jetzt hat. Brüderle sei dank! 😉 Natürlich ist das, was im STERN und in der SPIEGEL geschrieben wird nicht ungewöhnlich. Aber genau das ist ja das Problem!

Wenn man sich das Gespräch zwischen Ulrike Demmer im Gespräch mit Stephan Karkowsky im Deutschlandfunk genau anhört, kann man hören, was da aber oft nicht stimmt. Da verwechselt Herr Karkowsky mehrfach dumpfe Anmache mit „Flirten“. Nein, das ist nicht das selbe.

Und wenn  beide nach Rechtfertigungen für Brüderle suchen frage ich mich auch, wieso. Das er „aus einer anderen Zeit kommt“, das er „aus dem Land der Weinköniginnen kommt“.

Aber wie sprechen hier ja nicht über „Opa Rainer“, der ein wenig seltsam ist und um den Frauen in der Familie einen Bogen machen. Es handelt sich um den neuen designierten Spitzenkandidaten der FDP. Ein Mann, der richtungsweisende Entscheidungen im Land mittragen und gestalten soll. Und genau das ist für mich auch Begründung genug Geschichten von vor einem Jahr aufzuwärmen. Von mir aus auch von vor 10 Jahren.

Wir wollen nicht über die Qualifikation und den Charakter von Spitzenleuten reden? Interessant. Oder gehts hier eher um den Tabubruch: Das alles nicht-politische privat ist und man nicht darüber berichtet. Bisher galt wohl für Politiker in Berlin: Feuer frei. Insbesondere für alles hinter der zweiten Reihe, wenn man die Kritik der FDP an der Veröffentlichung anschaut. Da wird der Zeitpunkt kritisiert. Natürlich macht der STERN so eine Geschichte nicht zu jedem abgewrackten Provinzpolitiker. Die FDP hat eigentlich entschieden,  den Charakter  Brüderle ins öffentliche Licht zu rücken. Die FDP hat beschlossen, trotz des sicher vorhandenen eigenen Wissens zu dessem Charakter, diesen Mann als Führungsfigur zu etablieren. Und nun beschwert man sich, wenn sein Charakter gewogen wird?

Nein, man schreibt nur über Hinterbänkler aber auf gar keinen Fall über Leute, die in die Erste Reihe aufrücken? Was für ein Humbug!

 

Brüderle-Debatte sehr wichtig

FDP lebt in der Vergangenheit

Wie stark die FDP in der Vergangenheit lebt, zeigt ein aktueller Onlineartikel mit dem Titel Transfergesellschaften sind Geldverschwendung. Zitat:

Zum anderen halten einige Arbeitsmarktforscher solche Lösungen schlicht für Geldverschwendung: Was Transfergesellschaften machen sollen, könne die Bundesanstalt für Arbeit mindestens ebenso gut (so gelesen am 29.3. 19:05 Uhr)

Bei einer so expliziten Positionierung hat es die FDP nicht einmal hinbekommen es zu realisieren, dass es seit 2004 „Bundesagentur für Arbeit“ heißt. Wie kompetent kann eine Partei sein, die nicht einmal die korrekten Namen der Institutionen kennt, von denen sie schreibt?

FDP lebt in der Vergangenheit

„Tyrannei der Massen“- Meisterrhetoriker Döring schlägt zu

Wow, der designierte FDP-Generalsekretär hat sich noch vor Amtsantritt als vollkommen inkompetent erwiesen. Nur weil die Masse die FDP nicht mehr liebhaben wollen, mag jetzt die FDP die WählerInnen nicht mehr:

„Tyrannei der Massen“ als Synonym für „Diktatur des Proletariats“? Damit stellt sich Döring in eine rechtsradikale Tradition des Bürgertums von 1848  (Quelle).

Das Personaltableaut der FDP scheint echt dünn zu sein.

Übrigens scheint der Patrick auch ein Verkehrsrowdy zu sein:

Im Mittelpunkt der Presse stand Döring auch wegen eines Verkehrsdeliktes, was zeitgleich mit seiner Ernennung zum Generalsekretär der FDP in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Die Justiz ermittelte gegen ihn wegen Verkehrsunfallflucht. Mitte November 2011 beschädigte Döring in der Nähe seines Hauses mit seinem Privat-PKW den Außenspiegel eines anderen Verkehrsteilnehmers und fuhr anschließend weiter. Das Verfahren wurde gegen Zahlung eines Bußgeldes durch Döring in Höhe von 1500 € eingestellt. (Quelle: Wikipedia)

Da sollte er mal wegen der Anonymität der Massen nicht mit Steinen werfen, wenn er selber Unfallflucht begeht.

„Tyrannei der Massen“- Meisterrhetoriker Döring schlägt zu

Wundern über das Ergebnis….

Daniel Bahr sagte vor der Kamera, dass diejenige, die Neuwahlen herbeiführen sich oftmals wundern würden, über das Ergebnis. So wie es in NRW aussieht, werden sich jetzt ausgerechnet diejenigen wundern, die Rot-Grün zu Fall bringen wollten. Auch wenn ich keinerlei Sympathie für die etablierten Parteien hege, freuts mich irgendwie, wie die Machtpolitiker der Oppositionsparteien hier wohl reihenweise gegen die Wand fahren.

Weswegen z.B. sollte irgendwer die FDP wählen? Erleben wir dann im Mai das endgültige Aus für die FDP in NRW und Schleswig-Holstein bei den Neuwahlen? Offen das Schicksal der Piraten, die in aktuellen Umfragen bei 5% stehen.

Die CDU hatte bereits ihr Wahlplakat fertig. D.h. man hatte die Entscheidung des Landtags schon vorweg genommen. Seltsames Demokratieverständnis.

Wundern über das Ergebnis….

Gehts noch tiefer? FDP

Lindner schon wieder weg. Die FDP fällt und fällt ins scheinbar bodenlose. Die Wahrheit ist und bleibt, dass die FDP vor allem inhaltlich gescheitert ist an ihrem Marktradikalismus. Wie ich schon vor Monaten schrieb, war Westerwelle nie ihr Hauptproblem.

Die, die ohne Westerwelle an eine Neuausrichtung geglaubt haben, an frischen Wind, waren naiv. Die Berliner Morgenpost schreibt nun: „Lindner- Rücktritt – In der FDP bleibt ein Trümmerhaufen zurück“ .

Gehts noch tiefer? FDP