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Posts Tagged ‘Causa Guttenberg’

Guttenberg hat keine Unterstützer

Der gestrige Tag hat bewiesen: Die vielen Unterstützer im Internet waren ein Fake. Die einzig meßbare Unterstützer hat die Familie wohl nur in ihrem Heimatort. Und die Ansprache seines Vaters dort ließ durchblicken: Im Grunde handelt es sich dort um eine Art Nibelungentreue der EinwohnerInnen. Oder auch ein Anklang an die früheren Verhältnisse zwischen Herrscher und Untergebenen. Vielleicht erklärt dies auch so manche Unterstützung bundesweit: Man will halt lieber einen Kaiser als eine Demokratie?

Jedenfalls sollte jetzt klar sein, dass kaum in Deutschland tatsächlich bereit ist für einen Guttenberg auf die Straße zu gehen. Viele Internet-Unterstützer sind wohl eher Gegner von Guttenberg gewesen, genau sowie auf der Straße. Viele Bundesbürger machen sich nur einen Spaß daraus sein Comeback zu fordern. Ernst meinen, tut das niemand mit Restverstand.

Schonfrist für Kanzlerin Merkel ist vorbei: Merkel muss weg!

März 4, 2011 1 Kommentar

Ich habe ja vorgeschlagen Merkel noch bis zum heutigen Freitag Zeit zu lassen sich neu zu positionieren. Das hat sie nun zwar getan – aber in der entgegengesetzten Richtung:

«Die Türen zur Politik sind ihm aus meiner Sicht nicht verschlossen»

«Ich habe abgewogen zwischen Fehlern und Leistungen, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg, der ein hochbegabter Politiker ist, sich als Verteidigungsminister bewährt hatte »

«Teil eines früheren, von seiner Ministertätigkeit völlig getrennten Lebensabschnitts»

s.a. Tagesschau

Damit stellt sie klar, dass sie sich sowohl hinter Guttenberg, als auch hinter die Legitimität des Plagiierens stellt. Sie betrachtet das als läßliche Jugendsünde. Etwas das man einfach verzeihen muss und zudem vollkommen abzutrennen ist von der Person KT Guttenberg.

Mit diesen Aussagen hat sie nun die “Causa Guttenberg” zur “Causa Merkel” gemacht! Ich hätte es verstanden, wenn sie im Nachgang zu der Affäre sich von ihren früheren Bekenntnissen distanziert hätte. Nun müssen wir aber an diesem Punkt Aufklärung verlangen. Viele Politikbereiche stehen jetzt zur Diskussion:

  • Urheberrecht: Erklärt die Kanzlerin nun, dass ihre gesamte Urheberrechtspolitik falsch und ein Witz war oder will sie vielmehr betonen, dass lediglich sie als Bundesregierung oder Adlige von der Strafverfolgung auszunehmen sind?
  • Gerechtigkeit: Aus dem obigen leitet sich die zentrale Frage ab, ob denn zweierlei Maß gilt. Das eine Recht für einen von und zu als Teil der CDU/CSU-geführten Bundesregierung und auf der anderen Seite wir Normalsterblichen die die Härte des Gesetzes oft auch dann trifft wenn wir tatsächlich unschuldig sind?
  • Konsequenzen / moralische Standpunkte: Es ist im höchsten Maße fraglich, warum die Bundeskanzlerin sich ausgerechnet hinter einen ausgewiesenen Betrüger stellt. Ihm auch die Tür für eine Rückkehr explizit offen halten will. Über das strafrechtliche hinaus stellt sich die Frage, welchen moralischen Standpunkt sie und die Bundesregierung einnimmt. Welche Konsequenzen haben solche Verfehlungen in der Politik? Was passiert bei dem nächsten Skandal?

Hier sind Antworten gefordert von Frau Merkel. Ihre moralische Integrität ist vollkommen am Boden aus meiner Sicht. Sie muss nun den Detail erklären wie sie das genau gemeint hat und wie sich ihre Aussagen verallgemeinern lassen sollen auf die obigen Punkte. Die Frage ist z.B. ob wir in Deutschland und der EU wissenschaftliche Standards ganz abschaffen wollen und stattdessen darauf bauen sollen, das wir eher mit einer „gefühlten Wahrheit“ operieren. Wie wäre es denn dann z.B. den Forschungsetat ganz auf null zu drehen. Denn wenn Forschungsergebnisse gar keine Rolle spielen wäre es ja auch sinnlos dafür Geld auszugeben?

Wir sollten vielleicht auch von vorne herein sagen, dass jeder in einer Bewerbung sich irgend etwas ausdenken darf. Es sollte strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden, wenn man falsche Titel oder Amtsbezeichnungen verwendet. Zum Beispiel könnte ich mir einfach einen Doktortitel anhängen und behaupten ich wäre der Bundeskanzler? Ich wäre durchaus dafür. Sie auch, Frau Merkel?

Frau Merkel zeigt uns  den Finger und sagt: “Ihr könnt uns nichts. Wir können uns alles erlauben. Ihr da unten müsst euch an Regeln halten, aber wir doch nicht! Und wen ihr schafft aus dem Amt zu entheben, den werde ich wieder mit offenen Armen empfangen!

Diese Affäre wird zusätzlicher Sprengstoff für die nächsten Landtagswahlen bringen. Nach dem großartigen CDU-Erfolg in Hamburg weitere Meilensteine. Im Grunde bleibt Merkel nur noch der Rücktritt. Denn diese Aussagen von ihr wird sie nicht mehr grade biegen können zu irgendeiner sinnvollen Politik.

Konservativ sein, heisst zu betrügen und zu belügen, dann noch damit durchzukommen und sich am Ende als Moralapostel zu präsentieren. Nein, danke! Merkel muss weg.

Offener Brief der DoktorantInnen an die Bundeskanzlerin

März 2, 2011 3 Kommentare

Ich zitiere das hier einfach mal in Gänze. Dem ist nichts hinzuzufügen:

Causa Guttenberg – OFFENER BRIEF der DoktorandInnen an die Bundeskanzlerin

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Datum: 2. März 2011, 10:00 Uhr

Doktoranden-Initiative enttäuscht über neuerliche Ignoranz der Sachfrage:

“Wir warten auf die Kanzlerin!”

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Zur Reaktion der Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel, auf die Rücktrittsrede von Herrn zu Guttenberg, erklären die Initiatoren des Offenen Briefs der DoktorandInnen an die Bundeskanzlerin:

“Wir sind enttäuscht von der Rücktrittsrede Karl-Theodor zu Guttenbergs. Seinen Rücktritt hat allein er zu verantworten, nicht die Medien und schon gar keine Kampagnen. In der Rede hat er sich erneut kaum mit seinem eigenen Fehlverhalten beschäftigt, das sich nicht in der massiven Täuschung in seiner Dissertation erschöpft, sondern auch seinen Umgang mit ihr umfasst.

Unser Offener Brief hat sich jedoch bewusst an Frau Merkel gerichtet. Wir waren und sind vom Umgang der Bundeskanzlerin mit der Plagiatsaffäre maßlos enttäuscht. Unser Anliegen hat sich mit dem Rücktritt des Bundesministers der Verteidigung nicht erledigt.

Ihre Reaktion auf seinen Rücktritt legt nahe, dass Sie immer noch nicht verstanden hat, worum es uns und vielen anderen geht. Nach wie vor hat sich die Bundeskanzlerin nicht zu den Inhalten des Offenen Briefes geäußert. Wir fordern, dass die Bundeskanzlerin aufhört, die schwerwiegenden Täuschungen und den Umgang mit ihnen zu verharmlosen und die Konsequenzen für den Wissenschaftsstandort Deutschland sowie die politische Kultur in unserem Land zu leugnen. Sie muss anerkennen, dass ihr Verhalten der Wissenschaft und überhaupt der Wertschätzung von Bildung und Leistung massiv schadet, und ihre Haltung zu diesen Fragen korrigieren.

Aufgrund dieser Überlegungen, der zahlreichen Unterstützer-Emails aus dem In- und Ausland sowie vor allem des massiven Zuspruchs aus der Netzgemeinde setzen wir unsere Aktion fort. Alle Doktoranden und Nicht-Doktoranden, die das Anliegen des Offenen Briefes teilen, können ihre Unterstützung auf unserer Website weiterhin kundtun.

Bis heute haben mehr als 60.000 Menschen unseren Offenen Brief an die Bundeskanzlerin in der Causa Guttenberg unterzeichnet.

Unser Ziel ist es, eine Liste mit 100.000 Unterstützern an Frau Merkel zu übergeben.”

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