Fall #Amani, was passiert denn da? #aboutyouawards

Da gibt es jetzt unzählige Artikel (wie diesen) zum Thema, natürlich in erster Linie von Journalist*innen.

In fast allen die den Fall kritisch sehen wird gegen „Social Media“ im Allgemeinen und auf einen angeblich existierenden „Mob“ geschimpft. Das klingt fast so ähnlich wie die guten Ratschläge der Eltern „Geh lieber draußen spielen und sitz‘ nicht vor dem Computer!“ – Gut gemeint,  ein bisschen Wahrheit ist auch dran. Aber draussen gibts inzwischen Smartphones.

Die Kritik geht aber meisten völlig am Kern vorbei. Die Journalist*innen dokumentieren dabei nur ihre absolute Unkenntnis von Social Media. Gibt es unberechtigte Kritik und Angriffe im Internet? Ja, aber nicht nur dort! Zu behaupten es hätte nie Schmäh-Leserbriefe gegeben, verkennt Zeitungsgeschichte. Z.B. 1898 den Offenen Brief J’accuse in der Dreyfus-Affäre.  Zu recht werdet ihr jetzt sagen: „Halt, aber das war berechtigte Kritik!“  Ja schon aber, was ist mit Houllebecqs „Unterwerfung“ – einem sexistischen und islamophobem Roman eines Rassisten, das sogar durch eine Aufführung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gefeiert wurde? Auch in vielen Feuilletons wurde das Buch und Theaterstück gefeiert. Ist das besser als Facebook-Kommentare oder unterschreiten nicht viele Journalist*innen und Autor*innen oft deren Niveaus oder habe zumindest eine viel breitere und fatalere Wirkung in der Mitte der Gesellschaft?

Das ist genau so dumm wie Habecks „Twitter ist an allem schuld“ nur um dann auf Instagram den selben Müll rauszuhauen. Ein allgemeines Beklagen eines Ist-Zustandes macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn. Die Schlechtigkeit der Welt, ja schlimm ist’s! Vor allem die Anderen?

Was wir heute erleben ist das, was das Internet seit Jahrzehnten versprochen hat: Sender und Empfänger verschwimmen. Früher war klar: Rützel ist die Journalist*in im SPIEGEL und Amani lediglich Subjekt in einem Artikel. Genau so wie andere Schauspieler*innen oder Entertainer*innen!

Aber was ist in den letzten Jahren passiert? Während CNN aber auch andere, altehrwürdige Nachrichtenorganisationen oftmals Kriege beklatschten und nicht sehr progressiv war, wurden z.B. gerade in den USA die Politik am schärfsten von Comedians unter „The Daily Show“ oder heute „Steven Colbert“ oder „John Oliver“ oder auf Youtube von den „Young Turks“ attackiert.

Comedy, Aktivismus, Kritik, Nachrichten – negativ betrachtet ist das viel Infotainment dabei. Aber positiv betrachtet schauen das Millionen junger Leute, die sich für Politik interessieren und auch aktiv werden.

Und in Deutschland gab es mit dem klassischen Kabarett schon lange eine Tradition. Dann gibt es noch Comedians die große Hallen füllen mit teilweise sexistischen und stockkonservativen Programmen wie Dieter Nuhr. Nicht alles was witzig sein will ist auch progressiv.

Aber es sollte nicht darum gehen wer wie witzig ist. Geschmäcker sind verschieden. Aber es ist eben was anderes, ob eine Zuschauerin Amanis Humor nicht witzig findet, oder ob es den Versuch gibt presseseitig sie als Standup Comedian abzuräumen. Heute nehmen Künstler*innen in der Öffentlichkeit weniger hin, als noch vor ein paar Jahren. Dabei ist klar: Aufhetzen oder zur Gewalt aufrufen geht gar nicht – aber wer mit Schmutz wirft, muss heute einfach damit rechnen, dass mit Schmutz zurückgeworfen wird. Da gibt es kein Monopol auf Kritik mehr. Und hier haben dann viele ältere Semester ihre Probleme zu folgen. Zwar setzen sie ihre Artikel auch gerne auf Facebook, Twitter oder Instagram – aber Kritik dazu verbittet man sich. Der Pöbel hat zu schweigen! Böser Mob!

Da gibt es verschiedene Blasen bei Influencern, Journalist*innen und Politiker*innen.  Und im Internet trifft sich alles. Das das nicht immer gut gehen kann sollte klar sein? Ich würde sogar zustimmen bei der Kritik an vielen einzelnen Menschen, die Scheiß-Kommentare schreiben. Aber dann muss die Kritik eben DIESEM Kommentar gelten oder dieser Person – oder auch einer Gruppe, die sich alle total daneben benehmen. Aber auf keinen Fall eine Sippenhaft für ALLE auf einem oder allen Netzen. Das ist einfach nur dumm! Und es ist eine altmodische Haltung. Früher hat man Kindern das Bücher lesen verboten als schlechten Einfluss. Dann Schallplatten, Fernsehen und dann Computer, dann Smartphones. Heute gelten Bücher und Schallplatten ja als kultiviert. So schnell ändern sich die Zeiten.

Man muss halt immer mal wieder aus seiner eigenen Denke und eigenen Blase heraustreten. Sie dann wohl erst mal erkennen! Mich langweilen solche pauschalen Artikel aber sie regen mich dennoch auf, weil daraus so viel Bequemlichkeit spricht. Und auch so wenig Bereitschaft sich mit neuen Medien und den Implikationen ernsthaft auseinander zu setzen!

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Worüber man gar nicht reden sollte…

… weil es so unbedeutend ist, ist ein schlechtes Gedicht von Nobelpreisträgern, die Mitglied der SS waren. Ich kanns nicht mehr hören! Auch wenn jetzt noch der letzte Hinterbänkler meint zu den letzten Entwicklungen noch seinen Senf dazugeben zu müssen. Dieser Streit ist die Druckerschwärze nicht wert, auf die er gedruckt wird. Europa stürzt ins wirtschaftliche Chaos und wir streiten über ein Gedicht? Das ist zynisch.

Worüber man gar nicht reden sollte…

Satirisches Bundesamt eingerichtet

Das neu eingerichtete „Satirische Bundesamt“ wird von einem Newcomer besetzt: Der neue Minister heißt „Guido Westerwelle“ und ist FDP-Mitglied.

Minister: Westerwelle, Lizenz: Creative Commons Attribution Deutschland 3.0

 

Aufgaben des neu geschaffenen Bundesamtes soll es sein, die Öffentlichkeit mit satirischen Einblicken in die Bundespolitik zu versorgen. Spezielles Augenmerk soll dabei die „Sommerpause“ bekommen, die jedes Jahr immer wieder von Hinterbänklern genutzt wird, sich in den Vordergrund zu spielen. Hier will Westerwelle gegensteuern: „Wir müssen als Bundesregierung selber für genügend Stoff sorgen, damit man auch über uns lacht. Der vorgetäuschte Ausstieg aus der Atomenergie ist ein guter Anfang auf den wir aufbauen können!“. Die Bundeskanzlerin freute sich auch: „Ich glaube mit dem Satirischen Bundesamt haben wir endlich ein passendes Amt für Herrn Westerwelle gefunden.“

 

Satirisches Bundesamt eingerichtet

Anti-Gentrifizierung – einfach nur peinlich

In einem Video, dass hier beschrieben wird und verlinkt ist: Offending the Clientele – Neukölln kontrovers, auf das ich durch einen Artikel im Tagesspiegel stieß wird ordentlich gegen alles gehetzt, was in Berlin bzw. Neukölln das Vorurteil der Antigentrifizierer trifft.

Ich schwanke zwischen „Lächerlich“ und „ganz schön fremdenfeindlich“. Nein Auslöser meiner Suche war tatsächlich ein Tagesthemen-Beitrag von heute zu den „Berlin Doesnt Love U“-Aufklebern.

Entsteht da ein neuer Fremdenhass? Das man in Berlin oft keine Schwaben mag (ausgedrückt via Graffiti, usw) ist ja schon länger bekannt. Aber wenn solche Videos verbreitet werden, dann finde ichs nicht mehr lustig. Also :

  1. Mal vorweg: Berlin interessiert mich persönlich relativ wenig
  2. Nach Berlin ziehen, ne schicke Eckkneipe aufmachen und sich dann beschweren, wenn es andere auch nach Berlin ziehen ist wenig einleuchtend.
  3. Ob sowas irgendwas bringt oist zu bezweifeln
  4. Wo differenzieren sich DIESE Art Antigentrifzierer vom gemeinen Nazi? Wann schlagen die ersten mal tatsächlich zu gegen Touristen, Studenten,…

Aus meiner Sichts ist das eigentliche Problem, dass diese ganze Gentrfizierungs-Debatte zwar in der Lage ist sich an Symptomen abzuarbeiten – und ich denke auch, dass es wichtig ist zu verstehen, welche Prozesse am Werk sind. Das ganze Ding basiert ja offenbar auf den postoperaistischen Theorien Negris. Wissenschaftlich vielleicht interessant. Aber wo ist ein praktikabler Handlungsansatz? Dieses ganze Gehasse gegen Besserverdienende oder Menschen aus Spanien (really?) sieht mir mehr nach einem Rechtsruck aus, als dass es in irgendeiner Form das System als solches infrage stellt.

Es gibt ja das böse Wort der Verkürzten Kapitalismuskritik. Nicht immer verdient, aber bei dieser Gentrifizierungsdebatte denke ich, ist es langsam doch schon angebracht. Wer glaubt mit Hass auf Touristen und Krieg gegen Kaffeesorten die Welt auf den Kopf stellen zu können – und das ganze mit lustigen Videos oder Flashmobs, der ist falsch gewickelt. Und der reproduziert in seiner Kritik nur alte Denkmuster – und nähert sich dem dumpfen, deutschen Fremdenhasser auf Augenhöhe. Und was änderts? Gar nichts!

Wo sind die Handlungsansätze? Wo sind die Erfolge? Das halte ichs doch eher mit Adornos „Es gibt nichts Richtiges im Falschen“.  Patentrezepte gibts wohl nicht – aber die Antworten, die da oft auf dem Tisch geknallt werden, sind mir doch zu einfach – und irgendwie auch schon gefährlich. Wo soll sich das hin entwickeln?

Anti-Gentrifizierung – einfach nur peinlich

Atomkraft in Deutschland ist nachwievor sicher

Es gibt aufgrund der Katastrophe in Japan keine neuen Erkenntnisse. Die AKWs sind so sicher oder unsicher wie zuvor. Deutsche AKWs sind einfach sicher, weil wir Frau Merkel haben. Da traut sich kein AKW ungefragt zu explodieren. Und jetzt hat sie ja schon gesagt, dass sie noch mal nachdenken wird. Die Antworten hat sie übrigens bereits in ihrer Schublade. Ich kanns euch verraten. Es gibt weltweit keine sichereren Kerkkraftwerke als die Deutschen, es gibt nichts, was man ändern müsste. Alles ganz toll!

Freut ihr euch auch so stark wie ich? uns kann einfach nichts passieren. Klar, die Russen haben geschlampt – und die Japaner hätten halt AKWs nicht in Erdbebengebiete bauen sollen. Die Briten und Amerikaner haben auch Fehler gemacht. Ach ja die Franzosen auch. Aber bei uns gibt es keine Fehler. Auch nicht bei der Entsorgung. Das Vorzeige-Endlager Asse zeigt doch wie es gehen kann: Reinkippen und gut ist! Immer diese Skeptiker.

Außerdem hat Radioaktivität eine Halbwertszeit. Das heisst, dass Radioaktivität auch nur halb so schlimm ist. Am besten wir machen einfach weiter wie bisher. In Deutschland gab es ja noch keinen GAU. Womit wir bei dem Beweis wären: Atomkraft in Deutschland ist sicher! Schafft zwei, drei viele Tschernobyls! Jeder GAU im Ausland beweist nur die Überlegenheit deutscher Atomtechnologie: Strahle deutsche Atomtechnologie, Strahle!

Atomkraft? Nein Danke
Atomkraft in Deutschland ist nachwievor sicher

Warum wir stolz auf unser Land sein müssen

Nach der verwirrenden Rede von Westerwelle zum Aschermittwoch möchte ich ein wenig über den Nationalstolz philosophieren.

Es wird ja immer wieder gesagt wir DÜRFEN stolz sein auf unser Land. Damit einhergeht auch oftmals ein MUSS. Wir MÜSSEN stolz sein.

Zunächst stellt sich die Frage was Stolz eigentlich ist. Ich würde sagen ein positiver Bezug auf sich selbst oder eine Gruppe. Wie kann Nationalstolz entstehen – wie soll es passieren? Es soll dadurch passieren, dass die Bürger ihr Land beobachten und stolz darauf sind.

Jedenfalls hörte Westerwelle in Ägypten Rufe wie „Es lebe Deutschland“ bei seinem Besuch. Er meinte das wäre ein guter Anlaß stolz auf uns zu sein. Auf was? Vielleicht auf unsere Waffenexporte und auf den Export hervorragender Abhörsoftware, die zur Unterdrückung geeignet ist?

Wenn es Nationalstolz geben soll, muss es ja auch das Gegenteil geben. Sowas wie Fremdschämen für unseren Staat, oder? Bei mir überwiegt jedenfalls oft die Scham über das, was unsere Außenpolitik angeht. Nicht zu vergessen unsere nicht besonders saubere Vergangenheit. Natürlich ist Geschichte nicht alles, diesen Teil der Geschichte aber auszublenden oder die negativen Seiten Deutschlands, damit man ungestört stolz sein kann, ist nichts anderes als Selbsttäuschung.

Nationalstolz bewirkt, dass die Bürger die eigenen Politiker und die Schattenseiten sanfter und gutmütiger betrachten. Sicher ist das für die Politiker angenehm. Ein stolzes Volk schaut über Fehler hinweg und nickt den Politiker freundlich zu anstatt diese zu kritisieren. Das Politiker diese Art Stolz schätzen ist daher nicht verwunderlich. Aber politisch ist es nicht relevant. Es ist keine Politik, es ist keine Leistung. Sondern es ist eine Emotion, die über die harten Fakten hinwegtäuscht. Nicht stolz zu sein auf Deutschland ist im wahrsten Wortsinne ENTTÄUSCHEND. Enttäuschend aber im positivsten Sinne!

Noch mehr zu Westerwelles Rede: Dort schlug er den Bogen, dass die eigentlichen Leidensträger in Deutschland der Mittelstand und die Mittelschicht wären. Schon einmal die Vermischung dieser beiden Begriffe ist Unsinn. Westerwelle bezieht sich hier auch positiv auf einen Stand oder Klasse und somit für den Klassenkampf von oben. Westerwelle formulierte, dass weder die ganz Armen noch die Superreichen wirklich Probleme hätten mit dem Staat oder den Steuern. Sondern das alleine die Mittelschicht und der Mittelstand Opfer der Steuerpolitik des Staates wären.

Verkennen tut er dabei das Arme viel fundamentalere Probleme haben – wie ein zweites Paar Schuhe. Und nicht um den Zweit-, Dritt- oder Viertwagen. Oder das zweite Ferienhaus. Das ist auch Mittelschicht und Mittelstand. Es geht hier nicht um Menschen, die gerade einmal so gut leben können, sondern um viele Menschen, die eben zwar nicht superreich sind, aber eigentlich gar keine finanziellen Probleme haben . Deren Kinder eine Kreditkarte bekommen mit der sie im Grunde einkaufen können was sie wollen. Auf der anderen Seite Kinder, die am Ende des Monats kein Geld für ein Geodreieck für die Schule haben.

Es gibt keinen Grund auf Deutschland stolz zu sein. Insbesondere weil Deutschland prekäre Beschäftigung und Armut zuläßt und Erhöhungen von gerade einmal 8 EUR schon hart umkämpft sind.

Die FDP gehört zu den Parteien, die den Klassenkampf von oben befürwortet. Sozial kann aber nur eine Politik sein, die am unteren Ende anfängt. Stolz und Wirklichkeit müssen zusammengehen. Ich schließe nicht aus, dass man einen gewissen Stolz auch in einer Gruppe empfindet. Ich bin eher „froh“ wenn Dinge funktionieren, wie unsere Müllabfuhr, wenn doch hier und da Leuten geholfen wird. Ich habe  da ein Anspruch auf ein Minimum an sozialer Gerechtigkeit, das nur selten auch nur annähern erfüllt wird. Auf alle Fälle ist es kaum die Politik der FDP, die mich stolz machen könnte. insbesondere macht mich die Nationalstolz-Debatte nicht stolz. Paradoxer weise könnte mich das Fehlen von Stolz vielleicht stolz machen. Bescheidenheit und Geschichtsbewußtsein also.

Was Westerwelle noch vergaß: Die Proteste in Ägypten wurden vor allem durch prekäre Arbeitsbedingungen veranlaßt. Seit mehr als fünf Jahren wird Ägypten mit Streiks überzogen, die schließlich zum Sturz des Regimes führten. Soziale Gerechtigkeit und Demokratie sind eben nicht zu trennen. Aber genau das versucht Westerwelle: Er behauptet, dass eine gut geölte Marktwirtschaft identisch ist, mit einer stabilen und demokratischen Gesellschaft. Nur das Nordafrika das gegenteil beweist. Dort war die Marktwirtschaft etabliert, aber sie versagte. Auch in China geht mehr Marktwirtschaft nicht mit mehr Demokratie einher. Es scheint eher so, dass Marktwirtschaft Diktaturen stabilisiert bis zu dem Punkt, wo die Bürger nicht mehr mitspielen. Wo sie die Arbeit verweigern. Demokratie fängt von unten an. Sei es sozial oder auch organisatorisch. Und dazu bedarf es keiner Sprecher, die für uns definieren, was wir wollen und brauchen!

Warum wir stolz auf unser Land sein müssen