Auslandskorrespondenten ein überkommenes System?

Die Grundidee von Auslandskorrespondenten finde ich ja gut. Nur wenn man im Fernsehen hört, was die sagen, so sind das meist Fakten, die sowieso bekannt sind, wozu niemand vor Ort (z.B. aktuell in Griechenland) sein muss. Als Fakten wie, wo welche politischen Gespräche stattfinden und was die griechischen Medien berichten.

Unter dem Strich scheint der Lokalkolorit primär durch auf der Straße gesammelte O-Töne der Bevölkerung zu kommen. Es gab Zeiten ohne Internet und unzuverlässigen Telefonleitungen. Da waren Auslandskorrespondenten wohl unverzichtbar. Unverzichtbar sind sie wohl immer noch, aber gefühlt tun sie nicht das, was sie tun könnten oder sollten. Das wären Berichte, die man nur vor Ort machen kann. Fakten, die man nicht aus den Medien selbst oder durch Pressemitteilungen erfahren kann. Das was wir zu hören bekommen scheint mir eben, außer der O-Töne, jeder halbwegs ausgebildete Journalist von einem Schreibtisch in Deutschland aus recherchieren zu können. Man kann heute sogar das Livebild künstlich jedem Journalisten in den Rücken projizieren.

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Auslandskorrespondenten ein überkommenes System?

#Gamergate Sie lernens wohl nie?

Habe mich zu dem Thema Computerspiele bisher rausgehalten. Aber die neueren Entwicklungen und vor allem ein Kommentar eines Journalisten auf Heise provozieren mich dann doch zu einer Stellungnahme:

Vorausgeschickt – vielleicht schießen manchmal Kritiker von Sexismus im allgemeinen oder in Computerspielen übers Ziel hinaus. Das ändert aber nichts grundsätzlich an der Berechtigtheit und Notwendigkeit der Kritik. Beim Kommentator Martin Fischer wird dieser Punkt umgekehrt betont nach dem Motto „Ok Morddrohungen sind uncool, aber Sexismus-Kritik ist auch uncool. We are even“. So gehts natürlich nicht.

Die Reaktion auf Sexismus-Kritik in Spielen sagt vielleicht viel mehr über die wahren Hintergründe aus, als sie vorgeblichen Ziele („interessantere Spiele“, „interessantere Atmosphäre“,…). Martin Fischers Kommentar hat als provokante Gegenthese: „In Spielen soll man sich austoben dürfen und Spaß haben. Politisch korrekte Spiele braucht kein Mensch

Auf die Provokation antworte ich mal, in dem ich zwischen den Zeile lese und ausspreche, was denn das Gegenteil von „politisch korrekten Spielen“ ist. Im Grunde steht dort, dass in Spiele alles erlaubt sein MUSS, damit es Spaß macht. Damit jeder voll seine Phantasien ausleben kann. Sonst ist es kein gutes Spiel. Nur wenn ein Spiel sexistisch ist und rassistisch, ist es ein gutes Spiel. Spiele in denen keine Frauen vergewaltigt oder Minderheiten gefoltert werden, können keine guten Spiele sein? Und tatsächlich sind vielleicht viele Spiele ein Spiegel der verborgenen Seiten unserer Gesellschaft. Hier darf der brave, spießige Ehemann noch Frauen missbrauchen oder seinen Rassenhass ausleben ohne Angst haben zu müssen dafür bestraft zu werden.

Grundsätzlich stimme ich zu, dass Spiele einen Freiraum darstellen. Dort können ja auch Menschen von Hochhäusern springen und lebend unten ankommen. Die Frage ist aber, ob das ausleben jeder perversen Phantasie oder Gewalt zunächst gleich ein Qualitätsmerkmal eines Spieles ist und etwas, was wir beklatschen und fördern sollten. Und auch, ob Spiele sich jeglicher Kritik entziehen können? Gibt es für den Kommentator Fischer überhaupt Grenzen? Müssen wir es auch begrüssen, wenn die Morde der NSU als Computerspiel nachgespielt werden könnten? Ist ALLES nur Spaß? Oder sind Inhalte von Spielen nicht genau so Inhalte wie die von Filmen, Büchern, Zeitschriften und Artikeln. Alle Inhalte können konsumiert werden, auch wenn  Spiele nicht gradlinig sind, sondern auch abhängig vom Spieler verschiedene Entwicklungen haben können.

„Politisch korrekt“ wären Spiele, in denen jede Figur nur im gegenderten Deutsch spricht. Darum geht es hier aber nicht. Es geht Anita Sarkeesian (@femfreq) im Kern ihrerer Kritik an gängigen Spiele darum, dass sexistisches Verhalten und Denkmuster in Spielen belohnt werden, wohingegen das Gegenteil eher bestraft wird. Frauen werden in Spielen oftmals zu Objekten degradiert. Das Frauen häufiger Opfer von Gewalt sind, sollte jeder wissen. Ursächlich kommt das durch Erziehung und unsere gesellschaftlichen Werte. Es ist nicht so, dass ein Mann, der in einem Spiel eine Frau vergewaltigt, dann im realen Leben unwahrscheinlicher das gleiche tut. Es ist wohl eher so, dass ein bestimmtes Frauenbild, dass in Medien, in der Gesellschaft im allgemeinen und in Spielen dazu anregt Frauen zu missbrauchen. Man kann das dann nicht auf ein einziges Spiel runterbrechen. Und für die Spiele spricht, dass sie auch nur Ausfluss unserer Gesellschaft sind. Aber Anitas Fokus sind eben nun mal weder Filme, noch Bücher, noch das real life, sondern eben Computerspiele.

Und zur Kritik im Allgemeinen: Kritik als solches sollte IMMER möglich sein. Auch wenn man sie nicht teilt. Kritik bei Computerspielen ist ja auch Teil der Szene. Da wird dann die Spielbarkeit und der Realismus kritisiert, die Spannung, die Grafik,… – also was ist so besonderes daran, wenn Menschen andere Kriterien anlegen? Man darf zwar ALLES in Spielen aber was Kritik angeht, wird man plötzlich empfindlich?

Für mich zeigt Fundamentalkritik oder auch Morddrohungen,…. an Kritikerinnen wie Anita besonderes eines:

Das Anita mit ihrerer Kritik oft den Nagel auf den Kopf trifft. Niemand würde sich über Kritik an einem Spiel aufregen, außer jemand hat Angst, außer das die Form und Inhalt der Kritik aus der eigenen Sicht das Ausleben bestimmter innerer Haltungen behindert. Sprich das Wesentliche dieser Spiele ist zu großen Teilen der inhärente Sexismus. Und das meinen die Spieler ernst. DIe Spieleentwickler bedienen den Wunsch vieler männlicher Spieler ihren Hass auf Frauen zu bedienen. Und sie reagieren wie kleine Kinder, denen man ihre Spielzeug wegnehmen will, wenn diese Form nur kritisiert wird.

Es passt einfach nicht zusammen: Wie kann man auf der einen Seite fordern, dass Spiele alles dürfen und gleichzeitig bei Kritik fuchsteufelswild zu werden und wilde Drohungen auszusprechen.

Hätte die Spielerszene mit großer Gelassenheit auf Anitas Kritik reagiert und sachlich dagegen argumentiert, so hätte sie damit demonstriert, dass Anita unrecht gehabt hat. Aber mit ihren Reaktionen zeigen diese Männer (und auch manche Frauen), dass sie zum einen nicht so tolerant sind, wie sie sich geben und dass die Inhalte eben keinesfalls zufällig sind und die sexistische Ausrichtung der Spiele eben wesentliche sind für die Handlung oder eben auch Teil des Zwecks der Spiele – den Sexismus bei Männern zu fördern. Und dazu passt auch insgesamt die männerbündlerischer Reaktion.

Mir geht es gar nicht so sehr darum, dass bestimmte Inhalte verboten werden sollten, sondern viel mehr darum Kritik an Inhalten von Computerspielen  zu verteidigen. Dabei geht es nicht einmal darum, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht. Ich will in einer Gesellschaft leben, in der es möglich ist alles und jeden zu kritisieren und dafür nicht bedroht oder verfolgt zu werden. Wer diesen kleinsten gemeinsamen Nenner nicht einhält tut seinem Hobby einen Bärendienst und man gerät weiter ins Nachgrübeln, welche Bedeutung die kritisierten Inhalte über die Kritik hinausgehen für manchen Spieler/Männer haben.

#Gamergate Sie lernens wohl nie?

Noch mal zu #Blackfacing

Die Debatte auf Twitter zu dem ZDF-Auftritt hatte ich damals nicht direkt verfolgt. Aber durch einen aktuellen Hinweis auf diesen Artikel auch noch mal diesen gelesen (sciencefiles.org). Dazu ein paar Sachen die mir auffielen:

Der Blog scheint den Eindruck erwecken zu wollen, dass er wissenschaftlich sei. Es fängt aber schon mit dem Titel an „Antirassisten sind die wahren Rassisten“. Was selbst bereits schon ein Klassiker des Rassismus ist – nämlich quasi nahe zu legen, dass es so etwas wie Rassismus gar nicht gibt, sondern lediglich diejenigen, die Rassismus kritisieren zu Rassisten werden, die es ja eigentlich gar nicht gibt.

Zunächst einmal gehe ich das Ganze nicht von einem akademischen Standpunkt aus an. Mir gehts auch nicht um political correctness als Selbstzweck. In den komplexen Debatten dazu bin ich nicht belesen. Das ist also nur mehr meine Meinung auf Basis dessen, was ich mir selber überlegt und angelesen habe.

Ich würde immer stark zwischen „Rassisten“ und „Rassismus /Rassismen“ unterscheiden. Für mich ist ein Rassist jemand, der von Kopf bis Fuß rassistisch denkt. Davon gibt es nicht so viel Prozent. Nicht einmal jeder NPD-Wähler fällt unter diese Definition. Rassismus aber als solches, bzw. Rassismen sind alltäglich.  Für mich bedeutet es primär eine Unsensibilität gegenüber Menschen, die man früher einer bestimmten Rasse zugeordnet hat. Rassismus hat viel mit der eigenen Erziehung zutun und der Sozialisation. Als Kind können wir lernen, was richtig ist und was falsch. Wir lernen auf unser Umfeld Rücksicht zu nehmen. Das fatale dabei ist, dass alles, was nicht in unserem Umfeld ist, nicht in diesen Lernprozeß eingeschlossen ist. Auch unser Verständnis für andere Kulturen hängt davon ab. Meine eigene Generation (Jahrgang 1971) ist z.b. mit türkischstämmigen Migrant*innenkindern bereits zur Grundschule gegangen. Bei der Generation meiner Eltern war das anders. Dazu kommt natürlich auch ein gewisser Zeitgeist und eventuell lokale weitere lokale Eigenheiten, die einen prägen. Nach meiner Definition wäre es aber auch undenkbar, dass es jemanden gibt, der überhaupt nicht rassistisch ist. Zumindest nicht in diesem Jahrhundert. Wir alle sind von den Bedingungen geprägt. In unserem Denken setzen bestimmte Vorurteile unwillkürlich ein, sobald wir anfangen zu denken. Entscheidend ist aber, wie wir damit umgehen und wie wir uns verhalten. Wir können ein bestimmtes Denken überwinden, wenn uns bewusst wird, dass es rassistisch ist und wir können uns anders verhalten. Das hat etwas mit Respekt gegenüber allen Mitmenschen zutun. Aber weiter im Text:

Moralapostel gibt es in Deutschland vornehmlich in der Form von Gutmenschen, die ihr Leben damit bestreiten, Defizite bei Dritten zu entdecken und diese Dritten dann mit dem richtigen Glauben zu missionieren.

Spätestens hier hört es mit dem wissenschaftlichen Anspruch auf. Zwar gibt es auf dem Blog eine eigene Definition von“ Gutmenschen“, diese ist aber ziemlich eigen. Ich beziehe mich da eher auf die Begründung der Jury für das Unwort des Jahres 2012:

„Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.“

Der Text bei Sciencefiles.org  fährt denn auch fort mit verschiedenen plumpen Vorurteilen gegenüber allen, die sich gegen Alltagsrassismus einsetzen (ach ja und auch noch gleich Feminismus in den selben Topf geworfen).

Noch ein Satz „Nicht so die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., von der ich mir nicht so sicher bin, ob sie für oder gegen schwarze Menschen in Deutschland agitiert.“ . Dazu denke ich: Ja klar, wer könnte eine Organisation von nichtweißen Deutschen besser klassifizieren, als irgendein männlicher, deutscher Weißer. Vermutlich glaubt Herr Klein von sich selbst auch der wahre Fürsprecher für Schwarze zu sein, weil er ja viel qualifizierter ist als ein beliebiger Afrodeutscher?

Im weiteren setzt sich der Text überhaupt nicht mit irgendwelchen Argumenten auseinander, sondern mit der Erfindung eines Argumentes, dass niemand der Kritiker*innen in den Raum gestellt hat, außer der Blogautor selbst: „Der ganze Vorwurf des Rassismus basiert auf der Annahme, dass weiße Komödianten Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts allesamt rassistische Schweine waren, die sich das Gesicht schwarz angemalt haben, um Schwarze zu diffamieren.

Das wird auch als „Strohmann-Argumentation“ bezeichnet („Bei einem Strohmann-Argument wird ein Streitgespräch fingiert, in dem eigenen Argumenten angebliche Argumente der Gegenseite gegenübergestellt werden“). Wir finden hier den grundsätzlichen Fehler wieder, nämlich Rassismen und Rassisten gleichzusetzen.

Blackfacing findet man auch in dem Film „The Jazz Singer“ (der erste populäre Tonfilm). War Al Jolson ein Rassist? Ich denke nicht, wenn man die Zeit berücksichtigt: „In an era when African Americans did not have to go looking for enemies, Jolson was perceived a friend„. So sei denn das Argument, dass aber auch niemand außer dem Autor des Artikels so formulierte. Eine rassistische Praxis und Rassist ist eben nicht das Gleiche.

Sehr empfehlen kann ich da auch den Film „Bamboozled“ von Spike Lee, der quasi die Frage aufgreift, was passieren würde, wenn Blackfacing und der damit verbundene Rassismus durch das Fernsehen in einer Show wieder populär gemacht würde:

Was das Blackfacing in Deutschland angeht, so würde ich sagen, dass Medienverantwortliche mittlerweile wissen sollten, was sie tun, wenn sie so etwas ins Programm setzen. Sicher ist lediglich die Sensibilität gestiegen – denn Blackfacing als solches, als Stereotyp kann nur im Wesentlichend as sein, was es immer war. Der Kontext macht den Unterschied. Insofern ist Die Saalwette bei Wetten Dass heute auf eine Art schlimmer als die Minstrel Shows von damals. Weil wir ein ganz anderes Problembewußtsein voraussetzen können. Ebenso wie bei der Kieler Woche die Indianer-Inszenierung für Kinder. Mangelndes Problembewußtsein schützt leider nicht vor Rassismen. Im Gegenteil. Ich bin auch dagegen immer gleich mit dem Holzhammer zuzuschlagen, wenn man so etwas entdeckt, aber man sollte es thematisieren. nur so kann sich langfristig etwas ändern. Letztendlich ist die schulische Bildung in Deutschland heutzutage auch rassistisch weil eurozentristisch. Man lernt zwar doppelt und dreifach alles über die Griechen, das römische Reich, die europäischen Reiche, aber oft immer noch gar nichts über andere Kontinente. Die tauchen thematisch oft erst auf, wenn sie kolonialisiert werden. Mangelndes Verständnis aber für andere Kulturen ist einer der Ursprünge für Rassismus.

Noch mal zu #Blackfacing

Klitschko & die Ukraine

Milchschnitte Detail
By A. Kniesel [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, via Wikimedia Commons
Es war schon seltsam genug, dass Vitali Klitschko zunächst aus dem Boxring uns vor Jahren zunächst als Milchschnitten-Junkie (in der WG mit seinem Bruder) entgegenflimmerte. Aber nun Klitschko als Politiker. Heute lese ich „Klitschko ruft zu Bildung von Bürgerwehren auf…„.

Mir gefällt fast nichts, was ich aus der Ukraine mitbekomme – und auch nicht, wie die deutsche und westliche Politik agiert. Ganz klar ist, dass auch Janukowitsch kein „lupenreiner Demokrat“ ist. Aber genauer betrachtet: Wer ist das schon? Gerade in der gegenwärtigen EU-Sparpolitik zeigt der Staat auch hier vermehrt Zähne, auch in der Türkei z.B.. Obama ruft öffentlich zum Sturz der ukrainischen Regierung auf, beim Verbündeten Türkei ist man da natürlich zurückhaltend.

Die Art der Revolution, die da stattfindet ist allerdings genau so falsch wie in Libyen und Syrien. Es ist der Weg der Gewalt über die Straße gegen den Staat, die direkte Konfrontation suchend. Falsch deshalb, weil Staaten damit provoziert werden ihre gesamte Polizei- und Militärmacht an der Bevölkerung auszulassen. Primäre Opfer sind dabei dann immer die Schwächsten. Und das alles, weil hier die Machtfrage im Mittelpunkt steht und nicht politische Ziele.

Die Partei Vitali Klitschkos (UDAR) wird von der CDU unterstützt. Hier geht es auch um Fragen von „pro-westlich“ kontra „pro-russisch“. Das ist weniger einer Frage der Demokratie, auch wenn das Russland unter Putin zum Teil wieder Züge das „Land des Bösen“ annimmt, sondern mehr eine Frage der Wirtschaft. Wer darf den Rohstoffreichtum der Ukraine ausbeuten und wie kann der Westen aggressiv in die Sphäre Putins vorstoßen? Es kann kaum um eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine gehen. Wir haben ja gesehen, wie die Argumentation bei langjährigen Aspiranten wie der Türkei verlief. EU und Ukraine, dass kann nicht gutgehen. Hier wird zur Zeit von der EU eine aggressive Expansionspolitik gemacht. Da schüttelt auch Steinmeier Klitschkos Hand aber gemeint ist der Griff nach den Rohstoffen.

Was es so schwer macht ist, dass tatsächlich Menschen täglich unter dem Janukowytsch-Regime leiden. Doch dieses Leiden wird leider nur von den Klitschkos dieser Welt benutzt, um selber zur Macht zu gelangen. Und für Menschen mit einem radikaldemokratischen Hintergrund wirkt es wie eine Farce, wenn die gewalttätigen Demonstrationen in Kiew von EU-Politikern beklatscht werden, die schon bei viel geringeren Aktionen in ihren Heimatländern von Terrorismus reden.

Der Westen, Herr Steinmeier, die EU haben auch Blut an den Händen, so wie sie hier verantwortungslos Öl ins Feuer gießen und die Leute auf der Straße in der Ukraine zum Marsch gegen das Regime aufrufen. Sowas kann man nicht tun. Das ist unverantwortlich! Und auch die Medien in Deutschland degradieren sich wieder zu Claqueuren  dieser Machtpolitik. Das ein Steinmeier wieder Außenminister werden durfte ist eh ein Treppenwitz der Geschichte. Erst entmachtet kommt dieser alte Bumerang immer wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Wie oft sollen die Leute ihn denn noch abwählen? Meine Fresse…

Klitschko & die Ukraine

Demokratie in Gefahr? (Slomka vs. Gabriel)

Es ist schon erstaunlich, dass die SPD gerade an einem Punkt Kritik erfährt, bei dem sie ihre Mitglieder einmal befragt. Kein Verfassungsrechtler hat sich seit Jahrzehnten über das Vorgehen bei Koalitionsverhandlungen beschwert. In dem nun populär gewordenen ZDF-Interview (Slomka vs. Gabriel) wird aber argumentiert, dass durch einen Mitentscheid der Parteimitglieder, diese zu besseren Wählern werden. Das Argument aber wurde nie gegen Parteivorstände benutzt. Da muss ich Gabriel ausnahmsweise mal recht geben – wieso ist es demokratischer weniger Menschen an einer Entscheidung zu beteiligen?

Die Argumentation, die hier gegen Parteien aufgefahren wird kann eigentlich nirgendwo anders münden als in einem Verbot von parteien, wenn diese als derart demokratiegefährdend angesehen werden. Davon abgesehen kann ich die bissige Argumentation gegen Delegiertensysteme (imperatives Mandat) nicht nachvollziehen.  Wenn es egal wäre, was diejenigen entscheiden, die wir wählen, dann bräuchten wir auch gar keine Parlamentarier wählen. Denn dann ist nichts binden, was entschieden wird.

Die Angst vor Direkter Demokratie rührt wohl eher daher, dass manche fürchten der Bürger würde bei manchen Entscheidungen nicht mitspielen. Atomkraft z.B. kann nur Bestand haben dadurch, dass Abgeordnete auf deutsch gesagt auf den Wählerwillen scheißen. Diese Missachtung des Wählerwillens als Idealform einer jeden Demokratie zu stilisieren ist aber die eigentliche Pervertierung jeglichen demokratischen Gedankens. Dafür brauchen wir dann nur ein Politbüro und keine Wahlen mehr, wenn wir nur Entscheidungen haben wollen, die keiner gutheisst.

 

Der SPD-Mitgliederentscheid ist wenn dann eher zu wenig allgemeine Mitbestimmung zu allgemeinen Themen und nicht zu viel.

 

Demokratie in Gefahr? (Slomka vs. Gabriel)

#Gezipark : Was ist so besonderes daran? #occupygezi

Ich verfolge die Nachrichten zu Istanbul nur oberflächlich. Oft wird die türkische Polizei als brutal geschildert und die türkische Regierung als undemokratisch, weil sie Grundrechte nicht zugestehe, also:

 

  • Es würden sogar Wasserwerfer gegen Demonstranten in Einsatz kommen
  • Versammlungsrecht wäre ja wohl ein Grundrecht, so was dürfe man ja nie verletzen
  • Erdogan wolle nicht mit den Demonstranten verhandeln

Das wir uns nicht missverstehen: Die Sache in der Türkei finde ich sehr sympathisch, was mich allerdings wundert ist:

  • Die durchweg positive Berichterstattung deutscher Medien, die die Demonstranten nicht als Chaoten beschimpft oder gar nicht über sie berichten würde.

Ich meine damit natürlich, dass noch in jüngster Zeit bei Veranstaltungen wie Blockupy, M31, Heiligendamm alles zum Einsatz kam, was die Polizei so auffahren konnte. Es ist doch nicht so, als wenn es hier ein freies Versammlungsrecht geben würde – oder das es Wasserwerfer nur in der Türkei gibt. Ich finde die Berichterstattung inzwischen massiv verzerrend und rassistisch, wenn ein türkischer Schlagstock IMMER schreiendes Unrecht ist („Die bösen Türken?“), während man in Deutschland jeden Polizeibericht glaubt und sich natürlich die Polizei nur mit sanften Methoden gegen die bösen Chaoten wehrt. Ich kann da nur noch lachen und den Kopf schütteln bei dieser massiven Propagandashow.

Stuttgart 21 war ja ein ähnlicher Fall. Ich bin mir auch sicher, dass die Polizei in der Türkei vielfach brutaler vorgeht – aber unter dem Strich sehe ich keine wesentlichen Unterschiede in der Tolerierung friedlicher Besetzungen oder Proteste. Istanbul ist überall!

#Gezipark : Was ist so besonderes daran? #occupygezi

Web 3.0 – Unser Web / niemandes Web

Als Reaktion auf  verschiedene Skandälchen rund um Soziale Netzwerke taucht nun wieder eine Frage auf, auf die ich bereits 2008 Antworten gefordert habe. Damals hatte ich zu Was kommt nach dem Web 2.0 geschrieben:

soziale netzwerke in deutschland
soziale netzwerke in deutschland (Photo credit: 47grad)
  • “Bedeutung” – es wird in Zukunft darauf ankommen, das vorhandene Daten mehr darüber mitteilen, was sie bedeuten. ( Semantic Web )
  • “Teilen” – Das Teilen von Information wird immer wichtiger. Es gibt zwar schon diverse Ansätze auch und gerade durch Web 2.0 – doch stossen diese auch immer wieder an technische und rechtliche Grenzen.
  • “Rechte” – Das Internet bildet einen riesigen Raum von Rechtsunsicherheiten. Dies liegt auch zum teil daran, das das Recht nicht für das Internet gemacht wurde und zum teil veraltete Konzepte einfach auf das Internet ausgedehnt wurden. Wir brauchen mehr Klarheit und Einfachheit.

Ich würde heute einen neuen Schwerpunkt beim Eigentum legen. Firmen wie Facebook, Yahoo oder Google gehören unsere Daten. Während wir bei den Netzwerken umsonst mitmachen dürfen werten sie unser Nutzerverhalten aus und dienen wir ihren Profitinteressen. Es ist naiv sich auf der einen Seite total auf Firmen zu verlassen – und dabei macht Größe noch nicht einmal einen großen Unterschied. Zum anderen erwartet man jede Art von Freizügigkeit.

Manche langjährigen Blogger und Netzaktivisten meinen jetzt die Antwort auf alles gefunden zu haben: Wir müssen mehr auf unseren eigenen Blogs bloggen. Dort würden uns ja die Daten gehören. Vergessen tun sie dabei die letzten 10 Jahre vergessen. Facebook wurde 2004 gegründet, Twitter 2006. Soziale Netzwerke wie diese (ja es gibt auch freie Alternativen) lösten bestimmte Probleme:

  1. Einstiegshürde. Obwohl Blogs die Hürden dramatisch senkten, wie bereits zuvor die Einführung von HTML, war und ist das Einrichten eines eigenen Blogs für viele User immer noch eine nicht einfach zu bewältigende Herausforderung.
  2. Mitbekommen was läuft. Das Netz ist voller Informationen. Aber wollen wir wirklich täglich alle möglichen Seiten absurfen? RSS hat da für einige Websites und Blogger eine Lösung gebracht, um bestimmten Streams zu folgen. Viele nutzten den Google Reader (anno 2005). Dessen Abschaffung beschwor viele Proteste herauf. Fakt ist aber auch, dass das Folgen in Sozialen Netzwerken viel einfacher ist für die Mehrheit der Menschheit und zudem einen Rückkanal ermöglicht. Und damit als Feature der Mehr Interaktivität auch etwas bietet, was ich mich erinnere die einfachen User bereits auf Veranstaltungen unseres Bürgernetzes in den 90er Jahren von Webseiten forderten. User wollen immer mehr Interaktivität und immer mehr mitbekommen.
  3. Soziale Vernetzung. Soziale Netze bieten wie der Name schon sagt die Möglichkeit des „Socializing“. Die Ausage „Der Mensch ist ein soziales Wesen“ ist trivial aber sehr war und besonders essentiell. Auch bei Blogs gibt es eine sog. Blogosphäre in der man sich austauscht und aufeinander bezieht. Aus meiner Sicht vereinfachen Soziale Netzwerke diese Interaktion und demokratisieren sie auch in dem Sinne, dass mehr Leute daran teilnehmen können.

Das Problem aktueller Sozialer Netzwerke ist aber dennoch ein Demokratiedefizit. Die Daten der User werden verkauft und sie wie Vieh missbraucht. Versuche der User innerhalb von Facebook gegenüber Änderungen der Datenschutzbestimmungen aufzustehen scheiterten bisher regelmäßig aufgrund fehlender Masse. Wenn wir uns in Strukturen bewegen, die uns nicht gehören und noch wichtiger bestimmten Firmen gehören, die damit ihren wirtschaftlichen Verwertungsinteressen verfolgen werden wir als einzelne User aber auch als Gruppe immer den kürzeren ziehen.

Die Lösung kann aber weder sein, dass jeder Mensch nun sein eigenes Blog eröffnet, noch das wir hunderte alternativer Netzwerke auf Basis von Open Source eröffnen. Die Lösung wäre zum einen Soziale Netzwerke auf Basis offener Standards, die miteinander interagieren und zum anderen die Finanzierung der Infrastruktur. Das sind schwierig zu lösende Fragen. So mancher Ansatz hat sich als verfehlt herausgestellt. Weil manche kleine, geile Firma angetreten ist als Startup Facebook Konkurrenz zu machen (Beispiel Diaspora). Aber wenn man sich in die Logik des „freien“ Wettbewerbs, ins Haifischbecken, begibt, dann werden immer die größeren die kleineren Fische fressen. Es sei denn man ist in der Lage selber die kleineren Fische zu fressen und die großen auszutricksen. Denn auch Microsoft und Google mussten ja einmal klein anfangen.

Meine Hoffnung liegt aber nicht darin, dass endlich die kleine Firma kommt, die alles richtig macht. Wenn wir wollen das Soziale Netzwerke anders laufen, müssen wir sie von Grund auf selber und richtig machen. Dazu braucht es Soziale Verträge. Wir als User müssen die Bedingungen festlegen, nach dem die Netzwerke betrieben werden und das heißt auch, dass wir sie selber betreiben müssen. Bestimmte Regeln müssen festgeschrieben werden als Selbstverpflichtung. Eine demokratische Mitbestimmung muss möglich sein. Es kann also nur um eine vollständige und transparente Organisation gehen. Eigeninteressen müssen dabei zurückstehen. Konstrukte bei denen eine Firma etwas sponsort werden auf Dauer nicht tragfähig sein und scheitern. Ich bin sicher es sind intelligente Möglichkeiten der Finanzierung hinzubekommen, wenn man sich nur ein wenig den Kopf zerbricht. Ohne Beteiligung der User wird es allerdings nichts werden. Die Umsonst-Kultur wird hier natürlich zuschlagen. Daher wäre meine Empfehlung auf freiwillige Spenden zu setzen statt auf einen Pflichtbeitrag. Wikipedia ist auch ein Beispiel wie sich ein freies, soziales Netzwerk selbst erhalten kann und vielleicht können sie auch wichtige Impulsgeber sein bei einer solchen Entwicklung.

Was uns m.E, aber wenig weiterbringt ist zu glauben mit einer Rückbesinnung auf die Anfangszeit des Web 2.0 würden wir die Zukunft bewältigen können.  Facebook und Google werden nur bezwungen, wenn wir es schaffen ihnen voraus zu sein und unsere Nischen schaffen, die sie nicht aufkaufen können. Letztlich leben alle kommerziellen Firmen von unserem Geld. Wenn wir in der Lage sind die Profitinteressen auszusperren, die ja dann oft nur den Kapitalanlegern zugute kommen, sollten wir unsere eigenen Kosten massiv senken können. Dazu ist aber etwas mehr Weitsicht von nöten.

Leider haben sich Alternativen wie identi.ca/status.net nicht als richtiger Ansatz erwiesen. Soziale Netzwerke müssen entweder in einer Nische gut funktionieren oder eine kritischen Masse erreichen. Dazu brauchen auch freie soziale Netzwerke eine Strategie, weil sie sonst in ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit vor sich hindümpeln und die ewige theoretische Alternative bleiben. Was nützt es mir, wenn identi.ca Open Source ist, wenn doch die meisten User auf Twitter unterwegs sind?

Web 3.0 – Unser Web / niemandes Web