Keine Ende mit #Böhmermann

Keiner hat es bisher so gut auf den Punkt gebracht wie Oliver Kalkhofe  bzw, mit keiner Meinung stimme ich so sehr überein:

Es gibt im Netz doch einige Leute, die wirklich die gesamte Affäre auf eine mögliche Interpretation des vorgetragenen Gedichtes zu reduzieren.

Im Wesentlichen denke ich, dass der Kern des Auftritts von Böhmermann war:

  1. Es wurde der Extra3-Beitrag aufgegriffen, der mit Kritik und Vorurteilen nicht sparsam war und den Herrscher Erdogan ins Lächerliche zog.
  2. Es wurde der Rassismus und Selbstherrlichkeit der deutschen Gesellschaft kritisiert, in dem bewusst eine Grenze überschritten. Damit wurde bewiesen, dass es mit der Meinungsfreiheit in Deutschland auch nicht weit her ist. Die Grenzen sind beliebig und in jedem Land anders.

Der Wesentliche Fehler von Böhmermann war, dass er durch seine Zielscheibe Erdogan sich selbst zur Zielscheibe machte und somit der Fehlinterpretation Bahn gebrochen wurde.

Viele Menschen können nicht gut um die Ecke denken und so diskutieren viele ernsthaft über die Begriffe und den Inhalt des Gedichts. Der Inhalt des Gedichtes ist aber austauschbar.

Wer dies aber als primäre Diskussion zu etablieren versucht, der täuscht u.a. darüber hinweg, um wen es bei Erdogan eigentlich geht. Und das wir in Europa und der Türkei mit einer Brutalität, Rassismus und scheinbaren Ausweglosigkeit zu kämpfen haben. Wer hier stattdessen das Gedicht von Böhmermann als Hauptkampfort etablieren möchte, der tut dies aus der sicheren Situation in Deutschland heraus. Aus dem Wohlstand heraus eine akademische Debatte um -Ismen, statt um Tote durch türkische Bomben. Wortklauberei statt der Suche nach Lösungen für die Geflüchteten in Idomenie. Das ist eine gefährliche  und abgehobene Arroganz privilegierter Intellektueller, die sich selbst über alle erheben um allen, die ihrer Argumentation nicht folgen alle möglichen Ismen zu unterstellen.

Kann man machen, geht aber an den wahren Problemen vorbei. Und wer glaubt Böhmermann hätte in erster Linie seinem tief verwurzelten Rassismus fröhnen wollen, der führt bewusst in die Irre. Man mag ihm Fehler vorwerfen oder fehlende Sensibilität. Aber das ist angesichts dessen, um was es hier eigentlich geht einfach nur ein Witz!

 

 

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Keine Ende mit #Böhmermann

#FluechtlingsKrise: Welche Probleme lösen?

Da ist man ganz stolz, dass man die Einwanderung an der österrischisch-deutschen Grenze auf nur 50 Flüchtlinge pro Stunde gedrosselt hat. Aber welches Problem meint man damit zu lösen?

Das es aus Sicht der Bundesregierung noch nicht ausreichend durchgefrorene Flüchtlinge gibt? Welchen Sinn soll es machen, Grenzen an irgend einer Grenze festzuhalten und die Bearbeitung künstlich zu bremsen? Es mag den Strom von Menschen zeitweise reduzieren und scheinbare Erleichterung verschaffen. Aber es erhöht natürlich die Not, sorgt für Staus und mögliche medizinische Notfälle. Das Wohin? wird damit auch nicht gelöst.

Die Versuche erscheinen mir vergleichsweise so, als wenn man bei einem Autobahnstau viele  Verkehrskontrollen einführt, um den Stau zu verringern. Natürlich steigen damit die Probleme und die Länge der Staus – und verringern nichts wirklich.

Es mag sein, dass es dann rein optisch in manchen Grenzorten aus manchem Blickwinkel so aussieht, dass es weniger Flüchtlinge gibt. Aber das ist dann natürlich nur eine Illusion, weil sie sich lediglich stauen und die Probleme verlagert werden.

Uns das in den Medien als große Lösung zu verkaufen kann nur Kopfschütteln auslösen.

Wenn mans genau nimmt steht die Koalition in Berlin am Ende und es führt kein Weg an Neuwahlen vorbei. Das scheint mir viel imminenter zu sein, als der von vielen prognostizierte Verfall der EU. Die EU-Länder sind seit Jahrzehnten zerstritten und im Tauziehen kommt es nicht immer zu den besten Lösungen. Auf der anderen Seite sehe ich nicht, wie die Flüchtlingskrise ohne eine existierende EU gelöst werden soll.

Im Vergleich dazu scheint die derzeitige zerstrittene Bundesregierung alles andere als unverzichtbar und alternativlos. Die CSU gegen den Rest der Welt – die Kanzlerin zwischen Weltoffenheit und Notlösungen, die SPD zwischen Rechtspopulismus und Sozialstaat. Vieles wird in frage gestellt. Die Karten werden neu verteilt. Die Bundesregierung erscheint dabei immer handlungsunfähiger aufgrund ihrer Zerstrittenheit. Im Grunde brauchen dabei alle eine neue Legitimation. Ausgelöst wurde die Krise insbesondere durch Seehofer, der hofft mit einer Blockadepolitik und Fundamentalopposition zu punkten und hinterher gestärkt hervorzugehen. Aber stehen hinter Seehofer mehr seiner Mitglieder als hinter Merkels Partei?

Neuwahlen kämen zwar gerade irgendwie zur Unzeit. Aber eine Alternative sehe ich nicht. Denn jetzt ist die gesellschaftliche Debatte, jetzt müssen Weichen gestellt werden!

#FluechtlingsKrise: Welche Probleme lösen?

Auslandskorrespondenten ein überkommenes System?

Die Grundidee von Auslandskorrespondenten finde ich ja gut. Nur wenn man im Fernsehen hört, was die sagen, so sind das meist Fakten, die sowieso bekannt sind, wozu niemand vor Ort (z.B. aktuell in Griechenland) sein muss. Als Fakten wie, wo welche politischen Gespräche stattfinden und was die griechischen Medien berichten.

Unter dem Strich scheint der Lokalkolorit primär durch auf der Straße gesammelte O-Töne der Bevölkerung zu kommen. Es gab Zeiten ohne Internet und unzuverlässigen Telefonleitungen. Da waren Auslandskorrespondenten wohl unverzichtbar. Unverzichtbar sind sie wohl immer noch, aber gefühlt tun sie nicht das, was sie tun könnten oder sollten. Das wären Berichte, die man nur vor Ort machen kann. Fakten, die man nicht aus den Medien selbst oder durch Pressemitteilungen erfahren kann. Das was wir zu hören bekommen scheint mir eben, außer der O-Töne, jeder halbwegs ausgebildete Journalist von einem Schreibtisch in Deutschland aus recherchieren zu können. Man kann heute sogar das Livebild künstlich jedem Journalisten in den Rücken projizieren.

Auslandskorrespondenten ein überkommenes System?

#IS / Radikale Islamisten verstehen nichts #Kommentar

Wenn man das so sieht:

– es ist immer die Frage, wie Aktionen zu interpretieren sind. Dieser Bildersturm offenbart vor allem eines: Die Angst der IS vor der Vergangenheit. Sie haben Angst vor Steinstatuen, weil sie  aus ihrer Sicht ihr Weltbild bedrohen. Ansonsten gäbe es ja kein Argument für Gewalt gegen Kunst. Es zeigt damit das geringe Selbstbewusstsein und das fragile dogmatische Fundament – die Angst vor der Welt/Umwelt wie sie ist. Eine Bedrohungsempfindung alleine daraus, dass es etwas unverrückbares wie Geschichte gab und der naive Glaube, die Geschichte auslöschen zu können, weil man den Hammer schwingt. Eine Negation der Neugier auf die Geschichte, ein Wegschauen, weil es da das eigene Weltbild gefährden könnte. Das ist weder progressiv noch weißt es irgendwie selbstbewusst in die Zukunft. Es weißt eher in die Vergangenheit und auf eine geschönte und isolierte Geschichte. Anstatt alles, was nicht muslimisch ist einzubeziehen und die eigene Vorstellung lediglich als Kontrast und von mir aus etwas „Besseres“ zu proklamieren fühlen sie sich sogar dazu genötigt die Möglichkeit des Vergleichs zu vernichten. Und damit bekennen sie im Wesentlichen eigentlich die Minderwertigkeit des eigenen Weltbildes. Es kann außerhalb eines eingeschränkten und geschichtslosen Denkens nicht existieren. An der frischen Luft von Wahrheit und Geschichte zerbröckelt es sofort, auch ohne Hammer. Und daher die Gewalt gegen Skulpturen, die einfach nur herumstehen, ohne das irgendwer diese heute aktiv vergöttern würde, oder diese irgend eine aktive Bedrohung  darstellen würden. Und die Propaganda um diesen Bildersturm sagt uns, dass die Tage der IS auch gezählt sind, denn wie man sagt „Hochmut kommt vor dem Fall“. Sie haben ihren Zenit überschritten – offenbar ohne echte Herausforderung und Aufgabe wenden sie sich gegen die eigene Geschichte und alles, was nur irgend wie als Bedrohung empfunden wird.

Zu den Enthauptungen von IS/ISIS:

Es sterben natürlich viel weniger Menschen durch Enthauptungen als durch Kämpfe. Eine Enthauptung ist kein Akt des Kampfes, sondern ein symbolischer Akt. Auch sind z.B. Journalisten auch nicht die primäre Bedrohung der IS. Ich glaube aber, dass was auch immer genau die IS mit diesen Akten bewirken wollen, es nach hinten los geht. Ich vermute sie wollen Angst erzeugen, nicht nur im Westen. Und gerade Unschuldige und Harmlose um zu zeigen: Es kann jeden treffen. Das aber bedeutet, dass es fast egal ist, welche Haltung jemand zu Religion und der IS einnimmt. So wird die Enthauptung aber zum Selbstzweck. Im Wesentlichen werden diese Akte bewirken, dass man im Westen, in der Bevölkerung eine breitere Zustimmung für Militäreinsätze und Militärhilfe bekommt.“Barbarisch“ ist da ein häufig benutztes Wort. Und ich denke, dass da auch viele Moslems abgeschreckt werden, die vielleicht noch Sympathien hatten für das irakische Volk, dass durch den von der USA initiierten krieg sehr gelitten hat. Aber mehr Leiden und alles andere als ein einiges irakisches Volk stellen keine Alternative dar.

Unschuldige töten und Statuen kaputt hauen, das ist offenbar alles, was die IS als Konzept hat – und dabei auch gerne mal andere Moslems töten, die nicht ganz der gleiche Meinung sind. Meine Prognose ist, dass dieses System bald in sich zusammensackt, auch wenn sie Geld haben und junge Leute bezahlen können für sie zu kämpfen. Sie hinterlassen verbrannte Erde und eine Desillusionierung für all diejenigen, die vielleicht gedacht haben, die IS würde eine bessere Alternative zu korrupten Regierungen oder zu dem Einfluß des Westens darstellen.

Dabei bringt auch die IS Tod und Zerstörung, genau wie die USA. Wobei diese gerade dabei war sich zurückzuziehen.

#IS / Radikale Islamisten verstehen nichts #Kommentar