#Aleppo

Wenn man sich die Nachrichten ansieht zu dem Bürgerkrieg in Syrien, dann fällt es schwer daraus irgend eine Logik zu erkennen.

Die Aktivitäten von Assad und der syrischen Armee werden als Genozid beschrieben. So als wenn es Ziel der syrischen Regierung wäre bestimmte Volksgruppen auszulöschen. Und das Ende der Kämpfe in Aleppo wird als Katastrophe dargestellt.

Allerdings scheint es mir doch eher so zu sein, dass Bürgerkrieg bedeutet, dass mehrere Parteien gegeneinander Krieg führen. Im Irak bejubeln die Medien die Bekämpfung von IS-Terroristen durch die offizielle irakische Armee. Auch da sterben Menschen. Aber wenn syrische Truppen das Gleiche tun, so ist das falsch.

Es mag sein, dass man das nicht vergleichen kann. Vielleicht ist der Irak demokratischer als Syrien. Und was ist mit Ergebnissen von militärischer Gewalt in Afghanistan oder Pakistan, Drohnenkriege, usw. ?

In der Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien geht es meist gar nicht um Ursachen und Ziele in dem Bürgerkrieg in Syrien.

Aber sollten die syrischen Truppen Aleppo ganz besetzen. Ist es dann wirklich so, dass sie 120.000 Geiseln haben (die sie offenbar alle umbringen wollen)? Oder bedeutet ein Sieg in Aleppo, dass die syrische Armee in der Stadt keinen Krieg mehr führen  muss, keine Bomben mehr werfen usw.?

Ist es nicht eher so, dass Tote in Bürgerkriegen dadurch entstehen, dass Konflikte militärisch und mit Waffengewalt ausgetragen werden? D.h. fehlt der bewaffnete Konflikt, gibt es auch keine Kämpfe mehr? Davon abgesehen gibt es auch sicher Morde an politischen Gegnern. Aber dennoch glaube ich nicht, dass irgend eine Regierung in der Welt aus Lust und Laune die eigene Bevölkerung umbringt. Es mag sein, dass Rebelnne und Regierung in ihrem Handeln rücksichtlos sind und dabei auch ein mal ganze Volksgruppen als Feinde ins Visier geraten. Aber die Darstellung im Westen scheint mir doch sehr einseitig.

Ich erwarte eigentlich, dass sich die Lage in Aleppo dadurch verbessert, wenn nur noch eine Fraktion dort die Macht hat. Und dabei wäre es das egal, wer dort die Vormacht hat. Die Erwartungshaltung z.B. im ARD-Brennpunkt ist aber die, dass jetzt der Massenmord von Assad persönlich erst richtig los geht. Ich hoffe, dass meine Einschätzung tatsächlich dem entsprechen wird, was tatsächlich passiert.

Kein Zweifel: Weder Assad noch Erdogan, noch Putin sind Demokraten – und die Wahl der Mittel war furchtbar. Aber das ist am Ende des Tages, am Ende eines Konfliktes eher zweitrangig. Ist es wirklich besser, wenn politische Meinungen mit Waffen ausgetragen werden, wenn dadurch viel mehr Unschuldige getötet werden? Aus Sicht der EU oder Steinmeiers ging es eine zeitlang primär darum, dass Assad um jeden Preis weg muss. Dad wurde nicht erreicht. Stattdessen hat man massiv einen Bürgerkrieg befördert. Ebenso wie Russland und der Iran. Das ist dich die wahre Tragik. Viel besser sind wir damit nicht als die weniger demokratischen Regime!

#Aleppo