#Gamergate Sie lernens wohl nie?

Habe mich zu dem Thema Computerspiele bisher rausgehalten. Aber die neueren Entwicklungen und vor allem ein Kommentar eines Journalisten auf Heise provozieren mich dann doch zu einer Stellungnahme:

Vorausgeschickt – vielleicht schießen manchmal Kritiker von Sexismus im allgemeinen oder in Computerspielen übers Ziel hinaus. Das ändert aber nichts grundsätzlich an der Berechtigtheit und Notwendigkeit der Kritik. Beim Kommentator Martin Fischer wird dieser Punkt umgekehrt betont nach dem Motto „Ok Morddrohungen sind uncool, aber Sexismus-Kritik ist auch uncool. We are even“. So gehts natürlich nicht.

Die Reaktion auf Sexismus-Kritik in Spielen sagt vielleicht viel mehr über die wahren Hintergründe aus, als sie vorgeblichen Ziele („interessantere Spiele“, „interessantere Atmosphäre“,…). Martin Fischers Kommentar hat als provokante Gegenthese: „In Spielen soll man sich austoben dürfen und Spaß haben. Politisch korrekte Spiele braucht kein Mensch

Auf die Provokation antworte ich mal, in dem ich zwischen den Zeile lese und ausspreche, was denn das Gegenteil von „politisch korrekten Spielen“ ist. Im Grunde steht dort, dass in Spiele alles erlaubt sein MUSS, damit es Spaß macht. Damit jeder voll seine Phantasien ausleben kann. Sonst ist es kein gutes Spiel. Nur wenn ein Spiel sexistisch ist und rassistisch, ist es ein gutes Spiel. Spiele in denen keine Frauen vergewaltigt oder Minderheiten gefoltert werden, können keine guten Spiele sein? Und tatsächlich sind vielleicht viele Spiele ein Spiegel der verborgenen Seiten unserer Gesellschaft. Hier darf der brave, spießige Ehemann noch Frauen missbrauchen oder seinen Rassenhass ausleben ohne Angst haben zu müssen dafür bestraft zu werden.

Grundsätzlich stimme ich zu, dass Spiele einen Freiraum darstellen. Dort können ja auch Menschen von Hochhäusern springen und lebend unten ankommen. Die Frage ist aber, ob das ausleben jeder perversen Phantasie oder Gewalt zunächst gleich ein Qualitätsmerkmal eines Spieles ist und etwas, was wir beklatschen und fördern sollten. Und auch, ob Spiele sich jeglicher Kritik entziehen können? Gibt es für den Kommentator Fischer überhaupt Grenzen? Müssen wir es auch begrüssen, wenn die Morde der NSU als Computerspiel nachgespielt werden könnten? Ist ALLES nur Spaß? Oder sind Inhalte von Spielen nicht genau so Inhalte wie die von Filmen, Büchern, Zeitschriften und Artikeln. Alle Inhalte können konsumiert werden, auch wenn  Spiele nicht gradlinig sind, sondern auch abhängig vom Spieler verschiedene Entwicklungen haben können.

„Politisch korrekt“ wären Spiele, in denen jede Figur nur im gegenderten Deutsch spricht. Darum geht es hier aber nicht. Es geht Anita Sarkeesian (@femfreq) im Kern ihrerer Kritik an gängigen Spiele darum, dass sexistisches Verhalten und Denkmuster in Spielen belohnt werden, wohingegen das Gegenteil eher bestraft wird. Frauen werden in Spielen oftmals zu Objekten degradiert. Das Frauen häufiger Opfer von Gewalt sind, sollte jeder wissen. Ursächlich kommt das durch Erziehung und unsere gesellschaftlichen Werte. Es ist nicht so, dass ein Mann, der in einem Spiel eine Frau vergewaltigt, dann im realen Leben unwahrscheinlicher das gleiche tut. Es ist wohl eher so, dass ein bestimmtes Frauenbild, dass in Medien, in der Gesellschaft im allgemeinen und in Spielen dazu anregt Frauen zu missbrauchen. Man kann das dann nicht auf ein einziges Spiel runterbrechen. Und für die Spiele spricht, dass sie auch nur Ausfluss unserer Gesellschaft sind. Aber Anitas Fokus sind eben nun mal weder Filme, noch Bücher, noch das real life, sondern eben Computerspiele.

Und zur Kritik im Allgemeinen: Kritik als solches sollte IMMER möglich sein. Auch wenn man sie nicht teilt. Kritik bei Computerspielen ist ja auch Teil der Szene. Da wird dann die Spielbarkeit und der Realismus kritisiert, die Spannung, die Grafik,… – also was ist so besonderes daran, wenn Menschen andere Kriterien anlegen? Man darf zwar ALLES in Spielen aber was Kritik angeht, wird man plötzlich empfindlich?

Für mich zeigt Fundamentalkritik oder auch Morddrohungen,…. an Kritikerinnen wie Anita besonderes eines:

Das Anita mit ihrerer Kritik oft den Nagel auf den Kopf trifft. Niemand würde sich über Kritik an einem Spiel aufregen, außer jemand hat Angst, außer das die Form und Inhalt der Kritik aus der eigenen Sicht das Ausleben bestimmter innerer Haltungen behindert. Sprich das Wesentliche dieser Spiele ist zu großen Teilen der inhärente Sexismus. Und das meinen die Spieler ernst. DIe Spieleentwickler bedienen den Wunsch vieler männlicher Spieler ihren Hass auf Frauen zu bedienen. Und sie reagieren wie kleine Kinder, denen man ihre Spielzeug wegnehmen will, wenn diese Form nur kritisiert wird.

Es passt einfach nicht zusammen: Wie kann man auf der einen Seite fordern, dass Spiele alles dürfen und gleichzeitig bei Kritik fuchsteufelswild zu werden und wilde Drohungen auszusprechen.

Hätte die Spielerszene mit großer Gelassenheit auf Anitas Kritik reagiert und sachlich dagegen argumentiert, so hätte sie damit demonstriert, dass Anita unrecht gehabt hat. Aber mit ihren Reaktionen zeigen diese Männer (und auch manche Frauen), dass sie zum einen nicht so tolerant sind, wie sie sich geben und dass die Inhalte eben keinesfalls zufällig sind und die sexistische Ausrichtung der Spiele eben wesentliche sind für die Handlung oder eben auch Teil des Zwecks der Spiele – den Sexismus bei Männern zu fördern. Und dazu passt auch insgesamt die männerbündlerischer Reaktion.

Mir geht es gar nicht so sehr darum, dass bestimmte Inhalte verboten werden sollten, sondern viel mehr darum Kritik an Inhalten von Computerspielen  zu verteidigen. Dabei geht es nicht einmal darum, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht. Ich will in einer Gesellschaft leben, in der es möglich ist alles und jeden zu kritisieren und dafür nicht bedroht oder verfolgt zu werden. Wer diesen kleinsten gemeinsamen Nenner nicht einhält tut seinem Hobby einen Bärendienst und man gerät weiter ins Nachgrübeln, welche Bedeutung die kritisierten Inhalte über die Kritik hinausgehen für manchen Spieler/Männer haben.

#Gamergate Sie lernens wohl nie?

6 Gedanken zu “#Gamergate Sie lernens wohl nie?

  1. Beagle2 schreibt:

    Der Artikel enthält mehrere Fehlschlüsse, die zum Teil sehr dumm und einfach zu widerlegen sind. Nehmen wir an, der Staat untersagt ab sofort die Kritik an Politikern in Kunst, Film und Kultur. Der Aufstand wäre berechtigterweise groß, die dümmliche Argumentation dieses Artikels ließe sich aber durchziehen: „Ach ja, muss denn ein gutes Bild unbedingt gesellschaftskritisch sein? Malt doch Sonnenuntergänge!“
    Vorhersehbarkeit macht jedes Spiel kaputt, und wenn man, sobald eine Frau im Spiel vorkommt, nur mehr rätseln kann, auf welche Weise sie vergöttert wird, ist das Spiel nur mehr ärgerlich langweilig und „brav“.
    Damit sind wir bei AS. Die Kritik an ihr ist natürlich sofort „männerbündlerisch“, (weswegen der Tag #notyourshield gerade explodiert. Der alte Beißreflex „Ein Mann sagts über eine Frau, deswegen ist es schon Sexismus“. funktioniert hier nicht mehr, denn die Kritik ist längst viel zu mehrheitsfähig unter den wirklichen Liebhabern von Spielen.
    Zoe Quinn und Sarkeesian sind unbeliebt, weil sie, platt ausgedrückt, Betrüger sind (Stichwort: Lebenslange Gamerin). Dass die Leute, die sonst typischerweise bei jeder Untersparte sexueller Identität Differenzierung fordern, nun versuchen, die wenigen Trolle, die über Twitter Drohungen senden, als Normexemplar des Gamers auszugeben, ist ein lächerlich durchsichtiger Trick und zeigt die geistige Armseligkeit, mit der diese Interessensgruppierung operiert.
    Man MUSS hier nämlich differenzieren: Ja, die Mehrheit der Gamer wollen gut gezeichnete, tiefgründige, dramaturgisch gehaltvolle Spiele mit interessanten Charakteren beiderlei Geschlechts. Die Sache, für die Sarkeesian kämpft, ist eine unsachgemäß verengte Sichtweise eines im größeren Kontext berechtigten Kritikpunktes. Die Art, wie sie diese Sache transportiert, muss aber jeden kritischen Zuhörer gegen sie einnehmen: Propaganda, Rosinenpicken, und die beliebte Zwickmühlenargumentation (Ist eine Frau schwach und sexy -> Damsel in Distress; ist sie stark und sexy -> Fighting Fucktoy; ist sie stark und unsexy -> Ms Male Character. Ist sie schwach und unsexy, dann spielt sie „keine tragende Rolle“)
    Kritik sollte immer möglich sein – soso. Deswegen lachen mir Sarkeesians Ergüsse zwar aus nahezu jeder größeren Zeitung entgegen, für Kritiker an Sarkeesian gibt es aber kein Sprachrohr. Das macht böses Blut.

    1. Ich glaube Dein Problem, bzw, das Problem ist, dass Du, viele Männer, Spieleentwickler eben nur wenige Schubladen für Frauen haben und diese reproduzieren. Du hast da irgendwie die Kritik gar nicht verstanden.

  2. Auceza schreibt:

    Political correct ist alles, was aktuell Mainstream ist. Sofern Political Correctness als legitim akzeptiert wird, endet die künstlerische Freiheit, endet die Meinungsfreiheit, endet die Diversität in unserer Gesellschaft, endet der Widerstand gegen Unrechtsregime, endet die kulturelle Weiterentwicklung.
    Das Konzept der Political Correctness beinhaltet eine ausgesprochen faschistoide Gesinnung: Eine kleine Gruppe von Moralaposteln entscheidet, was Kunst darf und was nicht. Dieses Konzept ist äußerst konservativ, bevormundend, unterdrückend.
    Wir brauchen keinen feministischen Blockwart, auch wenn sich manche Frauen dazu berufen fühlen. Es gibt keine bedeutenderen Spiele, in denen Frauen massiv benachteiligt werden. Da sollen bitte prominente Beispiele genannt werden.

    Manche Spiele sind eher für Jungs, andere eher für Mädchen.
    Girl Games sind durch und durch sexistisch. Niemand sagt etwas.
    Solche Spiele müssten als erstes verboten werden, wenn Sexismus tatsächlich ein bedeutsames Problem wäre.
    Feministinnen können einfach nicht kapieren, dass Frauen und Männer unterschiedliche Wesen sind und die Unterschiede im Verhalten und im Denken relevant sind.
    Feministinnen sind zudem unfähig, Frieden zu halten. Andauernd hetzen und nörgeln sie herum über dieses und jenes. Dabei geht es im Regelfall um unbedeutende Kleinigkeiten.
    Feministinnen sind diejenigen, die im Internet herumtrollen, überall nach Benachteiligungen mit der Lupe suchen und andauernd Hassbotschaften den Männern gegenüber formulieren.

    Es ist schon eine Frechheit, Sexismus mit Rassismus auf eine Stufe zu stellen. Rassismus ist durch und durch unbegründet, hat zu schrecklichen Kriegen geführt.
    Die Darstellung unterschiedlicher Geschlechterrollen ist hingegen nicht unbegründet. Und dies wird immer wieder als Sexismus angeprangert.
    Im Mittelalter waren Frauen nun einmal andauernd mit Schwangerschaft und dem Gebären von Kindern beschäftigt. Das hat seinerzeit natürlich bestimmte Beschränkungen mit sich gebracht. Derartiges darzustellen kann nicht falsch sein, dies zu leugnen ist Geschichtsverfälschung.
    Es geht Feministinnen in erster Linie darum, Sonderrechte für Frauen einzufordern: Das ist ein durch und durch sexistisches, egozentrisches Vorgehen.
    Der Feminismus ist der größte organisierte Sexismus in unserer Kultur, weil er schon die Hälfte der Menschheit, nämlich die Männer per definitionem ausschließt.
    Feministinnen sind die wahren Sexistinnen.

    Hasserfüllte Drohungen sind im Internet nicht selten. Nur jammern viele nicht herum, wie die extremistischen Feministinnen. Viele nehmen Drohungen auch nicht so ernst wie diese herumheulenden Radikalfeministinnen, weil die Drohgebärden oftmals nur leer sind.
    Ich wurde auch schon häufiger persönlich im Internet bedroht, sogar mit Morddrohungen überschüttet. Passiert ist anschließend überhaupt nichts.
    Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
    Wie viele Feministinnen sind denn aufgrund derartiger Drohungen Opfer von Gewalt geworden?
    Ich behaupte, keine einzige.
    Vielleicht kommt die Mehrheit der Drohungen auch von Frauen.
    Wer weiß das schon so genau.
    Vielleicht sind viele Drohungen auch nur fakes.
    Wer weiß das schon so genau.

    So wie extremistische Feministinnen nicht begreifen, wie mit Internet-Trollen umzugehen ist (don’t feed the troll), so wenig kapieren sie, dass Mann und Frau eben doch unterschiedlich sind. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind bedeutsam und real.

    Für ihre männerhassenden Hetzereien im Internet sollten Feministinnen endlich auch belangt und weggesperrt werden, nämlich wegen Volksverhetzung und Missachtung des Grundgesetzes in vielen Punkten.
    Es sitzen viel zu wenig Frauen im Gefängnis, weil unsere Gesellschaft durch und durch männerfeindlich ist.
    Ein guter Anfang für mehr Geschlechtergerechtigkeit in unserer Kultur wäre es, die Radikalfeministinnen wie Neonazis zu behandeln und wegzusperren.

    1. Naja da erledigt sich jede Antwort. Das ist ungefähr die gleiche Sichtweise wie: Nicht die Nazis sind das Problem, sondern die Antifaschisten. Es geht nicht um Gleichmacherei, sondern darum, dass in vielen Spielen Frauenhass (Mysogynie) gelebt wird und offenbar auch, dass manche meinen diesen Hass auch außerhalb der Spiele ausleben zu müssen. Es kann ja wohl nicht sein, dass eine harmlose Kritik an Spielen zu solchen Reaktionen führt und das man die auch noch schön redet. Diese Reaktionen entlarven sich selbst und wer fordert, dass man Feminist*innen einsperrt auch.

      1. Auceza schreibt:

        Es geht nicht allein um diese eine „harmlose Kritik“. Die Feministinnen heulen überall herum. Picken sich andauernd die Rosinen heraus, verschweigen gleichzeitig jedoch die zahllosen schweren Benachteiligungen von Jungs und Männern in der Gesellschaft, welche sie sogar noch öffentlich begrüßen, feiern und zementieren.
        Viele Männer haben da langsam genug von und das kann ich verstehen. Im Schulsystem werden sie massiv benachteiligt von Lehrerinnen und die feministische Reaktion darauf:
        Hahahaha!… mit anschließender Leugnung und Vertuschung.

        Wenn in den USA heute sich eine feministische Studentin unwohl fühlt in der Gegenwart eines Mannes, kann sie sofort zur Universitätsleitung gehen und mit einem nicht überprüfbaren Lügenmärchen dafür sorgen, dass der Student sofort von der Universität fliegt. Das sind die Ergebnisse des andauernden feministischen Gejammers.
        Viele Männer haben diese dämliche Heuchelei satt und die linkischen Touren der Feministinnen.

        In Spielen findet sich auch beinahe nirgendwo eine ernsthafte Benachteiligung oder eine überzogen bösartige Rollenzuweisung. Feministinnen picken sich kleinere Fälle heraus und bauschen die total auf, verschweigen gleichzeitig, dass es zahlreiche Spiele gibt, in denen Männer benachteiligt und komplett ausgegrenzt werden.

        Ich behaupte, es gibt heutzutage mehr Spiele, die Männer ausgrenzen als Spiele, welche Frauen irgendwie benachteiligen. Das stört jedoch Madame „feministische Heulsuse“ überhaupt nicht. Das Problem ist nicht existent. Es gibt massenweise Spiele die ausschließlich für Mädchen gemacht sind (Girl Games), aber nicht eine einzige Neuerscheinung, welche namentlich nur für Jungs programmiert worden ist (Boy Games).
        Die Kritik der Feminazis ist keineswegs gerechtfertigt.
        Es müsste heißen: Jungs werden in sehr vielen Spielen ausgegrenzt und massiv benachteiligt.

        Irgendwann reicht es mit dem dummen Feminazi-Gequatsche. Diese Frauen sind in vielerlei Hinsicht irre.
        Und Du lässt Dich davon noch einwickeln ohne einmal einen Blick auf die Gesamtsituation zu werfen: Die ist schon längst durch und durch sexistisch, nämlich männerfeindlich.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s