Noch mal zu #Blackfacing

Die Debatte auf Twitter zu dem ZDF-Auftritt hatte ich damals nicht direkt verfolgt. Aber durch einen aktuellen Hinweis auf diesen Artikel auch noch mal diesen gelesen (sciencefiles.org). Dazu ein paar Sachen die mir auffielen:

Der Blog scheint den Eindruck erwecken zu wollen, dass er wissenschaftlich sei. Es fängt aber schon mit dem Titel an „Antirassisten sind die wahren Rassisten“. Was selbst bereits schon ein Klassiker des Rassismus ist – nämlich quasi nahe zu legen, dass es so etwas wie Rassismus gar nicht gibt, sondern lediglich diejenigen, die Rassismus kritisieren zu Rassisten werden, die es ja eigentlich gar nicht gibt.

Zunächst einmal gehe ich das Ganze nicht von einem akademischen Standpunkt aus an. Mir gehts auch nicht um political correctness als Selbstzweck. In den komplexen Debatten dazu bin ich nicht belesen. Das ist also nur mehr meine Meinung auf Basis dessen, was ich mir selber überlegt und angelesen habe.

Ich würde immer stark zwischen „Rassisten“ und „Rassismus /Rassismen“ unterscheiden. Für mich ist ein Rassist jemand, der von Kopf bis Fuß rassistisch denkt. Davon gibt es nicht so viel Prozent. Nicht einmal jeder NPD-Wähler fällt unter diese Definition. Rassismus aber als solches, bzw. Rassismen sind alltäglich.  Für mich bedeutet es primär eine Unsensibilität gegenüber Menschen, die man früher einer bestimmten Rasse zugeordnet hat. Rassismus hat viel mit der eigenen Erziehung zutun und der Sozialisation. Als Kind können wir lernen, was richtig ist und was falsch. Wir lernen auf unser Umfeld Rücksicht zu nehmen. Das fatale dabei ist, dass alles, was nicht in unserem Umfeld ist, nicht in diesen Lernprozeß eingeschlossen ist. Auch unser Verständnis für andere Kulturen hängt davon ab. Meine eigene Generation (Jahrgang 1971) ist z.b. mit türkischstämmigen Migrant*innenkindern bereits zur Grundschule gegangen. Bei der Generation meiner Eltern war das anders. Dazu kommt natürlich auch ein gewisser Zeitgeist und eventuell lokale weitere lokale Eigenheiten, die einen prägen. Nach meiner Definition wäre es aber auch undenkbar, dass es jemanden gibt, der überhaupt nicht rassistisch ist. Zumindest nicht in diesem Jahrhundert. Wir alle sind von den Bedingungen geprägt. In unserem Denken setzen bestimmte Vorurteile unwillkürlich ein, sobald wir anfangen zu denken. Entscheidend ist aber, wie wir damit umgehen und wie wir uns verhalten. Wir können ein bestimmtes Denken überwinden, wenn uns bewusst wird, dass es rassistisch ist und wir können uns anders verhalten. Das hat etwas mit Respekt gegenüber allen Mitmenschen zutun. Aber weiter im Text:

Moralapostel gibt es in Deutschland vornehmlich in der Form von Gutmenschen, die ihr Leben damit bestreiten, Defizite bei Dritten zu entdecken und diese Dritten dann mit dem richtigen Glauben zu missionieren.

Spätestens hier hört es mit dem wissenschaftlichen Anspruch auf. Zwar gibt es auf dem Blog eine eigene Definition von“ Gutmenschen“, diese ist aber ziemlich eigen. Ich beziehe mich da eher auf die Begründung der Jury für das Unwort des Jahres 2012:

„Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.“

Der Text bei Sciencefiles.org  fährt denn auch fort mit verschiedenen plumpen Vorurteilen gegenüber allen, die sich gegen Alltagsrassismus einsetzen (ach ja und auch noch gleich Feminismus in den selben Topf geworfen).

Noch ein Satz „Nicht so die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., von der ich mir nicht so sicher bin, ob sie für oder gegen schwarze Menschen in Deutschland agitiert.“ . Dazu denke ich: Ja klar, wer könnte eine Organisation von nichtweißen Deutschen besser klassifizieren, als irgendein männlicher, deutscher Weißer. Vermutlich glaubt Herr Klein von sich selbst auch der wahre Fürsprecher für Schwarze zu sein, weil er ja viel qualifizierter ist als ein beliebiger Afrodeutscher?

Im weiteren setzt sich der Text überhaupt nicht mit irgendwelchen Argumenten auseinander, sondern mit der Erfindung eines Argumentes, dass niemand der Kritiker*innen in den Raum gestellt hat, außer der Blogautor selbst: „Der ganze Vorwurf des Rassismus basiert auf der Annahme, dass weiße Komödianten Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts allesamt rassistische Schweine waren, die sich das Gesicht schwarz angemalt haben, um Schwarze zu diffamieren.

Das wird auch als „Strohmann-Argumentation“ bezeichnet („Bei einem Strohmann-Argument wird ein Streitgespräch fingiert, in dem eigenen Argumenten angebliche Argumente der Gegenseite gegenübergestellt werden“). Wir finden hier den grundsätzlichen Fehler wieder, nämlich Rassismen und Rassisten gleichzusetzen.

Blackfacing findet man auch in dem Film „The Jazz Singer“ (der erste populäre Tonfilm). War Al Jolson ein Rassist? Ich denke nicht, wenn man die Zeit berücksichtigt: „In an era when African Americans did not have to go looking for enemies, Jolson was perceived a friend„. So sei denn das Argument, dass aber auch niemand außer dem Autor des Artikels so formulierte. Eine rassistische Praxis und Rassist ist eben nicht das Gleiche.

Sehr empfehlen kann ich da auch den Film „Bamboozled“ von Spike Lee, der quasi die Frage aufgreift, was passieren würde, wenn Blackfacing und der damit verbundene Rassismus durch das Fernsehen in einer Show wieder populär gemacht würde:

Was das Blackfacing in Deutschland angeht, so würde ich sagen, dass Medienverantwortliche mittlerweile wissen sollten, was sie tun, wenn sie so etwas ins Programm setzen. Sicher ist lediglich die Sensibilität gestiegen – denn Blackfacing als solches, als Stereotyp kann nur im Wesentlichend as sein, was es immer war. Der Kontext macht den Unterschied. Insofern ist Die Saalwette bei Wetten Dass heute auf eine Art schlimmer als die Minstrel Shows von damals. Weil wir ein ganz anderes Problembewußtsein voraussetzen können. Ebenso wie bei der Kieler Woche die Indianer-Inszenierung für Kinder. Mangelndes Problembewußtsein schützt leider nicht vor Rassismen. Im Gegenteil. Ich bin auch dagegen immer gleich mit dem Holzhammer zuzuschlagen, wenn man so etwas entdeckt, aber man sollte es thematisieren. nur so kann sich langfristig etwas ändern. Letztendlich ist die schulische Bildung in Deutschland heutzutage auch rassistisch weil eurozentristisch. Man lernt zwar doppelt und dreifach alles über die Griechen, das römische Reich, die europäischen Reiche, aber oft immer noch gar nichts über andere Kontinente. Die tauchen thematisch oft erst auf, wenn sie kolonialisiert werden. Mangelndes Verständnis aber für andere Kulturen ist einer der Ursprünge für Rassismus.

Noch mal zu #Blackfacing

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