East Side Gallery Abriss: Was ist denn nun Gentrifizierung?

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Self Shot in Berlin Germany in 2005 This part of the wall is located at East Side Gallery Graffiti „Господи! Помоги мне выжить среди этой смертной любви“ („God! Help me survive amid this mortal love“) by Dmitry Vrubel, 1989 Category:Berlin Wall (Photo credit: Wikipedia)

Hasselhoff wird aufgefahren, Dr. Motte liefert den Beat. Event-Tourismus gegen den Abriss eines Stücks der Mauer (East Side Gallery). Für Gentrifizierungsgegner zum Teil ein Grund sich für den Erhalt zu engagieren. Ein Hauptargument für den Erhalt des Mauerstücks ist zur Zeit, dass deswegen ja viele Touristen nach Berlin kommen. Die TAZ schreibt zu der Demo gegen den Abriss Anfang März:

An diesem sonnigen Nachmittag geht es also auch um die Mauer, aber eben nicht nur. Ein Großteil der Demonstration setzt sich aus Partyvolk zusammen. Es sind Macher der Bar 25 da, die noch in diesem Jahr den Holzmarkt bauen werden – andere wirken, als hätten sie keinen Abend im Yaam verpasst. Viele sind um die vierzig, tragen verspiegelte Sonnenbrillen, bunte Haare und gedehnte Ohrlöcher, sie haben die Demo zum Familienausflug umfunktioniert und setzen ihren Babys bunte Baukopfhörer auf, als die Band auf der Bühne beginnt. Kein Zweifel: Das sind die Leute, die Berlin zu jenem bohemistischen Charme verholfen haben, der heute so viele Touristen anlockt. Es ist, als wollten sie sagen: Wir sind Berlin. Wir lassen uns diese Stadt nicht weiter wegnehmen.

Wo hört Gentrifizierung auf, wo fängt sie an? Ist nun die Mauser selbst, die Touristen und die Bohemians, die für ihren Erhalt kämpfen die Gentrifizierer oder sind es die Konzerne und die Politik, die diese Touristenattraktion gerne wieder loswerden wollen? Megaspree.de mobilisiert jedenfalls GEGEN den Abriss. Damit weiterhin viele Touristen und Bohemians nach Berlin kommen? Aber moment, sind das nicht die Feindbilder? Sind das nicht genau die, die Berlin gentrifizieren?

Sind die Gentrifizierungsgegner nun antikapitalistisch oder doch eher Anhänger der Partykultur, die Berlin füpr Partyvolk so attraktiv macht? Gentrifizierungskritik ist sehr populär und anschlußfähig. Die Frage ist aber, ob Erfolge wirklich den Armen und der breiten Masse zugute kommen, oder wie bereits beim Gängeviertel Nieschen für eine Künstlerelite geschaffen und erhalten werden. Kulturförderung und Erhalt von Bausubstanz ist ein kritisches Thema. Sicher wird oft zu viel und zu schnell abgerissen. Aber machen wir uns nichts vor: Auch wenn der Bauch sich heute gegen einen Mauerabriss wehrt: Ein Stück Mauer ist nicht gleichzusetzen mit einem Gebäudekomplex von Sozialwohnungen oder gut erhaltener Bausubstanz, die als günstiger Wohnraum taugen würde.

Die Frage ist also, ob hier nicht ein weiteres mal eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, sich Menschen an einem einzelnen Punkt abarbeiten, damit einen Kompromiß erreichen, der dann ggf. die Gentrifizierung mehr fördert als der Abriss? Für den Erhalt spricht wohl eher der Denkmalschutz. Wären die Römer immer so fleißig mit ihren Abrissen gewesen, könnten wir jetzt gar nichts mehr aus der Antike bewundern. Das ist aber eher eine bürgerlich-kulturhistorische Argumentation, die keinen grundsätzlichen Konflikt eingeht mit dem Kapitalverwertunsgedanken. Da streiten sich dann eher verschiedene Eliten untereinander. Für eine revolutionäre Perspektive in unserer Gesellschaft erscheint das ganze doch eher als unbedeutender Nebenschauplatz, dessen Ausgang wenig ändern wird und den relativen Verlierern, der Klasse der Besitzlosen wenig bringt, so oder so. Ich denke von den besonders aktiven Gentrifizierungsgegner bauen viele an ihren zukünftigen Karrieren und werden sich von dem Thema schnell verabschieden, wenn die entzsprechenden Jobs winken. Organisationserfahrung bringen sie dann ja auch mit😉

 

 

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