Schavans Plagiate

Ich empfinde anläßlich derAufdeckung einiger Plagiate von Annette Schavan da zweierlei:

  1. Eine gewisse Genugtuung, dass hohe PolitikerInnen mit angeblich lupenreinem Abschluss darüber stolpern, dass sie geschummelt haben.
  2. Die Offenbarung der Lückenhaftigkeit und teilweise Beliebigkeit von Abschlüssen.

Ich finds bezeichnend, dass es viele Journalisten und Wissenschaftler gibt, die sich jetzt auf Schavans Seite schlagen. Es geht hier ja darum, dass man Bundes-BildungsministerInnen ein viel höherer Standard angelegt werden muß, als an irgendwen sonst. Beklagt wird, dass es kein zweites Gutachten gibt.

Was hier m.E. auch stattfindet ist ein Kulturclash: Es stellt sicher heraus, dass die Anforderungen an Dissertationen und anderen Arbeiten gar nicht so geprüft werden (können), wie es die Noten oft suggerieren. Aufgeklärt wird das von einem aus Sicht etablierter WissenschafterInnen „Internet-Mob“, der freiwillig oder ehrenamtlich fremde Dissertationen prüft, um einen eventuellen Mißbrauch zu finden. Dabei kommt dann die Arbeitskraft von Massen (oder auch Software) zum Einsatz.

Wenn ich da auf dem Schavanplag mehrere Stellen finde, die eindeutig Plagiate sind. D.h. in Schavans Fall mehrere Quellenangaben, die sie, so weit ich das verstehe, 1:1 abgeschrieben hat,  so besteht für mich überhazot kein Zweifel, dass das Abschreiben bewußt geschehen sein muss.

Es kann nicht sein, dass man auf der einen Seite bestimmte Abschlüsse hochhält – an dem wissenschaftlichen System nichts ändern will, z.B. durch die Ermöglichkung von Kooperation oder das Aufweichen wissenschaftlicher Standards. Aber dann, wenn hochstehende Persönlichkeiten  (insbesondere die, die selber WissenschaftlerInnen ehren) diese Regeln zu ihren Gunsten gebogen haben,  relativiert man diese Verfehlungen.

Was hier passiert ist ein Schutzinstinkt, der verhindern will, dass Vorteile der Eliten gefährdet werden. Dann lebt man lieber mit dem Verletzen der Regeln bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn ich eine Textstellen kopiere, dass weiß ich auch, dass ich sie kopiere. Und ich bin nicht wissenschaftlich ausgebildet. Wenn eine Bildungsministerin das angeblich unwissentlich tut, dann beleidigt das meinen Verstand.  Denn damit sagt sie und ihre UnterstützerInnen, dass wir zu blöd sind so einen simplen Tatbestand zu erkennen.

Ich will nix dagegen sagen, wenn Zitate falsch gekennzeichnet werden . also wenn klar ist: da hat jemand nur was vergessen oder einen Fehler gemacht. Beurteilt werden muss natürlich das Gesamtwerk. Wie man aber etwas abschreiben kann ohne es zu merken, dass will mir nicht in den Kopf.

 

Schavans Plagiate

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