Bürgerarbeit kann niemals zusätzlich sein

An vielen Orten gerät Bürgerarbeit mehr in die Kritik, wie z.B. in Weimar und den dortigen Bürgerarbeitsstellen im Weimarer Stadtarchiv.

Dort wurden drei Bürgerarbeiter eingesetzt um das Personalstandsregister zu digitalisieren.

Ähnlich wie bei den Ein-Euro-Jobs hat die Bürgerarbeit ein Dilemma:

  • Eine Stelle, die einen Charakter der Zusätzlichkeit hat, kann es eigentlich nicht geben, es sei denn sie erfüllt auch da Kriterium der Unsinnigkeit

Nehmen wir doch mal einige Beispiele beliebter Bürgerarbeits/ bzw. Ein-Euro-Stellen:

  • Fahrradreparatur: Natürlich nimmt das den lokalen Fahrradhändlern Arbeit weg. Wenn im Stadtteil für Hartz IV-Empfänger mit Schein Fahrräder für 5 Euro verfügbar sind, wer kauft da noch beim Händler ein günstiges Gebrauchtrad für 50 Euro? Und auch so entziehen diese Projekte dem bestehenden Fahrradmarkt Materialien. Zusätzlich wäre das ganze nur, wenn niemand diese Fahrräder wollte und sie auf Halde produziert würden. Dann aber wäre die Frage, warum man für teure Steuergelder unsinnige Arbeit finanzieren würde.
  • Park-Ranger: Wenn man an der Polizei spart, kommen Bürgerarbeiter als Ersatz zum Einsatz. Wenn die aber einen Ersatz darstellen, können sie nicht zusätzlich sein.

Das ganze macht nur dann Sinn, wenn die Kommunen nicht vergessen bei der Einrichtung von Bürgerarbeitsplätzen gleichzeitig kräftig im Kommunalhaushalt bei den Arbeitsplätzen zu streichen. So könnte man z.B. alle Beamten durch Bürgerarbeiter ersetzen. In New York war man damals beim Workfare schon sehr konsequent: Man entließ die Müllabfuhr und bot ihnen gleichzeitig die Chance sich ihre Stütze zu verdienen. Denn als Arbeitslose hatten sie ja jetzt keine Arbeit mehr.

Letztendlich verstärken diese Jobs einfach nur die Prekarisierung der Arbeitswelt. Zu Minmallöhnen wird Arbeit gemacht, die bisher noch einigermaßen bezahlt wird.

Und das alles, weil man immer weniger „gute“ und echte Arbeitsplätze anbieten will. So wird aus mehr und mehr Arbeit von einem freien Verhältnis ein Arbeitszwang. Von freier Berufswahl ist dann bald nur noch wenig über.

Bürgerarbeit kann niemals zusätzlich sein

4 Gedanken zu “Bürgerarbeit kann niemals zusätzlich sein

  1. Cute schreibt:

    Stimmt alles-was nun? Bin seit längerem damit befasst, um Gegendruck aufzubauen müssen viel mehr Menschen sich entsprechend engagieren, die Medien scheinen meistens die Ba und ähnliches zu befürworten und die Betroffenen mucken kaum auf. Ich wehrte mich häufig gg. diesen Unsinn, nun lässt mich das JC links liegen, ach, wie traurig!

    1. tlow schreibt:

      Ja, es gibt viele die froh sind so einen Job zu bekommen. Die Ansprüche sind schon sehr gering. Und kaum jemand glaubt noch, etwas besseres zu verdienen. Und viele Vereine machen da voll mit und werden kreativ um neue Bürgerarbeitsplätze zu schaffen. Ich denke das ist ne ganz langfristige Strategie. Mit den derzeitigen Arbeitsgesetzen ist das ganze noch relativ harmlos und mehr Risiko für Kommunen und Träger. Aber wenn die Arbeitsgesetze verschärft werden erwächst daraus eine große Bedrohung.

      1. Cute schreibt:

        Ergänzung: Die grüne Bundestagsabgeordnete Pothmer möchte Maßnahmen abschaffen und die Leute in normale Unternehmen stecken, die das Geld für deren Lohn vom Steuerzahler erhalten…toll!
        Die Linke stellte im Bundestag den Antrag, Sanktionen auszusetzen: Grün enthielt sich bis auf Ströbele der Stimme, die anderen waren fast alle gg. den Antrag!

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