Griechenland: Wer ist hier eigentlich radikal?

Wenn ich den aktuellen Kommentar von Reinhard Baumgarten vom SWR zu Griechenland höre, könnte ich kotzen. Er rezitiert das Mantra „Sparen, Sparen, Sparen“ . Radikal ist aus seiner Sicht nicht die brutale Sparpolitik der EU und der bisherigen griechischen Regierung, sondern nur diejenigen, die sich gegen die aktuelle Sparpolitik wenden.

Mystras
„Mystras“ -Lizenz CC-BY-NC-SA 2.0 http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de

Sparpolitik heißt, dass Arbeitsrechte; Renten, Löhne gekürzt werden. Mindestlohn gekürzt, Ersparnisse weggenommen, Sozialhilfe ausgesetztheißt z.B. weniegr Steuereinnahmen für den Staat, weniger Geld in den Taschen der Griechen.

Man kann nur wiederholen was in Griechenland passiert: Hungernde und sterbende Menschen, Selbstmorde, Eltern die ihre Kinder weggeben, weil sie sie nicht mehr ernähren können. Das ist eine Politik, die über Leichen geht. Und da stehen wir derzeit noch ganz am Anfang.

Man muss sich das mal vor Augen führen: Was in Griechenland passiert ist ein bewusstes Sparen auf Kosten von Menschenleben. Ein relatives reiches Land im globalen Vergleich kürzt so weit, dass es an Existenzminimum geht und wir bald Hilfslieferungen senden müssen – bei einem Land, dass doch selber wirtschaften könnte. Aber natürlich nicht, wenn die EU hier auf Beutezug ist – um die großen weltweiten Banken zu schützen. Auf einmal will man uns erzählen Griechenland wäre das Problem gewesen und nicht die weltweite Finanzkrise.

Ich sage: Radikal ist die aktuelle Politik – und nicht diejenigen, die sagen, dass  wir uns diese Radikalität nicht leisten können. Insbesondere haben ja drei Parteien die nötige Mehrheit, um ihren Scheiß weiterzumachen. Wollen sie aber nicht ohne die Linksradikalen. Und dann wird den Linksradikalen die Schuld zugeschoben. Nach Neuwahlen könnte es sein, dass Syriza die 50 Sitze mehr bekommt – und damit eine Mehrheit gegen die radikale Sparpolitik.

Griechenland: Wer ist hier eigentlich radikal?

3 Gedanken zu “Griechenland: Wer ist hier eigentlich radikal?

  1. Zentrales Problem ist der Weg in die Situation, in der Griechenland nun steckt. Die Politik war hochgradig korrupt und die Wählerschaft war es noch mehr. Soziale Wahlgeschenke wurden durch Stimmen belohnt. Es setzte sich ein protektionistisches System durch, das die Verhältnisse zusätzlich zementierte.
    Die Lage ist also Resultat, wenn der Souverän verantwortugslos mit der Mandatsvergabe umgeht. Erwartet das Volk externe Hilfe, muss es sich wohl oder übel die Regeln diktieren lassen.

    1. tlow schreibt:

      Ne Moment – Auslöser war und ist die Finanzkrise in den USA. Nun wollen wir nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Natürlich gibts Gründe, dass es Griechenland zuerst und härter trifft. Aber es gibt da auch Spanien, Portugal, Italien und auch viele Nicht-EU-Länder. Aber wir werden ja sehen was hier mal los ist, wenn die Krise Deutschland erreicht. Das das noch nicht alles war und Griechenland nicht Verursacher ist, sollte doch kalr sein. Zudem wusste viele auch in Deutschland vor Griechenlands Euro-Beitritt von diesen Prolemen und haben bewusst weggeschaut. Jetzt wills niemand gewusst haben. Und den Griechen als solches gings die letzten 10 Jahre nie besonders gut. Das ist ja alles nix Neues.

      1. Die Probleme waren bereits vor der Finanzkrise vorhanden. Die Zahlen wurden bereits vor 2007 regelrecht frisiert. Hierbei haben Sie recht, dass niemand genau hinsehen wollte. Allerdings tragen Staaten immernoch ihre Souveränität und die Verantwortung für ihr wirtschaften. Die Finanzkrise war nur ein Katalysator und nicht Ursache. Diese bleibt das unverantwortliche Handeln der Volksvertreter, die Jahrzehnte mehr ausgaben, als sie einnahmen, was durch die Wahlen jeweils belohnt worden ist.

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