Das Ende der Internetrevolution

Wenn die re:publica eines belegt, dann das die Internetrevolution schon seit langem vorbei ist. Als jemand, der es gewohnt war der einzige in seinem Bekanntenkreis zu sein, der eine Email-Adresse hatte – und zur Kenntnis nehmen muss, das nun selbst im  Bus jeder Depp über „Face“(Book) spricht, als wäre es selbstverständlich, habe ich natürlich die letzten 10 Jahre die schleichende Entwicklung schon länger beobachtet.

Das Internet ist inzwischen vor allem eines: Gewöhnlich.

Als Netizen weiß ich nicht, was jetzt die „Digitale Gesellschaft“ sein soll. Ein erneuter, verzweifelter Versuch sich selbst zu definieren? die wahre Power lag meines Erachtens niemals darin, dass es Alphablogger hab, oder im Egovernment, sondern in der simplen Tatsache, dass das Internet auf eine gewisse Art demokratischer ist, als andere Medien. Damit meine ich, dass die Barriere der Veröffentlichung hier drastisch gesenkt ist.

Auf der re:publica werden hingegen offensichtlich User zu reinen Followern degradiert und Twitter wird zum neuen Leitmedium hochstillisiert.

Die Vorträge erscheinen so abgegriffen wie noch nie, man hört eigentlich gar nichts neues mehr. Allerdings war das immer schon bezeichnend für die re:publica. Eine Selbstbeweihräucherung.

Gestern habe ich mir Sascha Lobos Vortrag via Netz angeschaut. Danach traut man sich ja kaum noch ihn zu kritisieren, weil er sich so bemüht jeder möglichen Kritik vorzubauen. Und man will ja auch keiner seiner Trolls sein 😉

In einem Vorab-Rant warf er der versammelten Netzgemeinde vor sich zu wenig zu engagieren – und daher würde ER immer angerufen bei Fragen zum Netz. Er forderte mehr Präsenz und Organisation der Netz-Experten und warf ihnen zu viel Selbstbezug vor.

Nun gut, was Organisierung angeht kann ich ja fast zustimmen. Ich habe eine zeitlang versucht im AK Vorrat zu erreichen, dass man sich besser organisiert und nicht alles zufälligen Aktionen von Einzelkämpfern oder anderen Organisationen überläßt. Bezeichnend vielleicht, dass für Sascha Lobo der AK Vorrat keine nennenswerte Organisation darstellte.

Die Selbstverliebtheit vieler Männer im Netz ist  schon fast faszinierend. Auf gewisse Art wirken die Inszenierungen von Coolness und Trendyness schon auch erbärmlich. Man will unbedingt bedeutend sein. Deswegen wird nur so mit radikalen Begriffen und Sichtweisen um sich geworfen. Gerne ist etwas mal „total scheisse“ oder sinniert Lobo (schmunzelnd) darüber wie toll es wäre mal ein Baby wegzukicken. Insofern wirken viele Auftritte etwas teenyhaft. Die Substanz dessen, was gesagt wird, ist gering.

für mich interessant ist folgendes. Lobo kritisiert, dass die Netzexperten nicht stärker nach aussen drängen, um ihr Sichtweise und auch Fachwissen darzustellen. Offenbar sieht er und andere da tatsöchlich ein vorhandene Kompetenz. Allerdings erscheint es mir oft eher so, dass Kompetenz nur geheuchelt wird. Und Lobo ist darin ein Meister. Seine Kompetenz liegt darin so zu tun als ob. Und auf gewisse Art ist er auch kompetent, da er es versteht zwei Welten zu verbinden: Zum einen die Szene der selbsternannten Internetexperten (die wie eben gerade live auf re:publica) meinen uns erklären zu müssen, dass das Internet die Bedingungen für Kreativität grundlegend verändert hätte, wow! gut dass das mal jemand sagt!

Die re:publica definiert sich selbst als In-Group – und wer nicht dabei ist, ist halt out. Folgt man der Logik, MUSS man dabei sein, um IN zu sein. Auch hier definiert die Konferenz sich selbst auf eine nahezu klassische Weise. Es weht da noch der Geist des Aufbruchs, als das Internet noch mit Revolution gleichgesetzt wurde. Aber die da sitzen sind schon längst nicht mehr im Aufbruch. Die große Langeweile.

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