Einbruch bei den Mitgliederzahlen der Piratenpartei

Nach den offiziellen Zahlen der Piratenpartei sind die Mitgliederzahlen Ende des Jahres auf 11.730 Mitglieder gesunken. Damit bestätigt sich ein  Trend, der schon länger absehbar war. www.piratenstatistiken.de ist ja seit längerem offline (auch auf Twitter). Deren eigenwillige Interpretation von Zahlen habe ich in den vergangenen Monaten ja auch schon häufig Hops genommen.

Lange Zeit haben sich die Piraten nicht getraut neue Zahlen zu veröffentlichen. Es gab einfach irgendwann keine neuen Rekorde zu verbuchen. Ihren Höchststand erreichten die Piraten im Juni 2010 mit 12.288 Mitgliedern. Seitdem geht es bergab. Vom dritten zum vierten Quartal verzeichnen sie ein Minus von rund vier Prozent.

Anders betrachtet selbstverständlich im Jahresverlauf. Da die Piraten in 2010 ihren Höchststand erreicht haben und sie am Anfang 11.349 Mitglieder hatten, haben sie zum Ende des Jahres immerhin noch ein Plus von 0,62 %. Letzteres wird sicher auch die Lesart der Piraten sein.

Fakt ist aber, dass nicht nur der steile Aufwärtstrend gebrochen ist, sondern das die Partei seit Mitte des Jahres Mitglieder verliert – und somit eine Trendumkehr eingesetzt hat.

Aus meiner Sicht zeigt es, dass die Piraten mittlerweile die Decke erreicht haben. Die Begeisterung ist weg, die großen Wahlen sind erst einmal vorbei, die Karteileichen werden langsam aussortiert. Man wir jetzt mehr auf die Substanz und weniger auf das Phänomen  Piraten schauen. Und an Substanz ist da nicht viel. Es ist halt eine Kleinpartei. Das macht schon deutlich, wie klein das Personal ist, dass für Wahlen zur Verfügung steht.

Und nachwievor gibt es das Problem mit den Rechtsradikalen in der Partei: Ihr ehemaliges Bundespartei-Vorstandsmitglied ist mittlerweile Mitglied in einer rechtsradikalen, islamfeindlichen Partei, Bodo Thiesen darf nachwievor Mitgliedsein, was Wolfgang Dudda aufregte. Oder die Petition für Horst Mahler.

Für jede politische Organisation stellt sich die Frage, für wieviele Menschen ihre Politik ansprechend ist oder eine Mitgliedschaft in Erwägung kommt. Die Piraten haben da mit ihrer sehr männlich dominierten Politik und mit der Unfähigkeit Rechtsradikalen in der eigenen Partei einen Riegel vorzuschieben ein Bild abgegeben, das deutlich macht, dass sie für viele Leute nicht in Frage kommen. Letztendlich reiten die Piraten weiterhin auf den gleichen Strategien rum wie: „Wir sind besser, wir haben die Welt verstanden, alle anderen sind dumm!“

Mit wem ich auch spreche – für die meisten die auf Piraten treffen verbleibt der Eindruck dass diese sehr ignorant und arrogant sind. Und naiv. Über einen bestimmten Tellerrand des Mainstreams können sie einfach nicht hinaus denken. Sicher lassen sich 12.000 verschiedene Menschen schwerlich zusammenfassen. Es ist ein subjektiver Eindruck, aber nicht nur von mir. Z.B. bei vielen im AK Vorrat – und das aus verschiedenen Städten aus dem Bundesgebiet. Und der AK Vorrat wird oftmals als thematisch verwandt wahrgenommen. D.h. selbst bei denen, die thematisch oft verwandt sein müssten werden die Piraten mittlerweile abgelehnt.

Sie habe ihr Potential ausgeschöpft – und jetzt können sie nur noch versuchen das zu halten, was sie haben. Für neue Sympathisanten und Mitglieder müssten sie nämlich ihre Politik und Ausrichtung so sehr ändern, dass es eine neue Partei wäre. Die Erneuerungskraft aber werden sie nicht haben. Und so sehen die Piraten derzeit älter aus als so manche Altpartei. Die Personaldecke bleibt weiter dünn und das Bild der kecken Neulinge hat sich abgenutzt.

Ich hatte mich nicht getraut ein Absinken der Mitgliederzahlen auf unter 12.000 im Jahr 2010 zu prognostizieren. Aber die Realität war doch so hart, wie ich dachte.

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