Da versteht Kasperle die Welt nicht mehr

Leider komme ich aus Zeitgründen erst jetzt dazu auf die Entwicklung im Spiegelfechter einzugehen. Isi kenne ich nun auch schon etwas länger – und sie wies mich auf einen Blogbeitrag von Roberto J. De Lapuente beim Spiegelfechter hin, der dort im lamoryanten Tonfall das Schicksal der armen Männer beklagt und dabei tief versinkt in die Frauenverachtertrickkiste. Hier mal einige Beispiele:

…verlassen von Frau und Kind, verlassen von einer Gesellschaft, die vorgibt, engagiert gleichberechtigt zu sein, es aber nicht ist und in Anbetracht des herrschenden ideologischen Dogmatismus, der weibliche Emanzipation mit Überwältigung des Mannes, der damit zum Feind, zum Geschlechtsfeind wird, gleichsetzt….

Jens Berger wird sich Fragen, was hieran denn schon problematisch ist? Zum einen verfällt der Autor durchweg in eine Haltung in der er Frauen und Männern spezifische Eigenschaften zuschreibt – das ist die Basis jedes Sexismus – das Frauen nun mal so und so sind – und Männer eben anders. Hier kommt hinzu, dass der Autor Sinn und Zweck der feministischen Emanzipation hier umdeutet und ihr als einziges Ziel die „Überwältigung des Mannes“ unterschiebt. Aaalso – bar jeglichen Beweises wird einer Emanzipationsbewegung Ziele untergeschoben. Daraufhin definiert man dieses Bewegung als Aggressor und bindet zu dem dann noch alle Frauen an die Emanzipation und definiert alle Männer als Opfer der beiden. Süßer  Trick, aber für wie dumm hält uns der Autor? Oder ist er so dumm? Aber weiter im Text:

Dabei liegt das Gewaltmonopol weiterhin beim Mann, muß es vielleicht auch liegen, damit mit dogmatischer Strenge dem feministischen Abnormitäten, diesen krankhaften Überhöhungen der eigenen Geschlechtlichkeit, gefrönt werden kann.

Da geht es Schlag auf Schlag. Was steht hier?

  1. Der Mann muss das Gewaltmonopol haben (Was soll das heißen?)
  2. Feminismus ist abnormal
  3. Feministinnen sind krankhaft
  4. Feministinnen frönen ALLE einer Überhöhung ihres eigenen Geschlechtes
  5. Zwischen den Zeilen: das weibliche Geschlecht ist minderwertig und braucht die Starke Hand des Mannes um sie zu unterdrücken

Was ist daran jetzt nicht zutiefst hasserfüllt und frauenfeindlich? Gerade bei dem Absatz hätte ich Kotzen können. Wieder wird hier nicht argumentiert, sondern nur verallgemeinert und mit emotionalisierenden Begriffen der Hass auf Feministinnen und Frauen geschürt. Denn wohlgemerkt: Hier wird nicht eine bestimmte Feministin oder eine konkrete Frau oder ein bestimmtes Buch kritisiert. Dieser Absatz gilt alle Frauen und Feministinnen. Eine Frau kann dieser Kritik nur entgehen, wenn sie ihre eigene Schlechtigkeit akzeptieren und sie voll dieser Kritik anschließen würde. Sind wir etwa noch im 19. Jahrhundert? Welches Niveau und was für ein Stil ist das bitte?

Gewalt, das ist eine männliche Domäne – Gewalt in der Ehe ohnehin, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass eheliche Gewalt ausgeübt von Frauen an ihren Männern, nicht nur keine Seltenheit, sondern eine erschreckende Alltäglichkeit ist.

Übersetzt heißt das wohl, dass eine Frau sich nicht darüber beschweren darf, wenn sie ihr Mann halbtot schlägt – denn es soll auch Frauen geben, die schlagen: Das gleicht sich dann wieder aus, …. oder so?

Ich selbst habe den Artikel damals wie folgt kommentiert:

Was für ein Drecksartikel, wirklich! Ich dachte Spiegelfechter wäre irgendwie man ein vernünftiges Blog gewesen – aber der Artikel und die Kommentare sind einfach nur schlecht, menschenverachtend, frauenverachtend, vorurteilsbehaftet, sexistisch! Unter jedem Niveau bei dem man anfangen könnte zu diskutieren. Plonk!

Darauf einen ernsthaften Artikel als Gegenposition zu veröffentlichen, wie Isi es getan hat war ein Fehler. Sie hat tatsächlich versucht die Realität zu beschreiben wie sie ist – und warum die für Frauen fast immer schwieriger ist.

Ich werde aus dem obigen Artikel nicht noch mehr zitieren, denn es geht im selben Stil weiter. Wichtig ist also, dass Isi da einen eigenen  Artikel geschrieben hat – und aufgrund der Kommentare wieder zurückzog, weil sie erschrocken war über das Niveau. Ich selbst denke, dass beides ein Fehler war: Sowohl das Veröffentlichen in dem Blog als auch das Entfernen des Artikels. Letzterer Schritt ist vielen Leuten nicht verständlich zu machen. Ich verstehe das – und als Urheberin hat sie ja auch das definierte Recht zu entscheiden was mit ihrem Artikel passiert. Das Blogger wie Jens Berger da ein Problem mit dem Urheberrecht haben steht auf einem anderen Blatt.

Isis Artikel „Vaterrecht und Mutterpflicht“ steht nun in „Das Blättchen“ für das sie schon länger schreibt. Wer will kann ihn also nach der erfolgten Löschung auf Spiegelfechter dort nach wie vor nachlesen.

Also nun zu Jens Berger: In ähnlich lamoryanten Stil ließ er die Geschichte revue passieren:

Kasperletheater in Drei Akten“ . Seine Groupies sind ja total angetan davon, wie auch die Kommentatoren von De Lapuente damals von dem anderen Artikel. Endlich mal Frauen virtuell schlagen und sogar Applaus dafür bekommen. Super?

Zunächst macht er sich über geschlechtergerechte Sprache lustig. Weil offenbar ist ihm das ja als Mann total egal – oder er verstehts nicht Feminsiteinnen sind borniert sagt er. Armes Kasperle. Phantastisch dieser Satz:

Doch derlei unerfreuliche Begegnungen blendete ich im Lauf der Zeit aus, traf ich in meinem späteren Leben doch sehr viele selbstbewusste und emanzipierte Frauen, die das Thema Emanzipation in einer selbstverständlichen und lockeren Art und Weise verinnerlicht hatten.

Was macht er hier? Er definiert, dass wahrlich emanzipierte und selbstbewusste Frauen weder geschlechtergerechte Sprache benutzen (oder gar darauf beharren) würden – und dass wahre Emanzipation eben explizit nicht feministisch ist. Also Mann definiert das Nicht-Emapnzipation emanzipatorischer ist, als feministische Emanzipation. Sprich Frauen, die sich eher gemäß Frauenideal von Herrn Berger benehmen steigen in seiner Einschätzung (und können wohl auch besser als Objekte dienen) als Frauen wie Isi, die öffentlich für Emanzipation eintreten. Nein, die sind in seinen Augen nicht emanzipiert – denn sie geben ihm als Mann ja nicht recht und entsprechen nicht seinem Ideal. Wie kann sowas emanzipiert sein?

Nun ja, für mich als Normaldenkenden liest sich der Artikel keinesfalls frauenfeindlich. Aber was weiß ich schon?

Interessant. Dazu fällt mir wieder das Beispiel ein wie ein Mathematiker einen Löwen fängt: Er definiert sich selbst als außen und baut um sich herum einen Zaun!

Wenn Herr Berger offene Frauenfeindlichkeit nicht erkennt – aber er denkt ja normal – dann muss logischerweise alles, was das sieht irgendwie voll radikaloberfeministisch sein. Denn sonst wäre ja ein ganz gewöhnlicher Sexist. Aber welcher Alpha-Blogger sortiert sich schon gerne so ein? Kommt ja nicht so gut für die Abrufzahlen.

Als letztendlicher Beweis für Isis radikalfeminstische Einstellung dient ihm dann ein Link zu einem Fake-Account im Emma-Forum: Da der aber Isi gar nicht gehört haben wir die These ja aber nun voll erledigt, oder?

Da versteht der Kasperle die Welt nicht mehr – und dokumentiert seine Unwissenheit auch noch in Artikelform. Peinlich, peinlich. Nein Herr Berger, Sie definieren nicht für Frauen was guter Feminismus ist. Sie sollten erst mal lernen Texte zu lesen und offene Frauenfeindlichkeit zu erkennen bei sich und ihren Gastautoren!



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Da versteht Kasperle die Welt nicht mehr

8 Gedanken zu “Da versteht Kasperle die Welt nicht mehr

  1. ANGEL schreibt:

    Ja – „erst mal lernen Texte zu lesen“ als Grundvoraussetzung. Dann Gastautoren wie zuletzt Frau Isi als solche behandeln lernen und schließlich als Blogmeister die Heidelberger Nettikette achten … was als „Frauenfeindlichkeit“ er s c h e i n t ist viel allgemeine Menschenfeindlichkeit, bei Herrn Berger mit scheinbarer Lässigkeit gepaart, die freilich nur auf dessen tiefe soziale Verunsicherung und moralische Verstörung verweist und nächsten in einem neue-Mitte-rechts „Projekt“ enden könnte,

    Gruß

    ANGEL

  2. mathieu schreibt:

    Auch ich hielt den Blog von Jens Berger am Anfang für ganz vernünftig und zum Argumente austauschen geeignet. Allerdings musste ich sehen, dass gepöbelt wird, was das Zeug hält. Sexismus geht so durch, wird unkommentiert stehen gelassen, meine Antwort zu einem Kommentar, der Bergers kritischen Journalismus lobt, dass zum kritischen Journalismus auch gehört, dass man die taz kritisch liest und nicht nur daraus abschreibt, hat der Blogger dagegen sofort gelöscht.

  3. kurt tucholsky schreibt:

    sags mit tucholsky heute dänische felder:
    „Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchenrats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, dass sie einen bittern qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie es so wollen, ohne es zu wollen. Weil sie faul sind. Weil sie nicht hören und nicht sehen und nicht fühlen.“ – „Dänische Felder“, in: „Die Weltbühne“, 26. Juli 1927, S. 152f

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