Liquid Democracy von Oben nach Unten

Im ChaosRadio Express wurde die LD (Liquid Democracy) von Kopf bis Fuß durchdiskutiert. Als Vorwarnung. So richtig transparent wird es nicht! Und damit würde ich auch meine weitergeführte Kritik ansetzen:

LD ist nicht simpler, nicht transparenter als Direkte Demokratie. Und es ist auch nicht mit Direkter Demokratie gleichzusetzen. Es bestehen Defizite beim Datenschutz und es gibt eine technische Hürde, ebenso wie bei anderen digitalen Wahlverfahren.

Sehr  bezeichnend fand ich die Antwort von Jan Behrens auf die Frage, ob denn LD nur per Software ginge: „Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht„. Ich finde das spricht nicht dafür, dass jemand die vollen Implikationen eines neuen Systems zur Entscheidungsfindung voll durchdacht hat.

Einfachheit, Eleganz und Transparenz sind aber ganz entscheidend, damit auch möglichst viele an einem Entscheidungsprozess partizipieren können. Was LD im Grunde macht ist zu sagen: Wir erhöhen die Möglichkeiten für computeraffine und vernetzte Menschen. Die Komplexität wird dabei aber enorm erhöht und auch die technische Hürde.  Die technische Hürde zu erhöhen aber ist z.B. ein zentrales Gegenargument gegen Wahlcomputer. LD hat viele der Nachteile von Wahlcomputer. Und dies ist, auch organisationsintern, nicht so einfach vom Tisch zu fegen! Die allgemeinen Prinzipien zu einer freien und geheimein und gleichen Wahl machen bei jeder Entscheidung ihren Sinn – ein System, dass sich darum wenig kümmert ist mindestens besonders kritisch zu betrachten.

Ansonsten leidet CRE wieder unter dem Problem vieler Sendung: Sehr lang und ausführlich – aber es nicht zu schaffen die Dinge auf den Punkt zu bringen. Ausschweifung als solches garantieren keine Verständlichkeit. Weniger ist da oft mehr.

Für mich bleiben als Fazit zu LD noch viele Fragezeichen  an der Nützlichkeit oder möglichen Schädlichkeit. Es gab neulich auch einen Skandal darum, dass versucht wurde die Mitgliederdatenbank der Piratenpartei für LD zu benutzen ohne die Nutzer zu fragen. Die Schiedkommission hatte dagegen entschieden ud sich daraufhin viele Anfeindungen gefallen lassen müssen. Das deutet wieder einmal darauf hin, dass viele in der PPD nicht verstehen, warum Datenschutz so wichtig ist oder worum es dabei geht.

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Liquid Democracy von Oben nach Unten

2 Gedanken zu “Liquid Democracy von Oben nach Unten

  1. Isi schreibt:

    Der Witz aus LD ergibt sich für mich daraus, dass mit diesem System versucht wird, durchaus komplizierte Denkprozesse zu vereinfachen, zu virtualisieren und abzubilden. Was LD kann, macht man normalerweise im Kopf. Man sucht sich aus Alternativen die beste oder mehrere Ergebnisse nach Gewichtung durch die eigenen Kriterien aus und entscheidet sich für eine, mehrere oder eine Rangfloge. Das passiert blitzschnell und es kann – normalerweise – jeder für sich. Dafür braucht man keinen Computer oder ein spezielles Programm sondern „nur“ ein Gehirn. Das macht man beim Einkaufen, wenn man sich aus gefühlten 150 Möglichkeiten, einen Joghurt aussucht oder verschiedene Sorte. Oder beim Joggen, ob man Asphalt oder Querfeldein und mit welchen Schuhen läuft. Piraten aber verkaufen es als Fortschritt die Möglichkeiten des Gehirns mit einem Programm nachstellen zu können, allerdings nur halbfertig, weil eben die Kriterien der Menschen nicht abgebildet werden, sondern nur deren Ergebnis und das in Summe. Gehirne werden mit LD also gleichgeschaltet. Ich finde das tragisch, denn eine Kommunikation über die Kriterien findet nicht statt.

    1. … und mit dem Nachteil, dass alle möglichen Leute jetzt sehen können, wie jedes Parteimitglied denkt.

      Ich finde LF (LiquidFeedback) ja als Experiment ok – vielleicht entsteht darauf ja auch irgenwann was ganz anderes – genau so wie Wikis aus anderen Ideen entstanden sind. Aber im Moment sehe ich es eher als ne Art Spielsoftware für virtuelle Communities. Das Problem ist, dass manche Leute, die sich über ganz grundsätzliche Demokratiefragen keine Gedanken gemacht haben uns das als ernstzunehmende Alternative verkaufen wollen.

      Wie Du auch schreibst sehe ich auch kein großes Problem darin, dass nicht immer alles, was in den Hirnen der Leuten ist, zur Wahl steht. Und es kommt oft gar nicht darauf an, dass jede kleinste Option abgestimmt wird.

      Man kann dazu auch Kommissionen oder AGs machen, die sich mit einem Thema beschäftigen. Das geht auch digital – stellst Du einen Entwurf in ein Wiki, das für die AG-Mitglieder schreibbar ist – und nebenbei trifft man sich. Aber darum gehts glaube ich: LD ist eine Lösung Politik zu machen, ohne irgendwo auftauchen zu müssen. Politik vom heimischen Sofa. Das scheint mir die eigentliche Motvation zu sein.

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