E-Petition für die Hebammen

Die Haftungssituation und Prämienentwicklung bei Hebammen ist dramatisch. Daher startete heute der Deutsche Hebammenverband eine Kampagne mit Epetition. In diesem Artikel fasse ich mal einiges zusammen, was ich gefunden habe. Bitte unterstützt deren Aktionen!)
Etwa 10.500 Geburten jährlich finden in Geburtshäusern oder zu Hause statt. Frauen haben ein Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes und eine ungestörte Geburt, sofern sie dies wünschen und medizinisch nichts dagegen spricht. Diese Wahlfreiheit ist nun in Gefahr.
Die derzeitige Entwicklung stellt die Versorgung von Mutter und Kind gänzlich in Frage.

1992 waren freiberufliche Hebammen zu einer Jahresprämie von umgerechnet 179 €, incl. Geburtshilfe, versichert. Durch Verzehnfachung der Prämie (2370 €) bis 2009 sank der Anteil der Hebammen, die neben Schwangerenvorsorge u. der Betreuung im Wochenbett auch Geburtshilfe anbieten, auf 23%. Mit der Steigerung der Haftpflichtprämie für das Berufsrisiko Geburtshilfe auf 3689 € ab 1.7.2010 ist absehbar, dass sich die verbleibenden Hebammen aus dem Kernbereich ihres Berufes zurückziehen.

Entwicklung der Haftpflichtprämien:

  • 1981 30,68 Euro
  • 1992 178,95 Euro
  • 2007 1.218,00 Euro
  • 2009 2.370,48 Euro
  • 2010 3.689,00 Euro

Nicht nur die freiberuflichen Hebammen leiden unter der Haftungssituation: Es häufen sich Fälle, wo die angestellte Hebamme haftet, weil die Klinik eine zu niedrige Haftpflichtsumme abgeschlossen hat.

Die angestellte Hebamme haftet dabei entweder lebenslang mit ihrem Privatvermögen bzw. muss vom ohnehin kläglichen Gehalt noch eine eigene Haftpflicht finanzieren. Im freiberuflichen Bereich haftet die Hebamme für Systemmängel wie z.B. Entlassung der Frauen und Neugeborenen in schlechtem Zustand und zu ungünstigen Zeiten – z.B. zum Wochenende, fehlende oder unzumutbare Möglichkeit für notwendige Laboruntersuchungen.
Es wird für Hebammen zunehmend schwieriger überhaupt noch Haftpflichtversicherungen zu finden, die überhaupt das Risiko zeichnen. Die Politik ist gefordert dringend die erforderlichen Schritte zu planen, für den Fall, dass keine Haftpflichtversicherung mehr bereit ist die Geburtshilfe zu versichern.
Sicher ist: eine so kleine Berufsgruppe kann nicht aufkommen für derartig große Summen. Hebammen ca. 15.000, Frauenärzte ca. 15.000, insgesamt geburtshilflich tätige ca. 7000. Höchster Einzelfallschaden bei Hebammen 4,5 Mio, höchster Einzelschaden in der Geburtshilfe 14 Mio. Nach dem „ Solidarprinzip“ kann damit ein einzelner Schaden Kosten von 2000 Euro für eine in der Geburtshilfe tätige Person bedeuten.

Wirtschaftliche Lage der Hebammen
Bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. 14.000 Euro im Jahr können Hebammen nicht mehrere tausend Euro alleine für die Haftpflicht aufbringen. Die ohnehin wenigen geburtshilflich tätigen Hebammen sind nicht mehr bereit alleine für die Haftpflicht zu arbeiten.

Gründe für den Rückstand
Die Vergütungssätze der Hebammen wurden bis 2007 vom Gesetzgeber auf dem Verordnungsweg festgesetzt. Dies erfolgte bis dahin in 20 Jahren lediglich drei Mal. Durch eine Gesetzesänderung (Neueinführung des §134 a SGB V)2, wurde festgelegt, dass die Hebammenvergütung seit 2007 direkt zwischen den Krankenkassen und den Hebammenverbänden ausgehandelt wird.
Die Entlassung der Hebammen in die eigenverantwortliche Vergütungsverhandlung mit den Krankenkassen und der gleichzeitigen Vorgabe aus § 71 SGB V, dass diese Vergütung an das Beitragsstabilitätsgesetz gebunden ist, macht die Hebammen in ihrer Verhandlungsfähigkeit gegenüber den Krankenkassenverbänden handlungsunfähig und erpressbar.

Artikel basiert auf Material von Hebammenverband Deutschlands

Advertisements
E-Petition für die Hebammen

2 Gedanken zu “E-Petition für die Hebammen

  1. Na, das ist doch wirklich unglaublich! Ein Durchschnittsbruttoeinkommen von 14.000,- EUR und dann auch noch über 3600,- EUR Versicherungsprämie pro Jahr? (Wenn das netto wäre, würde ich mich immer noch fragen, wie man als Hebamme – angewiesen auf ein Auto! – davon leben kann?)
    Wie kann so etwas sein? Natürlich ist das zu versichernde Risiko hoch.

    Die einzige Lösung sehe ich in einer Anhebung der Entgelte für Hebammenleistungen. Der Verdienst diesr wirklich hart arbeitenden Frauen (und Männer) ist viel, viel zu gering.

    1. Bei solchen Fragen sehe ich aber die Gesamtgesellschaft in der Verantwortung. Das Abwälzen der Kosten udn Risiken auf einzelne Personen – seien es nun die Hebammen oder die Eltern kann keine Lösung sein.

      Die Politikerinnen wollen immer, das in Deutschland mehr Kinder geboren werden. Das müssen sie hier aber auch eine politische Lösung finden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s