Piraten versuchen Genderdebatte zu verstehen

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Piraten versuchen Gender zu verstehen, Einige Rechte vorbehalten
Einige Berliner Piraten haben in der taz einen Text zur Genderdebatte veröffentlicht. Hierzu mein Kommentar, insbesondere im Hinblick das Lena Simon offiziell verwarnt wurde von der Berliner Partei:

  1. Im Kasten steht „Der vorliegende Artikel wurde im interaktiven Demokratieverfahren mittels „Liquid Feedback“ von den Mitgliedern des Landesverbands Berlin der Piratenpartei unterstützt.“. Dieser Text, erhebt im Gegensatz zu Lenas Initiative durch den Wortlaut den Anspruch für alle Piraten zu sprechen. Doch zum einen macht NUR der Kasten deutlich, dass es maximal um die Berliner Piraten gehen kann, die an dem Text mitgewirkt haben. Also maximal rund 7 % der Piratinnen und Piraten. Und von denen nimmt vielleicht nur ein Bruchteil am Liquid Feedback Teil und an der Textfindung. Unter dem Strich wird hier also mit dem Verweis auf LF und offiziösem Tonfall versucht für alle Piraten eine Parteimeinung auszudrücken. In Wirklichkeit aber ist die Schnittmenge der Initiatoren vielleicht kaum größer, als die Unterstützer Lenas, nur mit dem Unterschied das Lena nie einen Zweifel daran gelassen hat, dass ihre Meinung ihre eigene ist. Die Autoren des Textes jedoch versuchen genau den Eindruck zu erwecken, den man Lena vorgeworfen hat und zu einer Verwarnung geführt hat. Liquid Feedback ist nicht demokratisch und auch nur experimentell im Betrieb. Eine Partei ist daher gehalten nichts, was dabei heraus kommt als Produkt einer innerparteilichen Diskussion zu verkaufen. Denn LF umgeht alle offiziellen Parteigremien. In ihrer Begeisterung für alles Neue vergessen die Piraten hier den Wert echter Demokratie. Hier wäre eine FETTE Verwarnung fällig, wenn nicht gar ein Parteiausschluß. Insbesondere durch die Relation der Verwarnung von Lena.
  2. Inhaltlich gibts natürlich auch vieles zu bemängeln – ich greife mir mal einiges heraus:

Es fängt schon gut an, mit dem ersten Absatz:

Für die Gleichberechtigung: Wir wollen Individuen nicht in Geschlechterkategorien einsortieren. Und wir wissen, dass die meisten Piraten das auch so sehen.

Übersetzung: Nur WIR wissen, wie Piraten wirklich denken. Eine Grundlage für diese Einsicht wird nicht geliefert. Ich bezweifle das einfach mal. Insbesondere, das DIESE Piraten hier weniger in Geschlechterkategorien einsortieren als z.B. die Piratinnen. Mit „Aber wir sind die Guten“ kommt ihr nicht weit!

Das ausdrückliche Bekenntnis zur Gleichberechtigung ist markant in der Satzung der Piratenpartei festgeschrieben.

Nicht eingegangen wird dabei darauf, dass Frauen in der Satzung ausgeklammert werden. Jaja ich weiss – wenn Pirat gesagt wird, meint man immer die Frau mit. Das kennen wir aus den 50ern. Wirklich progressiv. Ein Ammenmärchen!

Viele herkömmliche Instrumente beteiligen sich jedoch – gewollt oder ungewollt – gerade an der  Konstruktion von Geschlecht als Einordnungsmechanismus. Solche Instrumente betrachten wir äußerst kritisch.

Solche Instrumente sind z.B. Sprache – die behauptet männlicher Plural beinhalte immer auch weibliche Teilmengen. Hier hört aber der kritische Geist mancher Piraten auf. Oft wird dann hier auf konservativ umgeschwenkt nach dem Motto „Sprache war immer so“. Was denn nun, seid ihr kritisch oder konservativ was Instrumente und Konstruktionen angeht?

Dabei leugnen wir keinesfalls bestehende Geschlechterkonstruktionen. Wir versuchen aber, uns möglichst nicht selbst an ihrer fortwährenden Rekonstruktion zu beteiligen. Denn erst, wenn Individuen als Individuen und nicht mehr als Repräsentanten von Gruppen – z.B. „Frauen“ oder „Männer“ – behandelt werden, ist Sexismus nachhaltig der Boden entzogen und der Weg zu einem selbst bestimmten Pluralismus geebnet.

Aha. Begründet durch WAS, bitte? Frauen werden als Frauen sozialisiert. D.h. sie haben dies internalisiert als soziale Rolle und werden auch von außen damit konfrontiert. Man muss mit diesen Rollenbildern umgehen. Kaum eine andere Partei beteiligt sich so aktiv an der Rekonstruktion von althergebrachten Rollenbildern und kaum irgendwo sonst erlebe ich so viel Vorurteile gegenüber Frauen. Dies drückt sich auch direkt in einer geringen Frauenquote bei den Piraten aus. Ein Faktum, über das die Feminismus-Gegener immer wieder gerne hinwegdiskutieren. Am besten sind Begründungen wie „Frauen interessieren sich halt nicht für Politik“.

Zu Genderthemen geschieht dies zum Beispiel in der AG Gender, der AG Frauen, der AG Männer, der AG Queeraten oder der AG Gleichberechtigung in der Gesellschaft.

Ich denke da kenne ich mich bessere in der Piratenpartei aus, als die Berliner Piraten: Die AG Gender und die AG Gleichberechigung sind identisch aber tot. Man hat ihnen ein eigenes Forum verweigert. Wohingegen die Feminismusgegner sich die AG 2G geschaffen hatten, die sofort ein eigenes Forum erhielt. Sorry, aber Piraten die sich nicht auskennen bei den eigenen AGs kann ich als Diskussionspartner kaum ernst nehmen. Wisst ihr wenigstens, wie die AG Männer gegründet wurde? Es ist nämlich so, dass ich nicht einfach so von aussen über irgendwas schreibe von dem ich keinen Einblick bekommen hätte. Doch, doch, ich habe da sehr intensiven Einblick in die parteiinterne Demokratie bekommen – und das ist auch der einzige Grund, warum ich schreibe. Wenn alles so toll liefe mit den AGs, wären wir nicht an dem Punkt des Diskurses an dem wir heute sind. Die AG Männer wird hauptsächich dominiert von einer handvoll Männerrechtlern, die die Piraten benutzen wollen, um IHRE Männerthemen durchzubringen. Da muss man dann z.B. wissen, dass sie was das Thema Jungenbenachteiligung angeht bei der AG Bildung abgeprallt sind mit ihrem Männerpathos. Hier hat eine AG auch mal inhaltlich funktioniert. Ist ja nicht so, dass nix zusammengeht bei den Piraten – nur im Bereichen wie Gender oder Außenpolitik ist es peinlich.

Es ist uns wichtig, dass wir als Frauen nicht prinzipiell aufgrund unseres Geschlechts als fragil betrachtet oder in eine Opferrolle gedrängt werden.

Naja, aber man muss die Wirklichkeit auch mal wahrnehmen. Das klingt ja alles ganz toll. Aber es ist auch falsch, dass das Ziel des Feminismus wäre, Frauen zu Opfern zu machen. Ich ziehe da immer gerne Vergleiche zu anderen Gruppen: In dem wir über Rassismus sprechen, machen wir nicht Ausländer zu Opfern und auch in dem wir über Armut sprechen nicht die Hartz-IV-Empfänger. Das Problem ist das SCHWEIGEN, das AUSSITZEN, das LEUGNEN und die ganze Batterie an Gegenpropaganda. Leider habt ihr es nicht geschafft in dem Text die Piratinnen verbal in Schutz zu nehmen bzw die Mord- und Gewaltandrohungen zu verurteilen. Oder auch gegen Lenas Verwarnung/Mobbing. Ihr werft euch da für die Männer in Schale und erwartet jetzt Lob, weil ihr deren Ehre gerettet habt. Dabei vermisse ich aber jegliche Solidarisierung mit den betroffenen Frauen – und insofern habt ihr für mich mit Schuld an dem was passiert ist und passieren wird. Wegschauen wird nichts ändern!

Piraten versuchen Genderdebatte zu verstehen

27 Gedanken zu “Piraten versuchen Genderdebatte zu verstehen

  1. Mich stört, dass eines immer „vergessen“ wird:
    Geschlecht muss man nicht konstruieren, damit wird man im Regelfall geboren. Wie aus dem rein biologischen Geschlecht dann ein Gender wird – das ist eine andere Geschichte. Aber „geschlechtslos“ oder „Konstruieren von Geschlecht“ ist einfach Unsinn, weil unmöglich. Und wer nicht sehen will, dass unser Gender bzw. soziales Geschlecht durchaus ein Minenfeld ist, der stellt ein Stoppschild vor die Debatte. Aber von Stoppschildern verschwinden die Probleme nicht!
    Also ehrlich: ich möchte nicht geschlechtslos sein, mir gefällt mein Geschlecht ganz gut. Und daran ändert auch die Piratenparteisatzung nichts.

    1. Isi schreibt:

      Mensch, aber du hast doch die Pubertät schon hinter dir und die Post-Gender-Piraten sind eben noch kurz davor. Was du über das Behaltenwollen der geschlechtlichen Identität sagst, sehe ich genau so: Ich will mich auch nicht von meinem Geschlecht trennen. Und warum sollte ich das auch wollen? Die Theorie, damit würde Diskriminierung aufhören, teile ich nicht. Das ist nicht schlüssig: Sexismus orientiert sich an Offenkundigem, an offensichtlichen Geschlechtsmerkmalen und die werden nicht unsichtbar, weil man selbst nicht mehr hinguckt.

    2. Arte Povera schreibt:

      Piratenweib:
      Konstruktion von Geschlecht ist da natürlich sehr doppeldeutig, ja. Das ist bewusst, man kann es nur auf Gender beziehen (dann unterschreiben es hoffentlich alle) oder auch auf Sex, also körperliches Geschlecht (das tu ich z.B.). Und es ist eben nicht so klar, dass man damit geboren wird. Natürlich gibt es körperliche Differenzen – zwischen individuellen Menschen. Analogie: Glücklicherweise sind sich mittlerweile fast alle Wissenschaftler einig, dass das Konzept „Rasse“ falsch ist. Findest du vermutlich auch. Wikipedia begründet die Unsinnigkeit der Kategorie “Rasse” wie folgt: “Diese Ansichten gelten seit den 1990er Jahren als überholt, da genetische Untersuchungen ergaben, dass die Unterschiede zwischen den vermeintlichen Rassen wesentlich geringer sind als die Variabilität innerhalb dieser Populationen und dass es sich somit nicht um Rassen im biologischen Sinn handelt.” Und jetzt schaue man sich mal den Wikiartikel zu “Frau” an, da steht unter morphologische und physiologische (also nur die “hard facts”, sex, nicht gender, wohlgemerkt) Merkmale: “Dabei fällt auf, dass in jedem bisher untersuchten Zusammenhang die Varianz innerhalb der Gruppen „Männer“ und „Frauen“ jeweils höher ist als zwischen den beiden Gruppen.” Mit dieser Begründung wird “Rasse” also abgelehnt, aber “Geschlecht” bleibt stehen?

      1. Also ich denke man muss unterscheiden dazwischen, was wir rein theoretisch oder wissenschaftlich als NICHT ENTSCHEIDENDE Unterschiede erkennen als aufgeklärte Menschen und dem, was im Alltag eine Rolle spielt. Obwohl es so etwas wie Rasse nicht gibt, gibt es Rassismus. Und obgleich das Geschlecht eines Menschen nicht seine Intelligenz und seinen Charakter bestimmt, gibt es Sexismus. Ich bekomme das TÄGLICH mit. Sowohl Rassismus als auch Sexismus. Da spricht ein Dozent Frauen das logische Denken ab, Frauen werden alle in eine Kategorie gepackt. Das ist NICHT die AUSNAHME, sondern die REGEL. Ich erlebe es ganz seten, dass Leute wirklich frei von Vorurteilen sind. Ich glaube sogar es gibt nur „FREIER“ und nicht ganz „FREI“. Auch ich habe meine Vorurteile. Es ist die Frage, wie man damit umgeht. Aber jetzt zu sagen: Theoretisch gibt es kein Geschlecht, also spielt Sexismus keine Rolle ist eine drastische Verkennung der Realität. Eine Vogel Strauß-Politik. Ich verstehe auch, dass es viele Unterarten von sowas wie Geschlecht gibt – und das Menschen, die sich den zwei Kategorien entziehen oft massive oder massivere Probleme haben. Das soll und muss auch Thema sein. Eine Geschlechterdebatte sollte das auf jeden Fall mit aufnehmen. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Mann/Frau-Ding ad acta ist. Ich sage: Sowohl als auch!

      2. Vielleicht wird man nicht mit einer 100%igen Übereinstimmung von geschlechtlichen Merkmalen für „Frau“ oder „Mann“ geboren. Dennoch sind auch alle Varianzen dessen definiert durch variable Anteile dieser geschlechtlichen Merkmale.
        Was mir aber generell in dieser Gesamtdebatte seltsam anmutet ist, welche Argumentationskonstruktionen herausgeholt werden, nur um zu verhindern, dass Frauen, die sich selbst als solche verstehen, eine interne Kommunikationsstruktur und Vernetzung anstreben.
        Auf Deutsch gesagt: ich kapiere nicht, wieso diese Diskussion um biologische Grundannahmen notwendig ist, um eine Mailingliste oder ein Frauennetz zu verhindern (bekämpfen?). Ist das nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen? Frauen, die sich als Frauen begreifen, wirst du auch mit Dekonstruktivismus nicht vom Gegenteil überzeugen können.

  2. yrthy schreibt:

    @Piratenweib: es gibt einen unterschied zwischen „dem Geschlecht“ under „der Geschlechterrolle“ oder auch „sex“ und „gender“. Mit dem ersten wird man geboren, das zweite wird anerzogen.

  3. Geschlecht als PR-Gag…

    Heute in der taz erschien ein Brief der PR-Piratendamen, die keine Piratinnen sein wollen, weil ihnen das *innen schon zuviel Feminismus ist und den ja keiner braucht, denn Gleichberechtigung erreicht man auch, wenn man hübsch die Pille schluckt, lange…

  4. Simon Weiß schreibt:

    In Anbetracht dessen, wie heftig du hier kritisierst, dass sich Menschen nicht mit innerparteilichen Strukturen auskennen, finde ich deine Unkenntnis über den Status von LiquidFeedback bemerkenswert:

    LF ist nicht „experimentell“. Das System ist am 8. März vom Test- in den Regelbetrieb übergegangen und hat einen offiziellen Status als Mittel der innerparteilichen Willensbildung.

    Ebensowenig stimmt, dass die Piratenpartei gehalten ist „nichts, was dabei heraus kommt als Produkt einer innerparteilichen Diskussion zu verkaufen“. Vielmehr ist das exakte Gegenteil der Fall: Nach der im Februar neu beschlossenen Satzung des Berliner Landesverbandes sind Parteiorgane explizit gehalten, die aus LF kommenden Anträge zur Grundlage ihrer Beschlüsse zu machen.

    Daher ist natürlich auch die Behauptung absurd, dass LF „alle offiziellen Parteigremien“ umgeht. Welche sollten das denn überhaupt sein? Zur Zeit ist das einzige andere offizielle Gremium des Landesverbands der Vorstand, und deren stellvertretende Vorsitzende hat den Text mitgeschrieben.

    Zu der Aussage, LF wäre „nicht demokratisch“ und keine Form „echter Demokratie“ äußere ich mich nicht weiter, da mir ein Rätsel ist, was du damit meinen könntest.

    1. Also wenn für Dich die Landesversammlung kein offizielles Gremium ist, was Dir einfällt, fällt mir auch nicht mehr viel ein. nicht demokratisch natürlich deshalb, weil bei einer Demokratie sowas wie EIN Mitglied = EINE Stimme ganz entscheidend ist. S.a. Wahlgleichheit: http://de.wikipedia.org/wiki/Wahlgleichheit. Ich denke, dass LF dem fundamental entgegen steht. Wenn ihr das jetzt bereits einsetzt um Entscheidungen herbeizuführen, finde ich das nicht nur verfrüht, sondern sehr bedenklich.

      1. Simon Weiß schreibt:

        Ich schrieb ganz bewusst „zur Zeit“. Man kann ja nicht immer eine außerordentliche LMV veranstalten, wenn ein Text zu veröffentlichen ist.

        Die Wahlgleichheit ist bei LiquidFeedback selbstverständlich gegeben. Wie kommst du darauf, dass es sich anders verhält?

      2. Soviel ich es verstehe, kann man Stimmen ja anderen leihen, oder? damit ist dann aber die Stimme nicht mehr nachvollziehbar 1:1 .

      3. Simon Weiß schreibt:

        Doch, ist sie. Dass ich jemanden beauftragen kann, meine Stimme für mich abzugeben, ändert nichts an der Gleichheit aller Stimmen. Das Stimmverhalten ist außerdem vollständig nachvollziehbar.

        Mich würde übrigens immer noch interessieren, welche „offiziellen Parteigremien“ deiner Meinung nach umgangen worden sind. Oder meintest du tatsächlich die LMV?

  5. Zum Thema Liquid Feedback gibt es auch innerhalb der Piratenpartei kritische Stimmen: http://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=21&t=16978#p216505
    Das System hat interessante Ansätze, jedoch muss es nochmal grundlegend überdacht und in den kritisierten Punkten verbessert werden, um als wirklich basisdemokratisches Entscheidungstool nutzbar zu sein. Ich sehe uns da noch vor einer langen Testphase, deren Ende offen ist. Möglicherweise wird die Lösung „Basisdemokratie“ heißen, und nicht „Liquid Democracy“. Wer weiß?

    1. Arte Povera schreibt:

      Dein Link stamm von Anfang Februar, LF wurde erst im Januar in Betrieb genommen. Seit der Zeit, aus der dein Link stammt, haben sich etwa 50% der Mitglieder angemeldet, das sind Traumquoten für jede Partei und mehr, als bei jedem Bundes-, Landes- oder sonstwas Parteitag dieser Partei je zusammenkommen würden (da hat man mit Quoten um die 10% bereits Glück, andere Parteien haben noch sehr viel weniger).
      Auf dem Landesparteitag wurde LF dann in einer ordentlichen basisdemokratischen Abstimmung von, Überraschung, der Basis, als Werkzeug akzeptiert. Simon hat´s ja schon geschrieben, aber Ritinardo kann naürlich weiterhin eine Unwahrheit behaupten, wenn ihm daran liegt oder er seine Kommentare einfach nicht liest.

      1. Welche Unwahrheit? Wie viele Leute haben denn jetzt tatsächlich diesem Text von Dir zugestimmt? Und was Basis angeht, eine Mehrhheit die etwas zustimmt – ok – aber nicht bei allem wo Mehrheit draufsteht ist auch Demokratie drin. Hitler wurde m.W. auch irgendwann mal demokratisch gewählt. Ich denke LF ist fundamental undemokratisch, da es damit keine Stimmengleichheit aufhebt. Es taugt m.E. lediglich als neue Software ähnlich einem Forum und anders als ein Wiki. Ich habe es noch nicht aktiv testen können um zu sehen, ob es produktiv etwas taugt. Es darf aber auf keinem Fall für Abstimmungen benutzt werden. „Ein Wähler eine Stimme“ darf nicht untergaben werden! Dass das so einfach mal unter den Tisch fällt zeugt nicht eben von demokratischen Verständnis. Allenfalls von Verspieltheit.

      2. Also, sorry, aber eine Mehrheit bei einem LPT, wo – laut deiner Aussage – nur 10% der Mitglieder überhaupt anwesend sind, ist definitiv keine basisdemokratische Abstimmung!
        Als Werkzeug für parteiinterne Meinungsfindung ist LF bestimmt (nach ausreichenden Tests) ein gutes Tool, insbesondere wenn die Mitglieder so dezentral verteilt sind, dass persönliche vor-Ort-Abstimmungen einer großen Mitgliederzahl nahezu ausgeschlossen sind. Aber für wichtige Entscheidungen, Wahlen, ist es nicht das richtige Mittel. Da brauchen wir echte Basisdemokratie.

    2. alx schreibt:

      Ja, das ist hauptsächlich eine Steglitz-Zehlendorfer Diskussion. Vieles hat sich nach dem LF-Vortrag dort geklärt. Das war am 19.Februar 2010. Diese neue Form der Demokratie ist nicht einfach zu verstehen, viele Dinge, die auf den ersten Blick falsch aussehen sind auf den 2. Blick richtig.

      Es hilft enorm, die Doku zu lesen und sich mal einen Vortrag dazu anzuschauen.

      1. Wo soll da das Missverständnis bestehen? Eine Delegation von Stimmen wird doch ausdrücklich immer wieder beworben. Zitat von liquidfeedback.org: „Wurde die Delegation des Stimmrechts ursprünglich genutzt, um bei Abwesenheit einen Vertreter zu beauftragen, so erhebt Liquid Democracy die Delegation zum Prinzip“ . Die „Suche nach Experten“ interpretiere ich als das Gegenteil eine Demokratie auf breiter Basis. Meine Prognose ist, dass es weder zu besseren Ergebnissen, noch zu mehr Teilhabe, sondern im Gegenteil zu weniger Transparenz kommen wird. Da im ZWeifelsfalle jeder Idiot einen eigenen Vorschlag einbringt. D.h. es ist schon jetzt absehbar, dass es eine Unzahl an konkurrierender Vorschläge geben wird. Entweder werden die gleichberechtigt behandelt oder sehr früh schießen sich die Leute auch auf eine Lösung ein. Aber ich bin insoweit offen dafür, dass ich mir das as Tester oder Beobachter auch mal eine zeitlang kritisch anschauen würde. Ich glaube aber nicht, dass das meine Zweifel ausräumen wird. Es ist ja auch schon eins klar: LF kann nicht auf viel Erfahrungen vorweisen. Im besten Falle ist es jetzt noch voller Fallstricke, von denen ich auch nicht alle sehe. Ich sehe das eher konservativ so wie bei Wahlcomputern: Warum ein funktionierendes System ersetzen? Die Demokratie scheitert ja nicht bei Wahlen, sondern an den Herrschaftsverhältnissen. LF beantwortet also eine Frage mit einer Lösung, die unerheblich ist. Und die Lösung selbst kann gewisse Nebenwirkungen entfalten!

  6. Arte Povera schreibt:

    Piratenweib :
    Also, sorry, aber eine Mehrheit bei einem LPT, wo – laut deiner Aussage – nur 10% der Mitglieder überhaupt anwesend sind, ist definitiv keine basisdemokratische Abstimmung!
    Als Werkzeug für parteiinterne Meinungsfindung ist LF bestimmt (nach ausreichenden Tests) ein gutes Tool, insbesondere wenn die Mitglieder so dezentral verteilt sind, dass persönliche vor-Ort-Abstimmungen einer großen Mitgliederzahl nahezu ausgeschlossen sind. Aber für wichtige Entscheidungen, Wahlen, ist es nicht das richtige Mittel. Da brauchen wir echte Basisdemokratie.

    Gut, dann warte ich gespannt auf deinen Vorschlag. Ein LPT, auf den jeder kommen kann (10% ist sehr viel mehr, als andere Parteien haben) reicht dir nicht. LF, wo jeder abstimmen kann, der es aus z.B. Zeitgründen nicht zum LPT schafft, auch nicht.
    Was sollen wir tun? Ich bin wirklich gespannt. Persönlich bei jedem zu Hause vorbeigehen und ihn mit vorgehaltener Waffe zwingen, sich zu beteiligen?

    Gespannt auf deine Vorschläge für eine revolutionäre neue Parteistruktur wartend:
    Lena R.

  7. alx schreibt:

    vinci :
    Wo soll da das Missverständnis bestehen? Eine Delegation von Stimmen wird doch ausdrücklich immer wieder beworben. Zitat von liquidfeedback.org: “Wurde die Delegation des Stimmrechts ursprünglich genutzt, um bei Abwesenheit einen Vertreter zu beauftragen, so erhebt Liquid Democracy die Delegation zum Prinzip” .

    Ja, die Erkenntnis ist, das nicht jeder in allen Themen Kompetent ist. Deshalb kann ich fein granuliert delegieren, nach Thema, Themengebiet, etc. An Personen, den ich vertraue, die ich für kompetenter halte oder von denen ich denke, das sie „wertekompatibel“ sind.

    Die “Suche nach Experten” interpretiere ich als das Gegenteil eine Demokratie auf breiter Basis. Meine Prognose ist, dass es weder zu besseren Ergebnissen, noch zu mehr Teilhabe, sondern im Gegenteil zu weniger Transparenz kommen wird. Da im ZWeifelsfalle jeder Idiot einen eigenen Vorschlag einbringt. D.h. es ist schon jetzt absehbar, dass es eine Unzahl an konkurrierender Vorschläge geben wird. Entweder werden die gleichberechtigt behandelt oder sehr früh schießen sich die Leute auch auf eine Lösung ein.

    Es bringt nichts, mit dir zu diskutieren, wenn du die Realität ignorierst. Natürlich kann und muss jeder seine Initiativen einbringen können, aber um in die Diskussionphase zu kommen braucht es halt genügend Unterstützer. Das macht das System extrem trollresistent und führt zu guten Initiativen. Zumindest ist das die Erfahrung der LV Berlin. Und, das interessante ist, das die Trolle sich jetzt ganz massiv beschweren, das sie nicht mehr trollen können.
    Ansonsten, ja, Demokratie ist die suche nach Experten, ich will, das mich im Bereich Umweltpolitik jemand vertritt, der hochgradig kompetent ist und meine Ansichten teilt. Leider hab ich selbst nicht die Zeit und das Wissen, Details der Immissionschutzverordnung selbst zu überarbeiten, also brauche ich einen Vertreter. Leider sind herkömmliche Delegiertensysteme meist nicht in der Lage, mir eine brauchbare und flexible Auswahl zu bieten. In LF kann jeder Delegierender und Delegierter sein, Mensch kandidiert nicht, Mensch bekommt einfach Delegationen, wenn er gute Arbeit macht.

    Aber ich bin insoweit offen dafür, dass ich mir das as Tester oder Beobachter auch mal eine zeitlang kritisch anschauen würde.

    Ich hatte gehofft, das du das vor der Antwort hier machst.

    Ich glaube aber nicht, dass das meine Zweifel ausräumen wird. Es ist ja auch schon eins klar: LF kann nicht auf viel Erfahrungen vorweisen. Im besten Falle ist es jetzt noch voller Fallstricke, von denen ich auch nicht alle sehe.

    Also, wenn du es dir anschauen willst,um er schlecht zu finden, dann lass es doch einfach. Wenn, dann schau es dir unvoreingenommen an.

    Ich sehe das eher konservativ so wie bei Wahlcomputern: Warum ein funktionierendes System ersetzen? Die Demokratie scheitert ja nicht bei Wahlen, sondern an den Herrschaftsverhältnissen. LF beantwortet also eine Frage mit einer Lösung, die unerheblich ist. Und die Lösung selbst kann gewisse Nebenwirkungen entfalten!

    Warum Monarchie ersetzen? Funktioniert doch! Und so wurde die Herrschaft von Monarchen und Kirche hinweggespült, als der Buchdruck und die Aufklärung kam.
    Wenn du wirklich glaubst, das alles gut ist und keine Optimierung nötig ist, dann ist das ok.
    Aber, du musst auch verstehen, das ich nicht bereit bin, weiter mit Blinden über Farben zu streiten.
    Du bringst Dinge vor, die in der Praxis schon lange widerlegt sind, die Probleme liegen woanders, die wirst du erst sehen, wenn du LF praktisch einsetzt. Nicht im Demosystem, sondern im Echtbetrieb. Dafür müsstest du aber Mitglied werden, da LF im Moment (noch) nur für die innerparteiliche Willensbildung ist.

    1. Deshalb kann ich fein granuliert delegieren,

      Problem ist aber z.B,, dass das Verfahren entweder nicht transparent ist, weil niemand nachvollziehen kann wer da wann wem was an Stimmen geliehen hat, oder umgekehrt ist es wird aufgezeichnet. Dann ist das Wahlgeheimnis nicht mehr gesichert. Man kann damit jeden Teilnehmer ganz individuell profilen und gezielt beeinflussen. Davon abgesehen: Ihr führt da Wahlcomputer ein, was nicht nur ich aus Prinzip ablehne.

      Demokratie ist die suche nach Experten

      Das ist Meritokratie. Bei Demokratie gehts wirklich darum, dass alle beteiligt werden. Es geht eben gerade nicht darum ein paar Schießbudenfiguren aufzustellen. Auch wenn die heutige Demokratie in Deutschland manchmal so aussieht. Wer glaubt man bräuchte nur einen guten Gesundheitsminister um gute Gesundheitspolitik zu machen, der hat Demokratie und Herrschaft nicht verstanden.

      Und wenn hier einer blind ist, dann seid ihr das.

      1. Sehr lustig. Auf „keine Geheimhaltung“ – Antwort: „LiquidFeedback soll keine geheime Wahl ermöglichen.“ – Siehst Du? Hey its not a bug, its a feature!? Kennt man ja von Windows. Du meintest dieses popelige Stück Text: http://liquidfeedback.org/faq/ ? Eure Naivität wird für mich jeden Tag erschreckender. Ihr ladet euch exakt die Problem auf den Hals, den andere anderenorts als hochproblematisch bekämpfen und meint noch dazu, DAS wäre die Zukunft der Demokratie. Was ja wohl heisst, dass ihr am liebsten LF für alle irgendwann sehen würdet.

  8. hi, ein äußerst spannender beitrag – in parteien scheint es mit gleichberechtigung schnell ähnlich zu laaufen, auf einmal war davon nichts mehr da. aber mein punkt ist ein ganz anderer: selbstverständlich ist biologisches geschlecht gesellschaftlich hergestellt, also konstruiert – und es gibt sogar biologen, die das nachweisen:
    „making sex revisited: dekonstruktion des geschlechts aus biologisch-medizinischer perspektive“ ( http://www.transcript-verlag.de/ts1329/ts1329.php ). nur mal so am rande, damit hier nicht gleich noch eine weitere entwicklung so ganz nebenbei zurückgedreht wird^^

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