Antwort auf „Die Presse, Lena Simon und die Piratinnen“

Der Mann der so böse guckt hat was geschrieben zu s.o.: „Aufmerksamkeitsökonomie, Die Presse, Lena Simon und die Piratinnen„. Eigentlich wollte ich darauf gar nicht antworten, weil der Text absolut redundant ist. Wurde aber oft retweetet auf Twitter, wohl eben aufgrund seiner Redundanz. Da kann jeder mitschwingen.

Also gut, schreibe ich doch etwas. Ich versuche mal die Argumente rauszupicken und darauf einzugehen:

Der Autor kritisiert, dass die Medien fragen, welche Position jemand in einer Partei hat. Er fordert die Medien dazu auf, sich der internen Parteistruktur der Piraten anzupassen in ihrer Berichterstattung, Zitat: „Die Piraten sollten eher die Presse in ihrem Stil der Recherche und Informationsbeschaffung verändern, als sich ihre Struktur durch den Stil der Berichterstattung aufdrücken zu lassen.

Dazu würde ich sagen: Das Gegenteil haben die Piraten auch vorgeworfen: Das Blogger und Medien die Stimmen von Einzelnen aufgenommen haben und auf die Gesamtpartei übertragen. Nicht zuletzt ist es auch das, was er später im Falle Lena Simon und den Piratinnen auch kritisiert. Wer sind die federführenden Piraten. Die ändern sich also täglich. Na toll. Also die Piraten sind der Mittelpunkt des Universums und alles muss sich um sie herumdrehen. So hört sich das für mich an. Das die Presse manchmal bedauerlich oberflächlich ist, ist klar. Aber es ist an der Piratenpartei klar zu kommunizieren und nicht Aufgabe der Presse piratisch zu werden. Alleine dieser Abschnitt ist an Dummheit kaum zu überbieten.

Nun zur Passage „Lena Simon und die Piratinnen“:

Zunächst meint er, dass das Thema leicht medial aufbereitbar war und auch durch gute Pressearbeit. Dabei würde ich konstatieren, dass die Pressemitteilung keineswegs gut gemacht ist und deren Inhalte wurde auch nicht von Onlinemedien übernommen (siehe Google News). Der eigentliche Wirbel entstand m.E. aufgrund der heftigen Reaktion vieler Piraten gegen die Gründung dieses Netzwerkes. Erst darauf regierten dann Online-Tageszeitungen wie die taz.

Weiterhin behauptet der Autor, dass „die Geschlechterfrage in der Wahrnehmung der meisten Piraten überhaupt keine Rolle spielt“. Was ist das für ein Argument? Korruption spielt auch in der Wahrnehmung der meisten FDP-Mitglieder überhaupt keine Rolle. Entscheidend ist doch, was vor unseren Augen passiert, ob nun Piraten davor die Augen verschließen oder es erkennen können oder nicht. Auch hier das Weltbild: Was der Pirat nicht sieht, das gibt es nicht!?

Der Auto bemängelt, dass nicht breiter über alle Parteien diskutiert wird. Aber nicht alle Parteien schließen weibliche Mitglieder per Satzung quasi aus der Partei aus, in dem definiert wird, dass es nur männliche Piraten gibt. Und dies ist ein aktueller Fall. Genau so wie die FDP derzeit unter Westerwelle leidet und nicht die SPD und CDU, so muss die PP nun ihre eigene Debatte ertragen.

Zu einem kritischen Artikel bei der Mädchenmannschaft fällt dem Autor nicht viel Schlaueres ein als „Hier ist Milde mit den Unwissenden angesagt und nicht die vorschlaghammerhafte Wucht einer mehr oder minder wohlfeil formulierten Tirade.„, Oh Gott gnädiger Pirat! Sie sind Deiner Kritik nicht würdig.Oder ist es vielleicht eher so, dass Du deren Argumente gar nicht verstehen konntest?

Zudem mokiert er sich über die Entschuldigung von DE:BUG für die Wahlempfehlung für die Piraten. Auch hier fällt der Groschen nicht. Es gibt eben Leute, die finden die Genderdebatte eben sehr wichtig und nicht so nebensächlich wie viele Männer und Frauen in der Piratenpartei. An anderer Stelle im Netz wurde auch schon deutlich, dass es viele intelligente Frauen gibt, die sich wieder on den Piraten abgewandt haben, aufgrund ihrer Einstellung zu Frauen u.a..

Dann schließt er mit:

Ich persönlich würde mich für eine Ordnungsmaßnahme gegen Simon aussprechen, kein Parteiausschluss aber eine Verwarnung, als klares Zeichen für alle Piraten, dass ein Versuch ein Thema über die Presse in die Partei hineinzudrücken nicht toleriert wird.

Aha. Interessante Interpretation von Meinungsfreiheit. Zur Klärung: Aus meiner Sicht hat Lena Simon niemals Zweifel daran gelassen, dass sie hier eine private Pressemitteilung verschickt hat. Es sind bereits im Namen der PP Pressemitteilungen gegen die Frauenquote verschickt worden, obwohl des dazu keinen Beschluss gab. DAS ist heftig – und DAS ist das offizielle Presseteam. Ein Parteimitglied zu verwarnen, weil es sich innerhalb der Partei organisiert und eine private Presemitteilung herausgibt ist lächerlich. Jeder weiss, dass Pressemitteilungen immer mit entsprechendem Ansprechpartner verschickt werden – und der ist bei den Piraten bekannt. Das niemand Lenas PM übernahm spricht auch dafür, dass das niemand falsch verstanden hat. Ich habe auch schon dutzende  Pressemitteilungen verschickt. Die Reichweite ist um so geringer je weniger etabliert man als News-Quelle ist. Eine Verwechslungsgefahr daher eher ausgeschlossen. Lena hat das gemacht, was sie konnte um das Netzwerk bekannter zu machen. Das die PP selber dabei nicht helfen wollte, hat sie auch bereits erklärt.

Insofern sehe ich das PR-Disaster als klassisches Eigentor der PP: Ein Thema wird marginalisiert und als unwichtig abgetan. Dann organisiert sich eine kleine Gruppe an Interessierten – und dann erfolgt der große Rückschlag des Parteivolkes auf die Spalter. Daraufhin dann das mediale Interesse, die amüsiert ist aufgrund des unprofessionellen Krisenmanagements. Wenn da jemand Konsequenzen ziehen muss dann diejenigen, die die Eskalation herbeigeführt haben. Also die Verweigerer. Alle, die gegen die Piratinnen unterschrieben haben, haben bewiesen, warum Lenas Aktion richtig war und sie haben zu dem katastrophalen medialen Bild beigetragen.

Erschreckend finde ich vor allem die Vielzahl dummer Piraten wie diesem Freak hier, der nicht einmal ansatzweise verstanden zu haben scheint, um was es ging und geht.

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Antwort auf „Die Presse, Lena Simon und die Piratinnen“

12 Gedanken zu “Antwort auf „Die Presse, Lena Simon und die Piratinnen“

  1. Janine schreibt:

    Lieber Vinci. Du fordest: Denken, Drücken, Schreiben. Aber schreibst selber nicht in diesem Stil. Lesen hilft auch dir. Schreib dich nicht ab. Lern Lese.

  2. Oliver Schimratzki schreibt:

    „Der Auto bemängelt, dass nicht breiter über alle Parteien diskutiert wird. Aber nicht alle Parteien schließen weibliche Mitglieder per Satzung quasi aus der Partei aus, in dem definiert wird, dass es nur männliche Piraten gibt.“

    Das tun die Piraten ausdrücklichst nicht. Es wird definiert, dass das Wort Pirat geschlechtsneutral für Frauen wie Männer gelten soll, weil die Gesamtheit der Piraten in dieser Beziehung keine Unterscheidung machen sollte. Es gibt kein Ausschließen weiblicher Mitglieder.

    Piraten derart undifferenziert als Dummköpfe und Freaks zu diffamieren, ist alles Andere als hilfreich. In dieser Beziehung solltest du dringend an deiner Diskussionsweise arbeiten (ebenso wie viele Piraten der Gegenseite).

    Ich fand die Ausmaße der Reaktionen auf die Piratinnen mitunter auch erschreckend, aber das relativiert nicht wie provokant und verwerflich die Art war, in der das Ganze begonnen wurde. Lenas Grundgedanke mochte richtig gewesen sein, aber die Art der Initiierung war die Hybris der jetzigen Situation. Die Schuld jetzt auf alle anderen abladen zu wollen, um das zu verteidigen, kann nicht funktionieren.

    In meinen Augen sollten die Piratinnen weitermachen – auch wenn es über die Plattform ihrer Arbeit wohl noch eine Debatte geben muss, da sich damit implizit die Frage stellt, ob und unter welchen Umständen nichtöffentliche, intransparente Strukturen innerhalb der Piratenpartei akzeptiert werden können und müssen. Zu behaupten es gäbe keine Genderdebatte ist mittlerweile ohnehin lächerlich, da wir mittendrin sind. Der Forderung von einer Ordnungsmaßnahme für Lena kann ich mich aber anschließen – nicht für Inhalt, sondern für die Form der Aktion.

    1. Das ist aber ungefähr die gleiche Sache wie damals in den 50ern, wo die Männer sagten, dass die männlichen Berufsbezeichungen reichen. Das war einer der ersten Kämpfe, die die moderne Frauenbewegung in Deutschland ausgefochten und gewonnen hat, so dass man mit fug und recht sagen kann, dass wo nur Pirat draufsteht auch nur Pirat drin sein kann. Die verwerfliche Art beginnt mit dieser unsäglichen Satzungserweiterung, die die Frauen diskriminiert und setzt sich über viele Beispiele fort – dem Bekunden man sein Post-Gender und die Frauen sollen sich nicht so haben – oder die Frauen die sagen sie werden gerne diskriminiert: Ja, es gibt auch KInder die später sagen Schlagen hätte ihnen nicht geschadet!? Lena hätte gar nichts machen müssen oder gemacht, wenn es nicht so viel Handlungsdruck gegeben hätte und so wenig Bereitschaft der Piratenmänner, mit dem Handeln anzufangen!

      Du willst also ein Mitglied der Piraten dafür bestrafen in welcher Form sie eine Aktion durchgezogen hat. Auf Basis von was, jetzt? Gefühlte Beleidigung der Piraten-Machos? Die Lena hat ganz einfach frech den Habitus des Enterns geändert (s.a. Entern/Gendern). Insofern auf eine unkonvetionelle Art piratiger als manch ein Pirat, der meint mit business as usual superpiratig zu sein. Weil seine Freundin will ja auch keine Gleichberechtigung oder so. Ich kanns nicht mehr hören.

    1. Die wurde irgendwann heimlich still und leise vom Netz genommen ohne sich davon ausdrücklich zu distanzieren. Sehr intransparent. Oder sie wurde versehentlich gelöscht. das war im Wahlkampf 2009. Ich hatte darauf mal im Piratenforum verwiesen, wo der Artikel aber glaube ich gesperrt wurde. Ich hatte ihn dann noch via Google Cache gefunden.

      S.a. http://74.125.77.132/search?q=cache:vTT39VifpVEJ:klarmachen-zum-aendern.de/newsletter/frauen-in-der-piratenpartei-zu-unserem-selbstverstandnis/+site:klarmachen-zum-aendern.de+frauen&cd=1&hl=en&ct=clnk&gl=de (Alte URL http://klarmachen-zum-aendern.de/newsletter/frauen-in-der-piratenpartei-zu-unserem-selbstverstandnis/)

  3. Georg schreibt:

    Bitte löse mir diesen Widerspruch auf zwischen:

    „Die verwerfliche Art beginnt mit dieser unsäglichen Satzungserweiterung, die die Frauen diskriminiert …“

    und

    „Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied […] des Geschlechts,“ (Bundessatzung §1)

    Findest Du „Pirat“ nicht geschlechtsneutral? Warum? Weil es „der Pirat“ heißt? Was sagst du dann zu §2, wo von „Person“ die Rede ist? Diskriminiert das nicht Männer, schließlich heißt es ja „die Person“?

    1. Also der Duden sagt, es gibt:
      1.) Der Pirat
      2.) Die Piratin.
      Die Piratenpartei meint jetzt das Wegstreichen der weiblichen Form wäre neutral. Ganz wie das die Männer bis ins Nachkriegsdeutschland hinein immer behauptet haben. Uns sie meinen sie wären damit progressiv. Aber bitte was ist daran progressiv, wenn man meint Frauen nicht als Piratinnen bezeichnen zu müssen? Der eigentlch Ärger fung damit an, dass Piraten nicht das neutrale „Mitglieder“ verwenden wollten. Aber was zum Henker wäre so schlimm wenn man „piratinnen“ ale Mehrzahl verwendet. Ach ja, ist ja schlimm wenn Männer weibliche Bezeichnungen bekommen. Umgerkehrt ists selbstverständlich, wie?

      1. Dass immer noch so viele das grammatikalische Geschlecht mit dem biologischen verwechseln, will mir nicht in den Kopf. Das grammatikalische Geschlecht ist eine Eigenschaft des Wortes. Diese Eigenschaft könnte statt Geschlecht auch Farbe heißen. Rote Worte bekämen den bestimmten Artikel der, blaue das, gelbe die – wäre dann die Diskussion überflüssig? Der Plural wäre Orange, was sogar logische im Sinne der Farbmischung wäre.

        Das es DER Pirat heißt, liegt einzig und allein daran, dass das Wort »Pirat« nunmal grammatikalisch männlich ist. Das hat ein gar nichts mit dem Geschlecht der Parteimitglieder zu tun.

        das Mädchen – gr. neutrum, biol. weibl
        der Bus – gr. männlich, kein biol. Geschlecht
        die U-Bahn – gr. weiblich, kein biol. Geschlecht

        Daraus wollte man ja nun auch nicht schlussfolgern, Frauen sollten lieber Bahn fahren und Männer eher Bus.

  4. Georg schreibt:

    Richtig, der Duden sagt „Der Pirat“ und „Die Piratin“. Er sagt auch, dass letztere Bezeichnung nur weibliche Piraten bezeichnet, erstere aber männliche und weibliche. Das ist Deutsch.

    Du meinst nun, nur weil es möglich ist, zu einer neutralen Variante eine weibliche zu bilden, wird die neutrale Variante automatisch nur männlich. Bist du dann eigentlich noch mit dem Parteinamen einverstanden?

    Nach der Logik könnte ich auch anfangen, männliche Personen als „der Personer“ zu bezeichnen, und dann allen, die nur „die Person“ benutzen, den Ausschluss von Männern vorzuwerfen.

    Du sagst, „Mitglied“ wäre neutral. Warum? Und bist du dir da sicher?

    Übrigens: Mir ist es egal, wie sich einzelne Piraten bezeichnen oder überhaupt Deutsch verwenden. Ich selber will mich an den allgemeinen Sprachgebrauch halten dürfen.

  5. Name (erforderlich) schreibt:

    Georg, der allgemeine Sprachgebrauch *ist* die Verwendung beider Geschlechter bei Nomina agentis, auch wenn Du das möglicherweise nicht wahrhaben willst.

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