Piratenpartei und Frauen an der Spitze

Kann es sein, dass langsam das die fehlende Frauenquote bei den Piraten langsam dazu führt, dass Männer an der Spitze benachteiligt werden!? Wie das – nun sowohl in Schleswig-Holstein als auch in NRW wurde eine Frau Spitzenkandidatin – und das, obgleich Frauen ansonsten stark unterrepräsentiert sind!

So erscheinen dann die Spitzenkandidatinnen aus meiner Sicht eher als Feigenblätter vor dem Hintergrund einer sonstigen Männerdominanz. Ähnliches fällt mir zu Rechtsradikalismus und Antifa-Demos auf: Obwohl man sowohl aus dem PP-Vorstand als auch von der Basis ständig rechtsradikale Thesen hört gibt es doch immer wieder Versuche sich an antifaschistischen Demos zu beteiligen.

In beiden Bereichen scheint es mir so zu sein, das sowohl die Parteispitzen als auch die Basis erkannt haben, dass es da ein PR-Problem gibt. Aber anstatt sowohl durch inhaltliche Entscheidungen und Debatten eine andere Richtung einzuschlagen beschränkt man sich auf eine Symbolpolitik – sprich:

  • Wenn die eine Frau an die Spitze wählen können die ja nicht frauenfeindlich sein – oder…
  • Wenn die mit zu antifaschistischen Demos aufrufen können die ja nicht rechtsradikal sein.

Aber. Die können das! Wie kaum eine andere Partei sind hier die Basismitglieder aus pragmatischen Gründen bereit gegen ihre eigenen Überzeugungen für etwas zu stimmen, was sie für ihre „Bewegung“ und der öffentlichen Wahrnehmung als wichtig ansehen.

Der Witz ist jetzt, dass Frauen wie Anika Tanck oder  Birgit Rydlewski dadurch zu eben dem werden, was die Piratenpartei oft als Gefahr einer Quote ansieht, nämlich dass Frauen als Quotenfrauen erscheinen. Hier geht es wohlgemerkt nur um den äußeren Eindruck.

Aber mal so rein statistisch betrachtet: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass in zwei Landesverbänden ausgerechnet jeweils eine Frau eine Spitzenposition (Landesliste und Vorsitz) bekommt, wo doch sonst die Frauen in starker Minderzahl sind und ansonsten die Quote weit von 50% entfernt ist? Piraten meinen ja gerne, dass sie nur nach Qualifikation entscheiden. Das ist mir zumindest bei Anika aus Flensburg jedenfalls nicht besonders aufgefallen.

Meine Interpretation ist, dass die Piraten hier auf direktem Wege eine Quote einführen die besonders gut sichtbar ist. Weder sind viele Piraten ansonsten der Meinung dass Frauen gleiche Chancen bekommen sollten, noch sprechen sie sich sonst für eine Quote aus. Ich sehe hier die gewählten Frauen viel mehr als Opfer als in Parteien in denen Landes-Listen nun einfach mal paritätisch besetzt werden.

Genau so wenig beweist eine Kanzlerin Merkel, dass sich die CDU ernsthaft um mehr Gleichberechtigung bemüht. Das ist nur Kulisse. Und die Piraten beweisen gerade mit ihrem Wahlverhalten, dass sie etwas vertuschen wollen. Nicht besonders glaubwürdig – und insbesondere weniger gerecht als eine Frauenquote. Ihr benutzt Frauen um von euren Problemen abzulenken!

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Piratenpartei und Frauen an der Spitze

14 Gedanken zu “Piratenpartei und Frauen an der Spitze

  1. Isi schreibt:

    Anika ist doch bekennende Antifeministin, da verzeiht man ihr das weibliche Geschlecht oder nimmt es überhaupt nicht mehr als entstellendes Merkmal zur Kenntnis, Feminismus hingegen würde Anika ganz weit nach hinten versetzen. Wenn Anika also keine Gleichberechtigung in der Partei oder zur Aufnahme in das Parteiprogramm fordert, ist an Anika nichts auszusetzen. Wird aber Anika aufmüpfig und verlangt den Schutz der Persönlichkeitsrechte auch für Frauen, honorieren die Piraten das sicher nicht mehr. Es gibt nämlich nur einen Weg, um bei den Piraten (auch als Frau) Wahlerfolge zu feiern: Man muß an die Diskriminierung der Männer (durch den „Staats- Feminismus“) glauben und man (und frau) sollte verinnerlicht haben, dass mehr als Frauen heute zugestanden ist, ihnen auch nicht zusteht. Wenn Anika das reicht, ist sie mind. politisch Masochistin.

  2. Woher kennt ihr eigentlich die Position der Piratenpartei zu Genderpolitik? Es gibt nur ein paar besonders laute Maskulisken, dass ist deswegen noch lange nicht Parteimeinung. Zu den Genderfragen kann es erst eine repräsentative Position geben, wenn die AG Männer, die AG Frauen und die AG Queeraten ein Programm ausgearbeitet haben, dass dann abgestimmt werden kann.

    Im übrigen heißt mehr Rechte für Männer nicht weniger Rechte für Frauen. Dass das Männerbild vom Vater, der vieleicht auch zuhause bleiben will, politische Unterstützung braucht, ist denke ich ausser Frage. Und da gibt es natürlich Frauen in der Piratenpartei, die dafür eintreten, davon profitieren nämlich Frauen genauso.

    1. Ganz einfach: Die Pressestelle der Piraten veröffentlicht ja munter(inzwischen nicht mehr via Web erreichbar? hier Archiv) bereits Positionen seit Monaten. Und in diesem Artikel spricht Arvid als Admin an die schwedischen Piraten für alle Piraten: „After being discussed in many ways, the german prirate party will not implement a gender quota in any way. “ – ich denk‘ ja auch immer es müsste da andere Positionen geben – aber bisher gibts immer nur diese Positionen und kein Veto von offizieller Seite.

    2. Isi schreibt:

      Aha, obligatorische Gentests für Neugeborene sind jetzt also ein „Männerrecht“ wie auch die Wehrpflicht für Frauen und auch die Strafverfolgung jüdischen Brauchtums.

      Und wenn sowas die NPD fordert, all das, was ist es dann?

    3. Die AG Frauen? Die dümpelt doch als AG Männer die zweite daher. Die Frauen, die sich vor einiger Zeit noch dort engagiert und eingebracht haben, hat man mundtot gemacht. Die irrwitzigen Sperrungen fördern die Diskussionsbereitschaft nicht. Schon gar nicht dann, wenn man sieht, wie man als Frau angesprochen wird, und man durch die Mods gezwungen wird, sich das bieten zu lassen. Oder man kassiert die Sperre. Wie Isi oder Terrormumu.
      Irgendwie kommt mir dieser Stil bekannt vor. Die CDU Männer und auch manche SPDler, machen Frauen gern lächerlich und behandeln sie als dummes Gör, wenn sie unbequem werden.

      Wenn ich als Feministin davon rede, dass wir Gleichstellung brauchen, dann meine ich nicht nur die der FRauen. Sondern auch die der Männer. Da müssen wir hin. Gegenwärtig ist das nicht der Fall.

      1. Ja, es ist ja die Frage „Wie wollen wir miteinander umgehen?“ oder welche Leute wollen wir an entscheidenden Positionen haben – oder welche Zusammensetzung wollen wir bei Pöstchen haben. Wenn es da Leute egal ist, wenns 100% Männer sind, dann sagt das schon einiges aus. Mir fehlt da bei den Piraten schon alleine der grundsätzliche Wille da mehr zu wollen als wir heute haben – und zum Teil halt auch Tendenzen alles zurückschrauben zu wollen

      2. Anna schreibt:

        was ein sinnloses rumgeheule. Sucht eure Probleme nicht immer bei anderen, vorzugsweise bei Männern. Die können gar nichts dafür, dass ihr euch für minderwertig und nicht richtig integriert haltet.

  3. Thomas schreibt:

    Ich habe gestern Birgit in den Vorstand gewählt, wegen ihrer Kompetenz und der guten Arbeit, die sie bei der Ausarbeitung des Bildungsprogramms gezeigt hat. Interpretiert doch bitte nicht in alles und jeden gleich den Chromosomenkampf hinein. „Manchmal ist eine Schreibmaschine einfach nur eine Schreibmaschine.“ — S. Freud

    1. Das kann natürlich sein. Immer wenn man schreibt und interpretiert, besteht die Gefahr, dass man überinterpretiert. Die Grudntendenz sehe und auch die Anzeichen in dieser Wahl. Was nicht heisst, dass es 100% stimmt.

  4. e.bissich schreibt:

    Birgit Rydlewski als Quotenfrau zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück. Die Piratenpartei hat sich für den Landtagswahlkampf vorgenommen, das Thema Bildung besonders hervorzuheben. Da sich Birgit Rydlewski mit Bildungsthemen hervorragend auskennt, nicht nur weil sie Lehrerin ist, ist sie als Vorsizende der Piraten in NRW bestens geeignet. Ich hoffe, dass sie durch ihre Taten zeigt, dass alle Verleumdungen als Quotenfrau haltlos sind.

    1. Den Eindruck erzeugt IHR dadurch, dass ansonsten Frauen bei euch nicht viel zu sagen haben. Es geht gar nicht um die Person von Frau Rydlewski. Es ist nur auffällig, dass Frauen und Frauenrechte ausser ab und zu als Spitzenkandidatinnen nicht adäquat beteiligt werden. damit ringt ihr die Frauen die da reingewählt werden eben in diese Lage als Quotenfrau zu erscheinen. Und zwar deshlb weil ihr per Quoten ablehnt. D.h. ihr 90% Männer wählt direkt per Quote anstatt dass Frauen einfach auf breiter Front beteiligt sind.

    2. Isi schreibt:

      Hast du dir denn das Bildungsprogramm mal durchgelesen? Wo genau beweist Frau Rydlewski denn darin besondere Kompetenz?

      Mit allem Respekt, aber wenn Frau Rydlewski (als Lehrerin) kompetent ist, gleich ein Bildungsprogramm zu entwerfen, dass dann angenommen wird, weil sie (auch) eine Lehrerin ist und das dann dabei herauskommt, dann beweist das wieder nur, was ich schon lange vermute: Die anderen Piraten sind noch ahnungsloser. Vielleicht ist Frau Rydlewski tatsächlich die Einäugige unter den Blinden, aber Kompetenz definiere ich anders und das Bildungsprgramm NRW ist kein Ausdruck besonderer Kompetenzen auf diesem Gebiet.

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