Die Sache mit der Sprache…

Aus aktuellem Anlaß möchte ich noch mal auf die Sprache Bezug nehmen – und der Frage wie neutral sie ist, bzw. inwieweit andere  Sprachregelungen nötig sind.

Das allerwichtigste ist zu erkennen, dass unsere Grammatik wie sie gewachsen ist aus dem Zusammenhang der Geschichte zu betrachten ist. Das heißt: Natürlich ist Sprache und Grammatik nicht neutral, sondern ein Spiegel der Gesellschaft und der Entwicklungen.

Viele denken, dass alles was historisch ist, sich irgendwie aus sich selbst rechtfertigt, weil es eben so ist, wie es ist. Dazu muss man sich auch mal anschauen, was alles so angeblich Tradition ist.

  • Was mir neu war und ich erst neulich via ARTE lernen durfte ist, dass die „traditionelle“ Tracht der Aymara-Frauen in Bolivien insgesamt sehr spät entstand und ihnen von den Spaniern aufgezwungen wurde.
  • Wenig traditionell sind auch die vielen Traditionsvereine in Deutschland. Die Trachten in Deutschland stammen zu 100% aus der Zeit der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert. S.a. Heimatbewegung – Tradition ist ein Konstrukt und war immer auch politisch determiniert.
  • Die Deutsche Sprache als solches ist auch ein Konstrukt. Z.B. bemühten sich Dichter wie Goethe und Schiller sehr darum Begriffe zu finden, die viele üblichen lateinischen Begriffe ersetzten wie z.B. „Diarium“ -> „Tagebuch“. Das was vielen von uns heute als die traditionelle deutsche Sprache kennen ist zum großen Teil von einigen wenige ausgedacht – und dann immer wieder weiter standardisiert worden – unter den Maßgaben derjenigen, die die Macht hatten.

Unter dem Strich will ich damit sagen, dass es keine Grammatik oder Sprache gibt, die natürlich wäre – es gibt keine positive Geschichte auf die wir uns beziehen und die Sprache von heute als etwas Gegebenes annehmen könnten.

So wie die Gesellschaft und die Menschen früher ihr Sprache und ihre Kultur definiert haben – oder es bestimmt haben, so müssen auch wir heute dies tun – unter der Berücksichtigung unserer heutigen Maßstäbe. Regeln und Verhältnisse die gewachsen sind müssen hinterfragbar sein, denn auch die Bedingungen unter denen unsere Kultur gewachsen ist, waren oft mehr als fragwürdig. Und es gibt keinen logischen Grund, warum man ausgerechnet heute sich jeglicher Kritik oder dem Streben nach Änderung unserer Kultur enthalten sollte, da dies in anderen Zeiten von Diktaturen und Monarchien nicht der Fall war und eben unsere Kultur geprägt hat.

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Die Sache mit der Sprache…

2 Gedanken zu “Die Sache mit der Sprache…

  1. Isi schreibt:

    Enthalte dich bitte nicht.

    😉

    Über Sprachkritik könnt ich ja stundenlang reden, aber das sprengt dann hier alles. Das Wichtigste für mich und mein zentrales Anliegen in Bezug auf die korrekte Anwendung der Sprache (vorerst durch mich) ist nicht das Geschlecht, sondern die Logik. Ob ich nun sage, ein „Müllmann ist ein Hamster“ oder eine Müllfrau ist ein Hamster“ ist nur von politischer Bedeutung (und auch nur dann, wenn der Mann eine Frau ist umgekehrt), wichtiger aber ist, dass weder der Müllmann noch die Müllfrau ein Hamster sein kann, sondern beide sind Menschen. Der Satz ist zwar in beiden Fällen grammatikalisch korrekt, aber aussagenlogisch inhaltsleer. Also ist mE. die Sprache nicht nur, nicht (geschlechter)neutral, was die Wirklichkeit ja auch nie war und ist, sondern die Grammatik zwingt nicht zur logischen Anwendung der Sprache. In diesem Sinne es auch nur die halbe Miete, die gesellschaftliche Teilhabe der Frauen (in Männerbereichen) sprachlich abzubilden, wenn alle – Männer wie Frauen – dem gleichen unlogischen (pseudorealen) Wirklichkeitsabbildern folgen. Du kannst dir heute einfach irgendeinen Unsinn ausdenken und darauf warten, dass irgendjemand damit was anfangen kann und es mit Inhalt füllt und das nur, weil uns die Grammatik nicht zur Logik zwingt. Ich wünsche mir darum eine Grammatik, die so eindeutig und logisch ist wie die Grundrechenarten in der Mathematik es sind.

  2. Wie wäre es, eine kulturübergreifende sprache zu konstruieren (elbisch oder esparanto sind ja auch kunstsprachen), mit der man nur logische dinge ausdrücken kann? Kann man die ideen von chomsky vielleicht dafür verwenden? Eine kulturübergreifende sprache enthielte z.B. nicht mehr die unterscheidung zwischen männlich und weiblich, weil diese unterscheidung ja nur gesellschaftlich erzeugt und damit nicht universell ist.

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