26C3

Zur Zeit findet ja wieder der Chaos Communication Congress in Berlin statt. Veranstalter vom CCC. Auffällig ist dabei:

  • Die Streamqualität ist unter aller Sau. D.h. extrem unzuverlässig. Was ich nicht  verstehe ist, warum man dann, wenn es zu Ausfällen kommt nicht einfach die Videostreams weglässt und nur Audio macht. Aber im Gegenteil: Nur-Audio gab es m.W. bis Tag 3 gar nicht. Ich bin kein Streaming-Experte, denke aber das Videostreaming ein vielfaches an Bandbreite und Aufwand bedeutet. Wenn man das nicht leisten kann, bringt es gar nichts das anzubieten.
  • Der primäre Stream liegt nicht in einem freien Format vor, sondern in WMV. man würde erwarten, dass da der CCC bewusster vorgeht.
  • Am 2. Tag gab es einen Vortrag zu neokonservativen Thinktanks in der BRD. Etwas chaotisch, aber der Vortragende hat doch viele wichtige Akzente gesetzt. Einige der Zuschauer hatten da aber etwas auszusetzen. Z.B. das Idealismus und Aufklärung rein GAR NICHTS miteinander zutun hätten. Dazu: Das ist natürlich noch größerer Blödsinn. Natürlich sind die Begriffe nicht synonym. Aber z.B. war Kant sowohl ein bedeutender Vertreter des Zeitalters der Aufklärung, wie auch des Idealismus. Eine andere Zuschauerin kritisierte, dass der Vortrag zu dünn war. Auf den Vorschlag doch nächstes Jahr selber einen Vortrag zu halten antwortete sie, dass dies eine UNZULÄSSIGE Frage wäre und das der Vortragende sich somit der Kritik entziehen wolle. – Aus meiner Sicht zeigen diese Reaktionen eine fundamentale Konsumhaltung bzw. eine Sichtweise von Vorträgen, dass diese einen gewissen Vollständigkeitsanspruch erfüllen müssten. Die Leute wollen befüllt werden. Also ganz anders als die Idee von Unkonferenzen. Hier versucht man beim CC wohl nachwievor sauber trennen zu wollen zwischen Vorträgen und Workshops. Man merkt in Vorträgen, das die Leute es lieben, wenn vorne der Clown alle plattmacht. Also so wie wenn man Eintritt bezahlt für Kabarett am besten. Dass das niemanden zum Mitmachen anregt ist was anderes. Im Grunde ist zu beobachten, das beim CCC denn auch nur eine handvoll Leute Wortführer und Aktive sind – der Rest scheint doch eher zu basteln/frickeln oder Mobilisierungsmasse zu sein. Schade, ich denke dass das alles zusammenhängt. Ich persönlich finde die Sessions am spannendsten, die Lücken lassen. Lücken gibt es immer, die Frage ist wie weit sich Leute vorwagen auf Basis ihres eigenen Wissens. Meine Meinung ist, dass man den Mut vorzutreten und sein Wissen zu teilen nicht zu gering einschätzen sollte. Ich denke dass das sehr wichtig ist. Und man sollte zur Kenntnis nehmen, was der Kern eines Vortrages ist. Außerdem muss man berücksichtigen ob jemand nicht als einziger anfängt ein Thema anzusprechen. Dann muss man halt mit der Qualität leben, die gebten wird, weil es das Beste ist, was angeboten wird. Daher finde ich die Anregung selber einen besseren Vortrag zu halten durchaus legitim – denn es ist müßig am Ende eines Vortrages mehr auf die Fehler einzugehen als auf die offenen Fragen.
  • Furchtbar fand ich hingegen den Vortrag zu Liquid Democracy. Vielleicht weil ich auf eben diesen Vortrag gewartet hatte, da diese Ideen von der Piratenpartei seit langem kommuniziert werden. Ich habs aber ehrlich gesagt nie richtig verstanden. Und der Vortrag half überhaupt nicht (im Gegensatz zu dem davor). Im Wesentlichen möchte ich kritisieren, dass A) In dem Vortrag ständig zwischen den Ebenen (Partei, Parlament,…) hin- und hergesprungen wurde. Wobei ich gerade denke, dass die Trennung dessen absolut wichtig ist. B) Zum anderen möchte ich an dieser Stelle auch kritisieren, das die Piratenpartei LD nicht einfach mal in einer AG ausprobiert und dann in der Praxis testet und darüber berichtet. Die Visionen der PP gehen da sehr weit – aber praktisch scheint man das Thema nicht anfassen zu wollen? Machts doch einfach. Meiner Meinung nach kann aber ein System, dass mir – und ganz blöd bin ich ja auch nicht – nicht bei mehrmaliger Erläuterung plausibel wird – nicht wirklich gut sein. Warum? Weil gute, praktikable Systeme eben auch einfach und transparent sein müssen. Wir haben ja auch gerade das Wahlcomputer-Urteil gehabt – wo die Nachvollziehbarkeit als wichtiger Faktor einer öffentlichen Wahl hervorgehoben wurde. Wenn LQ nun bedeutet, dass zum einen viele das System kaum durchdringen (ich behaupte einfach mal inklusive die, die es vertreten) – und dann noch vorraussetzt das alle möglichen Leute via Internet wählen – dann sehe ich Transparenz im höchsten Maße als gefährdet an. Ich denke LQ ist nicht wirklich zu Ende gedacht. Die PP trägt es wie eine Monstranz vor sich her. Aber niemand weiss so recht, wie es funktionieren soll, noch probiert sie es selber aus.
  • Dass das so eng gesehen wird mit den Längen der Sessions ist auch das Gegenteil von Unkonferenz. Dort heisst es: Es fängt an, wenn es anfängt und es hört auf wenn es aufhört. Gut: Niemand hat gesagt der 26C3 solle eine Unkonferenz sein. Aber ich finde Ideen und Elemente kann man schon übernehmen 2009.

Jetzt sage aber keiner ich solle doch selber sowas aufziehen. Ich denke was das Streaming angeht, so ist das ein ewiges Problem, dass nach besseren Lösungen verlangt. Was live angeht, so finde ich halt Audio oder low bandwidth entscheidender als ein theoretisch verfügbaren HQ-Videostream. von mir aus zeichnet den auf und stellt den nachher zur Verfügung. Für live ist das doch nicht so wichtig. Außerdem verstehe ich nicht, warum es nicht vorher schon viele Mirrors (> 20) gibt, die einen eigenen Zugang haben – und die empfohlen werden. Stattdessen wird man auf eine Adresse verwiesen und am dritten Tag bekommt man dann nur eine handvoll zusätzliche Mirrors genannt. Ich denke, dass viele Leute und Organisationen weltweit bereit wären einen Mirror anzubieten (>100) – das würde die Last doch sehr gut verteilen. Zudem fehlte auch vielleicht ein simples Interface zu einem der Flash-Livestrem-Provider wie z.B. USTREAM. Die haben eigene Kapazitäten und gehen nicht gleich in die Knie bei ein paar mehr Usern. Oder warum gibt es keinen Channel der solche Events abdeckt – halt immer wo anders – und dessen Kapazitäten das ganze Jahr hindurch hoch genug sind. Da gibts wohl auch noch eine Lücke.

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26C3

Ein Gedanke zu “26C3

  1. Isi schreibt:

    Ich halte liquid democracy mittlerweile für einen ganz bewußt manipulativen Betrugsversuch gegenüber den Wählern. So dumm, die Mängel in diesem Desaster zu erkennen, können ja selbst Piraten nicht sein.

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