Zur Wikipedia-Diskussion auf dem 26C3

Also gut, das meiste konnte ich hören, was auf dem 26C3 gesagt wurde. Ich habe zu dem Thema seit meiner Nutzung seit ca. 2001 bzw. meinem Nutzeranlegen 2002 ja schon vieles geschrieben, dass ich aber aus dem aktuellen Anlaß noch einmal wiederholen, bzw. neu zusammenfassen möchte:

  1. Die Idee mit dem Distributed Network ist im grunde richtig. Die Moin-Software bietet da schon länger eine Funktionalität zur Synchronisierung von Wiki-Instanzen. Das ist nicht ganz das, was das Projekt Levitation kann und will. Wichtig finde ich aber schon, das man berücksichtigt, das Wikis bereits eine Versionskontrolle haben: Es sollte nicht versucht werden diese Versionskontrolle zu doppeln. Es sollte verschiedene Möglichkeiten der Synchronisierung aber auch des Forkens geben. Problematisch ist das Ganze glaube ich solange ein Teil der Daten eben in MySQL gespeichert bleiben (wieder ein eigenes Datensystem). dakmit hätte man ggf. drei Systeme die speichern: 1.) mySQL/Datenbank, 2.) MediaWiki-Software-Revisionen, 3.) Sychronisierung mit Git. – das wird zu komplex. Soviel ich weiss sind Datenbanken nicht zwangsläufig schneller als dateibasierte Systeme – entscheidend ist dann eh das Cachen von Inhalten um die Last zu reduzieren. Das hat jetzt aber mal gar nix mit Relevanz zu tun. Und es war vielleicht auch falsch seitens der Moderation das auch zu thematisieren.
  2. Das Wesentliche an der Problematik ist,dass Ur-Wikis  ganz andere Prinzipien haben als die Wikipedia. Die Grundidee ist schon, dass sich User einigen müssen. Es gibt EditWars – die muss man irgendwie befrieden. Neutralität ist nicht die Lösung. Ich bin auch der Meinung, dass Neutralität nicht herstellbar. Neutralität führt immer dazu Minderheitsansichten auszugrenzen. Wichtiger ist der Anspruch, den ein System hat. Eine Enzyklopädie erhebt auch den Anspruch eine gewisse Vollständigkeit zu erreichen. Das kann sie aber nicht, wenn Artikel willkürlich und selektiv gelöscht werden. Ich fordere, dass die Wiki sich wieder mehr auf die Wiki-Prinzipien besinnt. Weniger Bürokratie und mehr spontane Wissensbildung. die Wikipedia hat ihre größte Zeit gehabt, als die ganze Bürokratie noch nicht instaliert war. Alleine, dass man Leute Bürokraten nennt, die bestimmte Funktionen haben, ist pervers – auch wenns mal lustig gemeint gewesen ist.
  3. Die Wikipedia unterscheidet zu wenig zwischen eingehenden Bearbeitungen und dem Produkt Wikipedia. Sie versucht daraus eine Einheit zu machen. Daher werden neue Inhalte oft gelöscht oder redigiert, anstatt sie entwickeln zu lassen. Da kommen wir dann doch wieder auf die verteilten Systeme zurück. Mein Vorschlag wäre, dass es eine Haupt-Pool-Wikipedia gibt, die alles sammelt – und daraus wird dann z.B. erst die heutige Wikipedia (oder auch andere „Ansichten“) erstellt. Andere Inhalte, evt. auch sehr begrenzt können in anderen *Pedias gepflegt werden und evt. mit dieser Hauptpool-Wikipedia abgeglichen werden. Dafür würde es dann auch bestimmter grafischer Tools bedürfen, die das erleichtern.
  4. Einer von ‚Mahas‘ Punkten war, das die Relevanzkriterien blöderweise in den verschiedenen Sprachen verschieden sind. Da stimme ich 100% überein. Das ist der Beleg, das Relevanz ja auch sehr unterschiedlich gesehen wird. Was aber viel problematischer ist, als die Frage eines einzelnen Artikels. Gilt wahrscheinlich auch für andere Kriterien.
  5. Zu Mahas Begriffsverwendung ‚Interwiki‚-Links muss man sagen, dass die Sprach-Links keine Interwiki-Links sind. Interwiki-Links warn und sind die Links zwischen verschiedenen Wikis (z.B. LinuxWiki zur Wikipedia usw. Was Maha meinte nennt MediaWiki wohl InterwikiMedia-Links. Das wird leider oft von Wikipedianer durcheinandergebracht. Interwiki-Links sind viel älter.
  6. Ich fand da Kurts Einlassung gar nicht so schlecht, dass er berichtete, wie vor ein paar Jahren noch die Wikipedia als Schwachsinn von CCClern angesehen wurde – und jetzt meinen sie, sie hättens immer besser gewusst. Da ist was dran. Es gibt Leute wie Kurt, die da seit Jahren Zeit investieren. Das muss man zumindest anerkennen und auch sehen, dass er damals schon was gesehen hat, was die, die heute kritisieren nicht gesehen haben.
  7. Nichtsdesdotrotz ist die aktuelle Kritik absolut gerechtfertigt. Wichtig dabei der ganze Frust, der sich bei den Usern aufgestaut hat und irgendwie immer noch keine Anerkennung findet. Die Wikipedianer scheinend as mehrheitlich so zu sehen, das die User einfach zu doof sind zu kapieren um was es geht. Dabei ists die Wikipedia, die statt auf die Community eher auf externen medienfremden Sachverstand zugreift.
  8. Mir sind auch schon einige Artikel gelöscht worden. Die meisten sind jetzt wieder da, weil sie plötzlich relevant sind – oder sie sind halt jetzt schlechter als vorher. Oder sie werden in einem Artikel besprochen. So meint die Wikipedia, das eine Unkonferenz eine „Tagung“ wäre. Aha, also das Gegenteil einer Konferenz ist also eine Konferenz/Tagung. Ist dann Sozialismus=Kapitalismus (see Unconference)? oder Foresight Linux – als es unter den Top 30 Distributionen bei DistroWatch war, war es zu irrelevant für die Wikipedia. jetzt ist es aktuell auf Platz 157 und ist relevanter? Die unzähligen Fehler im aktuellen Artikel korrigiere ich inzwischen nicht mehr. Ich sage nur: Bessere Qualität? Wie soll das gehen, wenn Artikel immer wieder auf Null gesetzt werden.
  9. Und hier stimmt m.E. die Rechnung der Wikipedia nicht: Es ist doch aufwendiger ständig Artikel zu löschen und diese ganze Löschdiskussion zu führen, als nur geringfügige Änderungen zu beobachten. Was die Wikipedia macht ist quasi kein kleinen Patch auf Inhalte, sondern ein komplettes Löschen aller Vorgängerversionen. Ich nutze viel Diffs in Wikis und auch bei Software – und ich bin froh, wenn Patches und Änderungen klein sind – und ich sie anhand der Vorversionen überprüfen kann. Ich muss dann nicht immer alles lesen, sondern nur die Änderung. Aber die Wikipedia sagt es wäre weniger Arbeit einen komplett neuen Artikel zu lesen, als nur die Änderungen zu überprüfen. Zudem macht sie IMHO den Fehler von einer begrenzten Usermenge auszugehen. Das größte Problem der Wikipedia ist, dass sie massiv User wie mich abschrecken, die von vielen Themen Ahnung haben aber nicht bereit sind sich auf Löschdiskussionen mit Dilletanten einzulassen. Vielleicht gibt es Leute, die nix anderes als Wikipedia machen?
  10. Auf DLF oder irgendwo anders lief mal ein Interview wo ein Wikipedia-Admin berichtete, dass das erste, was er morgens macht zu sehen, was für Löschkandidaten es gibt. Wie ich heute erfuhr darf jeder Idiot einen Löschantrag stellen. Wie wäre es denn, wenn man das auch mal eingrenzen würde? Weniger Löschanträge = weniger Arbeit! ich garantiere es euch!
  11. Das Argument „macht doch selber eure Wikipedia auf“ ist lächerlich. Wozu gibts denn ständig diese Spendenhinweise? Weil man sowas eben nicht mal eben aus der Portokasse aufzieht. Und warum soll man unbedingt die ganzen Fehler der Wikipedia belassen und mit viel Mühe eine Spaltung der Autoren vorantreiben? Will die Wikipedia Autoren loswerden und ihre Finanzierungsgrundlage?

Zum Teil ist das Ganze doch eine Geisterdiskussion. Die Wikipedia erwehrt sich nachwievor fundierter Argumente – kann dazu aber kaum mit Gegenargumenten bestechen. Dauerhaft auf Kriegsfuß mit den eigenen Usern wird nicht gutgehen. Noch überwiegt der Good Will der User.

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Zur Wikipedia-Diskussion auf dem 26C3

26C3

Zur Zeit findet ja wieder der Chaos Communication Congress in Berlin statt. Veranstalter vom CCC. Auffällig ist dabei:

  • Die Streamqualität ist unter aller Sau. D.h. extrem unzuverlässig. Was ich nicht  verstehe ist, warum man dann, wenn es zu Ausfällen kommt nicht einfach die Videostreams weglässt und nur Audio macht. Aber im Gegenteil: Nur-Audio gab es m.W. bis Tag 3 gar nicht. Ich bin kein Streaming-Experte, denke aber das Videostreaming ein vielfaches an Bandbreite und Aufwand bedeutet. Wenn man das nicht leisten kann, bringt es gar nichts das anzubieten.
  • Der primäre Stream liegt nicht in einem freien Format vor, sondern in WMV. man würde erwarten, dass da der CCC bewusster vorgeht.
  • Am 2. Tag gab es einen Vortrag zu neokonservativen Thinktanks in der BRD. Etwas chaotisch, aber der Vortragende hat doch viele wichtige Akzente gesetzt. Einige der Zuschauer hatten da aber etwas auszusetzen. Z.B. das Idealismus und Aufklärung rein GAR NICHTS miteinander zutun hätten. Dazu: Das ist natürlich noch größerer Blödsinn. Natürlich sind die Begriffe nicht synonym. Aber z.B. war Kant sowohl ein bedeutender Vertreter des Zeitalters der Aufklärung, wie auch des Idealismus. Eine andere Zuschauerin kritisierte, dass der Vortrag zu dünn war. Auf den Vorschlag doch nächstes Jahr selber einen Vortrag zu halten antwortete sie, dass dies eine UNZULÄSSIGE Frage wäre und das der Vortragende sich somit der Kritik entziehen wolle. – Aus meiner Sicht zeigen diese Reaktionen eine fundamentale Konsumhaltung bzw. eine Sichtweise von Vorträgen, dass diese einen gewissen Vollständigkeitsanspruch erfüllen müssten. Die Leute wollen befüllt werden. Also ganz anders als die Idee von Unkonferenzen. Hier versucht man beim CC wohl nachwievor sauber trennen zu wollen zwischen Vorträgen und Workshops. Man merkt in Vorträgen, das die Leute es lieben, wenn vorne der Clown alle plattmacht. Also so wie wenn man Eintritt bezahlt für Kabarett am besten. Dass das niemanden zum Mitmachen anregt ist was anderes. Im Grunde ist zu beobachten, das beim CCC denn auch nur eine handvoll Leute Wortführer und Aktive sind – der Rest scheint doch eher zu basteln/frickeln oder Mobilisierungsmasse zu sein. Schade, ich denke dass das alles zusammenhängt. Ich persönlich finde die Sessions am spannendsten, die Lücken lassen. Lücken gibt es immer, die Frage ist wie weit sich Leute vorwagen auf Basis ihres eigenen Wissens. Meine Meinung ist, dass man den Mut vorzutreten und sein Wissen zu teilen nicht zu gering einschätzen sollte. Ich denke dass das sehr wichtig ist. Und man sollte zur Kenntnis nehmen, was der Kern eines Vortrages ist. Außerdem muss man berücksichtigen ob jemand nicht als einziger anfängt ein Thema anzusprechen. Dann muss man halt mit der Qualität leben, die gebten wird, weil es das Beste ist, was angeboten wird. Daher finde ich die Anregung selber einen besseren Vortrag zu halten durchaus legitim – denn es ist müßig am Ende eines Vortrages mehr auf die Fehler einzugehen als auf die offenen Fragen.
  • Furchtbar fand ich hingegen den Vortrag zu Liquid Democracy. Vielleicht weil ich auf eben diesen Vortrag gewartet hatte, da diese Ideen von der Piratenpartei seit langem kommuniziert werden. Ich habs aber ehrlich gesagt nie richtig verstanden. Und der Vortrag half überhaupt nicht (im Gegensatz zu dem davor). Im Wesentlichen möchte ich kritisieren, dass A) In dem Vortrag ständig zwischen den Ebenen (Partei, Parlament,…) hin- und hergesprungen wurde. Wobei ich gerade denke, dass die Trennung dessen absolut wichtig ist. B) Zum anderen möchte ich an dieser Stelle auch kritisieren, das die Piratenpartei LD nicht einfach mal in einer AG ausprobiert und dann in der Praxis testet und darüber berichtet. Die Visionen der PP gehen da sehr weit – aber praktisch scheint man das Thema nicht anfassen zu wollen? Machts doch einfach. Meiner Meinung nach kann aber ein System, dass mir – und ganz blöd bin ich ja auch nicht – nicht bei mehrmaliger Erläuterung plausibel wird – nicht wirklich gut sein. Warum? Weil gute, praktikable Systeme eben auch einfach und transparent sein müssen. Wir haben ja auch gerade das Wahlcomputer-Urteil gehabt – wo die Nachvollziehbarkeit als wichtiger Faktor einer öffentlichen Wahl hervorgehoben wurde. Wenn LQ nun bedeutet, dass zum einen viele das System kaum durchdringen (ich behaupte einfach mal inklusive die, die es vertreten) – und dann noch vorraussetzt das alle möglichen Leute via Internet wählen – dann sehe ich Transparenz im höchsten Maße als gefährdet an. Ich denke LQ ist nicht wirklich zu Ende gedacht. Die PP trägt es wie eine Monstranz vor sich her. Aber niemand weiss so recht, wie es funktionieren soll, noch probiert sie es selber aus.
  • Dass das so eng gesehen wird mit den Längen der Sessions ist auch das Gegenteil von Unkonferenz. Dort heisst es: Es fängt an, wenn es anfängt und es hört auf wenn es aufhört. Gut: Niemand hat gesagt der 26C3 solle eine Unkonferenz sein. Aber ich finde Ideen und Elemente kann man schon übernehmen 2009.

Jetzt sage aber keiner ich solle doch selber sowas aufziehen. Ich denke was das Streaming angeht, so ist das ein ewiges Problem, dass nach besseren Lösungen verlangt. Was live angeht, so finde ich halt Audio oder low bandwidth entscheidender als ein theoretisch verfügbaren HQ-Videostream. von mir aus zeichnet den auf und stellt den nachher zur Verfügung. Für live ist das doch nicht so wichtig. Außerdem verstehe ich nicht, warum es nicht vorher schon viele Mirrors (> 20) gibt, die einen eigenen Zugang haben – und die empfohlen werden. Stattdessen wird man auf eine Adresse verwiesen und am dritten Tag bekommt man dann nur eine handvoll zusätzliche Mirrors genannt. Ich denke, dass viele Leute und Organisationen weltweit bereit wären einen Mirror anzubieten (>100) – das würde die Last doch sehr gut verteilen. Zudem fehlte auch vielleicht ein simples Interface zu einem der Flash-Livestrem-Provider wie z.B. USTREAM. Die haben eigene Kapazitäten und gehen nicht gleich in die Knie bei ein paar mehr Usern. Oder warum gibt es keinen Channel der solche Events abdeckt – halt immer wo anders – und dessen Kapazitäten das ganze Jahr hindurch hoch genug sind. Da gibts wohl auch noch eine Lücke.

26C3

Wieso Gleichheit nicht vom Himmel fällt

Dieser Beitrag ist als Anregung zum Nachdenken zu verstehen. Denn oft beobachte ich in Kommentaren und Foren, wie die Diskussion um eine Frauenquote in meinen Augen falsch diskutiert wird.

Um das Ganze zu illustrieren möchte ich zunächst ein Gleichnis aufstellen:

Stellen wir uns eine Gruppe von Menschen vor: Eine alte Frau, ein kleiner Junge, ein sportlicher junger Mann und ein Rollstuhlfahrer. Es soll ein Wettbewerb stattfinden – über eine Distanz von 500 Metern müssen diese Teilnehmer nur zu einem Tisch laufen – und wer zuerst ankommt kann sich den Gewinn der dort liegt nehmen. Wir stellen fest: Alle Teilnehmerinnen sind gleich weit vom Ziel entfernt – keiner wird behindert, alle starten zum gleichen Zeitpunkt, niemand ist gedopt oder hat einen sonstigen Vorteil von den Veranstaltern erhalten. Preifrage: Wer wird vermutlich das Ziel als erster erreichen und den Gewinn einstreichen? Und können wir hier von einem fairen Wettbewerb sprechen?

Der Leser wird erraten, wer in diesem Fall der Gewinner sein wird, wenn nichts dazwischen kommt: Der sportliche junge Mann. Aber welche Art Wettbewerb haben wir hier, wenn der Gewinner defakto schon vorher fest steht?

Oder nehmen wir ein Beispiel aus der Realität: Im Boxen und anderen Sportarten treten Frauen nicht direkt gegen Männer an. Handelt es sich hierbei um eine Benachteiligung der Männer, weil diese nicht an den Wettbewerben der Frauen teilnehmen dürfen?

Was können wir aus dem Gleichnis und dem Beispiel lernen? Formal gleiche Bedingungen bedeuten nicht, dass alle die gleiche Chance haben. Und die Tatsache, dass nicht jeder bei jedem Wettbewerb antreten darf stellt nicht immer eine Benachteiligung einer Gruppe oder eines Geschlechtes dar.

Ja, wir sind alle verschieden. Wir haben Stärken und Schwächen. Dies führt dazu, dass wir an verschiedenen Stellen Vorteile und/oder Nachteile haben. Und es gibt verschiedene Bedingungen wie das Geschlecht, die Herkunft, die Bildung, der finanzielle Status, die die Startbedingungen mit bestimmen. Z.B. muss ein Student, dessen Eltern nicht reich sind vermutlich neben dem Studium auch noch arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren, während ein Student mit reichen Eltern sich voll auf das Studium konzentrieren kann. Aber formal haben beide Studenten die gleichen Bedingungen – d.h. von Seiten der Universität, den Zugangsvorraussetzungen, etc. . Der Argumentation derer, die die Frauenquote rundweg ablehnen stellt das BaFöG auch eine unzulässige Diskriminierung von reichen Menschen dar, weil sie KEIN Geld erhalten? Gleiches gilt für Hartz IV? Sind also in unserer Gesellschaft reiche Menschen überall diskriminiert, weil sie keine Ermäßigung bekommen? Würde demgemäß also unsere Gesellschaft gerechter sein, wenn wir die Armen verhungern lassen würden – wenn wir Studiengebühren für alle einführen usw.?

Ich denke prinzipiell ja – im FDP-Sinne. Die FDP, der Liberalismus versucht nach Möglichkeit formal gleiche Bedingungen zu schaffen – aber nur an dem Punkt des Zugangs zu Jobs, Bildung,… die Theorie ist, dass jeder seines Glückes Schmied ist und an sich jeder alles erreichen kann und soll – und der Staat so wenig wie möglich eingreifen soll. In diesem Weltbild wird wenig Augenmerk darauf gelegt, dass es auch andere Faktoren gibt, die eben dazu führen, dass wir nicht alle die gleichen Zugangsvorraussetzungen haben durch Bedingungen, die wir als Neugeborene nicht beeinflussen können. Wir werden in die Verhältnisse hineingeboren. Zu dem Zeitpunkt haben wir vielleicht noch einigermaßen gleiche Chancen (vorrausgesetzt, dass nicht mangelnde ärztliche Versorgung etwas bei der Geburt schief gehen lässt). Aber von dem Zeitpunkt an beeinflussen uns die Bedingungen nach der Geburt, die Ernährung, unsere Eltern und deren Bildung und Weisheit, unser Verwandten und Freunde – und wie sie auf uns reagieren. Die Vorurteile der Welt, weil wir eine andere Hautfarbe haben oder weil wir männlich oder weiblich sind.

Wir können als Gesellschaft nicht auf alle dieser Faktoren Einfluß nehmen und sollten das auch nicht wollen. Aber es ist wichtig zu erkennen, dass Kinder nicht mit gleichen Chancen geboren werden. Dennoch ist Gleichheit eines der wichtigsten Verfassungsziele in Deutschland und anderen Staaten.

Wie aber kommen wir zu mehr Gleichheit? Was können wir tun? Wenn wir nichts tun wird es nicht besser, sondern die vorhandene Ungleichheit wird z.B. in Familien zum Positiven wie auch Negativen weitergetragen – oder von Region zu Region. Deswegen bedeutet Politik zu machen auch in erster Linie einzugreifen und für Gerechtigkeit und ausgleich zu sorgen. Damit nicht immer nur die Stärksten einen Vorteil haben: Deswegen gibt es Gerichte – damit die Schwachen auch zu ihrem Recht kommen. Deswegen gibt es Gesetze – damit nicht nach Willkür entschieden wird, sondern jeder Mensch gleich behandelt werden kann.

Und nun noch einmal zur Frauenquote: Oberflächlich betrachtet benachteiligt diese ein Geschlecht, nämlich das männliche. Aber dies gilt nur dann, wenn wir davon ausgehen, dass es ohne Quote keine Benachteiligung gibt. Es ist aber Fakt, dass in unserer Gesellschaft Frau zu sein traditionell und auch heute noch bedeutet Vorurteilen ausgesetzt zu sein und effektiven Benachteiligung an vielen Orten. Z.B. bei der Aufstellung von Wahllisten. In vielen Parteien stellen Frauen in Wahllisten eine Minderheit, oft weit unter dem Prozentsatz der Mitglieder. Das liegt daran, dass Frauen nicht unbedingt in dem Maße nur eine Frau wählen, aber umgekehrt Männer eher dazu neigen einen Mann zu wählen.

Das Ergebnis kann man dann auch in fast jeder Partei ablesen, die keine Quotenregelung hat. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf weitere Kritik und Vorurteile an der Quote eingehen, weil es mir im Moment darum gar nicht geht. Mir geht es lediglich darum zu  begründen, warum ohne Quote Frauen bei Wahlen zumeist  benachteiligt werden.

Vergessen wir nicht, dass z.B. in der Schweiz im Kanton Appenzell Innerrhoden erst 1990 durch Gerichtsbeschluss das Wahlrecht für Frauen erzwungen wurde. Hier könnte man auch mit der Demokratie  begründen, dass es einfach nie eine Mehrheit gab, den Frauen ein Recht zuzugestehen.

Es ist aber ganz wichtig zu verstehen und anzuerkennen, dass Menschen- und Bürgerrechte nicht teilbar sein dürfen. Wenn man anfängt wesentliche Rechte oder Verfassungsziele dem Spiel der Kräfte auszusetzen, anstatt sie zu verteidigen oder als gegeben hinzunehmen, so werden immer die Kräfte siegen, die am stärksten sind und am meisten von der Abschaffung oder Verhinderung von Recht profitieren. Gleichheit ist, wie o.g. so ein Recht. Seine Durchsetzung hat oberste Priorität. Man kann sich über die Wahl der Mittel streiten, wie dieses Ziel zu erreichen ist, aber wer dieses Ziel aufgeben will, oder sich auf eine liberalistische Position zurückzieht, der wird dazu beitragen, dass auf dem Papier vielleicht weiterhin eine Gleichheit garantiert ist, diese aber in der Realität nur Makulatur ist, weil die Bedingungen für das Erlangen und Nutzen der Gleichheit nicht gegeben sind. Es bedeutet den Schwächeren oder den Verliererern den Rücken zuzudrehen. Es bedeutet eine Abkehr vom Wesentlichsten unserer Demokratie. Es ist schade, dass die Demokratie es nicht schafft diese ihre eigenen Werte angemessen zu vermitteln und stattdessen das Ganze auf das Jonglieren von Zahlen und Mehrheiten reduziert. Gleichheit darf nicht denunziert werden, weil damit der Kerngedanke unsere Gesellschaft angegriffen wird!

Wieso Gleichheit nicht vom Himmel fällt

„Verbohrt“ im Piratenforum

Aufgrund des ganzen Skandals um die Sperrung meines Users ist mir die idee gekommen mal danach zu suchen, ob denn die Nutzung von „verbohrt“ immer zu einer Sperrung geführt hat. Also mal im Piratenforum GESUCHT.

Interessantes Ergebnis dabei:

  • User arvid zu Isi am 30.10.09: „Du hast ein offenbar verbohrt männerfeindliches Wahrnehmungsmuster und tust mir, ehrlich gesagt, reichlich Leid.“ // Verwarnung: KEINE

Womit der Beweis geführt ist, dass in dem Forum mit zweierlei Maß gemessen wird. Ein Arvid darf ohne Verwarnung fast alles sagen, was er will – wenn man ihm aber etwas vorwirft mit einem sehr ähnlichen Wortlaut (zum Vergleich):

  • da die Verbohrten Männerrechtler wie Arvid sich eh von keinem Argument überzeugen lassen“  // Verwarnung: JA, inklusive Sperrung

…dann wird sofort gehandelt. Wie heisst es so schön: Alle sind gleich, aber manche sind gleicher.

„Verbohrt“ im Piratenforum

Antworten zur Frauenquote (aus Zensurgründen hier)

Da ich bei den Piraten nicht auf die Vorwürfe  und Fragen des Artikels bezüglich darf, werde ich es hier tun. Leider kann ich die Leute dort nicht auf meine Antworten hier hinweisen.

Urs schreibt:

ich beschränke mich hier, wie von Dir gewünscht, auf das Thema Frauenquote.

Wäre die Quote berechtigt, müssten an Grundschulen Quoten für Lehrer, in Kindergärten Quoten für Kindergärtner eingeführt werden. An Quoten für Maurer oder Müllwerker denkt auch niemand. Für Soldaten erst recht nicht.

Schade, dass der Ankündigung sich auf die Frauenquote zu beschränken genau das Gegenteil kommt: Kein Verständnis für die Geschichte. Ich empfehle dazu zumindest den Abschnitt zum 20. Jahrhundert des Wikipedia-Artikels zu Frauenrechten zu lesen. Dort wird auch noch mal zu Anfang darauf eingegangen, dass Frauen bis 1977 Männer fragen mussten, wenn sie einem Beruf nachgehen wollten. D.h. das galt z.B. noch für meine Mutter. 32 Jahre ist das nur her – und betraf viele Eltern, deren Kinder heute bei den Piraten aktiv sind.

Es kann keinen Konsens über die Diskriminierung der Frauen geben, weil es diese nicht gibt.

Ja, das ist der eigentlich Dissenz. Soll die Piratenpartei es doch selber in einer Arbeitsgruppe nachprüfen nach wissenschaftlichen Kriterien – lest Sekundärliteratur, Untersuchungen, etc. – hört auf damit aus dem Bauch heraus Positionen abzulehnen, sondern stellt eine offene Frage, geht in die Wissenschaft (Soziologie) und versucht herauszufinden, wie der wissenschaftliche Stand ist. ich bin gespannt, ob ihr danach noch diese Meinung aufrecht erhalten könnt.

Eine Frauenquote ist geeignet, die statistischen Zahlen bei beschäftigten Menschen zu verändern. Daraus ergibt sich aber nicht, dass hier „Verhältnisse“ verändert werden.

Es ist schon lustig wenn mit dem Verweis auf den Erfolg der Frauenbewegung versucht wird zu beweisen, dass ihre Werkzeuge stumpf sind und sich nichts ändert. Also es hat sich was geändert – durch den Feminismus – aber das ist heute alles falsch, weil es ja nichts zu ändern gibt. Womit wir wieder bei der Kernfrage sind: Gibt es Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft? Nach allem was ich gelesen und erfahren habe ist das unzweifelhaft mit JA zu beantworten. Ich bin gespannt welchen wissenschaftlichen Konsens ihr findet, der das Gegenteil besagt.

Dein Vergleich zwischen Farbigen und Frauen trifft nicht zu.

Da „Farbiger“ ein rassistischer Begriff ist, würde ich den auch nie verwenden. Der User hat den Vergleich nicht verstanden.

Ob Arvid ein „verbohrter Männerrechtler“ ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe bisher keinen Hinweis darauf entdeckt. Dass Du ihn aber in dieser Weise beschimpfst, stellt Deine Bereitschaft in Frage, Dich sachlich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Hör mal: Wenn ich einen User monatelang beobachte und ich sehe, dass er ein verbohrter Männerrechtler ist, dann darf ich das ja wohl noch ausdrücken was meine Erfahrung und Wahrnehmung ist ohne das das gleich eine Beschimpfung ist? Hier wird am laufenden Band gehetzt, manipuliert,… ohne das jemand nur zuckt. Aber wenn man jemanden als das bezeichnet was er ist, jedenfalls habe ich keinen Anlaß an meinem Urteil zu zweifeln, weil er sich bisher konsequent nur einseitig engagiert hat, dann wird man sofort gesperrt, bzw. man „DARF“ sein eigene Posting zensieren – und wenn man es nicht tut darf man keine priavten Nachrichten mehr lesen/schreiben oder auf andere Forumsbereiche zugreifen – man muss wehrlos zusehen wie irgendwelche User unwahre Dinge behaupten und man hat nicht einmal die Möglichkeit der Beschwerde. Es ist eine Verleumdung bzu behaupten ich hätte Arvid beleidigt. Ich habe ihn nur klassifiziert. „Verbohrt“ ist für keine klassische Beleidigung – allenfalls eine gefühlte Beleidigung. Arvid denkt bestimmt er sei nicht verbohrt – wieso muss ich seine Sichtweise teilen? Was für eine totalitäre Auffassung von Meinung habt ihr eigentlich? Ihr habt ein Problem mit dem Wörtchen „verbohrt“, aber vor Verlemdung, Zensur und der Beschneidung der Meinungsfreiheit schreckt ihr nicht zurück? Kann es sein, das eure Werte gehörig durcheinander geraten sind?

Ich kritisiere jede Benachteiligung und Bevorzugung von Menschen auf Grund bestimmter Eigenschaften, zum Beispiel wegen des Geschlechts.

Im wesentlichen setzt Du Dich für den Status Quo ein. Und das bedeutet meiner Meinung nach und soviel ich weiss auch nach dem wissenschaftlichen Konsens, dass Untätigkeit ausschließlich den Männern in die Hände spielen würde und den Rechten der Frauen schadet. Insofern bist Du in Deiner Haltung nicht neutral, sondern Männerrechtler. Die Männer in der Schweiz waren auch der Meinung sie müssten Frauen kein Wahlrecht zugestehen.

Siehst Du die Tatsache, dass nur wenige Rentner in der Piratenpartei aktiv sind, als Diskriminierung aller Rentner?

Es deutet darauf hin, dass die PP für Rentner nicht attraktiv ist. Aber keine Angst, ihr werdet alle irgendwann zu Rentnern! 🙂

Der Maskulist VeVi schreibt:

@Arvid als „verbohrten Männerrechtler“ zu bezeichnen bzw. die seinerzeit von dir gestartete Kampagnen gegen den User @Arne Hoffmann bzw. @Stueck, lassen mich daran zweifeln, dass du mit deinem Meinungsbildungsprozess schon abgeschlossen hast.

Ich könnte es auch anders formulieren – aber verbohrt ist nicht mein Vokabular im Diskurs über gesellschaftliche und politisch relevante Themen …

Wenn ich meinen Meinungsbildungsprozess nicht abgeschlossen hätte würde ich wohl kaum klar Stellung gegen User beziehen, die das Forum missbrauchen. Das Du niemanden als verbohrt bezeichnest ist Dein Problem. ich tue das eben. Du kannst Dir auch eines der Synonyme aussuchen. Das ist doch eine Geisterdiskussion.

Der radikale Männerrechtler Arne Hoffmann schrieb:

(Arbeitswelt)…Das hat sich heute geändert. Die feministische Ideologie zuckelt der veränderten Gesellschaft doch nur hinterher.

In der Stadt Kiel sind 100% der Amtsleiter Männer. Willst Du mir erzählen dass das Zufall ist? Nein, ist es nicht. Es ist Ergebnis der Diskriminierung die Du negierst. Es nützt doch nichts, wenn ihr Männerechtler stets die Augen vor der Wirtklichkeit verschließt und darauf hofft, das irgendwelche Männer, die sich nach den Verhältnissen im Mittelalter zurücksehen eure Bücher lesen und eurem Urteil folgen. Das hat keine Perspektive. Das sind nur Rückzugsgefechte.

Und ie Zensur von Kritikern wie mich wird euch auch nicht auf Dauer helfen. Es zeigt nur, wie unsicher ihr seid. und das ihr es nicht vertragt, wenn jemand mal die Wahrheit ausspricht.

Antworten zur Frauenquote (aus Zensurgründen hier)

Frauenquote & Piratenmänner: Verbohrt? Gesperrt!

Nach vielen Monaten habe ich wieder mal einen Beitrag im Piraten-Forum geschrieben. Seit wann genau, kann ich nicht sagen – denn mein Benutzer wurde gesperrt (also nicht nur das Schreib-Recht entzogen) wegen angeblicher drei „Verwarnungen“. Ich kann daher auch keine privaten Nachrichten als Antwort auf meine Nachfragen bei einem Moderatoren lesen. Super Idee. So kann man effizient verhindern, dass ein User gegen eine Maßnahme Beschwerde einlegen kann.

Die Email des Moderators lautete wie folgt. Ich anonymisiere, da ich meine Nachfrage, ob ich zitieren kann nicht lesen kann, selnst wenn eine vorliegen sollte – und da die Maßnahme so drastisch war:

Die Formulierung „Ich werde das hier auch nur streifen, da die Verbohrten Männerrechtler wie Arvid sich eh von keinem Argument überzeugen lassen und andere können sich selber ihre Meinung bilden.“ stellt eine Beleidigung gegen Arvid dar. Ich fordere Dich auf die Formulierung zu ändern, um einer Verwarnung zu entgehen

(( Update: siehe dazu auch den neuen Artikel von mir))

Wenn man das Ganze analysiert bleiben die Worte „verbohrt“ und „Männerrechtler“. Beide treffen auf den Genannten zu, der keine Gelegenheit auslässt seine Rolle als Moderator für die Männerrechtler auszunutzen und Dinge grundätzlich falsch darstellt. Die Moderatorin „Piratenweib“ hat es vor kurzem an anderer Stelle anders ausgedrückt:

Es ist doch schade, dass Du immer so einseitig argumentierst und aus dieser Rolle nicht herauskommst. Etwas mehr Distanz zu dem Thema würde Deinen Beiträgen gut tun. So aber, vertust Du, für eine reflexhafte Antwort, die Chance, Dich als Diskussionspartner zu qualifizieren.“

Ich meine das an dem Tag, wo Begriffe wie „verbohrt“ zur Beleidigung werden eine dunkel Zeit angebrochen hat. Und ich frage mich immer wieder ernsthaft, warum Piraten sich in Sachen Zensursula so engagieren und sich die Gängelung durch sowas wie das „Ministerium für Meinungsfreiheit“ (Admins/Moderatoren) gefallen lassen. Da kann man nur sagen: 1984 entweder nie gelesen/gesehen oder nicht verstanden.

Lustig finde ich auch, dass die Sperre gerade mich trifft, der seit Monaten an keinem der Hass-Threads, die wohl stattgefunden hat, teilgenommen hat. Die Verwarnungen betrffen ähnlich schräge Fälle, die vor Monaten stattfanden. Währenddessen können User wie Arvid weiter daran arbeiten die PP zu einer Männerpartei umzubauen.

Wir müssen es beim Namen nennen: In die Foren der Piratenpartei wird offen und willkürlich zensiert. Damit hat die PP jegliche Glaubwürdigkeit verloren in Debatten um Zensur. Wie ich schon mehrfach beschrieb, schaffen es die Piraten aber nachwievor mit dem Widerspruch zu leben z.B. aktiv zu zensieren und sich selbst für Verteidiger der Meinungsfreiheit zu halten.

Ich will es mal anders darstellen: Ich gehe davon aus, dass die Foren der Piraten, die am strengsten zensierten sind, die es im Internet zur Politik geht – nirgendwo wird so schnell zensiert, retouchiert und User wegen zweifelhaften Gründen gesperrt am laufenden Band.

Wenn das die Partei ist, die einmal Verantwortung übernehmen soll in Fragen von Meinungsfreiheit, dann bekomme ich eher Angst. Da läuft etwas mächtig aus dem Ruder. Die Piraten lassen sich von einer Gruppe gängeln, die bestimmen was wahr ist und was nicht (Miniwahr), bzw. was erlaubt ist zu denken und was nicht (Minilieb) .

So wurden die Piraten zu dem Gegenteil von dem, wofür sie angetreten waren. Mich erinnert das irgendwie an die Geschichte des Real Existierenden Sozialismus. Sehr schade!

Update:
Interessant, abermals wurde in Kooperation der Presseabteilung mit den Moderatoren unter Umgehung der Mitglieder eine Position postuliert, die es also nicht schwarz auf weiss gibt:

After being discussed in many ways, the german prirate party will not implement a gender quota in any way. This is because the pirates defines and understand themselves as non-discriminating in respect to gender-relation in-between party members.

This results in the fact, that the gender of a member is not tracked at all. We can’t tell how many members are male or female. We could only guess.

Also da hat mal wieder jemand Demokratie nicht verstanden. Also noch mal für die Blöden (DAS war eine Beleidigung!):

  • Demokratie ist, wenn z.B. Parteien politische Positionen von gewählten Gremien oder der Parteibasis entscheiden lassen.
  • Das Gegenteil von Demokratie – ob flüssig oder nicht – ist wenn ein Haufen verwirrter Pressesprecher oder Foren-Administratoren, denen ihre Macht zu Kopf gestiegen ist Positionen konstatieren und diese als unverrückbar gegenüber der Öffentlichkeit oder von Schwesterparteien kommunizieren.
  • Hier die entscheidende Stelle: „After being discussed in many ways, the german prirate party will not implement a gender quota in any way.
  • Immerhin haben bislang 31% der User in dem von Maskulisten massiv unterwanderten Forum gesagt, sie könnten sich Quoten im allgemeinen auch vorstellen. Zum einen ist das eine nicht geringe Minderheit – zum anderen lässt das vermuten, dass auf einem Parteitag, auf dem auch weniger nichtpiratige Maskulisten zu finden sein werden das Bild noch ganz anders aussehen kann. Jedenfalls gibt es für eine einhellige Ablehnung keinen Anhaltspunkt.

Aber das habe ich ja auch schon vor einigen Monaten berichtet. Der Vorstand lässt es zu, dass aus der Presseabteilung und dem Forum Positionen vertreten werden, die so nie beschlossen wurden. Aber ist man bei Dingen wie der Atomkraft extrem vorsichtig – so scheint man bei allem, was sich gegen Frauen richtet keine Hemmungen zu haben Stellung zu beziehen. Der nächste Parteitag sollte da Klarheit schaffen. Notfalls müssen Feministinnen den Antrag einreichen, dass es KEINE Frauenquote geben soll. Ja ihr habt richtig gelesen – die Feministinnen können das tun: Wenn die Piratenpartei eine klare Stellung gegen Frauen beziehen will, so soll sie das auch so verabschieden. Sie soll sich lächerlich machen – macht es bitte mit Brief und Siegel – dann kann sich auch keiner mehrherausreden, dass das alles falsch interpretiert wurde. Ja bitte fasst diesen Beschluss! Macht die PP zur Männerpartei! Stoßt sie in die Bedeutungslosigkeit! Move on!

Frauenquote & Piratenmänner: Verbohrt? Gesperrt!

Bravo: Piratenpartei führt Frauenquote ein

Leider vorerst nur in Schweden. Aber bei uns kann das ja auch nicht mehr lange dauern. Blog-Kollegin Isi hat dazu schon was geschrieben. Jo, dann muss ich dazu auch nicht mehr schreiben. Ich verfolge die PP derzeit auch nicht mehr so. Überwiegend uninteressant und vermehrt mit sich selbst beschäftigt.

Hier in Kiel hat die GEW Hochschulgruppe zum Thema Frauenquote auch einen guten Flyer verfasst, der auch online abrufbar ist.

Hierzu noch mal meine persönliche Meinung. Ich bin auch nicht der Meinung, dass eine Quotenregelung wirklich die beste Lösung ist – aber ich sehe da derzeit noch keine Alternative zu – und Nichthandeln ist effektiv das Festschreiben einer Diskriminierung. Die Argumente der Quotengegner sind oft aus dem letzten Jahrhundert. Ich habe dazu ja schon genug geschrieben und muss dass an dieser Stelle nicht wiederholen. Über die Tagsuche findet ihr sonst mehr.

Update: Im Piratenforum gibt es dazu eine aktuelle Umfrage.

Bravo: Piratenpartei führt Frauenquote ein