Politik ohne Inhalte?

Da gerade in Zeiten des Wahlkampfes und auch sonst zunehmend immer mehr eine reine symbol- und funorientierte Politikausrichtung stattfindet – Stichwort Eventcharakter – sei es nun mit einem Technowagen der Piraten auf der Demo „Freiheit statt Angst“ (video) oder mit Lichtkanonen die Piratenflagge irgendwo ranbeamen – oder PIRATENPARTEI mit reversen Graffitis – dann gehts mir so, dass ich da Inhalte vermisse. Manche Nerds meinen dazu, dass Inhalte unnötig wären an diesen Punkten. Da geht man in Richtung Guerrilla-Marketing und kommt sich ganz modern vor. Dabei stamt die Idee bereits aus den 80er Jahren.

Man kann aber auch weiter zurückgehen und die Methoden von Edward Bernays wie den Torches of Freedom von 1929. Kennzeichen von diesen PR-Kampagnen oder auch Propaganda ist ein Weltbild (#Sooooo20. Jahrhundert), bei dem auf der einen Seite ein Sender steht und auf der anderen Zahl eine Vielzahl an möglichen Empfängern (one to many). Im Falle der Piraten geht es darum zu kommunizieren: Gehe wählen & zwar Piratenpartei. Da ist der Wähler nur insofern gefragt, als dass man seinen Fragen zuhört um diese zu beantworten – nicht etwa von einer Bürgerin zu lernen – nachzudenken – zu neuen Lösungen zu kommen.

Ich habe das Gefühl wir leben immer mehr in einer Zeit des ständigen Wahlkampfes – gerade vielleicht auch im Kapitalismus, der uns durch und durch durchdringt. Wettbewerb der Ideen. Keine Zeit fürs Nachdenken. Auf der einen Seite die Wissenden – und auf der anderen Seite die Unwissenden.

Dabei geht so einiges verloren:

  • Aktivierung statt Mobilisierung. Aktive mit eigenen Gedanken könnten interessanter sein als brainwashed followers.
  • In der vollen Dynamik eines Diskurses könnten neue Wege aufgezeigt werden.
  • Es gehen Räume verloren im Alltag, in denen jeden Tag die Themen gesetzt und gelebt werden könnten. Bzw. werden diese nicht erzeugt.

Die Konfrontation mit dem Staat auf der Ebene Großdemo z.B. begegnet dem Staat genau dort, wo er am stärksten und besten vorbereitet ist. In einem persönlichen Gespräch hingegen wäre er gar nicht präsent.

Das Unfertige ist das Offene – nicht das Besitzen der Wahrheit ist spannend, sondern die Möglichkeit des Wandels – der echten Begegnung. Insofern ist in meinen Augen das meiste, was sich derzeit so im politischen Aktivismus tummelt nichts anderes als eine Reproduktion bestehender Verhältnissen mit anderen Inhalten. Das ist nicht radikal sondern gewöhnlich.

Nur zu lustig wie die Propagandisten dieser Bewegungen von sich behaupten modern zu sein – modern ja – im Ursinne des Modernen, der Avantgarde – aber nicht in einem neuen Sinne – des postmodernen Zugangs – im Sinne einer Dekonstruktion.

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