Sogenannte Blogger-Elite blamiert sich mit Internet-Manifest

Die selbsternannte Blogger-Elite hat ein Manifest entwickelt. Yet Another Manifest möchte ich sagen. Dem Trend des „X ist so 20.Jahrhundert“ folgend möchte ich sagen: „Manifeste sind ja so 16. Jahrundert“.

Die heutigen Blogger wie auch viele Piraten denken in Eliten und glauben an eine Avantgarde. Der Glaube an dem klassichen Fortschritt ist weit verbreitet. Sie unterscheiden in relevant und irrelevant.

Ich hingegen würde die Zukunft des Internets anders formulieren:

  1. Es gibt keinen Fortschritt – Es gibt keine zwangsläufigen Entwicklungen. Das Morgen entwickelt sich aus dem Gestern und Heute. Dabei sind Rückschläge und Entwicklungssprünge jederzeit möglich. Es gibt revolutionäre Faktoren, die sich sowohl positiv als auch negativ entwickeln können.
  2. Die Bedingungen von Internet und Journalismus sind bedingt durch die Bedingungen des Kapitalismus. Wer versucht die Welt zu erklären ohne dabei das politisch-wirtschaftlich beherrschende System zu berücksichtigen kann immer nur Teilwahrheiten propagieren, wird aber nie an die Wurzeln der Probleme kommen.
  3. Durch Manifeste ändert man nichts. Die Zeiten, in denen irgendwelche Eliten etwas behaupten konnten und dies irgendeine Orientierung bot, sind vorbei.
  4. Es gibt keine Relevanz. Was in der Wikipedia und vielerorts noch verfolgt wird ist die Denke, das es relevante und irrelevante Quellen und Informationen geben würde. Aber zunächst ist jede Information gleich – und jeder Mensch und jede Institution nimmt eine spezifische Kommunikationsrolle ein. Eine Relevanzhierarchie existiert insofern nur in unseren Köpfen und zudem verschieden in unterschiedlichen Köpfen.
  5. Das Internet ist nicht GUT. Wie der CCC m.W. vor vielen Jahren schon sagte, ist das Internet ein Verstärker von jeglichen Strukturen, unabhängig davon ob diese positiv oder negativ sind. Die Attentäter, die sich zu einem Attentat gegen Obama verschworen lernten sich über Internet-Plattformen kennen – früher lernten sich solche Leute nur lokal kennen. Das Internet ist sowohl eine große Bedrohung als auch eine große Hoffnung für unsere Gesellschaft.

Übrigens bin ich durch Julia Seeligers Blogbeitrag auf dieses Manifest gestoßen, die sich in ihrer Kritik eher darauf richtet das irgendwoher das Geld kommen müsse. Da ist natürlich etwas dran. Ich denke Fakt ist natürlich das die Grenze zwischen Bürgern und Journalisten schwindet. Aber daraus ergeben sich ganz andere Fragen. Wünschenswert ist es, das auch in Zukunft Zeit investieren können um zu recherchieren. Leider leistet der Journalismus da oft zu wenig. Themen wie Internet-Zensur und Vorratsdatenspeicherung wurden eher von Bürgerrechtlern recherchiert als von klassischen Journalisten. Leider sind Projekte wie Readers Edition mit ihren Ansätzen gescheitert. Ich persänliche glaube, das die Zukunft der QUALITÄT im Journalismus eher im persönlichen Engagement, in Journalistenkollektiven liegt. In der Kollaboration auf vielen Ebenen – von Whistleblowern über Blogger bis hin zu klassischen Journalisten. Ich sehe durchaus Raum für den klassischen Medienjournalismus. Allerdings deutlich kleiner als bisher.

Ich denke gute Artikel werden von engagierten Journalisten geschrieben, die Neugier und Hartnäckigkeit besitzen. Ich sehe durchaus auch in Zukunft Raum für Leute, die für Geld gute Inhalte publizieren. Gute Artikel gibt es aber vermehrt in kleinen Randpublikationen und weniger in den großen Blättern. Und die TAZ ist mittlerweile die Bild-Zeitung für Linke geworden. Die  kann auch keine Orientierung bieten. Letztendlich muss sich finden, was funktioniert. ich persönlich finde unkommerziellen Journalismus viel attraktiver. Allerdings denke ich, dass es da mit der Kollaboration noch nicht so weit her ist. Auch Projekte wie Wikinews sind da gescheitert, weil sie die falschen Strategien hatten. Vielleicht fehlen da heutzutage auch noch die Werkzeuge, die die Kollaboration noch besser ermöglichen. Wikis sind ein guter Weg – allerdings nicht zur Publikation, sondern für Hintergrundmaterial.

Noch mal mein Fazit zu dem Manifest: Viel heisse Luft, wenig kondensiert, zumeist falsche Thesen und keine Vision. Überflüssig!

Update: s.a. Blogbeitrag von Felix Knoke auf FM4.

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