Austrittswelle bei der SPD?

Offenbar fliehen junge und intelligente Menschen massenhaft aus der SPD. Nicht nur einige bekannte Blogger – und in den Kommentaren kündigen weitere das an – es wird diskutiert wie man am besten austritt:

Einfach einen Zweizeiler schreiben, Parteibuch schnappen und beim 1. Vorsitzenden des Ortsvereins oder zuständigen Parteibüro abgeben. Falls die persönliche Konfrontation ungewünscht ist, einfach via Post.

Das war ja absehbar. Und viele innerhalb und ausserhalb der SPD haben davor gewarnt. Auch zu der Frage was bei einer schwächelnden SPD mit der Bundespolitik wird. wurde gut gekontert:

Was bringt es, wenn das Wahlergebnis nacher so aussieht:

48,8% CDU
38,2% SPD
7% FDP
5,6% Grüne
0,4% Sonstige

Das führt nur dazu, daß die CDU/FDP auf Zeit das Geschick von Deutschland bestimmen dürfen. Denn zu einer Koalition zwischen SPD/Grüne wird es nie kommen.

Einige SPD-Mitglieder brauchen derzeit noch Nachdenkzeit. nach viele Jahren Parteimitgliedschaft schmeisst niemand das leichtfertig weg. Ich prohezeie aber, dass das erst der Anfang von einer Vielzahl von Austritten ist. Ich will die Ex-Mitglieder nicht als Ratten bezeichnen – aber das sinkende Schiff verlassen sie gerade.

Die SPD wollte nun gerade zum Online-Wahlkampf ansetzen. Vergleicht man da aber die  Bedingungen miteinander muss man sagen, dass die Art Wahlkampf jetzt schon verloren ist, bevor er angefangen hat. Die SPD kann höchstens noch ein paar Rentner versprechen ihre Renten weniger zu kürzen. Wer sonst sollte sie noch wählen?

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Austrittswelle bei der SPD?

7 Gedanken zu “Austrittswelle bei der SPD?

  1. Julia Reda schreibt:

    Die Bemerkung bezüglich Ratten und Schiff vertauscht meiner Ansicht nach Ursache und Wirkung

    Der Vollständigkeit halber auch hier meine Antwort auf die zitierten Bedenken bezüglich der Kräfteverschiebungen bei den nächsten Bundestagswahlen:

    „Ich denke, dass das Hauptziel von Parteineugründungen nicht darin liegt, möglichst schnell in Regierungspositionen zu kommen. Vielmehr geht es darum, die öffentliche Meinung in solch einer Weise zu beeinflussen, dass auch die etablierten Parteien mittelfristig nicht umhin kommen, die Themen der neuen Partei auch in ihrem Wahlprogramm zu behandeln.

    Das kann man am Beispiel der Grünen sehr gut veranschaulichen. Es ist zwar nach vielen Jahren auch zu einer Regierungsbeteiligung der Grünen gekommen, ihren größten Erfolg sehe ich aber darin, dass ihr Themenschwerpunkt Umweltschutz mittlerweile in abgeschwächter Form selbst in das CDU-Wahlprogramm Einzug gefunden hat. Ein Wahlkampf ohne zumindest die Bekennung zum Ziel der Nachhaltigkeit ist heute nicht mehr denkbar.

    Eine Regierungsbeteiligung der Piraten sollte mittelfristig überhaupt nicht das Ziel sein. Mir ist wichtig, dass sich die etablierten Parteien der Internet-Politik nicht ewig entziehen können und auf diesem Gebiet endlich tatsächliche Kompetenzen entwickeln – das führt idealerweise auch zu Bewusstsein über Sinnlosigkeit und Schaden der meisten in Hinblick auf das Internet verabschiedeten Gesetze. Um dieses Ziel zu erreichen, Bedarf es einer starken Piratenpartei, die die öffentliche Diskussion über den Umgang mit neuen Medien versachlichen und in konstruktive Bahnen lenken kann.

    Eine schwarz-gelbe Koalition ist sicher nicht wünschenswert, aber immerhin kann man mit einer Regierungsbeteiligung der FDP zumindest etwas mehr Achtung vor bürgerlichen Freiheiten erwarten (zumindest war Rechte gegenüber dem Staat angeht – gegenüber wirtschaftlichen Interessen sieht es da leider anders aus). Mir wäre rot-grün auch lieber, aber letztendlich ist alles besser als eine große Koalition, die sich für pluralistische Demokratie und Bürgerrechte als tödlich erwiesen hat.“

    Grüße,
    Julia

  2. Hallo Julia. Inwieweit verwechselt die Bemerkung Ursache und Wirkung? Sinken die Ratten oder verursacht das Verlassen der Mitglieder erst das Sinken? Ich denke das Schiff SPD sinkt schon sehr lange. Was nun gerade passiert hat aber eine neue Qualität und könnte in meinen Augen das endgültige Aus bedeuten. Dabei sind es nicht so sehr Fehlentscheidungen, die mich da beschäftigen, sondern die Tatsache das die Partei insgesamt nicht in der Lage ist sich programmatisch und personell zu erneuern. Mit Steinmeier& Müntefering wird es keine Zukunft geben. Das hätte mans chon 2005 sehen können. Man hat nach den Wahlverlusten 2005 versäumt einen echten Neuanfang zu wagen. Und man hat bis heute nicht den Mut dazu gefunden.

  3. Julia Reda schreibt:

    „Sinken die Ratten oder verursacht das Verlassen der Mitglieder erst das Sinken?“

    Letzteres. Die Formulierung suggeriert, dass der Grund für meinen und die Austritte einiger Genossen in dem Abwärtstrend der SPD liege, nicht in dem Abbau bürgerlicher Freiheitsrechte. Ich denke eher, dass eben dieser Abbau und die Inkompetenz im Umgang mit dem Internet zum Verlust der SPD beiträgt, indem eine ganze Generation junger Wähler und Mitglieder vergrault wird. Natürlich gab es in den letzten Jahren auch andere Gründe für eine massenhafte Abkehr von der SPD, die sich eher im linken als im liberalen Flügel der SPD abgespielt haben. Ich wollte nur klarstellen, dass es inhaltliche Gründe für meine Abkehr von der SPD gibt – deren Wahlerfolg ist dabei eher drittrangig.

    War auch nur eine Spitzfindigkeit am Rande, ich weiß, dass das eine beliebte Redewendung ist. Nichts für ungut.

    1. Ok, ich wollte das mit dem Bezug zur Popularität nicht nahelegen. Eher dem inhaltlichen Absinken. Hartz IV bewirkte den größten Einschnitt. Vorratsdatenspeicherung weckte viele Zweifel an der Glaubwürdigkeit der SPD. Und nun scheint die Zensur viel Zweifel zu bestätigen und für viele die SPD nicht mehr Heimat sein zu können. Ich denke nicht, dass Leute wie ihr erst mit dem Zensurgesetz Zweifel bekommen habt?

  4. Drosan schreibt:

    Wie sieht es eigentlich mit dem Online-Beirat der SPD aus?
    Sie haben ja mit folgendem Offenen Brief verzweifelt versucht die Fraktion zu bitten nicht zuzustimmen. –> http://www.stadtgeplauder.de/2009/06/17/stellungnahme-spd-online-beirats-geplanten-gesetz-internetsperren-6324182/

    Dort heisst es unter anderem:

    „Sollte es mit der Unterstützung der SPD-Fraktion zu den Netzsperren kommen, werden die unterzeichnenden Mitglieder des Online-Beirats die Beirats- und Repräsentationstätigkeit bis auf Weiteres ruhen lassen.“

    Was bedeutet das jetzt, sie tun jetzt einfach NICHTS mehr?? Warum nicht Mut, Entschlossenheit und Loyalität gegenüber der Verfassung (Julia Redas super Begründung zum Austritt) zeigen und ebenfalls aus der Partei austreten???

    Gibt es schon eine neue Stellungnahme des Onlinebeirats nach der Zustimmung des ZugErwschwG?

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