Professionalisierung von Social Events

Cem Basman schreibt in seinem Blog unter Web-Events: Zwang zu mehr Professionalität , dass er meint so etwas wie BarCamps oder Unkonferenz müssten professioneller werden weil der „Mainstream“ das fordere. Er habe verstanden.

Ich glaube aber er hat da etwas wesentliches nicht verstanden – nämlich dass diese Art Events eben bereits eine Gegenbewegung war – im wesentlichen ein „Jede ist Teil einer Veranstaltung“ anstatt einer Konsumeinstellung. Gerade dass war ja das ermüdende. Das was mich nachwievor stört ist, wenn auf Webmontagen zum einen die Teilnehmerinnen nicht richtig partizipieren oder viel eher noch diejenigen die einen Vortrag halten, den ewig lang ausdehnen hochspezifisch und am Ende bleibt doch vieles unerwähnt und Fragen offen.

Ich habe mir angewöhnt meine Kurzvorträge so zu halten, dass sie für Interventionen offen sind – und das gelingt mir auch zunehmen besser. Bereits während des Vortrages kommt es da zu Kritik und Nachfragen und die Rollen von Zuhörern und Vortragenden weichen sich auf.

Ich glaube  das da viele Leute noch eine Menge zu lernen haben. Die Erwartungshaltung an sich selbst und die Vortragenden ist sehr hoch – viele Leute möchten immer noch gerne erschlagen werden von einem brillianten Redner, der es einfach WEISS oder DRAUF HAT. Und genau das schreckt auch vor der Partizipation ab. Das Wesentliche ist das Ablösen von Erwartungshaltung im Publikum und auf der Bühne – bzw. idealerweise ist da gar keine Bühne.

Ich habe noch kein BarCamp besucht – aber was ich so via Video konsumieren konnte, sieht zumindest in Deutschland immer nach dem Gegenteil der Grundidee aus – nach dem Schlechtesten aus beiden Ideen: Einerseits weniger Sprecher – zum anderen aber immer noch lange Vorträge mit geringem Neuigkeitsgehalt und wenig anregend zu Kritik, Nachfragen oder Beteiligung.

In den USA scheint es da offenere Situationen zu geben.

Die Forderung nach Professionalisierung von BarCamps würde bedeuten den negativen und falschen Ansatz, den die Dinger in Deutschland eh schon haben zu verstärken. Ich denke was passiert ist, ist das BarCamps von vielen Leuten überlaufen wurden und von Firmen vereinnahmt, die den anderen Ansatz nicht einmal ansatzweise verstanden haben.

Wer aus der Idee einer Selbstorganisation ein bezahltes Event macht, kehrt die Idee auf den Kopf. Dann wird es wieder zu einem Foo Camp. Die gab es wohl in Deutschland nicht so. Bzw. eben normale Konferenzen, die einige Unkonferenz-Techniken adaptieren. Typisch für Deutschland ist dabei, dass in der deutschsprachigen Wikipedia jeder Ansatz eines Artikels zu Unkonferenzen immer gelöscht wurde.

Aus meiner Sicht sieht es so aus, dass man sich bislang geweigert hat sich nur annährend mit den Ideen zu beschäftigen. Die Hauptschuld tragen dabei die Veranstalter und Vortragenden, die es nicht verstanden haben die Besucher zu aktivieren und stattdessen sich mehr darum gekümmert haben die Events aktiv zu bewerben – eben aus ihrer üblichen Denke heraus. Das die Situation wie heute eintreten würde war absehbar. Einfach nur zu sagen das man ein BarCamp veranstaltet, aber im  Wesentlichen dann nur anders zu machen dass man weniger Eintritt nimmt und jeder Idiot einen langen Vortrag hält kann es nicht sein. Auf eineme chten BarCamp überleben Idioten keine 2 Minuten. Auf deutschen BarCamps scheinen sie sich dagegen zu vermehren.

Und dann am Ende wenn man alles falsch gemacht hat zu meinen das mehr vom Falschen zum Richtigen führen könnte ist ja wohl der größte Witz!

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Professionalisierung von Social Events

3 Gedanken zu “Professionalisierung von Social Events

  1. Ich schlage vor, dass du gerne eines der nächsten Barcamps besuchst und aktiv daran teilhast. Das ist die beste Gelegenheit, dabei vor Ort eigene Erfahrungen zu sammeln, deine Vorstellungen einzubringen und praktisch etwas zu ändern. Wie ich deinem Text entnehme, warst du selbst noch auf keinem. Was meinst du dazu?

  2. Ich habe bereits mehrere Veranstaltungen organisiert im Geiste der Barcamps Ich wollte in Kiel eines im Oktober 2006 machen, scheiterte aber daran, dass das allen als Konzept zu fremdartig war.

    Letztendlich ist es auch nicht so entscheidend welche Namen man vergibt – man kann zum einen etwas BarCamp nenne, das keines ist – oder etwas im Geiste der BarCamps organisieren und es nicht so nennen.

    Vielleicht wird es dieses Jahr in Kiel eines geben. In welchem Geiste das stattfinden wird, ist aber auch unklar.

    Wesentlich finde ich den Ansatz an Wissen und Lernen: Das eine extrem ist der Konsum-Ansatz – sprich Leute gehen auf Konferenz um zu konsumieren, organisieren nicht mit und bleiben passiv. Sie haben eine hohe Erwartungshaltung. — Auf der anderen Seite Events die selbstorganisiert sind – bei der Teilnehmerinnen und Veranstalterinnen einen hohen Deckungsgrad haben. Dann ist von vorne herein klar, das jeder etwas beiträgt auf seine Art. Da kann es keinen regulären Eintritt geben. Da erwarte ich eigentlich Sponsoring und Spenden der Teilnehmerinnen. Es wird gemeinsam getragen. Das ist eine andere Stimmung und ein anderes Miteinander.

    Sobald man trennt in Veranstalter und Besucher, hat man auch schon das Dilemma. Da sind dann 2 Seiten – die einen versuchen die Erwartungen der anderen zu erfüllen. Ich bin nicht mehr bereit für sowas. Spannend wird es für mich an dem Punkt, wo wir uns auf einer Augenhöhe begegnen und uns austauschen.

    Sobald man die Preise nach oben treibt und die Veranstaltung professionalisiert verstärkt man eben diesen schon eh vorhandenen Effekt. Weil wir sind ja mit unseren Veranstaltungsformen noch gar nicht da, wo wir hin wollen. Die Leute sind noc nicht reif. Die Leute denken eher daran, was Sie wollen als daran, was sie beitragen können. Wer das will, soll sich von mir aus in irgendwelchen Konferenz-Zentren einschliessen – mich interessiert dieser Elfenbeinturm nicht.

  3. Ich respektiere deine Haltung. Ich habe, wie hinreichend bekannt, mehrere Barcamps u.ä. Events initiiert und organissiert. Ich habe nun aber, wie ich ja auch bei mir begründet habe, für mich eine neue Entscheidung getroffen.

    Barcamps wird es weiterhin geben. Das finde ich gut. Ich will aber etwas anderes nun ausprobieren. Ich weiss sehr wohl wie Barcamps funktionieren. Deshalb trifft mich dein Vorwurf etwas, ich hätte etwas nicht verstanden. Ich gehe nun einen weiteren anderen Weg. Das ist alles.

    Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur unterschiedliche Möglichkeiten. Auch das ist gut so, denn es eröffnet mehr Wahlmöglichkeiten für jeden Einzelnen, sich das Event auszusuchen, das zu ihm/ihr als Teilnehmer am besten geeignet zu sein scheint.

    Ich bin kein Freund von Ideologien und Lagern, was richtig oder falsch sein soll. Wäöre ich es hätte ich nie etwas Neues ausprobiert. Und manches war ja auch nicht ganz schlecht. Mich interessieren neue Wege. Das Experiment und die Entdeckung. Das ist das, was ich tue. Die ganze Zeit.

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