GoogleBooks in der Kritik

Roland Reuß schreibt in der Frankfurter Rundschau eine bissige Kritik gegen GoogleBooks.

Einige Zitate:

Nun ist durch das Internet und seine scheinbar grenzenlose Verfügbarmachung von Informationen (und die in ihr zu konstatierende bedingungslose Gier, sich solche Informationen zu verschaffen) eine Situation eingetreten, die, will man nicht jeden Gedanken an die Produktion von neuem Kulturgut ad acta legen, eine politische Regelung auf höchster Ebene an sich zwingend notwendig macht.

Wieder einmal wird der Tot der Kultur beschworen im Blick auf ein neues Medium. Wie dies schon bei dem Film geschah. Das Buch vernichtete eine großartige Kultur der mündlichen Überlieferung. Es gibt keine Kreativität ohne Zerstörung. Der Moment der Schöpfung zerstört bestehende Kultur.

Inzwischen sind auch nahezu alle anderen Bücher des Verlags, in dem unsere Kafka- und unsere Kleist-Ausgabe erscheint, erkennungsdienstlich von GoogleBooks behandelt (sie sind mit OCR – Software recherchierbar gemacht und schnipselweise anzeigbar). Es handelt sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um einen eklatanten Rechtsbruch.“

Hier wird der Prozess den Google anwendet um Bücher auffindbar und auch teilweise lesbar zu machen als Kapitalverbrechen bewertet. Nicht beachtet wird dabei ob nicht die Gefahr, das Bücher ständig ganz aus dieser Welt verschwinden und nie wieder nachgedruckt werden größer ist und ein größeres Verbrechen, als die Bewahrung und das Kopieren von Werken. Fakt ist, das Kopieren einfacher geworden ist, als je zuvor. Wir haben die Möglichkeit Werkez zu bewahren, aber es wird quasi nicht gemacht. Unter Bewahren verstehe ich dabei auch die Verfügbarmachung. Ob ein Buch unter irgendwelchen Umständen noch irgendwo auffindbar ist, ist dabei eher sekundär. So eine archivierte Ausgabe kann einerseits immer verloren gehen, und der Zugriff darauf ist oft mit erheblichen Hürden verbunden, wenn man dies jederman gestatten will.

Wir brauchen, analog zur Weltbank, eine Weltdatenbank, die demokratisch legitimiert und überwacht wird und die universelle Verwertung von allem und jedem zu billigem Geld nicht als Geschäftsgrundlage hat.

Hier kriegt er etwas die Kurve. Denn GoogleBooks ist nur ein Symptom. Ein Symptom für ein überbordendes Urheberrecht und der Tatsache, das es die Bibliotheken bisher nicht verstanden haben, eben so etwas wie eine Weltdatenbank aufzubauen. Sie wollten es nicht, sie haben sich geweigert. Erst jetzt, wo sich ein Großkonzern anschickt für ein drängendes Problem eine Lösung aufzuoktruyieren und vorangeht regt sich Widerstand. Wohlgemerkt Widerstand und nicht ein ernstzunehmendes Engagement für eine Alternative.

Ich wäre froh, wenn viele Bücher für jedermann frei verfügbar und kopierbar wären. Der Tod der Kultur wird dadurch nicht eintreten, genau so wenig wie es jemals der Fall war. Und heute werden die Zerstörertechnologien vergangener Jahrhunderte als die Bewahrer unserer Kultur angesehen. Man braucht nicht viel Phantasie um zu sehen, das sich in diesem Punkt Geschichte wiederholen wird – auch wenn manche verborte Kleingeister lieber zurück ins Mittelalter wollen.

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