Zu: Klar Frei und Lebenslänglich

Es ist schon lustig, was man heute alles so lesen muss zur Freilassung von Christian Klar. Aus meiner Sicht war die RAF zwar ein Haufen durchgeknallter Idioten, aaaber: 26 Jahre Haft ist verdammt viel. Zum Thema Lebenslänglich hier auch einige interessante Fakten:

  • Der am längsten einsitzende Gefangene in Deutschland ist Wolfgang Pommerenke. Nächstes Jahr würde er 50 Jahre lang im Gefängnis sitzen. Er gestand unter anderem vier Morde, sieben  Mordversuche, zwei vollendete und 25 versuchte Vergewaltigungen, sechs Raubüberfälle, zehn Einbrüche – Ihm wurde in den 50 Jahren jegliche Therapie verweigert die ihm auch die Chance auf vorzeitige Entlassung ermöglicht hätte. Aus meiner Sicht ist ein solcher Umgang mit Menschen ebenso ein Verbrechen! Dazu vielleicht auch den Artikel der Stuttgarter Zeitung von diesem Monat lesen
  • In folgenden Ländern wurde „Lebenslänglich“ bereits abgeschafft: Kroation, Norwegen, Portugal, Spanien, Bolivien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Mexiko, Uruguay, Venezuela, Macao. In diesen Ländern gibt es Grenzen für maximale Gefängnisstrafen. Nicht so aber in Deutschland.
  • In Deutschland beträgt die durchschnittliche Haftzeit für lebenslänglich Verurteilte zwischen 18 und 25 Jahren.

Ulf Poschardt schreibt in der Welt: „Die Freilassung Christian Klars bedeutet für die Angehörigen seiner Opfer eine Zumutung. Klar genießt jene Liberalität, die er einst gnadenlos bekämpfte.“ – Wenn man dieser Logik folgt, dürfte es keinen Rechtsstaat geben. Vielleicht gibt es ihn auch nicht – jedenfalls nicht im Sinne von gerecht – denn was Poschardt versucht und auch in vielen anderen Kommentaren durchzuhören ist, ist das eine Art „Volkszorn“ vermutet wird gegen (Ex)-Terroristen. Diese sollen, anders als andere Verbrecher, keine Gnade bekommen, so fordern viele sogenannte Journalisten. Offenbar halten die aber ebensowenig von den Grundrechten wie die Terroristen, mit denen sie sich auf eine Ebene begeben. Aus ähnlichen Kreisen hört man dann aber oft, das man eine NPD nicht verbieten könne – oder das Herr Manichl die Nazis ja provoziert hätte. Seltsame Auswüchse. Auch hatte ein Herr Poschardt kein Problem damit als damaliger Chefredakteur der Vanity einem der RAF-Gründer und heutigen Rechtsextremisten Horst Mahler eine breite Bühne zu bieten. Man wundert sich wo da der Sinneswandel herkommt? Offenbar wird hier wieder einmal wie man auf dem rechten Auge eben oftmals blind ist. Da darf ein ehemaliger Terrorist also ruhig den Holocaust leugnen und antisemitischen Blödsinn auspacken – aber wenn ein anderer Terrorist nach viel längerer Haftzeit freikommt und all dies nicht tut, so sei dies eine Zumutung für die Angehörigen der Opfer. Ich denke eher das es eine Zumutung war Herrn Mahler auf diese Art den Angehörigen zu präsentieren.

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