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Eigentümlich Links?
Im Netz tummeln sich ja so einige Menschen und Blogs, die von sich behaupten “irgendwie links” zu sein. Ich bin versucht zu sagen “Sind wir nicht alle ein bißchen?”
Ein Beispiel ist Roberto De Lapuente. Sein Blog nennt er “Ad Sinistram“. Lateinisch für “linksab” oder “linksum”. Herr DeLapuente kopiert zwar auch einige seiner Artikel zu Indymedia (vermutlich zu Werbezwecken), aber er schreibt auch anderswo, wie z.B. auf infowars.wordpress.com. Dort auch eine Vielzahl an Verschwörungstheorien aus dem rechten Spektrum, wie zur “Obama-Täuschung“. Zitat:
Wie Obama Amerika in eine faschistische Diktatur umwandeln will, mit zwanghaften Nationaldienst, inländische Spitzel, gesetzwidriges Abhören und Überwachen, Zerstörung der Verfassung, FEMA Gefangenenlager und Kriegsrecht.
Das klingt wie abgeschrieben von der amerikanischen Tea-Party-Bewegung, für die Obama ja abwechselnd der Antichrist, ein Affe, ein heimlicher Moslem, Hitler, …. ist. Nun hat DAS nicht Herr Lapuente geschrieben, aber warum schreibt man an solchen Orten? Gerade erst hat er gejammert, dass FAU-Mitglieder gerne auf seine Werbung verzichten wollten. So schnell vergeht sein Wohlwollen. Wie so oft schließt er sein Lamento mit wirren, mehrdeutigen Worten, von denen wir vielleicht lieber gar nicht wissen wollen, was für Gedanken da wieder hinter stecken:
So wie der deutsche Anarchosyndikalismus ein Traum bleibt – man könnt ihn aber als Alptraum haben: das ja! Als Gruppe schwafelnder und dogmatisiernder Predigergestalten; als eine frei denkende, frei handelnde, besonnene und charakterlich lockere Veranstaltung scheint selbst die humanistischste Gesinnung in diesem Lande undenkbar…
Den Anarchosyndikalismus mit Humanismus zusammenzuwerfen ist schon verwegen. Da halte mich mich doch lieber an meinen Lieblingsphilosophen Foucault der zum Humanismus schrieb:
„Ich verstehe unter Humanismus die Gesamtheit der Diskurse, in denen man dem abendländischen Menschen eingeredet hat: Auch wenn du die Macht nicht ausübst, kannst du sehr wohl souverän sein. […] Je besser du dich der Macht unterwirfst, die über dich gesetzt ist, umso souveräner wirst du sein. Der Humanismus ist die Gesamtheit der Erfindungen, die um diese unterworfenen Souveränitäten herum aufgebaut worden ist: die Seele (souverän gegenüber dem Leib, Gott unterworfen), das Gewissen (frei im Bereich des Urteils, der Ordnung der Wahrheit unterworfen), das Individuum (souveräner Inhaber seiner Rechte, den Gesetzen der Natur oder den Regeln der Gesellschaft unterworfen).“ (Michel Foucault, Von der Subversion des Wissens, 1974, S.114)
Vielleicht ist dieser Humanismus, dieses Linkssein bezeichnend für eine größere Gruppe von Menschen, die nichts für eine bessere Welt tun als zu lamentieren, aber im Grunde mit ihrem Geschreibsel und ihrem Handeln genau die Verhältnisse stützen, die es zu bekämpfen und verändern gelten würde?
Ich vermute mal, das passiert alles unbewusst. Es schreibt sich da fast ganz von selbst. und so hat auch ein andere Protagonist, Frank Benedikt vom Binsenbrenner das gleiche Problem wie Lapuente. Auch sein Geschreibsel und Verhalten stieß auf Ablehnung einzelner FAU-Mitglieder. Und so applaudieren sie sich gegenseitig und bestätigen sich dabei, dass sie zu den Guten gehören – und die FAU sind die blöden, weil die sie nicht lieb haben. Die gehören jetzt zur Out-Group. So wohlig warm ums Herz wird diesen Linken nämlich nur bei ihres gleichen, wo man sich selbst Gefälligkeitsrezensionen schreibt und sich die gegenseitige Großartigkeit bestätigt. Das hat schon im Kindergarten toll funktioniert. Warum also nicht auch in der Blogosphäre. So manch einer fällt ja auch rein auf die Logik der Blog-Rankings. Aber wenn man mal nachdenkt? Gut ist nix besonderes. Wenn sich BILD, FAZ und ZDF gegenseitig zitieren ist das ein anderer Mainstream. Aber da gibts wenigstens tatsächlich Leserzahlen und Einschaltquoten. Auch wenn die dort auch nix über Qualität und Kreativität der Beiträge aussagen.
Mancher Kommentator meinte ja hier auch: Was willst du denn? Ist doch alles ganz normal. eine Hand wäscht die andere! Machen doch alle! Ne, ich nicht. Ich habe zwar auch Blog-Freunde im Internet – aber da haue ich auch zwischen, wenn es nötig ist. Das machen mir dann manche auch zum Vorwurf. Die Frage ist doch aber in wieweit ein Blog kritisch ist und das eigene Weltbild hinterfragt. oder schwimmt man in der Soße von “Irgendwie ist ja jeder ok, wir sind alle ein wenig links – und warum nicht auch ein Interview bei eigentümlich frei?” Das ist genau die Soße in der die Piratenpartei auch mitschwimmt. Da zählt nur noch “Oben Bleiben” im Sinne von populär, beliebt, viele Follower, viele Wähler, whatever. Und doch ist dass das Tor zur Beliebigkeit!
Apropos: Bei Ad Sinistram ist jetzt wieder Werbefläche frei. Da kann man sich also Präsenz kaufen. Ist das nicht klasse? Das haben wir wohl dem Rauskicken der FAU-Werbung zu verdanken. Wie schön, dass es käufliche Blogs gibt. Da weiß man jedenfalls, was man hat. Am besten nicht drüber nachdenken, was so dahinter steckt. Das verdirbt nur den Appetit.
Was da “rechts” ist und was “links” ist kaum wahrnehmbar. Das erinnerte mich an John Cleese in “Clockwise”:
Rezensionen kann man auch selber schreiben…
Durch einen Link wurde ich darauf aufmerksam, dass Roberto DeLapuente auch mal ein Buch (“Unzugehörig”) geschrieben hat. Bei Amazon fand ich eine Rezension. Der User hieß “abc” und schrieb nur diese eine Rezension.
Beim Lesen des Textes dachte ich: Das klingt verdammt wie DeLapuente selbst. Dann viel mir das neue FAZ-Werkzeug ein und ich verglich die Rezension mit einem seiner neuen aber ähnlich klingenden Texte. Ergebnis: Die FAZ-Maschine sagt zu beiden Texten das gleiche (wie ich erwartet hatte). In dem Fall wie: “Georg Wilhelm Friedrich Hegel”. Ein Zufall? Vielleicht. Andere Texte führen durchaus zu anderen Ergebnissen. Aber etwas anderes fällt dort auch auf: Es gibt ganze 2 Kommentare – der eine fordert kritisch zur Lektüre des Blogs auf und wurde downgevotet, so dass er nicht angezeigt wird. Der andere fordert zum Kauf des Buches auf und wurde als allgemein hilfreich gevotet.
Weiterhin auffällig ist in der Rezension dieser Satz “Alle Texte wurde für die Buchausgabe nochmals sorgfältigst überarbeitet und ergänzt, so dass sich ein Kauf allemal lohnt.” Das deutet darauf hin, dass der Rezensent darüber bescheid weiss, wie das Buch vorbereitet wurde. Das können nur der Verlag selbst, der Autor oder Freunde wissen, sofern dieses Faktum nicht vorher veröffentlicht wurde. Auf binsenbrenner.de rezensierte Christian Klotz das Buch inklusive Link zu Amazon und verwies zusätzlich auf eine weitere wohlmeinende Rezension von Frank Benedikt auf spiegelfechter.de (dort sind auch die Kommentare vielsagend). Da ist die Männerclique also mal wieder zusammen – wie es so oft unter Bloggern läuft – man stützt sich gegenseitig – von kritischer Distanz bei den Rezensionen ist weit und breit nichts zu lesen. Ist man im wirklichen Leben noch so bedeutungslos und die eigenen Ergüsse noch so belanglos – hier bestätigen sich Webfreunde gegenseitig wie toll sie sind. Auch Margareth Gorges als Web-Freundin von DeLapuente sekundiert mit einer positiven Rezension im Freitag(Zitat: “Roberto J. de Lapuente mit seinem Blog ad sinistram ist der Aufklärer des neuen Jahrtausend”) . Dann noch Markus Vollack (“epikur”) von Zeigeistlos, der hier einen Co-Blogger auf ihrem Blog rezensiert /Zuvor ein Interview in zeitgeistlos mit DeLapuente). Und noch Stefan Sasse, der übrigens auf im Spiegelfechter schreibt(Zitat: “Oftmals spürt man die Anleihen beim Stil großer Autoren wie Camus, Marcuse, Orwell und Sartre.”(die würden sich im Grabe umdrehen!). Über die Motivation der Herren und der Dame sagt dieses Zitat von Benedikt in den Kommentaren so einiges:
So steht es auch bei mir drüben im Blog geschrieben, aber da Jens “Affiliate” ist und für all die Arbeit auch was (sind eh nur Kleinbeträge) verdienen soll, steht hier halt der Amazon-Link drin. Kuck mal, das ist simple Interessenabwägung – Jens muß was verdienen, damit er vor allem auch hier weiter hochqualitative Artikel schreiben kann, Roberto muß was dazu verdienen, damit er weiter so wuchtige Sachen schreiben kann und Jork, der Verleger, muß was verdienen, damit er sich weiter den “Luxus” leisten kann, eigenwillige und non-konforme Autoren verlegen zu können. Das ist das leidige Lied vom Geld, und wenn alle solidarisch spenden würden für derlei Arbeit(!), wären wir nicht gezwungen, gelegentlich auch was zu verkaufen oder Werbung zu schalten.
Wer sich im übrigen die Blogroll der Herren anschaut findet weitere Indizien dafür, dass man von den Rezensionen und Aktivitäten nicht viel kritische Distanz erwarten kann. Es handelt sich dabei wohl eher im eine Meinungs-Seilschaft?
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