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Bravo: Piratenpartei führt Frauenquote ein

Dezember 23, 2009 3 Kommentare

Leider vorerst nur in Schweden. Aber bei uns kann das ja auch nicht mehr lange dauern. Blog-Kollegin Isi hat dazu schon was geschrieben. Jo, dann muss ich dazu auch nicht mehr schreiben. Ich verfolge die PP derzeit auch nicht mehr so. Überwiegend uninteressant und vermehrt mit sich selbst beschäftigt.

Hier in Kiel hat die GEW Hochschulgruppe zum Thema Frauenquote auch einen guten Flyer verfasst, der auch online abrufbar ist.

Hierzu noch mal meine persönliche Meinung. Ich bin auch nicht der Meinung, dass eine Quotenregelung wirklich die beste Lösung ist – aber ich sehe da derzeit noch keine Alternative zu – und Nichthandeln ist effektiv das Festschreiben einer Diskriminierung. Die Argumente der Quotengegner sind oft aus dem letzten Jahrhundert. Ich habe dazu ja schon genug geschrieben und muss dass an dieser Stelle nicht wiederholen. Über die Tagsuche findet ihr sonst mehr.

Update: Im Piratenforum gibt es dazu eine aktuelle Umfrage.

Frauenpolitische Diskussionen um Piraten und die Folgen

September 5, 2009 2 Kommentare

Abgesehen von dem Peek in dem Abfragen (rd. 1000 am 4.9.) hat die Diskussion leider nicht viel gebracht. Anicatha, Spitzenkandidatin der Piraten in SH dokumentiert in einem Blogeintrag ihr Unverständnis.

Ok, also nicht einmal der Begriff “Frauenpolitik” ist da offenbar vielen ein Begriff. Nein, Frauenpolitik ist nicht gleich Familienpolitik.

Was ich dort bereits in einem Kommentar schrieb, so erfordert m.E. die Teilnahme an der Diskussion sich zunächst einmal grob mit Begriffen und der Geschichte der Frauenbewegung zu beschäftigen. Ich bin da auch kein Experte – aber wenn man sich im politischen Raum bewegt, schon gar als Spitzenkandidatin – dann gehört das aus meiner Sicht einfach dazu.

Mir ist es eigentlich zu blöd zu diskutieren mit Leuten, die nur Vorurteile haben gegenüber Feminismus – und sich nicht einmal damit beschäftigt haben. Ich habe kein Problem damit mich mit Leuten zu unterhalten, die sich damit beschäftigt haben – wissen was in der Vergangenheit passiert ist – verstehen  was erreicht wurde – und dann eventuell für heute einen anderen Zugang vorschlagen. Dagegen ist ja gar nichts zu sagen. Allerdings ist es zu einfach zu sagen, dass Frauenrechte erreicht wurden und somit alles in Butter ist.

Frauenrechte sind Grundrechte. Also muss eine Bürgerrechtspartei sich auch dafür stark machen. Ignoranz überzeugt mich nicht. von der vielbeschworenen Intelligenz der Piraten habe ich nicht viel gesehen.

Mir wurde auch bisher von den Piraten nicht die Frage beantwortet ob sie denn, wenn sie schon “Pirat” als geschlechtsneutrale Bezeichnung bevorzugen dann konsequenter weise auch alle Berufsbezeichungen neutralisieren wollen (durch das Streichen der weiblichen Form). Denn was für Pirat gilt, kann ja für andere Bezeichungen nicht grundsätzlich falsch sein, wenn man dere Logik folgt. M.E. haben sich die Piraten da einfach verrannt in eine Sackgasse. Und auf den Vorwurf ich wäre so 20. Jahrhundert mag ich eher erwidern, das ihr ja so 19. Jahrhundert seid. Piraten gehen offenbar davon aus, das sämtliche Probleme auf der Welt sich in Luft auflösen, sobald sie auf der Bildfläche erscheinen.

Ich bin gespannt darauf, wie Piraten agieren, wenn sie mal politische Mitverantwortung tragen.

Und es gibt sie doch: Piratinnen!

Juli 8, 2009 20 Kommentare
Es gibt sie doch!

Es gibt sie doch! (Einige Rechte Vorbehalten)

Die Piratenpartei ist schon ein lustiger Verein. Allgemein ist man dort gegen Neusprech. Man hat ja 1984 gelesen oder glaubt es zu kennen.

Genau DAS aber hat man sich selbst in die Satzung geschrieben:

Abschnitt A: Grundlagen

§ 1 – Name, Sitz und Tätigkeitsgebiet


(5) Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.

Laut Duden allerdings ist es durchaus möglich eine weibliche Form von Pirat zu bilden. Was also haben wir hier? Wieso haben die Piraten das gemacht?

Diese Regelung in der Satzung ist quasi antifeministisch. Laut Wikipedia werden in der Feministischen Linguistik feminine Endungen  auch dort gebildet, wo dies zu Wort-Neukreationen führt (Beispiel “Bundeskanzlerin“). Die Piratenpartei hat nun aber das Gegenteil gemacht: Von einem Wort, zu dem es bereits eine weibliche Form gibt, haben sie diese per Satzungsbeschluss entfernt. Hierbei handelt es sich also um eine bewusste Sprachmanipulation. Da dies ganz bewusst vollzogen wurde ist dies eine Message, die wir als Empfänger entschlüsseln müssen:

  1. Ich stelle zunächst fest, das die Mitglieder mehrheitlich Männer waren, die diesen Beschluss gefasst haben.
  2. Es lässt sich auch sagen, das die Piratenpartei mit Sicherheit zumindest Feministischer Linguistik (FL) gegenüber feindlich gegenüber steht.
  3. Man kann auch festhalten, dass es in Deutschland keine Partei gibt, die die weibliche Form ausschliesst. Vielleicht liegt es daran, das “Mitglied” eigentlich geschlechtsneutral ist. Die Piraten haben aber bewusst einen anderen Begriff gewählt, der eben nicht geschlechtsneutral ist.
  4. Da die FL für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch eintritt – und die Piraten hier eine Gegenbewegung vollziehen, muss man ergo diesen Satzungsabschnitt als bewusst sexistisch und frauenfeindlich werten. Als Signal an Frau, dass sie als Mitglied weniger Wert ist als die Männlichen Kollegen. Warum? Um einen geschlechtsneutralen Begriff zu wählen hätte man ja auch “Piratin” als geschlechtsneutral definieren können. Wollte man aber nicht. Man hat ganz bewusst die männliche Form gewählt um damit ein Signal zu setzen.

Wie so vieles, was in der Piratenpartei passiert, ist auch das verschieden von dem, was in anderen Parteien passiert. Die Piraten sehen sich dabei oftmals jenseits aller gesellschaftlichen Diskurse. Sei es nun das Rechts/Links-Schema. Piraten denken sie sind nicht-sexististisch, agieren aber dennoch so. Es wird Zeit, das die jungen Männer erwachsen werden und sich ihrer Verantwortung bewusst werden im Umgang mit Frauen wie im Umgang mit Geschichte.

Übrigens: Mit solchen Angriffen tut man der Piratenpartei einen Gefallen, denn man stärkt den innerparteilichen Kritikern den Rücken: Das dort endlich mal Vernunft einkehre. Ich unterstütze alle Forderungen der Piratenpartei,aber was in der Partei verzapft wird ist unter aller Sau. Die Piratenpartei muss vor allem im Moment an ihrer Glaubhaftigkeit arbeiten um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Dazu müssen viele dort ganz ganz schnell erwachsen werden!

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