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Posts Tagged ‘Julian Assange’

Assange-Festnahme inszeniert?

Ich dachte gerade:

Assange wird ausgerechnet in Großbritannien verhaftet, dass sich besonders schwer tut mit Auslieferungen. Dann wird er verhaftet, weil er auf die Polizeiwache geht, um den Haftbefehl einzusehen(?).

Ich glaube Assange/Wikileaks wollte ein Exempel statuieren, was den Europäischen Haftbefehl betrifft, den man ja durchaus kritische betrachten kann.

Vieles von dem, was Wikileaks tut erscheint als Provokation – ausgerechnet US-Dokumente veröffentlichen – jetzt die Angriffe auf Mastercard und Visa. Natürlich muss Wikileaks mittlerweile als echte Bedrohung für Staaten wahrgenommen werden – und es wird sicher nicht an einer Gegenreaktion mangeln. Im Moment scheint mit diese noch sehr konstruiert – nach dem Motto “Catch Me If You Can“. Da sehe ich schon in 10 Jahren oder früher einen Film über die Geschichte von Wikileaks und Assange.

Allerdings hat Assange m.E. die Karten die er hat überreizt. Zudem hat sich gezeigt, dass die Veröffentlichungen bereits dazu geführt haben, dass Quellen offengelegt wurden, anstatt sie zu schützen. Mit Whistleblowing hat das wenig zu tun. Whistleblowing ist das Gegenteil von dem was Wikileaks macht. WB bedeutet, dass Quellen geschützt werden, die Hinweise auf Rechtsbrüche geben. Wikileaks dagegen veröffentlicht Material von Quellen ungefiltert und gibt damit eine Vielzahl an Daten preis, auch unbenommen von Implikationen für die Betroffenen. Datenschutz Fehlanzeige. Und die Piratenpartei, die sich angeblich so stark macht für Datenschutz versagt erneut in dem sie einfach diese Daten übernimmt.

Wikileaks ist schon spannend. Mal Einblick nehmen zu können in geheimgehalten Dokumente – so wie bei den Mautverträgen.Doch Wikileaks geht nicht verantwortlich um mit den entstandenen Daten. Das einzige was man sagen kann ist, dass man froh wäre, wenn viele der Daten gar nicht entstanden wären. Ich habe keine Lust, dass Datensätze, die sich auf mich beziehen, veröffentlicht werden. Doch das Konzept von Wikileaks sieht genau so etwas vor: raus damit, scheißegal. Zudem entzieht sich Wikileaks vorgeblich jeglicher Jurisdiktion – das heisst ich habe gar keine Möglichkeit einer Freigabe zu widersprechen. Wikileaks entscheidet über meine Privatsphäre. Doch wer steht dahinter? Wo ist die demokratische Kontrolle? Wer garantiert mir, dass Wikileaks ihre Daten  nicht auch verkauft? Oder auch ihre Dienstleistungen des Datenklaus.

Heiliger Assange

Dezember 8, 2010 5 Kommentare

Ich wollte eigentlich nichts schreiben, bis sich der Nebel nicht weiter gelichtet hat. Aber da alle möglichen Blogger (und da vor allem Männer), jetzt grade wieder telepolis es nicht lassen können ihrem Helden beiseite zu springen möchte ich auf einige Aspekte eingehen:

Zu gutem Sex gehört auch das gegenseitige Einverständnis der beiden Geschlechtspartner. Gesetzlich und gesellschaftlich wurde das lange Jahre anders gesehen. Vergewaltigung in der Ehe war in Deutschland nicht strafbar und noch immer glauben viele ein Mann könne sich beim Sex alles erlauben, sofern die Frau denn erst mal grundsätzlich eingewilligt hat. Dass sie dann aber ihre Meinung ändern könnte oder nicht jeden Scheiss akzeptiert – und dass dann die Mißachtung ihrer Grenzen als sexueller Mißbrauch oder Vergewaltigung zu interpretieren ist, sollte eigentlich klar sein.

Viele können es nicht lassen ihren Schmutz auf die beiden Frauen abzuladen. Und dahinter steht für mich eher ein Denken wie: „Assange ist ein Mann und der Held der Geschichte, es kann einfach nicht sein, dass er gefehlt hat!“ – Wir waren alle nicht dabei. Ich muss da auch nicht jedes Detail wissen.

Offenbar lebt Assange in den Augen vieler Blogger/Hacker den modernen Männertraum (Florian Rötzer auf telepolis):

Liest man, was die Daily Mail aus den Polizeiberichten [extern] erzählt, dann wird die ganze Angelegenheit noch konfuser und zu amourösen Liebschaften, die sich ergeben, wenn hübsche, Prominenz bewundernde Frauen auf einen jungen Mann treffen, der Weltruhm genießt und sich entsprechend wichtig nimmt – und sexuell attraktiv. Und dann auch noch, dass Assange nicht nur zwischen den Frauen wechselte, sondern auch den Computer als wichtiger betrachtete als die Frauen.

… und ist insofern unfehlbarer als der Papst.

Für mich siehts so aus, dass ich es für eher unwahrscheinlich halte, dass sich Frauen solche Geschichten ausdenken und sich freiwillig in das Kreuzfeuer der Medien begeben. Ausschließen kann man ja nix – aber die Bloggerkollegen schließen jetzt schon eines aus: Das Assange hier in irgendeiner weise einen Fehler gemacht hat. Im Gegenteil – sie bewundern ihn jetzt schon dafür, wie scheisse er sich den Frauen gegenüber verhalten hat. Man kennt das ja auch vom Fall Kachelmann. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung aber die Frauen die die Anzeige erstatten sind von Anfang an  schuldig ? Komisches Verständnis und leider allzu durchschaubar sexistisch.

Täter Assange im Wald der Vorwürfe

Es ist wohl unzweifelhaft, dass Assange sich in seinem Privatleben sexuelle Übergriffe herausgenommen hat, die vielleicht noch nicht strafrechtlich relevant sind, aber dennoch aufs schärfste zu verurteilen sind. Dabei ist es irrelevant was gerichtsfest bewiesen ist. Wer sich mit dem Thema Vergewaltigung beschäftigt weiß, dass in den wenigsten Fällen klare Beweise vorliegen – Opfer haben oft Erinnerungslücken, bringen Fälle gar nicht erst zur Anzeige oder ziehen Anklagen zurück, weil die Anzeige selbst ihnen mehr Nachteile bringt als dem Täter.

Es geht dabei auch auf die Prinzipien von Definitionsmacht zu achten. Wir kennen hier in Deutschland ja auch den Fall Kachelmann. Die Behandlung der Betroffenen durch Polizei, Justiz und Öffentlichkeit ist dabei überwiegend geprägt von Mißtrauen. Eine Retraumatisierung dabei keine Seltenheit.

Mehr zu dem Thema Definitionsmacht auch hier.

Es kann ja wohl auch nicht sein, dass ein Kerl, Assange hier den Weltretter via Wikileaks spielt – und die ganzen Geeks dann jedwede Anschuldigung an ihn abwehren weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Da wird lieber Verschwörungstheorien geglaubt, denen man ansonsten so gerne skeptisch gegenüber steht.

Also es geht hier nicht um eine rechtliche Definition – es geht darum, dass es keinen Grund gibt die Aussagen der beiden Frauen anzuzweifeln.

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