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Posts Tagged ‘Frauenrechte’

Wieso Gleichheit nicht vom Himmel fällt

Dezember 25, 2009 1 Kommentar

Dieser Beitrag ist als Anregung zum Nachdenken zu verstehen. Denn oft beobachte ich in Kommentaren und Foren, wie die Diskussion um eine Frauenquote in meinen Augen falsch diskutiert wird.

Um das Ganze zu illustrieren möchte ich zunächst ein Gleichnis aufstellen:

Stellen wir uns eine Gruppe von Menschen vor: Eine alte Frau, ein kleiner Junge, ein sportlicher junger Mann und ein Rollstuhlfahrer. Es soll ein Wettbewerb stattfinden – über eine Distanz von 500 Metern müssen diese Teilnehmer nur zu einem Tisch laufen – und wer zuerst ankommt kann sich den Gewinn der dort liegt nehmen. Wir stellen fest: Alle Teilnehmerinnen sind gleich weit vom Ziel entfernt – keiner wird behindert, alle starten zum gleichen Zeitpunkt, niemand ist gedopt oder hat einen sonstigen Vorteil von den Veranstaltern erhalten. Preifrage: Wer wird vermutlich das Ziel als erster erreichen und den Gewinn einstreichen? Und können wir hier von einem fairen Wettbewerb sprechen?

Der Leser wird erraten, wer in diesem Fall der Gewinner sein wird, wenn nichts dazwischen kommt: Der sportliche junge Mann. Aber welche Art Wettbewerb haben wir hier, wenn der Gewinner defakto schon vorher fest steht?

Oder nehmen wir ein Beispiel aus der Realität: Im Boxen und anderen Sportarten treten Frauen nicht direkt gegen Männer an. Handelt es sich hierbei um eine Benachteiligung der Männer, weil diese nicht an den Wettbewerben der Frauen teilnehmen dürfen?

Was können wir aus dem Gleichnis und dem Beispiel lernen? Formal gleiche Bedingungen bedeuten nicht, dass alle die gleiche Chance haben. Und die Tatsache, dass nicht jeder bei jedem Wettbewerb antreten darf stellt nicht immer eine Benachteiligung einer Gruppe oder eines Geschlechtes dar.

Ja, wir sind alle verschieden. Wir haben Stärken und Schwächen. Dies führt dazu, dass wir an verschiedenen Stellen Vorteile und/oder Nachteile haben. Und es gibt verschiedene Bedingungen wie das Geschlecht, die Herkunft, die Bildung, der finanzielle Status, die die Startbedingungen mit bestimmen. Z.B. muss ein Student, dessen Eltern nicht reich sind vermutlich neben dem Studium auch noch arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren, während ein Student mit reichen Eltern sich voll auf das Studium konzentrieren kann. Aber formal haben beide Studenten die gleichen Bedingungen – d.h. von Seiten der Universität, den Zugangsvorraussetzungen, etc. . Der Argumentation derer, die die Frauenquote rundweg ablehnen stellt das BaFöG auch eine unzulässige Diskriminierung von reichen Menschen dar, weil sie KEIN Geld erhalten? Gleiches gilt für Hartz IV? Sind also in unserer Gesellschaft reiche Menschen überall diskriminiert, weil sie keine Ermäßigung bekommen? Würde demgemäß also unsere Gesellschaft gerechter sein, wenn wir die Armen verhungern lassen würden – wenn wir Studiengebühren für alle einführen usw.?

Ich denke prinzipiell ja – im FDP-Sinne. Die FDP, der Liberalismus versucht nach Möglichkeit formal gleiche Bedingungen zu schaffen – aber nur an dem Punkt des Zugangs zu Jobs, Bildung,… die Theorie ist, dass jeder seines Glückes Schmied ist und an sich jeder alles erreichen kann und soll – und der Staat so wenig wie möglich eingreifen soll. In diesem Weltbild wird wenig Augenmerk darauf gelegt, dass es auch andere Faktoren gibt, die eben dazu führen, dass wir nicht alle die gleichen Zugangsvorraussetzungen haben durch Bedingungen, die wir als Neugeborene nicht beeinflussen können. Wir werden in die Verhältnisse hineingeboren. Zu dem Zeitpunkt haben wir vielleicht noch einigermaßen gleiche Chancen (vorrausgesetzt, dass nicht mangelnde ärztliche Versorgung etwas bei der Geburt schief gehen lässt). Aber von dem Zeitpunkt an beeinflussen uns die Bedingungen nach der Geburt, die Ernährung, unsere Eltern und deren Bildung und Weisheit, unser Verwandten und Freunde – und wie sie auf uns reagieren. Die Vorurteile der Welt, weil wir eine andere Hautfarbe haben oder weil wir männlich oder weiblich sind.

Wir können als Gesellschaft nicht auf alle dieser Faktoren Einfluß nehmen und sollten das auch nicht wollen. Aber es ist wichtig zu erkennen, dass Kinder nicht mit gleichen Chancen geboren werden. Dennoch ist Gleichheit eines der wichtigsten Verfassungsziele in Deutschland und anderen Staaten.

Wie aber kommen wir zu mehr Gleichheit? Was können wir tun? Wenn wir nichts tun wird es nicht besser, sondern die vorhandene Ungleichheit wird z.B. in Familien zum Positiven wie auch Negativen weitergetragen – oder von Region zu Region. Deswegen bedeutet Politik zu machen auch in erster Linie einzugreifen und für Gerechtigkeit und ausgleich zu sorgen. Damit nicht immer nur die Stärksten einen Vorteil haben: Deswegen gibt es Gerichte – damit die Schwachen auch zu ihrem Recht kommen. Deswegen gibt es Gesetze – damit nicht nach Willkür entschieden wird, sondern jeder Mensch gleich behandelt werden kann.

Und nun noch einmal zur Frauenquote: Oberflächlich betrachtet benachteiligt diese ein Geschlecht, nämlich das männliche. Aber dies gilt nur dann, wenn wir davon ausgehen, dass es ohne Quote keine Benachteiligung gibt. Es ist aber Fakt, dass in unserer Gesellschaft Frau zu sein traditionell und auch heute noch bedeutet Vorurteilen ausgesetzt zu sein und effektiven Benachteiligung an vielen Orten. Z.B. bei der Aufstellung von Wahllisten. In vielen Parteien stellen Frauen in Wahllisten eine Minderheit, oft weit unter dem Prozentsatz der Mitglieder. Das liegt daran, dass Frauen nicht unbedingt in dem Maße nur eine Frau wählen, aber umgekehrt Männer eher dazu neigen einen Mann zu wählen.

Das Ergebnis kann man dann auch in fast jeder Partei ablesen, die keine Quotenregelung hat. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf weitere Kritik und Vorurteile an der Quote eingehen, weil es mir im Moment darum gar nicht geht. Mir geht es lediglich darum zu  begründen, warum ohne Quote Frauen bei Wahlen zumeist  benachteiligt werden.

Vergessen wir nicht, dass z.B. in der Schweiz im Kanton Appenzell Innerrhoden erst 1990 durch Gerichtsbeschluss das Wahlrecht für Frauen erzwungen wurde. Hier könnte man auch mit der Demokratie  begründen, dass es einfach nie eine Mehrheit gab, den Frauen ein Recht zuzugestehen.

Es ist aber ganz wichtig zu verstehen und anzuerkennen, dass Menschen- und Bürgerrechte nicht teilbar sein dürfen. Wenn man anfängt wesentliche Rechte oder Verfassungsziele dem Spiel der Kräfte auszusetzen, anstatt sie zu verteidigen oder als gegeben hinzunehmen, so werden immer die Kräfte siegen, die am stärksten sind und am meisten von der Abschaffung oder Verhinderung von Recht profitieren. Gleichheit ist, wie o.g. so ein Recht. Seine Durchsetzung hat oberste Priorität. Man kann sich über die Wahl der Mittel streiten, wie dieses Ziel zu erreichen ist, aber wer dieses Ziel aufgeben will, oder sich auf eine liberalistische Position zurückzieht, der wird dazu beitragen, dass auf dem Papier vielleicht weiterhin eine Gleichheit garantiert ist, diese aber in der Realität nur Makulatur ist, weil die Bedingungen für das Erlangen und Nutzen der Gleichheit nicht gegeben sind. Es bedeutet den Schwächeren oder den Verliererern den Rücken zuzudrehen. Es bedeutet eine Abkehr vom Wesentlichsten unserer Demokratie. Es ist schade, dass die Demokratie es nicht schafft diese ihre eigenen Werte angemessen zu vermitteln und stattdessen das Ganze auf das Jonglieren von Zahlen und Mehrheiten reduziert. Gleichheit darf nicht denunziert werden, weil damit der Kerngedanke unsere Gesellschaft angegriffen wird!

“Verbohrt” im Piratenforum

Dezember 24, 2009 7 Kommentare

Aufgrund des ganzen Skandals um die Sperrung meines Users ist mir die idee gekommen mal danach zu suchen, ob denn die Nutzung von “verbohrt” immer zu einer Sperrung geführt hat. Also mal im Piratenforum GESUCHT.

Interessantes Ergebnis dabei:

  • User arvid zu Isi am 30.10.09: “Du hast ein offenbar verbohrt männerfeindliches Wahrnehmungsmuster und tust mir, ehrlich gesagt, reichlich Leid.” // Verwarnung: KEINE

Womit der Beweis geführt ist, dass in dem Forum mit zweierlei Maß gemessen wird. Ein Arvid darf ohne Verwarnung fast alles sagen, was er will – wenn man ihm aber etwas vorwirft mit einem sehr ähnlichen Wortlaut (zum Vergleich):

  • da die Verbohrten Männerrechtler wie Arvid sich eh von keinem Argument überzeugen lassen”  // Verwarnung: JA, inklusive Sperrung

…dann wird sofort gehandelt. Wie heisst es so schön: Alle sind gleich, aber manche sind gleicher.

Antworten zur Frauenquote (aus Zensurgründen hier)

Dezember 24, 2009 3 Kommentare

Da ich bei den Piraten nicht auf die Vorwürfe  und Fragen des Artikels bezüglich darf, werde ich es hier tun. Leider kann ich die Leute dort nicht auf meine Antworten hier hinweisen.

Urs schreibt:

ich beschränke mich hier, wie von Dir gewünscht, auf das Thema Frauenquote.

Wäre die Quote berechtigt, müssten an Grundschulen Quoten für Lehrer, in Kindergärten Quoten für Kindergärtner eingeführt werden. An Quoten für Maurer oder Müllwerker denkt auch niemand. Für Soldaten erst recht nicht.

Schade, dass der Ankündigung sich auf die Frauenquote zu beschränken genau das Gegenteil kommt: Kein Verständnis für die Geschichte. Ich empfehle dazu zumindest den Abschnitt zum 20. Jahrhundert des Wikipedia-Artikels zu Frauenrechten zu lesen. Dort wird auch noch mal zu Anfang darauf eingegangen, dass Frauen bis 1977 Männer fragen mussten, wenn sie einem Beruf nachgehen wollten. D.h. das galt z.B. noch für meine Mutter. 32 Jahre ist das nur her – und betraf viele Eltern, deren Kinder heute bei den Piraten aktiv sind.

Es kann keinen Konsens über die Diskriminierung der Frauen geben, weil es diese nicht gibt.

Ja, das ist der eigentlich Dissenz. Soll die Piratenpartei es doch selber in einer Arbeitsgruppe nachprüfen nach wissenschaftlichen Kriterien – lest Sekundärliteratur, Untersuchungen, etc. – hört auf damit aus dem Bauch heraus Positionen abzulehnen, sondern stellt eine offene Frage, geht in die Wissenschaft (Soziologie) und versucht herauszufinden, wie der wissenschaftliche Stand ist. ich bin gespannt, ob ihr danach noch diese Meinung aufrecht erhalten könnt.

Eine Frauenquote ist geeignet, die statistischen Zahlen bei beschäftigten Menschen zu verändern. Daraus ergibt sich aber nicht, dass hier “Verhältnisse” verändert werden.

Es ist schon lustig wenn mit dem Verweis auf den Erfolg der Frauenbewegung versucht wird zu beweisen, dass ihre Werkzeuge stumpf sind und sich nichts ändert. Also es hat sich was geändert – durch den Feminismus – aber das ist heute alles falsch, weil es ja nichts zu ändern gibt. Womit wir wieder bei der Kernfrage sind: Gibt es Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft? Nach allem was ich gelesen und erfahren habe ist das unzweifelhaft mit JA zu beantworten. Ich bin gespannt welchen wissenschaftlichen Konsens ihr findet, der das Gegenteil besagt.

Dein Vergleich zwischen Farbigen und Frauen trifft nicht zu.

Da “Farbiger” ein rassistischer Begriff ist, würde ich den auch nie verwenden. Der User hat den Vergleich nicht verstanden.

Ob Arvid ein “verbohrter Männerrechtler” ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe bisher keinen Hinweis darauf entdeckt. Dass Du ihn aber in dieser Weise beschimpfst, stellt Deine Bereitschaft in Frage, Dich sachlich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Hör mal: Wenn ich einen User monatelang beobachte und ich sehe, dass er ein verbohrter Männerrechtler ist, dann darf ich das ja wohl noch ausdrücken was meine Erfahrung und Wahrnehmung ist ohne das das gleich eine Beschimpfung ist? Hier wird am laufenden Band gehetzt, manipuliert,… ohne das jemand nur zuckt. Aber wenn man jemanden als das bezeichnet was er ist, jedenfalls habe ich keinen Anlaß an meinem Urteil zu zweifeln, weil er sich bisher konsequent nur einseitig engagiert hat, dann wird man sofort gesperrt, bzw. man “DARF” sein eigene Posting zensieren – und wenn man es nicht tut darf man keine priavten Nachrichten mehr lesen/schreiben oder auf andere Forumsbereiche zugreifen – man muss wehrlos zusehen wie irgendwelche User unwahre Dinge behaupten und man hat nicht einmal die Möglichkeit der Beschwerde. Es ist eine Verleumdung bzu behaupten ich hätte Arvid beleidigt. Ich habe ihn nur klassifiziert. “Verbohrt” ist für keine klassische Beleidigung – allenfalls eine gefühlte Beleidigung. Arvid denkt bestimmt er sei nicht verbohrt – wieso muss ich seine Sichtweise teilen? Was für eine totalitäre Auffassung von Meinung habt ihr eigentlich? Ihr habt ein Problem mit dem Wörtchen “verbohrt”, aber vor Verlemdung, Zensur und der Beschneidung der Meinungsfreiheit schreckt ihr nicht zurück? Kann es sein, das eure Werte gehörig durcheinander geraten sind?

Ich kritisiere jede Benachteiligung und Bevorzugung von Menschen auf Grund bestimmter Eigenschaften, zum Beispiel wegen des Geschlechts.

Im wesentlichen setzt Du Dich für den Status Quo ein. Und das bedeutet meiner Meinung nach und soviel ich weiss auch nach dem wissenschaftlichen Konsens, dass Untätigkeit ausschließlich den Männern in die Hände spielen würde und den Rechten der Frauen schadet. Insofern bist Du in Deiner Haltung nicht neutral, sondern Männerrechtler. Die Männer in der Schweiz waren auch der Meinung sie müssten Frauen kein Wahlrecht zugestehen.

Siehst Du die Tatsache, dass nur wenige Rentner in der Piratenpartei aktiv sind, als Diskriminierung aller Rentner?

Es deutet darauf hin, dass die PP für Rentner nicht attraktiv ist. Aber keine Angst, ihr werdet alle irgendwann zu Rentnern! :-)

Der Maskulist VeVi schreibt:

@Arvid als “verbohrten Männerrechtler” zu bezeichnen bzw. die seinerzeit von dir gestartete Kampagnen gegen den User @Arne Hoffmann bzw. @Stueck, lassen mich daran zweifeln, dass du mit deinem Meinungsbildungsprozess schon abgeschlossen hast.

Ich könnte es auch anders formulieren – aber verbohrt ist nicht mein Vokabular im Diskurs über gesellschaftliche und politisch relevante Themen …

Wenn ich meinen Meinungsbildungsprozess nicht abgeschlossen hätte würde ich wohl kaum klar Stellung gegen User beziehen, die das Forum missbrauchen. Das Du niemanden als verbohrt bezeichnest ist Dein Problem. ich tue das eben. Du kannst Dir auch eines der Synonyme aussuchen. Das ist doch eine Geisterdiskussion.

Der radikale Männerrechtler Arne Hoffmann schrieb:

(Arbeitswelt)…Das hat sich heute geändert. Die feministische Ideologie zuckelt der veränderten Gesellschaft doch nur hinterher.

In der Stadt Kiel sind 100% der Amtsleiter Männer. Willst Du mir erzählen dass das Zufall ist? Nein, ist es nicht. Es ist Ergebnis der Diskriminierung die Du negierst. Es nützt doch nichts, wenn ihr Männerechtler stets die Augen vor der Wirtklichkeit verschließt und darauf hofft, das irgendwelche Männer, die sich nach den Verhältnissen im Mittelalter zurücksehen eure Bücher lesen und eurem Urteil folgen. Das hat keine Perspektive. Das sind nur Rückzugsgefechte.

Und ie Zensur von Kritikern wie mich wird euch auch nicht auf Dauer helfen. Es zeigt nur, wie unsicher ihr seid. und das ihr es nicht vertragt, wenn jemand mal die Wahrheit ausspricht.

Frauenquote & Piratenmänner: Verbohrt? Gesperrt!

Dezember 24, 2009 4 Kommentare

Nach vielen Monaten habe ich wieder mal einen Beitrag im Piraten-Forum geschrieben. Seit wann genau, kann ich nicht sagen – denn mein Benutzer wurde gesperrt (also nicht nur das Schreib-Recht entzogen) wegen angeblicher drei “Verwarnungen”. Ich kann daher auch keine privaten Nachrichten als Antwort auf meine Nachfragen bei einem Moderatoren lesen. Super Idee. So kann man effizient verhindern, dass ein User gegen eine Maßnahme Beschwerde einlegen kann.

Die Email des Moderators lautete wie folgt. Ich anonymisiere, da ich meine Nachfrage, ob ich zitieren kann nicht lesen kann, selnst wenn eine vorliegen sollte – und da die Maßnahme so drastisch war:

Die Formulierung “Ich werde das hier auch nur streifen, da die Verbohrten Männerrechtler wie Arvid sich eh von keinem Argument überzeugen lassen und andere können sich selber ihre Meinung bilden.” stellt eine Beleidigung gegen Arvid dar. Ich fordere Dich auf die Formulierung zu ändern, um einer Verwarnung zu entgehen

(( Update: siehe dazu auch den neuen Artikel von mir))

Wenn man das Ganze analysiert bleiben die Worte “verbohrt” und “Männerrechtler”. Beide treffen auf den Genannten zu, der keine Gelegenheit auslässt seine Rolle als Moderator für die Männerrechtler auszunutzen und Dinge grundätzlich falsch darstellt. Die Moderatorin “Piratenweib” hat es vor kurzem an anderer Stelle anders ausgedrückt:

Es ist doch schade, dass Du immer so einseitig argumentierst und aus dieser Rolle nicht herauskommst. Etwas mehr Distanz zu dem Thema würde Deinen Beiträgen gut tun. So aber, vertust Du, für eine reflexhafte Antwort, die Chance, Dich als Diskussionspartner zu qualifizieren.”

Ich meine das an dem Tag, wo Begriffe wie “verbohrt” zur Beleidigung werden eine dunkel Zeit angebrochen hat. Und ich frage mich immer wieder ernsthaft, warum Piraten sich in Sachen Zensursula so engagieren und sich die Gängelung durch sowas wie das “Ministerium für Meinungsfreiheit” (Admins/Moderatoren) gefallen lassen. Da kann man nur sagen: 1984 entweder nie gelesen/gesehen oder nicht verstanden.

Lustig finde ich auch, dass die Sperre gerade mich trifft, der seit Monaten an keinem der Hass-Threads, die wohl stattgefunden hat, teilgenommen hat. Die Verwarnungen betrffen ähnlich schräge Fälle, die vor Monaten stattfanden. Währenddessen können User wie Arvid weiter daran arbeiten die PP zu einer Männerpartei umzubauen.

Wir müssen es beim Namen nennen: In die Foren der Piratenpartei wird offen und willkürlich zensiert. Damit hat die PP jegliche Glaubwürdigkeit verloren in Debatten um Zensur. Wie ich schon mehrfach beschrieb, schaffen es die Piraten aber nachwievor mit dem Widerspruch zu leben z.B. aktiv zu zensieren und sich selbst für Verteidiger der Meinungsfreiheit zu halten.

Ich will es mal anders darstellen: Ich gehe davon aus, dass die Foren der Piraten, die am strengsten zensierten sind, die es im Internet zur Politik geht – nirgendwo wird so schnell zensiert, retouchiert und User wegen zweifelhaften Gründen gesperrt am laufenden Band.

Wenn das die Partei ist, die einmal Verantwortung übernehmen soll in Fragen von Meinungsfreiheit, dann bekomme ich eher Angst. Da läuft etwas mächtig aus dem Ruder. Die Piraten lassen sich von einer Gruppe gängeln, die bestimmen was wahr ist und was nicht (Miniwahr), bzw. was erlaubt ist zu denken und was nicht (Minilieb) .

So wurden die Piraten zu dem Gegenteil von dem, wofür sie angetreten waren. Mich erinnert das irgendwie an die Geschichte des Real Existierenden Sozialismus. Sehr schade!

Update:
Interessant, abermals wurde in Kooperation der Presseabteilung mit den Moderatoren unter Umgehung der Mitglieder eine Position postuliert, die es also nicht schwarz auf weiss gibt:

After being discussed in many ways, the german prirate party will not implement a gender quota in any way. This is because the pirates defines and understand themselves as non-discriminating in respect to gender-relation in-between party members.

This results in the fact, that the gender of a member is not tracked at all. We can’t tell how many members are male or female. We could only guess.

Also da hat mal wieder jemand Demokratie nicht verstanden. Also noch mal für die Blöden (DAS war eine Beleidigung!):

  • Demokratie ist, wenn z.B. Parteien politische Positionen von gewählten Gremien oder der Parteibasis entscheiden lassen.
  • Das Gegenteil von Demokratie – ob flüssig oder nicht – ist wenn ein Haufen verwirrter Pressesprecher oder Foren-Administratoren, denen ihre Macht zu Kopf gestiegen ist Positionen konstatieren und diese als unverrückbar gegenüber der Öffentlichkeit oder von Schwesterparteien kommunizieren.
  • Hier die entscheidende Stelle: “After being discussed in many ways, the german prirate party will not implement a gender quota in any way.
  • Immerhin haben bislang 31% der User in dem von Maskulisten massiv unterwanderten Forum gesagt, sie könnten sich Quoten im allgemeinen auch vorstellen. Zum einen ist das eine nicht geringe Minderheit – zum anderen lässt das vermuten, dass auf einem Parteitag, auf dem auch weniger nichtpiratige Maskulisten zu finden sein werden das Bild noch ganz anders aussehen kann. Jedenfalls gibt es für eine einhellige Ablehnung keinen Anhaltspunkt.

Aber das habe ich ja auch schon vor einigen Monaten berichtet. Der Vorstand lässt es zu, dass aus der Presseabteilung und dem Forum Positionen vertreten werden, die so nie beschlossen wurden. Aber ist man bei Dingen wie der Atomkraft extrem vorsichtig – so scheint man bei allem, was sich gegen Frauen richtet keine Hemmungen zu haben Stellung zu beziehen. Der nächste Parteitag sollte da Klarheit schaffen. Notfalls müssen Feministinnen den Antrag einreichen, dass es KEINE Frauenquote geben soll. Ja ihr habt richtig gelesen – die Feministinnen können das tun: Wenn die Piratenpartei eine klare Stellung gegen Frauen beziehen will, so soll sie das auch so verabschieden. Sie soll sich lächerlich machen – macht es bitte mit Brief und Siegel – dann kann sich auch keiner mehrherausreden, dass das alles falsch interpretiert wurde. Ja bitte fasst diesen Beschluss! Macht die PP zur Männerpartei! Stoßt sie in die Bedeutungslosigkeit! Move on!

Bravo: Piratenpartei führt Frauenquote ein

Dezember 23, 2009 3 Kommentare

Leider vorerst nur in Schweden. Aber bei uns kann das ja auch nicht mehr lange dauern. Blog-Kollegin Isi hat dazu schon was geschrieben. Jo, dann muss ich dazu auch nicht mehr schreiben. Ich verfolge die PP derzeit auch nicht mehr so. Überwiegend uninteressant und vermehrt mit sich selbst beschäftigt.

Hier in Kiel hat die GEW Hochschulgruppe zum Thema Frauenquote auch einen guten Flyer verfasst, der auch online abrufbar ist.

Hierzu noch mal meine persönliche Meinung. Ich bin auch nicht der Meinung, dass eine Quotenregelung wirklich die beste Lösung ist – aber ich sehe da derzeit noch keine Alternative zu – und Nichthandeln ist effektiv das Festschreiben einer Diskriminierung. Die Argumente der Quotengegner sind oft aus dem letzten Jahrhundert. Ich habe dazu ja schon genug geschrieben und muss dass an dieser Stelle nicht wiederholen. Über die Tagsuche findet ihr sonst mehr.

Update: Im Piratenforum gibt es dazu eine aktuelle Umfrage.

Piratenpartei (doch nicht) Mens only

Oktober 22, 2009 3 Kommentare

Dank der Initiative einer Frau wurde bei den Piraten nun ein Antrag direkt an den Bundesvorstand eingebracht, der die Partei einseitig auf Männerinteressen ausrichten wird. Der Antrag lautet:

Der Vorstand möge beschließen, eine Diskussion zum Thema “Geschlechtergerechtigkeit” eine Diskussion in der Partei zu initiieren. Diese soll zum Ziel haben, dass Kernprogramm der Piratenpartei um Aspekte zu erweiterten, die zur echten Geschlechtergerechtigkeit führen.

Begründung:
1. Diese Programmerweiterung betrifft die Stammwählerschaft der Piraten, da viele der heute gültigen Gesetze, vor allen junge Männer benachteiligen.
2. Es ist elementarer Grundsatz der Piratenpartei, sich für die
unterschiedslose Anwendung von Rechten und Pflichten einzusetzen.

Belege:

Um die historische Benachteiligung von Frauen systematisch abzubauen, wurden ihre Rechte in den zurückliegenden Jahrzehnten gestärkt. Dabei entstanden Ungerechtigkeiten gegenüber Männern, gegen die sich inzwischen eine breite Bewegung von Menschen unterschiedlichster Stellung, Geschlecht und Herkunft richtet. Diese Bewegung zieht sich durch alle politische Lager, hat aber keine politische Anbindung.

Es entspricht sowohl der primären Zielgruppe, als auch der Programmatik der Piratenpartei, diese Defizite aufzuzeigen und Konzepte für deren Abbau zu erarbeiten, ohne in eine Männer-gegen-Frauen-Rhetorik zu verfallen. Die Piraten täten gut daran, sich dieser Problematik anzunehmen. Es betrifft ihre Wählerschaft. Diese Bewegung formiert sich
derzeit und sucht politische Unterstützung. Darum ist das Thema
Geschlechtergerechtigkeit ein sehr geeignetes Kernthema für die Piraten.

Die Nachteile der Männer betreffen vor allem diese Themen:
Bildung, Gesundheit, Scheidungsrecht, Väterrechte, verpflichtender Dienst.

Wenn das so durchgeht, ist das ein Sieg für die Männerbewegung, der es primär um ein Zurückdrehen der Errungenschaften des Feminismus und somit gegen etablierte Bürgerrechte geht. Statt auf einen Dialog zu setzen und der Formulierung neutraler Ziele einer Geschlechtergerechtigkeit wird hier plötzlliche den Männern einseitig neue rechte zugestanden, während diese Frauen pauschal verweigert werden.

Peinlicherweise kam dieser Vorstoß als Nacht- und Nebelaktion ausgerechnet von einer Frau, die somit beweisen wollte, dass sie sich mit bestimmten Themen beschäftigt hat. Dieser Antrag, wird er denn umgesetzt, wirft die Piratenpartei Wochen zurück bei denen es gelungen war die Pattsituation klarer herauszuarbeiten und auch die Interessen gewisser Antifeministen zu identifizieren. Der logische nächste Schritt wäre es gewesen eventuell tatsächlich geschlechtsneutrale Positionen zu entwerfen, gegen das man sich bei diesem Antrag aber klar entschieden hat.

Ich hatte dazu folgenden Gegenentwurf formuliert:

Die Piratenpartei steht zu dem Grundrecht der Gleichberechtigung. Die Piratenpartei lehnt bestehende Diskriminierung in jeglicher Form ab. Die Piratenpartei tritt für die Beseitigung existierender Diskriminierungen ein. Dabei soll folgendes berücksichtigt werden:

* Maßnahmen sollen nach Möglichkeit keine anderweitige Diskriminierung bewirken.
* Maßnahmen sollen eine begrenzte Gültigkeit haben
* Bestehende Gesetze sollen auf ihre diskriminierenden Wirkung überprüft werden.

Hintergrund:
Die Frauenbewegung hat in den letzten Jahrhunderten wichtige Verbesserungen für Frauen erreicht. Doch noch immer bestehen Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung. Die Piratenpartei strebt eine Gesellschaft an, in der die Sexualität nicht die Chancen und Rechte eines Kindes im späteren Leben vorbestimmt. Jeder Mensch ist daher mit den gleichen Rechten ausgestattet zu deren Durchsetzung wir uns verpflichtet fühlen.

Ich bin zwar der Meinung, dass man die Benachteiligung von Frauen klarer herausarbeiten könnte. Aber dies war mit den Piraten nicht machbar.

Update:

Dieser o.g. Antrag wäre  der Schlussstrich unter einer wochenlangen Debatte zur Geschlechtergerichigkeit. Hiermit hatte sich der Graben zwischen Männern und Frauen potentiell geweitet.

Immerhin hat der Bundesvorstand diesen Antrag EINSTIMMIG abgelehnt! Bravo!

Noch ist nicht alles verloren.

Piratenpartei im Wandel

Oktober 5, 2009 5 Kommentare

Nun hat sich in der Piratenpartei eine Frauen AG gegründet. Das könnte ein positives Signal sein, wäre nicht eine allgemeinere Gleichberechtigungs-AG daran gescheitert, dass einige Männer meinen eine AG gegen Männerdiskriminierung aufrecht erhalten zu müssen.

  • Artikel zur Arbeitsweise der AG Frauen.
  • Die Männer AG scheint im wesentlichen darauf gerichtet zu sein Antiemanzipatorische Politik voranbringen zu wollen. Ein etwas kindisches “Wenn es eine AG Frauen gibt, muss es auch eine AG Männer geben”. Zudemm mussten die Foren da offenbar wegen Entgleisung bereits geschlossen werden.
  • Interessant finde ich, obwohl in meinem Blog immer wieder ein Hauptargument war, dass es nur Menschen gäbe, in dem Forum der Piraten jemand jetzt schreibtJede Benennung der AG ohne “Männer…” – etwa mit verbrannten Umschreibungen wie “Gleichstellung” würde nichts Anderes als die bekannte einseitige Frauenförderpolitik aller anderen Parteien befürchten lassen.”
    Was machen wir daraus? Alle Menschen sind gleich, aber manche sind GLEICHER? Ein gemeinsames Forum wurde abgelehnt, weil manche Frauen offenbar nicht als gleichwertig genug akzeptieren, um mit ihnen auf gleicher Augenhöhe im selben Forum zu diskutieren.
  • Ich möchte an dieser Stelle einiges an Kritik an der PP zurücknehmen. Wenngleich die AG Männer meines Erachtens überflüssig ist, so finde ich es dennoch gut, dass sich die Piraten nun dem Thema grundsätzlich stellen. Bedauerlich, dass man sich aber für zwei AGs entschieden hat.
  • Das rechte Protagonisten des Schlages Arne Hoffmann, der Frauen für grundsätzlich dümmer als Männer höt, sich zu den Mitgliedern der Piraten Männer AG zählen, lässt auch tief blicken und aufhorchen.

Zu Männer-Rechten: Natürlich haben Männer die gleichen Rechte wie Frauen. Es geht nicht so sehr um das Recht, als um die grundsätzliche Situation. Es gibt viele Ungleichheiten und Benachteiligungen in unserer Gesellschaft. Dazu zählt sicher auch, dass so mancher Mann schief angesehen wird, wenn er Erziehungszeiten nimmt. Nein, das hat er nicht verdient. Und es ist ganz offenbar auch so, dass Jungen in der Schule inzwische benachteiligt sind. Ich bin der Erste der dafür ist, geeignete Maßnahmen zu ergreifen um da etwas zu unternehmen. Dennoch sind diese Einzelfälle mitnichten vergleichbar mit der wesentlichen Ungleichbehandlung von Frauen, die sich zeigt in:

  • Niederigeren Löhnen
  • Höherer Altersarmut
  • Höhere Opferzahlen körperlicher Gewalt
  • Alltäglicher Sexismus in Medien, auf der Straße, im Beruf,….
  • Geringerer Einfluss von Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft, Politik

Vieles, vieles. Demgegenüber gibt es bei Männern nur einige Benachteiligungen, die dann aber auch wiederum etwas mit Rollenbilder zutun haben. Meines Erachtens ist es auch ein großer Fehler, dass vor allem viele Männer denken beim Feminismus ginge es um einen Machtkampf zwischen Männern und Frauen. Das ist wiederum eine sehr männliche Sichtweise – hier wird dann oft die tägliche Unterdrückung von Frauen auf die Frauen proijiziert, die sich wehren und ihnen wird unterstellt, sie wollten die Männer unterwerfen.

Liebe Geschlechtsgenossen: Wie wenig Selbstbewusstsein habt ihr eigentlich, wenn ihr es nicht ertragt mit Frauen auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren? Und nur weil ihr kein Selbstbewusstsein habt, müsst ihr helfen, Frauen zu unterdrücken? Weak… Ich kann nur dazu raten keine Angst zu haben, Rollenbilder in Frage zu stellen und für die Gleichstellung aller Menschen einzutreten. Nur mit annähernd gleichen Chancen können wir davon träumen, fundamentale Grundrechte zu erfüllen. Wir dürfen eine Benachteiligung aufgrund von Merkmalen, die uns in die Wiege gelegt sind nicht dulden. Jedenfalls nicht über ein gewisses Maß hinaus. Da wir alle ja verschieden sind, können wir nicht alle alles gleichermaßen erreichen. Aber wir sollten versuchen Hindernisse und Schranken abzubauen, um jedem und jeder eine freie Entfaltung zu ermöglichen. Daran müssen wir arbeiten. Und ich hoffe, dass sich die Bewegung in der Piratenpartei fortsetzt, die diese findamentalen Rechte anerkennt. Und ich hoffe, das die Hardcore-Frauenhasserfraktion, die es da noch gibt – und die offenbar gerne die Piratenpartei als Männerpartei isntrumentalisieren wollte marginalisiert werden kann. Ich würde mich darüber freuen, wenn die Piraten es schaffen in diesem Themengebiet den Status der Pubertät zu überwinden und zu einer eigenen, reifen Überzeugung zu gelangen. Deren Haltung wird eine andere sein, als die der GRÜNEN, ganz klar – und das kann auch gut sein, wenn es gelingt. Letztlich haben die anderen Parteien mit ihrer Politik auch nicht die Diskriminierung überwunden – und in vielen Parteien, die formal eine Quote haben hat sich doch gleichzeitig ein Macho-Stil etabliert. Insofern beobachte ich weiter mit Spannung, wie sich das Thema in der PP weiter entwickeln wird.

“Feminismus ist soooo von gestern”

September 14, 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Eigentlich war ich ja schon einige Beiträge weiter nach meinem Anfangsartikel Piratenpartei und Frauen. Und ich hielt das Ganze schon für vorerst abgeschlossen. Aber nun da telepolis noch mal in die gleich Kerbe hauen. Man glaubt ja, man habe es mit Klonen zu tun, wenn man folgenden Satz liest (habe ich den in den Kommentaren nicht fast wortgleich zig mal gelesen?)

…Willkommen im 21sten Jahrhundert (bzw. 3ten Jahrtausend), liebe GleichstellungskämpferInnen. Und gleichzeitig meine Gratulation dafür, liebe FeministInnen, dass euer Einsatz so reiche Früchte getragen hat.

Gleich in der ersten Dekade des jungen Jahrhunderts (bzw. Jahrtausends) hat sich nämlich eine Partei gebildet, die alles, wofür ihr gekämpft habt, als Selbverständlichkeit betrachtet. Natürlich sind Frauen und Männer gleichberechtigt, natürlich ist sexuelle Orientierung Privatsache. Und nur wenn man das nicht in jedem zweiten Nebensatz betont, heißt das nicht, dass man (als Pirat) sich in die gesellschaftliche Steinzeit zurückwünscht. Nein. Die Piraten sind die Folgegeneration der Bürgerrechtsbewegung und stellen sich zusätzlich der Herausforderung der digitalen Revolution, des Umbruchs unserer Gesellschaft, die gerade in ihre eigene Zukunft stürzt. In die Informationsära. Diese Herausforderung wird von der “alten” Generation der BürgerrechtkämpferInnen (und hier sind alle Altersgruppen vertreten) mangels Verständnisses ihrer Tragweite nicht wahrgenommen. Deswegen musste auch eine eigene Partei her.

Soso, da kommt also ein Fritz Effenberg, der gut eine Generation älter ist, als ich und will MIR erklären, das ICH zur alten Generation von Bürgerrechtskämpfern zähle? Nein lieber Fritz, wenn hier einer von vorvorgestern bist, dann bist Du es. Ich selbst zähle zur Generation Amiga würde ich sagen – die, denen der C64 noch verweigert wurde (wieso braucht mein Sohn einen Computer?). Ich bin seit gut 1987 online, damals noch in BTX und Mailboxen. Als ich schon Software aus dem Internet runterlud haben mir meine Klassenkameraden (Generation C 64) noch erklärt, dass das technisch unmöglich sei. Ich gehöre zu der Generation, die noch die Mühen kennengelernt hat eine EMAIL zu senden und nicht zu wissen, ob die jemals ankommen wird.

Ich habe mit anderen in meiner Stadt, das erste digitale Stadtmagazin herausgegeben und verwende Creative Commons seit 2001 für meine Werke ein. Ich war jahrelang der einzige Mensch in meinem Bekanntenkreis, der überhaupt Email benutzt hat. Ich habe das Bürgernetz Schleswig-Holstein mitgegründet und damals schon (irgendwann in den 90ern) im Rahmen unseres Internet-Dienstages eine Veranstaltung mitorganisiert unter dem Titel “Braucht die Politik das Internet? Braucht das Internet die Politik?” – thematisch waren wir damals schon dort, wo heute die Piraten zu denken anfangen. Und jetzt kommen irgendwelche Männer an, die die letzen Jahre nichts dazugelernt haben und wollen mir erzählen, was die Stunde geschlagen hat? Ich gehöre nicht zu denen, die ständig mit ihrer Lebenserfahrung rumwedeln, aber mir gehen diese pseudomodernen Machos mehr und mehr gegen den Strich. Im Gegensatz zu den Männern, die sich die alten Zeiten zurückwünschen habe ich mich eben weiterentwickelt und bin nicht beim Thema Internet und Computer stehen geblieben.

Nun kommen die Piraten und streichen die weibliche Form ihrer Mitglieder. Und da atmen einige Männer tief und erleichtert durch – denn wenn sie schon sonst Frauen nicht diskriminieren dürfen, so bietet ihnen diese Partei offenbar die willkommene Plattform ihre Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren – und die wenigen Frauen, die sich dem Votum unterordnen und Mitglieder geblieben sind stimmen da auch gerne ein. Genau, wir Frauen verzichten auf unsere Rechte, das ist wahre Freiheit!

Die Bürgerrechtsbewegung der 80er und 90er (a.k.a. “Grüne”) hat Unersetzliches für unsere Gesellschaft geleistet, muss aber jetzt einsehen, dass es neue Aufgaben zu lösen gilt. Gleichstellung und Umweltbewusstsein sollten zumindest innerhalb des Bürgerrechts-Milieus als Standard gelten. Und zur Überschrift dieses Beitrags: Eigentlich gibt es kein Problem zwischen Frauen und Piraten. Nur zwischen den beiden Generationen der Bürgerrechtsbewegung. Und auch hier nur, weil die ältere sich (wie immer) anstellt.

Was für ein hohles Geschwätz. Ich weiss nicht, was das Bürgerrechts-Milieu ist – die Piraten sind es sicher nicht. Und was soll das bedeuten, das es “Standard” ist? Es gibt viele Besserverdienende, die mit ihren fetten SUVs zum Shoppen in den Ökoladen fahren. Ja, für die ist Ökologie auch “Standard”. Meine tägliche Erfahrung im Alltag sagt mir, das Umwelt und Gleichstellung immer noch aktuell und brennende Themen sind. Das einzige Problem sind Leute, die meinen das Ende der Geschichte erkannt zu haben. Seien es nun die Klimaverschwörer oder die “Es-gibt-keine-Diskriminierung”-Spinner (oder wie Leute wie Fritz, der offenbar auch an die Mondlandungsverschwörung glaubt). Ihnen allen zueigen ist die Negierung unbequemer Tatsachen. Wo man sich selbst und sein Verhalten etwa in Frage stellen muss. Aber nein, Selbstkritik ist ja sowas von vorgestern. Piratenpartei & Co haben es da viel leichter – hier kommt der Kernsatz noch mal “ eine Partei gebildet, die alles, wofür ihr gekämpft habt, als Selbverständlichkeit betrachtet” Seht ihr – so einfach ist das – ihr blöden Feministinnen – man muss es einfach nur als Selbstverständlichkeit betrachten und schon verschwinden Probleme. So sollten Hungernde vielleicht auch einfach Wohlstand als Selbstverständlichkeit betrachten und schwupps, weg ist der Hunger!? Gleichberechtigung ist ebenso wenig selbstverständlich wie Demos ohne Polizeigewalt. Aber wahrscheinlich glauben manche, der Demonstrant müsse hier auch nur feste an die Gewaltfreiheit der Polizei glaube. Hey, wenn ihr ganz fest dran glaubt, verschwinden vielleicht sogar die entsprechenden Szenen vom Video?

Wie ich in anderen Beiträgen schon ausführte, ist der Ansatz einer Avantgarde und ein unbeirrter Fortschrittsglaube das eigentliche, was von vorgestern ist. die Rassenprobleme in den USA damals verschärften sich, bevor Bürgerrechtler zum Widerstand aufriefen. davon, das irgendwer etwas für selbstverständlich erklärt, ist noch gar nichts erreicht! Und was ich hier sehe ist der Versuch eine Verschlimmerung der Gleichberechtigung herbeizuführen, gespeist durch Ignoranz und Dummheit – und per selbsternanntem Elitenstatus. So meint man sich der Kritik insgesamt entziehen zu können. Alle die nicht kapieren, das die PP die Avantgarde sind, sind eben von vorgestern.

Woran erinnert mich das noch gleich? An die fanatische Begeisterung für Maos Ideen z.B.:

Ich sehe hier kaum Beiträge von kritisch denkenden Piraten, sondern sehr viel AOL/me too von Anhängern der PP. In dem Falle findet der Bezug eben nicht auf Mao statt, sondern auf eine Ideologie, die sich selbst als jenseitig der Kritikfähigkeit definiert. Revolutionär auf seine Art, aber m.E. auch brandgefährlich.

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