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Sixtus: Re-publica bei FAS und SZ

Eigentlich schätze ich ja Sixtus als intelligenten Menschen. Sein Artikel aber Re-publica bei FAS und SZ hat einige seltsame zentrale Thesen. Zum einen spricht er prinzipiell insbesondere den journalistischen Kritikern die Kompetenz ab die Konferenz zu kritisieren. Dann unterstellt er all denen, die nicht dort waren und kritisieren, dass sie allene vom Neid getrieben werden.

Er scheint auch eine Technikaffinität gleichzusetzen mit Internet-“Experten” und “Bloggern”:

“Hier muss ich mich mal nicht rechtfertigen, wenn ich auf mein Handy gucke“

zitiert er eine Bekannte (offenbar als Positiv-Beispiel). Er kritisiert zwischen den Zeilen, die Leute, die diejenigen kritisieren, die ständig mit ihr Handy arbeiten.

Aus mich wirkt seine Replik aber wie die eines beleidigten Bloggers, dem die Anerkennung seitens der etablierten Medien verweigert wird. Dagegen setzt er ein irgendwie gemeinsames Erleben einer selbsternannten Bloggerelite. Sein Vergleich des Vergleiches der Blogger-Experten mit Ärzten auf einem Kongress könnte falscher nicht sein. Denn Expertentum bei Bloggern liegt doch sehr im Auge des Betrachters.

Im wesentlichen würde ich als langjähriger Blogger, den man auch irgendwie als Experten bezeichnen könnte kritisieren, dass diejenigen, die weniger zur Seite schauen, sondern nach oben, das allerwesentlichste des Bloggens nicht kpiert haben: Das es eben nicht darum geht, sich auf wenige Experten zu stürzen, sondern dass das wesentliche eigentlich die weiterführende Demokratisierung des Mediums Internet ist, als Fortsetzung des HTML, ähnlich wie Wikis. Es muss darum gehen selber zu denken und zu produzieren. Und wir brauchen am allerwenigsten Vordenker.  Wir brauchen weder eine Blogger-Elite noch eine zentrale, überdimensionierte Bloggerkonferenz die im wesentlichen die Blog-Prinzipien umkehrt und stark zwischen Zuhörern und Vortragenden unterteilt. Und wo die Diskussion überwiegend zu kurz kommt.

Um es deutlicher zu sagen: Die Blogger.Elite in Berlin hat in meinen Augen vor allem eines bewiesen: Das sie FAST NICHTS begriffen haben von dem Wesen der Revolution, die hinter uns liegt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Blogger mehr zur Gruppe der User gehören, als zu denjenigen, die Blogs oder Wikis gedanklich den Weg bereitet haben.

Mein eigener Weg zu Blogs begann ca. 2002 mit einer Fragestellung – und die war im wesentlichen die Suche nach einer Möglichkeit die Kosten für Kunden zu reduzieren, die immer wieder einmal eine kleine Änderung auf ihren Webseiten machen wollten. Die CMS die ich kannte und einsetzte (vor allem XOOPS) eigneten sich nicht zu der Lösung, die ich für richtig hielt, nämlich das die Kunden ihre Aktualisierung selber vornehmen konnten. Ich dachte mir also: Bestimmt gibt es für diese Frage bereits eine Lösung, denn es kann nicht sein, dass nur ich das Problem sehe. Und so entdeckte ich im englischsprachigen Raum den Begriff “Blog” und erste Software und machte erste Experimente damit (damals gabs noch keine Möglichkeit Blogs kostenlos gehostet zu bekommen). Da tat sich dann in Deutschland lange Jahre nichts – und auch ich selbst nutzte eher noch Usenet um die eigene Meinung zu verbreiten.

Da WordPress-Update nervten (viele Sicherheitslücken und immer Trouble nach den Updates) entschloss ich mich 2006 mein Blog bei wordpress.com zu hosten: vinci.wordpress.com – auf englisch, da es in Deutschland keine echte Bloggerszene gab. Mittlerweile betreibe ich eine Vielzahl an Blogs parallel mit verschiedenen Themenschwerpunkten. Manche sind durchaus populär, andere dienen mir offenbar eher als eigenes (aber öffentliches) Tagebuch wie movb.wordpress.com.

Ich sehe bloggen als jeweiligen Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und als Möglichkeit sich darüber zu vernetzen oder auch mal zu streiten.

Die Idee allgemeine Aussagen zum Internet zu treffen alleine ist schon Schwachsinn.Weil es DAS Internet gar nicht gibt. Das wesentliche am Internet ist, dass es mehr und mehr integraler Bestandteil unserer Gesellschaft wird. Mehr noch als vor 10 Jahren. Wer es dennoch versucht einzuordnen zeigt damit nur, dass er keine Ahnung vom Wesen des Internets hat. fast schon so schlimm wie die sog. “Internetausdrucker”.

Sixtus bewahrheitet leider meine Prognose, dass niemand der Involvierten zugeben wird, dass die Re:Publica Scheisse war. Ich selbst habe so in rund 5-6 Beitröge reingeschaut und alle waren furchtbar. dann hatte ich die Nase voll. Alleine die Titel der Vorträge waren zumeist labgweilig. Ich werde sicher irgendeinen guten Vortrag verpasst haben, aber die Quote war dieses Jahr einfach zu schlecht.

Die Zeiten, wo den Bloggern unkritisch Narrenfreiheit gewährt wurde sind nun vorbei. Und dieses ganze Gezänk umd Journalismus vs. Bloggen ist doch einfch nur überholt und scheint mir jetzt eher öfters von Bloggern aufgewärmt zu , denn von Journalisten ernsthaft verwendet zu werden.

Es gibt da keinen Widerspruch, nur eine gegenseitige Ergänzung. Und sowohl jeder Journalist als auch Blogger muss sich sein Publikum suchen und auf seine Qualität achten. Alles andere ist doch müßig.

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