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Posts Tagged ‘berlin’

Fall Rosemarie F. – Schaffung einer Märtyrerin?

Zunächst vorab will ich keine Zwangsräumungen legitimieren. Bei den Berichten habe ich mich aber gefragt, ob das alles wirklich so optimal gelaufen ist seitens der Supporter*innen.

Ich denke man muss zwei Dinge unterscheiden:

  1. Das Wohl eines Menschen, hier Rosemarie F.
  2. Das Verhindern einer Zwangsräumung

Ich denke man kann beides nicht gleichsetzen. Und man sollte, wenn man Hilfe anbietet immer Ersteres auch an erster Stelle behandeln. Will sagen: War es angesichts der aktuellen Politik, der Vermieterin und der Gesamtsituation angemessen primär auf das Verhindern der Zwangsräumung gezielt zu haben?

Da wäre aus meiner Sucht die Frage, ob jemand sie ermutigt hat, in ihrer Wohnung zu bleiben, obwohl eine Zwangsräumung evt. schon länger anstand. Wenn ja, dann muss man sich, wenn man diese Zwangsräumung als ursächlich für ihren Tod nimmt auch fragen, ob man sie gut beraten hat. Gehts jetzt um Rosemarie F. oder darum, dass man eine Märtyerin haben will? Sicher gehts einigen die ihr nahe standen tatsächlich um die Frau – vielleicht müssen diejenigen aber auch nachdenken, wie sie sich verhalten haben.

Ich bin auch gegen jede Art von Zwangsräumung, aber manchmal muss man einfach eingestehen, dass man verloren hat. Es ist was anderes, wenn ein gesunder, junger Mensch sich bewußt für eine Zwangsräumung als politisches Statement entscheidet, oder ob man einer kranken Frau rät, sich diesem Stress zu geben, anstatt nach Alternativen zu suchen.

Mein Verdacht ist nach dem, was ich so lese, dass einige da falsch abgewogen haben. Man kann natürlich alle Schuld den Behörden und den Vermietern zuschieben. Aber ist das auch ehrlich? Wäre ich jedenfalls in einer ähnlichen Situation, dass ich jemanden raten sollte, der krank ist, würde ich auf jeden Fall dazu raten sich den Stress einer Zwangsräumung auf gar keinen Fall zu geben. Ich vermisse da im Moment ein wenig die Selbstreflektion innerhalb des öffentlichen Aufschreis.

East Side Gallery Abriss: Was ist denn nun Gentrifizierung?

Self Shot in Berlin Germany in 2005 This part ...

Self Shot in Berlin Germany in 2005 This part of the wall is located at East Side Gallery Graffiti “Господи! Помоги мне выжить среди этой смертной любви” (“God! Help me survive amid this mortal love”) by Dmitry Vrubel, 1989 Category:Berlin Wall (Photo credit: Wikipedia)

Hasselhoff wird aufgefahren, Dr. Motte liefert den Beat. Event-Tourismus gegen den Abriss eines Stücks der Mauer (East Side Gallery). Für Gentrifizierungsgegner zum Teil ein Grund sich für den Erhalt zu engagieren. Ein Hauptargument für den Erhalt des Mauerstücks ist zur Zeit, dass deswegen ja viele Touristen nach Berlin kommen. Die TAZ schreibt zu der Demo gegen den Abriss Anfang März:

An diesem sonnigen Nachmittag geht es also auch um die Mauer, aber eben nicht nur. Ein Großteil der Demonstration setzt sich aus Partyvolk zusammen. Es sind Macher der Bar 25 da, die noch in diesem Jahr den Holzmarkt bauen werden – andere wirken, als hätten sie keinen Abend im Yaam verpasst. Viele sind um die vierzig, tragen verspiegelte Sonnenbrillen, bunte Haare und gedehnte Ohrlöcher, sie haben die Demo zum Familienausflug umfunktioniert und setzen ihren Babys bunte Baukopfhörer auf, als die Band auf der Bühne beginnt. Kein Zweifel: Das sind die Leute, die Berlin zu jenem bohemistischen Charme verholfen haben, der heute so viele Touristen anlockt. Es ist, als wollten sie sagen: Wir sind Berlin. Wir lassen uns diese Stadt nicht weiter wegnehmen.

Wo hört Gentrifizierung auf, wo fängt sie an? Ist nun die Mauser selbst, die Touristen und die Bohemians, die für ihren Erhalt kämpfen die Gentrifizierer oder sind es die Konzerne und die Politik, die diese Touristenattraktion gerne wieder loswerden wollen? Megaspree.de mobilisiert jedenfalls GEGEN den Abriss. Damit weiterhin viele Touristen und Bohemians nach Berlin kommen? Aber moment, sind das nicht die Feindbilder? Sind das nicht genau die, die Berlin gentrifizieren?

Sind die Gentrifizierungsgegner nun antikapitalistisch oder doch eher Anhänger der Partykultur, die Berlin füpr Partyvolk so attraktiv macht? Gentrifizierungskritik ist sehr populär und anschlußfähig. Die Frage ist aber, ob Erfolge wirklich den Armen und der breiten Masse zugute kommen, oder wie bereits beim Gängeviertel Nieschen für eine Künstlerelite geschaffen und erhalten werden. Kulturförderung und Erhalt von Bausubstanz ist ein kritisches Thema. Sicher wird oft zu viel und zu schnell abgerissen. Aber machen wir uns nichts vor: Auch wenn der Bauch sich heute gegen einen Mauerabriss wehrt: Ein Stück Mauer ist nicht gleichzusetzen mit einem Gebäudekomplex von Sozialwohnungen oder gut erhaltener Bausubstanz, die als günstiger Wohnraum taugen würde.

Die Frage ist also, ob hier nicht ein weiteres mal eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, sich Menschen an einem einzelnen Punkt abarbeiten, damit einen Kompromiß erreichen, der dann ggf. die Gentrifizierung mehr fördert als der Abriss? Für den Erhalt spricht wohl eher der Denkmalschutz. Wären die Römer immer so fleißig mit ihren Abrissen gewesen, könnten wir jetzt gar nichts mehr aus der Antike bewundern. Das ist aber eher eine bürgerlich-kulturhistorische Argumentation, die keinen grundsätzlichen Konflikt eingeht mit dem Kapitalverwertunsgedanken. Da streiten sich dann eher verschiedene Eliten untereinander. Für eine revolutionäre Perspektive in unserer Gesellschaft erscheint das ganze doch eher als unbedeutender Nebenschauplatz, dessen Ausgang wenig ändern wird und den relativen Verlierern, der Klasse der Besitzlosen wenig bringt, so oder so. Ich denke von den besonders aktiven Gentrifizierungsgegner bauen viele an ihren zukünftigen Karrieren und werden sich von dem Thema schnell verabschieden, wenn die entzsprechenden Jobs winken. Organisationserfahrung bringen sie dann ja auch mit ;-)

 

 

Brüderle-Debatte sehr wichtig

Januar 25, 2013 3 Kommentare

Selten hat in Deutschland Sexismus mal die Aufmerksamkeit, die er jetzt hat. Brüderle sei dank! ;-) Natürlich ist das, was im STERN und in der SPIEGEL geschrieben wird nicht ungewöhnlich. Aber genau das ist ja das Problem!

Wenn man sich das Gespräch zwischen Ulrike Demmer im Gespräch mit Stephan Karkowsky im Deutschlandfunk genau anhört, kann man hören, was da aber oft nicht stimmt. Da verwechselt Herr Karkowsky mehrfach dumpfe Anmache mit “Flirten”. Nein, das ist nicht das selbe.

Und wenn  beide nach Rechtfertigungen für Brüderle suchen frage ich mich auch, wieso. Das er “aus einer anderen Zeit kommt”, das er “aus dem Land der Weinköniginnen kommt”.

Aber wie sprechen hier ja nicht über “Opa Rainer”, der ein wenig seltsam ist und um den Frauen in der Familie einen Bogen machen. Es handelt sich um den neuen designierten Spitzenkandidaten der FDP. Ein Mann, der richtungsweisende Entscheidungen im Land mittragen und gestalten soll. Und genau das ist für mich auch Begründung genug Geschichten von vor einem Jahr aufzuwärmen. Von mir aus auch von vor 10 Jahren.

Wir wollen nicht über die Qualifikation und den Charakter von Spitzenleuten reden? Interessant. Oder gehts hier eher um den Tabubruch: Das alles nicht-politische privat ist und man nicht darüber berichtet. Bisher galt wohl für Politiker in Berlin: Feuer frei. Insbesondere für alles hinter der zweiten Reihe, wenn man die Kritik der FDP an der Veröffentlichung anschaut. Da wird der Zeitpunkt kritisiert. Natürlich macht der STERN so eine Geschichte nicht zu jedem abgewrackten Provinzpolitiker. Die FDP hat eigentlich entschieden,  den Charakter  Brüderle ins öffentliche Licht zu rücken. Die FDP hat beschlossen, trotz des sicher vorhandenen eigenen Wissens zu dessem Charakter, diesen Mann als Führungsfigur zu etablieren. Und nun beschwert man sich, wenn sein Charakter gewogen wird?

Nein, man schreibt nur über Hinterbänkler aber auf gar keinen Fall über Leute, die in die Erste Reihe aufrücken? Was für ein Humbug!

 

Zu Piraten in Berlin

September 16, 2011 2 Kommentare

Mit Erstaunen nehme ich das derzeitige Stimmungshoch der Piraten in Berlin zur Kenntnis. Währenddessen werden sie nachwievor von ihren rechten Geistern die sie riefen nicht mehr los.

U.a. berichtet tagesschau.de:

Erst vor Kurzem blamierte sich Spitzenkandidat Andreas Baum, als er im RBB-Interview die milliardenschwere Verschuldung Berlins auf einige Millionen schätzte. Tatsächlich beträgt die Verschuldung der Stadt 64 Milliarden Euro, da waren Spott und Häme programmiert.

Da muss man sagen – das so etwas natürlich kein kleiner Fauxpas ist.

Hier kein kleiner Zusammenschnitt aus einer RBB-Sendung:

Hier noch son Interview:

Vor einiger Zeit habe ich ja noch gesagt SAGNEINZUPIRATEN. Dafür gäbs auch viele gute Gründe. Aber darüber habe ich in der Vergangenheit mehr geschrieben, als sie es an Aufmerksamkeit verdienen.

Wenn ich diesen Andreas Baum sehe und die Piraten insgesamt, so sind diese auf der einen Seite recht substanzlos – aber auf der anderen Seite so ehrgeizig und ohne Prinzipien, so dass sie keine Probleme haben werden, die Rolle der FDP zu erfüllen. Entweder werden sie in der Opposition mitschwimmen oder sie sind auch in der Lage Erfüllungsgehilfen zu spielen.

Enttäuschen werden sie dabei vielleicht eine Reihe ihrer neuen Wähler. Eigentlich wünsch’ ich mir sogar, dass sie in Berlin reinkommen, weil nichts sie so entzaubern wird, wie der politische Alltag.

 

Anti-Gentrifizierung – einfach nur peinlich

Mai 10, 2011 2 Kommentare

In einem Video, dass hier beschrieben wird und verlinkt ist: Offending the Clientele – Neukölln kontrovers, auf das ich durch einen Artikel im Tagesspiegel stieß wird ordentlich gegen alles gehetzt, was in Berlin bzw. Neukölln das Vorurteil der Antigentrifizierer trifft.

Ich schwanke zwischen “Lächerlich” und “ganz schön fremdenfeindlich”. Nein Auslöser meiner Suche war tatsächlich ein Tagesthemen-Beitrag von heute zu den “Berlin Doesnt Love U”-Aufklebern.

Entsteht da ein neuer Fremdenhass? Das man in Berlin oft keine Schwaben mag (ausgedrückt via Graffiti, usw) ist ja schon länger bekannt. Aber wenn solche Videos verbreitet werden, dann finde ichs nicht mehr lustig. Also :

  1. Mal vorweg: Berlin interessiert mich persönlich relativ wenig
  2. Nach Berlin ziehen, ne schicke Eckkneipe aufmachen und sich dann beschweren, wenn es andere auch nach Berlin ziehen ist wenig einleuchtend.
  3. Ob sowas irgendwas bringt oist zu bezweifeln
  4. Wo differenzieren sich DIESE Art Antigentrifzierer vom gemeinen Nazi? Wann schlagen die ersten mal tatsächlich zu gegen Touristen, Studenten,…

Aus meiner Sichts ist das eigentliche Problem, dass diese ganze Gentrfizierungs-Debatte zwar in der Lage ist sich an Symptomen abzuarbeiten – und ich denke auch, dass es wichtig ist zu verstehen, welche Prozesse am Werk sind. Das ganze Ding basiert ja offenbar auf den postoperaistischen Theorien Negris. Wissenschaftlich vielleicht interessant. Aber wo ist ein praktikabler Handlungsansatz? Dieses ganze Gehasse gegen Besserverdienende oder Menschen aus Spanien (really?) sieht mir mehr nach einem Rechtsruck aus, als dass es in irgendeiner Form das System als solches infrage stellt.

Es gibt ja das böse Wort der Verkürzten Kapitalismuskritik. Nicht immer verdient, aber bei dieser Gentrifizierungsdebatte denke ich, ist es langsam doch schon angebracht. Wer glaubt mit Hass auf Touristen und Krieg gegen Kaffeesorten die Welt auf den Kopf stellen zu können – und das ganze mit lustigen Videos oder Flashmobs, der ist falsch gewickelt. Und der reproduziert in seiner Kritik nur alte Denkmuster – und nähert sich dem dumpfen, deutschen Fremdenhasser auf Augenhöhe. Und was änderts? Gar nichts!

Wo sind die Handlungsansätze? Wo sind die Erfolge? Das halte ichs doch eher mit Adornos “Es gibt nichts Richtiges im Falschen”.  Patentrezepte gibts wohl nicht – aber die Antworten, die da oft auf dem Tisch geknallt werden, sind mir doch zu einfach – und irgendwie auch schon gefährlich. Wo soll sich das hin entwickeln?

Integration durch Fahnen schwenken?

Da wird uns Youssef Basal aus dem Libanon als Vorzeige-Integrierter gezeigt. Wer bisher dachte, dass eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben Voraussetzung wäre für eine Inklusion oder Integration wird von den Medien eines besseren belehrt: Es reicht aus sich eine Fahne zu kaufen und schon ist man integriert. Ähnlich ist das dann wohl, wenn ich mir eine kanadische Fahne kaufe – dann bin ich hunderprozentiger Kanadier. Bei Integration geht es also nur darum, dass der “zu Intgegrierende” ein einseitiges Zeichen setzt. Wobei hier wohl die Nationalflaggen eine  ähnliche Funktion haben müssen wie die Weiße Fahne (Kapitulation) ?

Hier ein Interview mit den “Tätern”.

Und so geht man mit dem Ordnungsamt um…

Juli 5, 2010 2 Kommentare

Wie geil ist das denn. Berliner Ordnungshüter wollen zwei türkische Frauen wegen kleinem Straßenhandel belangen – durch das Eingreifen zweier couragierter Mitbürger wird das verhindert. ich bewundere ihren Mut:

Wenn man weiss, wie in Berlin mit Mediaspree Geschäfte im Milliardenbereich laufen, völlig am Bürger vorbei und Ergebnisse von Bürgerbegehren ignoriert werden, dann fragt man sich wirklich, warum  die sich da um was kümmern, wo vielleicht mal ein paar zig Euro am Tag herauskommen. Das ist typisch Deutschland. Die Kleinen hängen und die Großen laufen lassen. Und da ist  Die Linke dann ganz im kapitalistischen Mainstream zugange.

Und ganz nebenbei bermerkt: Bei uns in Kiel scheint so kleiner Straßenhandel einfach geduldet zu werden – was für ein provinzielles Nest ist das denn da in Berlin? Oder sinds die Fernsehkameras, die da den Druck aufgebaut haben?

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