Nur mal so zu GNOME e.V. Website

Vor einigen Jahren hatte ich mich bereit erklärt den Webmaster für den GNOMe e.V. zu machen. Dann gab es viel Gegenstimmen zu verschiedenen Struktur- und Designentscheidungen. Der Vorstand, der mich angesprochen hatte, trat zurück und ich hatte wenig Lust gegen einen neuen, anders gesonnenen Vorstand und einige der GNOME-Aktiven (die bisher die Website nicht in Griff bekommen hatten) irgendwas durchzusetzen. Währenddessen wurde zeitweilig auch mal die ganze Website gesperrt, weil eine Privatperson die Rechnungen für den Server nicht bezahlt hatte. Am Ende meiner Amtszeit waren die Domains teilkonsolidiert aber die Website selbst noch nicht.

In den Folgejahren wurde die Zeit damit verbracht ganz tolle Themes zu basteln und auf Testsites auszuprobieren – während es offenbar nie einen Server gab, der offiziell dem GNOME e.V. gehörte.

Seit Jahren also gab es keine Website – zum Teil nur so eine Art Baustellenseite. Und das Ergebnis heute ist, so wie ich das sehen kann, dass die Domain einfach nur auf den zentralen GNOME-Server www.gnome.org geschaltet wurde.

Es gibt also nach 5 Jahren versuchen keine Webseite zu GNOME in Deutschland, Österreich, Schweiz. Die Wiki-Seiten im GNOME Live-Wiki kann man da getrost vergessen. Das einzige, was nachwievor funktioniert ist, die gnome-de-Mailingliste primär für Übersetzungen.

Immerhin ist man bei GNOME International soweit einsichtig geworden, dass man nun wie von mir schon vor Jahren vorgeschlagen ein verteilte Versionsverwaltung (in dem Fall git) genommen hat. Als Nicht-Programmierer hat man es ja in Open Source-Kreisen nicht immer leicht, sich Gehör zu verschaffen. Damals wurde mir erklärt, dass sowas natürlich total unnütz ist und ich keine Ahnung hätte. Genau so wie man mir erklärt hat, dass es natürlich eine GNOME e.V. Website geben würde, was ich ja schon sehen würde.

Sehen tue ich andere Sachen. Genau die Sachen, die ich damals prognostiziert bzw. befürchtet habe. Was da im GNOME e.V. aktuell abläuft, weiss ich nicht. Ich sehe nur, was der KDE e.V. macht und dass das so ziemlich genau das ist, was ich richtig finde. Der GNOME e.V. ist quasi nicht existent. Während der KDE e.V. mittlerweile rund 200.000 € auf seinen Konten hat, muss der GNOME e.V. jeden Euro umdrehen. Wobei man natürlich zugestehen muss, dass der KDE e.V. auch weltweit die zentrale Anlaufstelle ist. Dies gilt aber auch für die Kosten, nicht nur für die Einnahmen.

Als Kernproblem sehe ich, dass viele Programmierer nicht gut sind im organisieren – und bei GNOME selbst, dass die Organisationskultur nicht sehr positiv ist. Das es keine eigene Website gibt ist einfach nur peinlich. Jeder Schützenverein hat so etwas mittlerweile. Viele nehmen Websites auch nicht so wichtig. Die internationale Website www.gnome.org ist ja auch in einem unannehmbaren Zustand. Dort hatte man 2006 beschlossen mit Plone würde alles besser. Doch noch heute laufen die Vorbereitungen und sie werden dieses Jahr auch nicht abgeschlossen. 4 Jahre! Auch hier eine Menge Experten an Bord, die immer alles besser wissen. Und wenn sagen wir mal die 5 Jahre um sind wird man feststellen, dass die damals getroffene Entscheidung heute nicht mehr zeitgemäß ist.

Ich denke so etwas wie eine Website bedarf immer einer gewissen Planung – aber nicht zu viel – und immer auch in Hinblick darauf, dass jede Website ein Kind ihrer Zeit ist. Man hätte damals z.B. in einigen Monaten sicher alle Seiten unter www.gnome.org/ in ein Drupal-System einspeisen können und hätte seit mehr als 4 jahren ein brauchbares System.

Relevanz ist irrelevant

Das das Thema jetzt so hochlocht ist bezeichnend. Seit Jahren führe ich die Debatte. Z.B. auf dem Kieler Webmontag letztes Jahr. Oder in der Nachlese zu Lutz Heilmann. Das Thema wurde als irrelevant eingestuft und eigentlich wenig in der Blogger-Elite besprochen.

Zu dem aktuellen Chaosradio möchte ich daher nun nur einiges hinzufügen:

  1. Relevanz ist irrelevant für die Qualität von Artikeln, also sollte das Kriterium nach den eigenen Relevanz-Kriterien der Wikipedia gelöscht werden.
  2. Eines der Hauptprobleme ist die sog. Professionalisierung der Wikipedia. Denn man bewegt sich weg von einem gemeinsamen Pflegen der Inhalte und ersetzt dieses Socializing durch Regeln und Strukturen. Für Newcomer ist es so gar nicht mehr möglich einen Einstieg zu finden.
  3. Die deutschsprachige Wikipedia ist nach enzyklopädischen Maßstäben im Vergleich zur englischsprachigen irrelevant, da sie viel kleiner ist und die Artikel weniger relevante Informationen beinhalten.
  4. Aber das wichtigste Problem ist wie ich schon seit Jahren sage die Zielstellung Enzyklopädie. Weil der Gedanke dahinter einfach nicht im Zeitalter des Web entstanden ist, weil die Wikipedia trotz der Zielstellung ganz bewusst vielfach grundverschieden ist.

Die Wikipedia hat Angst vor dem Wissen und vor den Usern.

Und hier noch mal mein Vorschlag:

Die Wikipedia sollte aufgebaut sein, wie ein Softwareprojekt mit Versionsverwaltung. D.h. es sollte möglichst viele Möglichkeiten geben etwas beizutragen. Nicht notwendiger weise müssen alle Beiträge sofort online sein. Evt. kann man auch sog. Releases erstellen. z.B. das Artikel zur Aufnahmen in die Wikipedia beantragt werden. Der Vorschlag Artikel im Userspace zu schreiben ist fatal aus zwei Gründen: Zum einen können andere so nicht an dem Artikel mitschreiben und ggf. entstehen so mehrere Artikel mit gleichem Thema. Aus dem Pool an Artikeln wäre es dann möglich nicht nur etwas enzyklopädisches zu entwerfen, sondern auch ganz andere Wikis. Dazu fände ich es auch gut, wenn die Wikipedia stärker synchronisierbar wäre. Eigentlich ist dazu das derzeitige System mit einer Datenbank weniger geeignet und der direkte Dateizugriff auf statische Seiten viel interessanter.

Was dabei unter den Tisch fallen würde, wäre wohl das anonyme Schreiben. Das könnte und sollte man wohl auf das Korrigieren von Rechtschreibfehlern beschränken (kleine Änderungen). Jedes Anlegen eines neuen Artikels sollte nur von angemeldeten Besuchern erfolgen.

Hier denke ich, dass die Wikipedia das unwichtigste der Wiki-Merkmale erhalten hat. Sicher ist das anonyme editieren auch ganz nett – aber wenn och sehe wie schnell neue Artikel gelöscht werden selbst von erfahrernen Usern, dann verstehe ich nicht, warum dann anonyme Gäste jederzeit komplete Artikel anlegen können sollen. Das macht nur Arbeit, die anderswo fehlt.

Also noch mal: Die Wikipedia stärker wie ein Softwareprojekt organisieren – alle dürfen mitarbeiten an dem gemeinsamen Ziel. Nicht jede Editierung muss sichtbar sein (ist  teilweise mit Sichtung eingeführt) – und neue Artikel werden nicht einfach gelöscht, sondern kommen in eine Queue – wo sie abgearbeitet werden und verschiedenen Stadien durchlaufen müssen.

Einige werden sagen, dass es aber wichtig sei, dass neue Artikel gleich sichtbar sind. Sind sie aber ja bisher gar nicht, wenn sie im privaten Userspace erstellt oder gelöscht werden. Die Wikipedia HAT eine sehr geringe Schwelle zum Erstellen und Bearbeiten von Artikel. Aber die Schwelle für das konstruktive Mitmachen ist gigantisch hoch, so dass dies kaum jemand macht. Hier existiert ein Missverhältnis – genau das Gegenteil ist wichtig. In einem Softwareprojekt mit z.B. Subversion als Versionskontrolle kann nicht jeder sofortt ins Repository schreiben. Dazu will man die Leute und was sie getan haben erst kennenlernen. Es gibt dazu auch bei Distributionen z.B. Unterprojekte – das könnte in der Wikipedia z. b. auch sowas wie Themenkreise sein wie „Physik, Afghanistan, CDU,…“ – diese Unterprojekte könnten Mitglieder aufnehmen und somit auch beschränkten Schreibzugriff erteilen. Vielleicht wäre jedes Unterprojekt thematisch dann wieder Teil eines größeren Projektes. So das jeder Artikel letztendlich Teil eines Projektes ist und oben wird alles koordiniert.

Heute stellen wir fest, dass es bei der Wikipedia ja eigentlich keine Auslese gibt – keine Liste von relevanten Artikeln (Positivliste), die festgelegt wird und danach dann eine Veröffentlichung gebaut – sondern man arbeitet sich an jedem einzelnen Artikel ab (Negativliste). In einem Softwareprojekt entscheidet man, welche Änderungen aufgenommen werden und nicht, welche Änderungen nicht aufgenommen werden. Man hat also zuerst ein Bild einer fertigen Version und schaut dann den Status der Kontributionen an, ob sie gewissen Maßstäben gerecht werden. Was man auf gar keinen Fall tut ist ein Work in progress z.B. aus dem SVN zu löschen, nur weil es nicht ganz reif ist. Damit würde man effektiv die Entwicklung des Projektes verhindern. Genau so ist es bei der Wikipedia.

Also wäre mein Motto: Mehr Open Source-Softwareentwickler und weniger Wissensexperten für Wikipedia!

Die jetzige Debatte rumohrt nun so lange und ist nun auch bei den sog. relevanten Elitebloggern angekommen. Viele von uns haben das aber schon seit Jahren kritisiert und begüßen natürlich, dass es nun endlich breiter diskutiert wird. Allerdings kommts mir dann wieder komisch vor, wenn dann wieder nur relevante Blogger für eine PODIUMS-Diskussion eingeladen werden. Eine Podiumsdiskussion entspricht eben gerade nicht den Prinzipien, die man anlegen möchte für eine öffentliche Diskussion, sondern es verkürzt wieder alles auf relevante Personen. Und am Ende steht dann in der Wikipedia. das Fefe die Debatte angestoßen hätte. Wobei er nur derjenige war, der es am lautesten tat und in der Nerd-Szene viel gelesen wird. Ich bin mal gespannt, wann da was aufgenommen wird. Irgendein Idiot hatte das ja schon so wie von mir vermutet aufgenommen:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia&action=historysubmit&diff=65816567&oldid=65811611

Dadurch, dass die Relevanz bestimmter Themen und Gruppierungen nicht immer eindeutig ist, kommt es bei der Wikipedia zu Löschungen von Artikeln. Ein Beispiel stellt der Fall des Vereins MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren, kurz MOGIS, dar, dessen Artikel im [[Oktober 2009]] gelöscht wurde aufgrund von mangelnder Relevanz. Das Thema erlangte schnell Popularität in Internetkreisen durch die Bericherstattung, unter anderem, im Blog von Felix von Leitner und [[Spreeblick]]. Im selben Monat nahmen sich auch [[Telepolis]] und die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins [[Spiegel]] dem Thema an.

Genau so war es eben nicht. Interessant aber, dass in dem Artikel das „Das Wikistress-o-meter“ als relevant genug für die Aufnahmen in den Artikel angesehen wird.

Veröffentlicht in: on Oktober 31, 2009 at 12:36 Kommentare (1)
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‘New Masculinity’ auch in den USA

Oder kommt es daher? Jedenfalls passt das sehr gut zur Frauenphobie der Piraten. Hoffe das das hier nicht die gleichen Ausmaße einnehmen wird.

Veröffentlicht in: on September 21, 2009 at 11:31 Kommentar schreiben
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Sogenannte Blogger-Elite blamiert sich mit Internet-Manifest

Die selbsternannte Blogger-Elite hat ein Manifest entwickelt. Yet Another Manifest möchte ich sagen. Dem Trend des „X ist so 20.Jahrhundert“ folgend möchte ich sagen: „Manifeste sind ja so 16. Jahrundert“.

Die heutigen Blogger wie auch viele Piraten denken in Eliten und glauben an eine Avantgarde. Der Glaube an dem klassichen Fortschritt ist weit verbreitet. Sie unterscheiden in relevant und irrelevant.

Ich hingegen würde die Zukunft des Internets anders formulieren:

  1. Es gibt keinen Fortschritt – Es gibt keine zwangsläufigen Entwicklungen. Das Morgen entwickelt sich aus dem Gestern und Heute. Dabei sind Rückschläge und Entwicklungssprünge jederzeit möglich. Es gibt revolutionäre Faktoren, die sich sowohl positiv als auch negativ entwickeln können.
  2. Die Bedingungen von Internet und Journalismus sind bedingt durch die Bedingungen des Kapitalismus. Wer versucht die Welt zu erklären ohne dabei das politisch-wirtschaftlich beherrschende System zu berücksichtigen kann immer nur Teilwahrheiten propagieren, wird aber nie an die Wurzeln der Probleme kommen.
  3. Durch Manifeste ändert man nichts. Die Zeiten, in denen irgendwelche Eliten etwas behaupten konnten und dies irgendeine Orientierung bot, sind vorbei.
  4. Es gibt keine Relevanz. Was in der Wikipedia und vielerorts noch verfolgt wird ist die Denke, das es relevante und irrelevante Quellen und Informationen geben würde. Aber zunächst ist jede Information gleich – und jeder Mensch und jede Institution nimmt eine spezifische Kommunikationsrolle ein. Eine Relevanzhierarchie existiert insofern nur in unseren Köpfen und zudem verschieden in unterschiedlichen Köpfen.
  5. Das Internet ist nicht GUT. Wie der CCC m.W. vor vielen Jahren schon sagte, ist das Internet ein Verstärker von jeglichen Strukturen, unabhängig davon ob diese positiv oder negativ sind. Die Attentäter, die sich zu einem Attentat gegen Obama verschworen lernten sich über Internet-Plattformen kennen – früher lernten sich solche Leute nur lokal kennen. Das Internet ist sowohl eine große Bedrohung als auch eine große Hoffnung für unsere Gesellschaft.

Übrigens bin ich durch Julia Seeligers Blogbeitrag auf dieses Manifest gestoßen, die sich in ihrer Kritik eher darauf richtet das irgendwoher das Geld kommen müsse. Da ist natürlich etwas dran. Ich denke Fakt ist natürlich das die Grenze zwischen Bürgern und Journalisten schwindet. Aber daraus ergeben sich ganz andere Fragen. Wünschenswert ist es, das auch in Zukunft Zeit investieren können um zu recherchieren. Leider leistet der Journalismus da oft zu wenig. Themen wie Internet-Zensur und Vorratsdatenspeicherung wurden eher von Bürgerrechtlern recherchiert als von klassischen Journalisten. Leider sind Projekte wie Readers Edition mit ihren Ansätzen gescheitert. Ich persänliche glaube, das die Zukunft der QUALITÄT im Journalismus eher im persönlichen Engagement, in Journalistenkollektiven liegt. In der Kollaboration auf vielen Ebenen – von Whistleblowern über Blogger bis hin zu klassischen Journalisten. Ich sehe durchaus Raum für den klassischen Medienjournalismus. Allerdings deutlich kleiner als bisher.

Ich denke gute Artikel werden von engagierten Journalisten geschrieben, die Neugier und Hartnäckigkeit besitzen. Ich sehe durchaus auch in Zukunft Raum für Leute, die für Geld gute Inhalte publizieren. Gute Artikel gibt es aber vermehrt in kleinen Randpublikationen und weniger in den großen Blättern. Und die TAZ ist mittlerweile die Bild-Zeitung für Linke geworden. Die  kann auch keine Orientierung bieten. Letztendlich muss sich finden, was funktioniert. ich persönlich finde unkommerziellen Journalismus viel attraktiver. Allerdings denke ich, dass es da mit der Kollaboration noch nicht so weit her ist. Auch Projekte wie Wikinews sind da gescheitert, weil sie die falschen Strategien hatten. Vielleicht fehlen da heutzutage auch noch die Werkzeuge, die die Kollaboration noch besser ermöglichen. Wikis sind ein guter Weg – allerdings nicht zur Publikation, sondern für Hintergrundmaterial.

Noch mal mein Fazit zu dem Manifest: Viel heisse Luft, wenig kondensiert, zumeist falsche Thesen und keine Vision. Überflüssig!

Update: s.a. Blogbeitrag von Felix Knoke auf FM4.

Readers Edition und Bürgerjournalismus

Die Idee des Bürgerjournalismus als solches ist interessant.

„Partizipativer Journalismus ist die Tätigkeit eines Bürgers oder einer Gruppe von Bürgern, die eine aktive Rolle im Prozess der Recherche, des Berichtens, des Analysierens sowie des Verbreitens von Nachrichten und Informationen einnehmen. Ziel dieser Partizipation ist die Bereitstellung von unabhängigen, verlässlichen, genauen, ausführlichen und relevanten Informationen, die eine Demokratie benötigt.“

Die “Readers Edition” definiert sich als:

“ eine Plattform, die eine völlig neue Art von Journalismus möglich macht. Werden Sie selbst Redakteur. Wir geben Ihnen die Möglichkeit, eigene Geschichten, Berichte und Fotos zu veröffentlichen. [...] Jeder kann zum Journalisten werden, der Platz ist unbegrenzt. [...] Schreiben Sie über das, was Sie bewegt. Schreiben Sie eine Kurzmeldung oder einen langen Bericht, eine eigene Einschätzung oder eine Nachricht. Geben Sie “Readers Edition” Ihre eigene Sichtweise.

Alle Berichte müssen journalistischen Grundsätzen des Pressekodex folgen: Die Fakten müssen stimmen, unbestätigte Gerüchte oder Vermutungen werden nicht veröffentlicht. Zudem darf sich durch Berichte niemand beleidigt oder zu Unrecht beschuldigt fühlen. „

Das ist die Theorie. Inzwischen hat aber ein massiver Verfall der Inhalte Einzug gehalten. Bezahle Journalistinnen werden von der Blogform GmbH beauftragt Inhalte aus dem StudiVZ herauszukratzen. Nicole Oppelt veröffentlich offenbar täglich vier solcher zusammengekratzten Meinungen aus dem StudiVZ. Man bezahlt also professionelle Journalistinnen, um Meinungen von Usern anderer Portale in kurzen Beiträgen wie diesem unter studiVZ-Watch zusammenzufassen.

Die Blogform GmbH versucht auch anderweitig auf den Mainstream-Zug aufzuspringen mit dem neuen Portal Bürgerinfo09.de. Nach eigenem Bekunden eine „eine völlig neue Nachrichten-Website“. Bei genauem Hinschauen erscheint es aber als nur ein weiteres Metaportal. Es gibt viele Nachahmer von Youtube, Twitter & Co. Während erstgenannte Portale zwar bekannt sind, aber nicht unbedingt kommerziell erfolgreich, sieht es für viele der Klone nich schlechter aus. Am allerschlechtesten aber für die Portale, die nichts tun, als einen mix verschiedener Portale neu zusammenzumixen. Ein ähnliches Konzept versucht man wohl gerade auch der Readers Edition aufzudrücken. Zuvor hat man schon die Nutzung von Amazon-Rezensionen aufgenommen. Auch diese professionell zusammengefasst.

Mit der ursprünglichen Definition von Bürgerjournalismus hat das nichts mehr zutun. Es wird aber als solches verkauft. Ein Etikettenschwindel. Dazu kommt, das eine zentrale Redaktion und nicht etwa die Kontrolle über ihre Beiträge haben. Bereits 2007 haben viele Autoren und Moderatoren das Projekt verlassen (müssen). Offenbar ist man nun dabei aktiv den Gedanken des Bürgerjournalismus weiter zurückzudrängen zugunsten einer aufgewärmten Brühe an Meinungen, die man irgendwo im Netz findet. Statt Bürger die recherchieren, fassen Journalisten zusammen, was irgendwer irgendwo mal im Netz von sich lässt. Leider verbreitet sich diese Art des Journalismus immer mehr. Nur weil irgendein zufälliger Paul2456 irgendetwas sagt, hat dies doch noch keine Bedeutung. Wo sind wir nur gelandet. Hat man vor Jahren noch skeptisch auf kritischen Bürgerjournalismus geschaut, so bezahlt man nun Journalisten dafür zufällige Meinungsbilder einzufangen. Und damit ist jeglicher Manipulation und Subjektivität Tür und Tor geöffnet. Was ist mit dem selbstgewählten Grundsatz „Die Fakten müssen stimmen, unbestätigte Gerüchte oder Vermutungen werden nicht veröffentlicht.

Die Readers Edition ist schon seit längerem ein Pool für die wirrsten Gerüchte und Verschwörungstheorien. Vom Autor, der sich über den Angrif auf Mannichl lustig macht bis zu diversen Klimaskeptikern, die z.B.  den Umweltsünder ExxonMobil  hochleben lassen oder der Weigerung die Schädlichkeit von Sonnenstudios anzuerkennen findet man jeden Schwachsinn und jede Hetze, die man sich nur denken kann. Vielleicht hat man deswegen am 19. Juni zum letzten mal ein Best-Of von Artikeln erstellt? Sinkende Qualität – vermutlich auch sinkende Leserzahlen. Da möchte man gerne viel Content generieren und möglichst wenig dafür ausgeben. Man hat es verabsäumt die Autoren frühzeitig an der Weiterentwicklung des Projektes zu beteiligen. Das verwendete WordPress hat seit Jahren seine Macken, die nicht beseitigt werden. Man hat es versäumt ein Autorenkollektiv an sich zu binden, dass gewissen Mindeststandards einhält und eben nicht das Portal mit Gerüchten und Vermutungen zu überschwemmen.

Alles zusammengenommen scheint das Projekt keine große Zukunft mehr zu haben, denn es steuert etwas führerlos umher – immer hinter den großen Megatrends hinterher. Vielleicht war der Geburtsfehler auch, dass dieses Projekt nicht von Autoren gegründet wurde, sondern von einer Firma, die von vorneherein nur daran dachte, Autoren, die unbezahlte Schreibarbeiten leisten auszunutzen, ohne ihnen auch ausreichende Rechte an den eigenen Werken einzuräumen. Immerhin setzte man früh auf eine freie Lizenz. Doch wenn die Qualität nicht stimmt, hilft dies auch nicht. Für ein Back-To-The-Roots ist es offenbar zu spät, denn der Ruf des Projektes ist bereits ruiniert.

ZDF fährt Anti-Piraten-Kampagne

Das ZDF lud am 28.6.09  bei Berlin direkt u.a. ein offizielles Mitglied des SPD-Onlinebeirates ein, ohne diese Tätigkeit anzusprechen und Sascha Lobo als DEM ONLINEEXPERTEN die Chance zu geben das Urteil über die Piratenpartei zu sprechen.

Wenn man schon einen eindeutigen politischen Gegner der Piraten befragt, so soltle man diesen bitte nicht als neutralen Experten bezeichnen. Wieso die SPD dann in dem verlinkten Beitrag zweimal zu Wort kommen darf (Lobo, Ulrich Kleber) ist auch nicht ersichtlich (Wahlhilfe für die Bundestagswahl).

Liebes ZDF, eure Anti-Piratenkampagne die dazu führen soll, das die SPD mehr Stimmen bekommen ist von der Netzcommunity durchschaut worden. Der offensichtliche Versuch in einem pseudoneutralen Bericht neben einigen Piraten ausschliesslich die politischen Gegner zu Wort kommen zu lassen und keinen einzigen Befürworter der Positionen der Piraten (wie z.B. des öfteren im Elektrischen Reporter zu finden waren). Genau: Fragt doch mal Mario Sixtus, der arbeitet ja sogar zeitweise für euch! Das ist jemand, der die Positionen die AUCH bei den Piraten vertreten werden versteht. Lobo versteht die Argumentation gar nicht. Im anschliessenden Chat hat er auch gesagt, das er die Piraten deswegen nicht ernst nehmen würde, weil sie so heftig auf ihn reagiert hätten. Da verwechselt er aber zum einen Ursache und Wirkung und zudem erwarte ich bei dem Argument: Unwählbarkeit mehr als die persönliche Fehde gegen eine Splitterpartei!

Ich kann diesen Lobo nicht mehr sehen. Holt uns ein paar anständige Medien- oder Politikwissenschaftler und erspart uns diese oberflächlichen Pseudofreaks. Lasst Argumente sprechen! Feuer frei!

PS: Nein, ich bin kein Parteimitglied, sondern jemand der viele Punkte der Piraten seit Jahren ebenso argumentiert und daher die Piraten unterstützt und gegen unfaire Angriffe verteidigt.

Kapitän der Piraten im Kreuzfeuer FAIL oder WIN?

Am 22. Juni durfte der Kapitän der Piraten Dirk Hillbrecht mal bei PHOENIX einiges erklären. Er selbst hat dazu auch schon einen kleinen Beitrag mit dem Titel „Komm’ ich jetzt ins Fernsehen?“ geschrieben. [Link zur Sendung].

Jürgen Fenn hats offenbar gar nicht gefallen, denn er schreibt unter „Die „Piraten“ wurden vorgeführt„:

Hillbrecht bekam während der gesamten 45 Minuten, die die Sendung dauerte, keinen Fuß auf den Boden. Er war der Diskussion argumentativ und inhaltlich überhaupt nicht gewachsen und wurde regelrecht vorgeführt.

Ich kann dem nicht beipflichten. Meine Erwartungen waren vielleicht auch geringer. Aus meiner Sicht hat Hillbrecht gut standgehalten. Ich sehe das ganze auch mit etwas Abstand: Unsere (NetCommunity) Thesen werden zum ersten mal wahrgenommen. Die Leute hören diese Sachen defakto zum ersten mal – ja auch wenn Piraten und AK Vorrat seit Jahren auf die Straße gehen.

Dann sind viele Thesen einfach noch zu radikal und schwer zu fassen. Scholz war sehr verunsichert und hat stark polemisiert. Hillbrecht reagierte darauf nicht mit gleicher Münze und ließ so manche Kontermöglichkeit vergehen. Die war m.E. vor allem an dem Punkt gegeben wo nach dem  für Scholz verlorenen Punkt der Internetzensur er auf das Urheberrecht auswich. An diesem Punkt hätte ich mir gewünscht Hillbrecht hätte sowas gesagt wie „Danke Herr Scholz, dass sie das erwähnen – genau das ist das Problem: Wir haben ein Zensurgesetz gegen Kinderpornos und reden jetzt wenige Tage schon vom Urheberrecht. Wofür wird es dann erst nach der Bundestagswahl noch eingesetzt werden?“ Und auch der Hinweis fehlte, dass in vielen Ländern bereits Sites geblockt werden, von denen man weiss, das sie nichts illegales enthalten ausser eine andere Meinung zur Zensur – sprich wir haben in Europa bereits real existierende politische Zensur. Also kein Hirngespinst.

Der Sprung zu den Urheberrechten erforderte dann aber eigentlich eine ganz andere Diskussion. Hillbrecht verweist in seinem Blog bereits darauf, das nicht so klar war, worüber eigentlich geredet werden sollte. Ich denke das lag daran, das die Macher die Thematik nicht verstanden hatten.

Dann muss man ja sagen, das der Moderator Christoph Minhoff eigentlich nur den Adjutanten für Scholz gab. Er hat Scholz glaube ich nur einmal etwas kritisches gefragt. Ansonsten waren es 45 Minuten Kreuzfeuer. Von der Ausgangslage her eigentlich kaum zu gewinnen. Ich meinte aber bei Scholz durchaus eine gewisse Bewunderung für die Tapferkeit seines jungen Gegenübers erkennen zu können.

Waren wir also mal die Relationen: Ein Polit-Anfänger gegen zwei Politprofis, die sich die Bälle zuspielen. Vergleichen wir das mal mit Basketball: Du bis Anfänger im Basketball und sollst gegen zwei NBA-Profis spielen, wie stehen die Chancen?

Alle Parteien, die nicht den Mainstream abbilden haben es da gehörig schwer in Mainstream-Sendern. Das mit einem gewissen Plus zu überleben schafft nur jemand der Klasse Gysi.

Hillbrecht wirkte meistens ruhig und besonnen und brachte einige Punkte die die Zuschauer sicher zum ersten mal gehört haben. Und darum ging es hier eigentlich: Die Zuschauer, die Öffentlichkeit warm machen für das, was kommt. Hinzu kommt, das die Argumente der Piraten bisher nicht immer ganz stringent sind und auch in vielen Fragen noch Löcher aufweisen.

Scholz ist ein alter Hase, hat sich aber argumentativ oftmals mächtig verrannt. Gemerkt haben das dumme Zuschauer nicht – aber ich denke so mancher Intellektuelle der die Piraten skeptisch beäugt hat wird sich gedacht haben: Mensch, der Kerl hat recht – und Scholz speit mal wieder nur Gift und Galle!?

Erstaunlich finde ich, das Rupert Scholz offenbar vielen Piraten nicht mehr bekannt ist. Für einen ehemaligen Staatsrechtler fand ich die Behauptung Patentrecht, Urheberrecht usw. wären ja alle das gleiche schon sehr platt.

Ich habe schon schlimmere Talkshows gesehen. Hauptkritik meinerseits wäre:

  • Am Publikum sah man, das die manchmal gar nicht den Argumenten folgen konnten. Hier hätte man versuchen sollen einfache Argumente zu wiederholen
  • Zu viele verschiedene Beispiele können auch verwirren
  • Bitte, bitte weniger Informatikerfachbegriffe auch wenn die korrekt sind. die meisten Menschen können dem nicht folgen. Z.B. natürlich ist Medium als Internet neutral – aber das muss man so erklären, das es klar wird und nicht so, wie es informatiktheoretisch am korrektesten ist. Das sollte man sich für die Informatikerstammtisch aufheben.

Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl das diese Informatikersprache aber auch ein wenig Juristendeutsch u.ä. ersetzt. Weil sie eher unsere heutige Welt erklären kann als Gesetze. Vielleicht ist das sogar eine der wesentlichsten Änderungen. Aber die Piraten müssen es schaffen diese Sprache sanft einzuführen, damit der Gegenüber auch auf ähnlicher Ebene antworten und der Zuschauer  es nachvollziehen kann. Spannend!

Mein Fazit: Hillbrecht war viel besser als ICH erwartet hatte.

PS: Und nein bitte keine Standard-Rhetorik-Seminare für Hillbrecht, sonst hört er sich irgendwann so an wie Scholz. Gerade die Ungeschliffenheit macht die Piraten doch auch interessant!

Situation in Somalia

Wenn ich sowas lese: Schon länger macht man sich in Europa und den USA Gedanken, nicht nur die Piraten auf See zu bekämpfen, sondern auch in Somalia einzumarschieren, denke ich die spinnen. Man weiss ja, dass nachdem die Islamisten schon einmal an der Regierung war, die Piraterie zum Erliegen kam. Ich will jetzt gar nicht die Qualität deren Regierung bewerten. Es erscheint aber absurd, wenn man sowohl die Piraterie vor der somalischen Küste als ein Kernproblem beschreibt, gleichwohl aber offenbar auch die Kräfte, die der Problematik am ehesten begegnen. Somalia erlebt seit vielen Jahrzehnten Bürgerkrieg. Mit verursacht durch den Einmarsch von NATO-Ländern. Z.B. hatte damals  1992 die Bundeswehr auch eine frühe Premiere ihrer Auslandeinsätze. Der Einsatz aber war ein Fiasko. Ich bin alles andere als ein Fan von Islamisten. Dennoch denke ich, das eventuell die Menschen da unten lieber friedlich leben unter eventuell strengeren sittlichen Regelb, als täglich um ihr Leben fürchten zu müssen. Vielleicht bedeutet Islamismus in Somalia für die Leute eine bessere Lebensqualität. Der Westen hat das bisher dort nicht erreichen können. Ich gehe davon aus, dass unsere Waffen da nachwievor ohne Hindernisse importiert werden. Ein instabiles Somalia rechtfertigt für die NATO ihre Präsenz vor der Küste. Es gibt nur etwas, was man lieber hat als ein stabiles Somalia: Ein Somalia unter voller Kontrolle des Westens. Das wollen die Somalis aber vielleicht gar nicht?

Ich bin kein Somalia-Kenner. Ich mache mir da nur so meine Gedanken. Und bei dem Gedanken des NATO-Einmarsches in Somalia wird mir übel. Ich wünsche das auch keinem Soldaten. Das ging alles schon einmal ziemlich schief. Wie wäre es denn mit dem guten alten Interessensausgleich. Vielleicht wird es dann auch mal einen „sanften Islamismus“ geben, der nicht im Westen einen seiner Hauptfeinde sieht? Im Moment bestätigt der Westen im Irak und Afghanistan sämtliche Vorurteile.

Veröffentlicht in: on Juni 22, 2009 at 10:40 Kommentare (1)
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Wir trauern um Artikel 5

Veröffentlicht in: on Juni 19, 2009 at 11:47 Kommentar schreiben
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Kiel kriegt „Peanuts“

Da haben wir also endlich einen abgewrackten Ex-Deutsche Bank-Chef in Kiel. Super, passt ja zur Situation der HSH. „Peanuts“ wird das schon richten? Vielleicht die unsensibelste Entscheidung hier seit Jahren.

Veröffentlicht in: on Mai 31, 2009 at 8:24 Kommentar schreiben
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