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Archiv für die Kategorie ‘Technologie’

Weder Henne noch Ei: Liquid Democracy

Heute gibts auf tagesschau.de ein Interview zu LD. Ich sehe das ja sehr kritisch, weil es m.E. vollkommen am falschen Punkt ansetzt: Eine technokratische Lösung für fundamentale Demokratieprobleme. Aus den Antworten auf tagesschau.de ergibt sich folgendes:

Zitate:

  1. “Liquid Democracy steht für die Idee, dass die Grenze zwischen repräsentativer und direkter Demokratie fließend ist.”
  2. tagesschau.de:Soll die repräsentative Demokratie dadurch abgeschafft werden?” -  Nein. Uns geht es nicht darum, die repräsentative Demokratie überflüssig zu machen oder zu ersetzen. Uns geht es darum, Schnittstellen in die bestehenden Parlamente  zu schaffen und die bisherigen Verfahren zu ergänzen.

Nun ist LD nicht das gleiche wie die Politik der Piraten. Aber wenn wir das mal als neues Politikmodell  begreifen, dann sehen wir hier schon, dass LD nicht zur Direkten Demokratie führt. Hier geht es um Repräsentative Demokratie 2.0. . Das Individuum soll mehr beteiligt werden und das Gefühl haben mitzuwirken. Ähnlich wie bei Bürgerhaushalten oder anderen Beteiligungsverfahren.

Mitreden dürfen ist aber nicht gleichzusetzen mit direkter Beteiligung an Entscheidungen. Dazu ist z.B. ein nicht ganz unwesentlicher Punkt, dass die entscheiden sollen, die auch tatsächlich betroffen sind. Sprich: Ein atomares Endlager wird nicht dadurch besser, dass die Mehrheit via LD bestimmt, dass es in einer Gemeinde errichtet wird.

In einer Direkten Demokratie sollte das gar nicht möglich sein: Natürlich dürfen nur die Bürger vor Ort entscheiden, was sie sich zumuten wollen.

Dann betont die Frau Paetsch auch ”Wir sind da noch am Anfang“. D.h. die Entwickler sind sich selbst gar nicht bewusst, wohin die Reise geht. Meine Verutung dazu ist, dass LD Probleme löst, die es gar nicht gibt. Ein typisches Symptom. Und ein Garant dafür, dass LD mehr Probleme schafft, als es löst.  Jedes demokratische Werkzeug muss eigentlich eine klare Zielvorstellung haben, weil sonst die Gefahr besteht, dass es an ganz anderen Stellung Wirkungen zeigt, die gar nicht gewünscht sind.

Und vor allem: Wenn LD nicht die Repräsentative Demokratie in frage stellt, so spricht das eine deutliche Sprache, was von der Ernsthaftigkeit eines direktdemokratischen Ansatzes über dieses Werkzeug bei den Piraten zu halten ist. Gleiches gilt natürlich auch für Vollversammlungen, denen nur eine Auswahl an Piraten beiwohnen kann – und die somit das Gegenteil von Basisdemokratie darstellen.

Meine Soziale Netzwerk Bilanz

Im Internet sind verschiedene Soziale Netzwerke in Konkurrenz zueinander. Namentlich nennen ich Twitter, Identi.ca,Facebook und Google+ .

Für mein ganz persönliches Arbeiten habe ich mich inzwischen ganz auf Twitter eingeschossen. Der Hautpgrund ist die geringe Komplexität un Überschaubarkeit des Dienstes. Identi.ca hat in verschiedener Hinsicht verloren: Sicher ist es der richtige Weg solche Netzwerke verteilt aufzubauen und Monopolen entgegenzuwirken. Allerdings bringt es auch nichts in einem Netzwerk unterwegs zu sein, dass dauerhaft weniger User hat. Ich hatte am Ende identi.ca nur noch als Proxy für Twitter benutzt. Am Tag als identi.ca mir dann den Zugang sperrte, weil in den USA ein Gesetz verabschiedet werden sollte, nach dem identi.ca selbst auch immer wieder an mangelnder Stabilität litt, beschloss ich, es nie wieder zu nutzen.  Nein und ich will mir auch keinen eigenen identi.ca-Server aufsetzen.

Zu Facebook folgendes: Die datenschutzrechtlichen Implikationen einer Nutzung sind überhaupt nicht mehr überschaubar. Facebook macht mir Angst. Damit meine ich vor allem den Umgang der Leute damit. Das blinde Vertrauen in Facebook und die Selbstverständlichkeit wie hier irrwitzige Nutzungen passieren. Ich kann Facebook nicht unterstützen. Ich habe zwar einen Account. Den nutze ich aber nicht richtig. Und ich will mich darüber auch nicht mit Freunden vernetzen – schon gar nicht unter einem realen Namen! Aus meiner Sicht fällt es daher weg, weil es indiskutabel ist. Dazu kommt die Komplexität des Netzwerkes Facebook als solches – und das hat es mit Google+ gemein. Ich habe keine Lust eine Botschaft in mehrere Netze zu verteilen. Und ich will auch keine Diskussionen online führen. Facebook und Google+ entwickeln sich ja langsam zu einem Ersatz für Foren und Kommentare.

Was Facebook angeht so erwarte ich da bald einen großen Crash – einen Datengau unendlichen Ausmaßes und katastrophalen Folgen. Das ist doch alles auf Sand gebaut. Die Macher haben doch selber gar keinen Überblick mehr darüber, was da alles passiert. Aber alles ist in einer Hand. Ich kann daher die Begeisterung für fb nicht verstehen. Mir macht das einfach nur noch Angst.

Zudem schätze ich die Kürze von Twitter. Netzwerke pflegen ist überschaubar. Dabei muss ich nicht jeden als Freund bezeichnen oder “liken”.  Diese ganzen Etiketten werden gerade bei Facebook so inflationär gebraucht, dass sie eh gar keinen Wert mehr haben. Mit “Freund” meint man oft nur noch, dass man irgendwen irgendwie kennt – nicht persönlich – nur den Namen z.B. .

Wohin sich das ganze entwickelt ist unklar. Erst kürzlich wiesen der ULD in Schleswig-Holstein und der Datenschutzbeauftragte von Hamburg darauf hin, dass bei Facebook erneut die Rechte der User reduziert wurden.

Es gibt bei Sozialen Netzwerken erheblichen Nachholbedarf, um sie wirklich zuverlässig zu machen und für jeden einfach nutzbar – ohne erhebliche Risiken einzugehen. Leider stürzen sich zu viele, auch Organisationen, PolitikerInnen, … auf Facebook ohne es zu verstehen oder mit einer beneidenswerten Portion Gottvertrauen. Warnende Stimme wie der ULD in Kiel werden da oft als Spielverderber angefeindet. Na mal sehen was passiert, wenn der große Crash kommt. Denke in den nächste 1-2 Jahren wird er kommen.

 

Stuttgart 21-Prognose: Kein Tiefbahnhof

Juli 30, 2011 1 Kommentar

Nach dem Stresstest erscheint auch der Schlichterspruch von vor ein paar Monaten im neuen Licht. Es wurde eigentlich nichts gewonnen und keine Einigung erzielt.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass es nicht wirklich einen Kompromiss zwischen BefürworterInnen und GegnerInnen des Bahnprojektes geben kann. Geißler hat es trotzdem versucht. Allerdings scheint sein Kompromiss eines Kopf/Tiefbahnhofs eher ein Zeichen der Ratlosigkeit zu sein. Ja dies wäre ein Kompromiss. Aber letztlich ist die Situation so verfahren und weit fortgeschritten, dass es eigentlich nur noch um ganz oder gar nicht gehen kann.

Ich bezweifle nicht, dass die Bahn weiterbauen wird und dass es weiterhin Versuche geben wird, dieses Bahnhofs fertigzustellen. Allerdings sehe ich die Chance auf Fertigstellung angesichts technischer und politischer Widerstände defakto bei null. Stuttgart 21 ist eine Ausgeburt eines technokratischen Denkens einer Nachkriegsgeneration. Ein Denkmal in Stein sollte es werden. Eine großspurige und riskante Architektur, die sich über alles, vor allem aber über die Bedürfnisse der Menschen hinwegsetzte.

S21 ist politisch gescheitert an dem Widerspruch zwischen den eigenen Ansprüchen und zielen auf der einen Seite und an den Notwendigkeiten und Wünschen der Bevölkerung auf der anderen Seite.

Was ist eigentlich aus der guten alten Bahn geworden? Ich habe als Jugendlicher früher Emails via BTX an die Bahn geschickt – und jedes mal kam ein persönlich adressierter Brief zurück in dem man sich bei mir für die Vorschläge bedankte. Wer heute eine Email an die Bahn schreibt kriegt allenfalls eine freche Email zurück, die zwischen den Zeilen deutlich macht, dass man ja zu dumm sei das ganze zu verstehen.

Ich erinnere mich auch daran, wie der VCD jahrelang für den Halbpreispaß in Deutschland warb. Die Bahn war der Meinung so etwas lohne sich nicht in Deutschland. Eine aufwendige Studie wies dann darauf hin, dass es sich vielleicht gerade so bezahlt machen würde. Das Ergebnis war die Bahncard. Die Bahn wurde seit Jahren auf den Markt getrimmt. Ob beim GDL-Streik vor ein paar Jahren oder beim Streit um S21: immer sah man Unsympathen der ersten Kategorie an der vordersten Front.

Die Bahn erscheint zur Zeit immer als Gegner der Bahnkunden. Ein auf rein wirtschaftliche Interessen ausgerichtetes Unternehmen. Vorbei ists mit der Beamtengemütlichkeit und ganz nebenbei auch mit der Pünktlichkeit.

Der ICE hat zum Großteil die Intercities, Interregios und Euroctites ersetzt und damit das Bahnfahren enorm verteuert. Fernverbindungen ohne ICE sind heute fast nur noch mit Nahverkehrszügen und damit längeren Fahrzeiten erreichbar.

In den letzten Jahrzehnten  wurden hunderttausende Stellen bei der Bahn abgebaut. Dies war weder für die Verlässligkeit noch dem Fahrgenuss zuträglich. Verantwortlich sind dafür aber überwiegend nicht die Bahnbeschäftigten, sondern die Politiker und Konzerverantwortlichen, die die Bahn auf einen marktwirtschaftlichen Kurs gebracht haben. Wobei Marktwirtschaft eigentlich eher in Gänsefüßchen gesetzt werden müsste. Denn ohne Subventionen liefe bei der Bahn zur Zeit gar nichts, wie ein unabhängiger Bericht deutlich macht.

Als ehemaliger Bahnfan – und ich fahre hin und wieder immer noch ganz gerne, würde ich gerne mehr von der alten Bahn wieder haben. Mehr Gemütlichkeit, weniger gestreßte Bahnbeschäftigte, keine tausend Bahnkonkurrenten, zu denen man oft nur schwer online eine Preisauskunft bekommt, etc. . Zur Zeit fahre ich, wenn überhaupt, nur mit einem schlechten Gefühl mit der DB und ihren Konkurrenten.

 

Mehr zur Bahn auch bei Labournet.

 

 

 

 

Ecosia + WWF = Ganz schlechte Idee

Ich habe mich ja immer schon gewundert, wie das funktionieren soll:

“Alle Server von Ecosia werden mit Ökostrom betrieben”

Ecosia unterstützt ein Regenwalsprojekt des WWF und ihre Server laufen auf Ökostrom. Mit Klicks Regenwald retten klinkt irgendwie ebenso plausibel wie mit Klicks Geld zu verdienen.

In den letzten Wochen hat man ja aber auch mehr über die Machenschaften des WWF erfahren. Insofern sollte jeder Cent an den WWF eher als Bedrohung der Umwelt, als als Umweltschützer. Hier mal ein Zitat der Kritik zu Ecosia in der Wikipedia:

Kritiker bemängelten früher die Wirksamkeit von Ecosia.[16] Die tatsächliche Wirkung eines durchschnittlichen Klicks von einer 0,13-Eurocent-Spende an den Nationalpark entsprach nicht ihrer Erwartung, welche Ecosias Werbung „mit jeder Suchabfrage etwa zwei Quadratmeter Regenwald retten“ auslöste. Des Weiteren wurde von Kritikern die Behauptung bemängelt, alle User hätten 232.825.214 m² Regenwald gerettet (Stand 4. Dezember 2010, 14:30 Uhr)[8], einer höchst theoretischen Zahl, die sich aus o. g. Annahmen (erwirtschafteter Betrag pro Suche, „Wert“ eines Quadratmeters Regenwaldes, etc.) ergibt und als solche nicht nachvollziehbar war; im Gegensatz zu den Spendengeldern, für die Ecosia Quittungen angibt.[17] Diese theoretische Zahl wurde auch im Browser-Plugin von Ecosia angezeigt.

Auf Grund dieser Kritik entschied sich Ecosia Anfang 2011 dazu, den Schutz nicht mehr in m² anzugeben, sondern in tatsächlich gespendeten Euro für das Regenwaldprojekt des WWF.

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die verbrauchte Energie respektive CO2-Belastung durch die Suchvorgänge. Während Ecosias Suchmaske klimakompensiert ist, ist es die verwendete Suchtechnik von Microsoft und Yahoo nicht. Diese Firmen bemühten sich im Gegensatz zum Konkurrenten Google nicht, den Energieverbrauch mit erneuerbaren Energie zu decken.[18] Laut Ecosia ist diese Kritik irrelevant, da die Fläche des geretteten Regenwalds die Emissionen der Suchmaschine bei weitem überkompensierten. Zudem gleicht Ecosia mit Hilfe von Spenden an PURE den entstandenen CO2-Ausstoß aus. [1]

Als Netizen habe ich mich schon immer gefragt, wie an mit MEHR Servern Energie sparen will, als mit weniger. Denn natürlich betreibt Ecosia zusätzliche Proxies, die user, die dirket Yahoo oder Bing nutzen nicht nutzen. Also kostet eine Abfrage bei Ecosia definitiv mehr Strom/CO-2.

Davon abgesehen ist Google weltweit führend in der Energieeffizienz ihrer Suchmaschine. Man kann ja viel gegen Google vorbringen. Aber die wissen genau wieso sie Energie sparen. Das ist für die bares Geld. Und sie sind darin besser als ihre Konkurrenten.

Daher denke ich einfach mal, dass man durch die Nutzung von Google mit Sicherheit CO2 spart. Auf der anderen Seite nutze ich SSL ausgiebig. Damit erhöhe ich wiederum den Energieverbrauch, weil es rechenintensiver aber auch sicherer ist.

Unter dem Strich: Vergesst Ecosia. damit spart ihr weder Energie nicht helft ihr der Umwelt. ihr schadet mehr als, dass ihr nützt!

Orte der Auseinandersetzung

Juni 19, 2011 2 Kommentare

Seit längerem beschäftige ich mich jetzt mit verschiedenen Theorien zu Sozialen Revolutionen. Besonders kritisch mit den Theorien rund um ‘Recht auf Stadt’ und die dahinterliegenden postoperaistischen Gedanken.

Eine der Gedanken ist, dass das Ende der Arbeit erreicht sei. Dazu hat sich auch Jeremy Rifkin in seinem Buch “Das Ende der Arbeit” geäußert. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung 2005 entgegnet er zum Jobwunder in China:

China ist faszinierend, ja. Aber schauen Sie mal genau hin. In den letzten sieben Jahren sind 15 Prozent aller chinesischen Jobs verschwunden. Auch der chinesische Boom kann an der Wahrheit nichts ändern.

Also schauen wir mal hin: Auf Nationmaster finden wir Beschäftigungszahlen der letzten Jahre zu verschiedenen Ländern, hier z.B. China: Dort stieg die Beschäftigtenzahl im Zeitraum von 1998-2007 um rund 7 Prozent auf 776.047.400  .

Hier kann also schon einmal etwas nicht stimmen.[<- durchgestrichen wegen falscher Statistik, siehe Kommentare unten] Und wer jetzt meint: Klar, in China ist das so, aber doch nicht bei uns in Deutschland, der sei auf die Daten zu Deutschland verwiesen: Hier stieg die Beschäftigtenzahl von 1998-2997 um etwa 1 Prozent auf 40.991.820.

Also auch hier keine Abnahme. Wie  verschwindet aber Arbeit, wenn die Zahl der Arbeitsplätze zunimmt? Und Deutschland gehört durchaus zu den Ländern, dass viele Arbeitsplätze nach China und Osteuropa exportiert hat. Und das bedeutet, dass auch global gesehen, Arbeitsplätze nicht abgenommen haben. Eine rein nationale Sicht wäre hier auch verfehlt.

Wir können also festhalten, dass es den prognostizierten oder angeblich vorhandenen weltweiten massiven Arbeitsplatzabbau nicht gibt. Das einzige, was man zugestehen kann ist, dass Arbeitsplätze in der Produktion in Deutschland abgenommen haben. Wobei Deutschland im weltweiten Vergleich z.B. immer noch eine hohe Quote an Männern in der Industrie hat (in der Statistik dort gibt es nur Quoten getrennt für Männern und Frauen).

Die Automatisierung hat seit den 1990er Jahren nie die große Rolle gespielt, die man ihr zugesprochen hatte.  Man ging zum Teil von einem ubiquitären Einsatz von Robotern aus. Mittlerweile zeigt sich aber, dass ArbeiterInnen, insbesondere natürlich in China immer noch flexibler und günstiger als Maschinen sind. Und bei zunehmenden Rohstoffkosten, auch und insbesondere für Stoffe, die in die Elektronik wandern, ist eher zu erwarten, das Computer und Roboter teurer werden. eine große Fabrik nur mit Robotern aufzubauen erfordert erhebliche Investitionen – und im Gegensatz zu ArbeiterInnen lässt sich so etwas nicht in kurzer Zeit umlernen oder irgendwo anders wieder aufbauen.

Unter dem Strich bleibt, dass es keinen großen Einbruch der Arbeitsplätze weltweit gegeben hat und vermutlich auch nicht aufgrund plötzlicher Automatisierungssprünge geben wird. Automatisierung wird teuer bleiben und relativ unflexibel. Auf der anderen Seite steht die menschliche Arbeitskraft, die global vom Kapital eingespannt wird, um einen Mehrwert zu erzielen. Wir können auch feststellen, dass die Einkommensunterschiede auch und gerade in China wachsen, was darauf hindeutet, dass von dem Produktionsgewinn einige viel mehr abschöpfen als die große Masse, insbesondere der Wanderarbeiter.

Weltweit weiten sich wilde und organisierte Streiks aus. Ich wies in der Vergangenheit bereits daraufhin, dass die Aufstände in Nordafrika weniger aufgrund der Präsenz der breiten Masse auf öffentlichen Plätzen erfolgreich waren, sondern weil seit vielen Jahren in den Betrieben gestreikt wurde und diese 2010/2011 massiv verstärkt wurden.

Erst jetzt kam es gerade wieder zu einem wilden Streik bei Maruti Suzuki in Indien.

Unser Bild von einem globalen billigen Arbeitsheer auf der Südhalbkugel stimmt seit lange nicht mehr. Es bestünde die Chance die Arbeitskämpfe zu globalisieren, genau so wie die Industrien globalisiert sind.  Genau das war unter anderem das Ziel des Internationalismus – statt Konkurrenz zwischen der ArbeiterInnen in verschiedenen Ländern eine Solidarität. Sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Die neuen Kämpfe in der Stadt haben auch einen Wert, aber die Stadt selbst kann nicht der Fixpunkt sein, um den es sich dreht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil damit mal so eben alle landwirtschaftlich Beschäftigten ausgeklammert werden.

Die “Digitale Gesellschaft” im Disput

FIXMBR schrieb diesen Beitrag:

Darin dieses sehr treffende Zitat:

Die «Digitale Gesellschaft» spricht für einen sehr kleinen Personenkreis, eben für Beckedahl und seine paar Mitstreiter. Die «Digitale Gesellschaft» spricht nicht für die Netizens, nicht für die deutschen Twitterer und auch nicht für die deutsche Blogosphäre. Sie sprechen einzig und allein für sich selbst. 15–20 Leute haben eine Webseite ins Internet gesellt und krakeelen rum, sie seien die digitale Gesellschaft. Ich habe gestern ein Telefonat geführt, indem mir von einer Person gesagt wurde, die selbst nicht bloggt oder twittert, «Ihr habt ja jetzt einen Klassensprecher.» Dagegen muss man sich wehren und sich mit aller Entschiedenheit von der «Digitalen Gesellschaft» distanzieren.

Bei aller berechtigter  Kritik an Beckedahl und seiner neuen Gesellschaft, muss man doch auch mal sagen, das weder der CCC noch der AK vorrat wirklich basisdemokratische Organisationen sind. Beim CCC bestimmen doch primär eine handvoll Leute die Inhalte und die anderen lassen sie gewähren, weil die es wohl schon richtig machen werden. Aber immerhin ists ein Verein.

Beim AK Vorrat fehlt jede demokratische Leigitimation. Abstimmungen werden oer allgemein öffentlicher Mailingliste vorgenommen. D.h. wenn ein Mensch in Deutschland die Politik nicht passt, kann er da ALLES blockieren. Das ist nicht demokratisch, sondern einfach nur dämlich. Am Ende läufts da ähnlich wie beim CCC. Eine handvoll Leute sind eingearbeitet und treten auch als Verteter der digitalen Gesellschaft auf in Bundestagsausschüssen und in den Medien.

Ich habe mich ja mal eine zeitlang bemüht, dass man aus dem AK Vorrat heraus eine neue, basisdemokratische Organisation gründet. Aber nur eine handvoll Leute waren auch der Meinung, dass das eine gute Idee sei.

Nun schaut euch Sascha Lobos Vortrag an und die Gründung dieses Vereins. Es passiert jetzt, was absehbar war: Es gibt einen Bedarf für eine organisierte Vertretung von Interessen der Netizens – oder wie ich eher sagen würde der erweiterten Bürgerrechte der heutigen Zeit. Aus der Community selbst war ein basisdemokratischer Ansatz nicht zu organisieren. Ich glaube weil die Leute, die sowas gerne wollen würden vielleicht den AK Vorrat schon aufgegegeben haben – und die anderen können mit der derzeitigen Politik gut leben: Keine Basis redet ihnen rein und sie können einfach MACHEN.

Ich möchte in diesem Artikel vor allem den Aspekt betonen, dass fehlende kritisch-demokratische Kultur eher bezeichnend ist für Netizens. Obs nun Leute die sich bei den Piraten sind engagieren oder sonstwo. Da gibts mehr eine “Hoppla jetzt kommen wir”-Einstellung – als eine Community der gemeinsamen Überzeugungen.

Machen wir uns nichts vor: Es sind oft nur wenige die in Organisationen Macher sind. Das liegt vielleicht auch in der Natur des Menschen begründet? Aber in Organisationen kann man auch die Eingriffsmöglichkeiten, die Partizipation so regeln, dass Mitglieder mitbestimmen können. Und das ist zumindest offenbar weder im AK Vorrat noch in “Digitale Gesellschaft” gegeben.  Datalae Konstruktionsfehler. denn wer Demokratiedefizite anprangert muss selber gerade da demokratisch genug sein.

Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund bleibt bei seiner Kritik an der D115

Unter den Schlagzeilen

  • Niedersachsens Städte- und Gemeindebund ist gegen kommunale Callcenter – und:
  •  Bürger zahlen doppelt

wiederholt der niedersächische Städte- und Gemeindebund seine Kritik (die ich voll teile):

„Es ist schon erstaunlich, dass in Zeiten, in denen der Rotstift in vielen Rathäusern regiert, sich der Bund und einige Bundesverbände darüber Gedanken machen, wie neue Geldgräber geschaffen werden können. Weder die Bürgerinnen und Bürger noch die Städte und Gemeinden in Flächenstaaten wie Niedersachsen brauchen den Behördenruf D115 auf regionaler Ebene. In allen Fragen, die unsere Bürger haben, werden sie bei den Städten und Gemeinden besser und günstiger bedient“, erklärte der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), Rainer Timmermann, heute in Hannover.D115 kann als Zentralruf für große Einheiten wie Berlin, Hamburg, München und beim Bund funktionieren. “Der Behördenruf D115 ist jedoch ein Projekt, bei dem die Bürger doppelt zahlen. Zunächst zahlen sie über die Steuergelder Aufbau und Betrieb der Callcenter und dann noch zusätzlich über die Telefonrechnung. Auch das Land Niedersachsen hat sich bisher nicht angeschlossen, da die Finanzierung völlig ungeklärt ist. Wir brauchen vor Ort jeden Euro für dringende Aufgaben wie Kindertagesstätten und Schulen, da ist keine Reserve für überflüssige Projekte wie D115″, ergänzte Timmermann.

Das Ende der Internetrevolution

Wenn die re:publica eines belegt, dann das die Internetrevolution schon seit langem vorbei ist. Als jemand, der es gewohnt war der einzige in seinem Bekanntenkreis zu sein, der eine Email-Adresse hatte – und zur Kenntnis nehmen muss, das nun selbst im  Bus jeder Depp über “Face”(Book) spricht, als wäre es selbstverständlich, habe ich natürlich die letzten 10 Jahre die schleichende Entwicklung schon länger beobachtet.

Das Internet ist inzwischen vor allem eines: Gewöhnlich.

Als Netizen weiß ich nicht, was jetzt die “Digitale Gesellschaft” sein soll. Ein erneuter, verzweifelter Versuch sich selbst zu definieren? die wahre Power lag meines Erachtens niemals darin, dass es Alphablogger hab, oder im Egovernment, sondern in der simplen Tatsache, dass das Internet auf eine gewisse Art demokratischer ist, als andere Medien. Damit meine ich, dass die Barriere der Veröffentlichung hier drastisch gesenkt ist.

Auf der re:publica werden hingegen offensichtlich User zu reinen Followern degradiert und Twitter wird zum neuen Leitmedium hochstillisiert.

Die Vorträge erscheinen so abgegriffen wie noch nie, man hört eigentlich gar nichts neues mehr. Allerdings war das immer schon bezeichnend für die re:publica. Eine Selbstbeweihräucherung.

Gestern habe ich mir Sascha Lobos Vortrag via Netz angeschaut. Danach traut man sich ja kaum noch ihn zu kritisieren, weil er sich so bemüht jeder möglichen Kritik vorzubauen. Und man will ja auch keiner seiner Trolls sein ;-)

In einem Vorab-Rant warf er der versammelten Netzgemeinde vor sich zu wenig zu engagieren – und daher würde ER immer angerufen bei Fragen zum Netz. Er forderte mehr Präsenz und Organisation der Netz-Experten und warf ihnen zu viel Selbstbezug vor.

Nun gut, was Organisierung angeht kann ich ja fast zustimmen. Ich habe eine zeitlang versucht im AK Vorrat zu erreichen, dass man sich besser organisiert und nicht alles zufälligen Aktionen von Einzelkämpfern oder anderen Organisationen überläßt. Bezeichnend vielleicht, dass für Sascha Lobo der AK Vorrat keine nennenswerte Organisation darstellte.

Die Selbstverliebtheit vieler Männer im Netz ist  schon fast faszinierend. Auf gewisse Art wirken die Inszenierungen von Coolness und Trendyness schon auch erbärmlich. Man will unbedingt bedeutend sein. Deswegen wird nur so mit radikalen Begriffen und Sichtweisen um sich geworfen. Gerne ist etwas mal “total scheisse” oder sinniert Lobo (schmunzelnd) darüber wie toll es wäre mal ein Baby wegzukicken. Insofern wirken viele Auftritte etwas teenyhaft. Die Substanz dessen, was gesagt wird, ist gering.

für mich interessant ist folgendes. Lobo kritisiert, dass die Netzexperten nicht stärker nach aussen drängen, um ihr Sichtweise und auch Fachwissen darzustellen. Offenbar sieht er und andere da tatsöchlich ein vorhandene Kompetenz. Allerdings erscheint es mir oft eher so, dass Kompetenz nur geheuchelt wird. Und Lobo ist darin ein Meister. Seine Kompetenz liegt darin so zu tun als ob. Und auf gewisse Art ist er auch kompetent, da er es versteht zwei Welten zu verbinden: Zum einen die Szene der selbsternannten Internetexperten (die wie eben gerade live auf re:publica) meinen uns erklären zu müssen, dass das Internet die Bedingungen für Kreativität grundlegend verändert hätte, wow! gut dass das mal jemand sagt!

Die re:publica definiert sich selbst als In-Group – und wer nicht dabei ist, ist halt out. Folgt man der Logik, MUSS man dabei sein, um IN zu sein. Auch hier definiert die Konferenz sich selbst auf eine nahezu klassische Weise. Es weht da noch der Geist des Aufbruchs, als das Internet noch mit Revolution gleichgesetzt wurde. Aber die da sitzen sind schon längst nicht mehr im Aufbruch. Die große Langeweile.

Auch hier Lesen

FDP macht einen großen Fehler

April 2, 2011 1 Kommentar

Guido Westerwelle Nun wollen Sie die ganze Misere dem Guido anlasten. Ich finds ja ziemlich unwürdig, was da gerade passiert (siehe tagesschau.de). Gut was solls, es ist ja nur die FDP. Jahrelang sind sie dem Guido gefolgt, haben immer alles mitgetragen. Und nun wollen sie ihn als Ballast aus dem fliegenden Ballon werfen?

Das Problem der FDP ist aber nicht Westerwelle, sondern ihre Programmatik. Nicht erst seit dem Ausgang der letzten Bundestagswahlen. Aber gerade da wurde es deutlich: Sie stellten sich wieder als Partei der Besserverdienen dar, mit der einseitigen Steuererleichterung für Hoteliers. Wen wollen sie denn ernsthaft als Ersatz benennen? Lindner? Der Typ, der nach einem Tag schon seinen Vorstoß in der Atompolitik kleinlaut zurücknehmen musste? Rösler? Seriously?

Ok Leutheusser-Schnarrenberger wäre eine echte Alternative. Aber auch eine komplett andere FDP. Die Frau erscheint ja oft wie ein Fremdkörper aus einer anderen Zeit dieser Partei. Na das wird lustig, wenn sie sich jetzt so einen Burschi als Ersatz für den Westerwelle wählen. Die Personaldecke muss ja echt ziemlich dünn sein. Großes Kino.

Kopflose Atompolitik der Bundesregierung unter Merkel

Ach, jetzt auch noch gleich zwei Kommissionen? Um was noch gleich festzustellen? Der Bundesregierung liegen ja alle Fakten seit unzähligen Jahren vor. Die Frage ist in wie weit die Schwarzgelbe Regierung eine Neubewertung vornimmt oder nicht.

Die angeblich so neutralen sind gar nicht neutral, wie die Financial Times es auch beschreibt:

Besetzt ist es mit 16 Atomexperten. Darunter sind zwar auch einige Atomkritiker, etwa vom Öko-Institut. Hauptsächlich finden sich dort aber Ingenieure aus Atomkonzernen und dem TÜV, der mit der Überprüfung von Kernkraftwerken im Auftrag der Bundesländer viel Geld verdient.

Das Ergebnis steht also schon fest. Es geht um Geld, um viel Geld. Auch im gestrigen Kommentar von Marcus Bornheim vom Bayerischen Rundfunks in den Tagesthemen wurde auf die anderen, die Ethikkommission, eingegangen.

Auch er sieht, dass Frau Merkel derzeit vor allem auf Zeit spielt. Damit aber spielt sie gegen die Interessen der Bevölkerung. Show-Politik fürs Volk. Vielleicht noch einen Heiner Geißler um eine “Atomvermittlung Plus” herzuzaubern?

Frau Merkel hat vielleicht einigen Wind aus der Kritik der Atomkraftgegner genommen, ihre Bedenken hat sie damit nicht zerstreut.

Inzwischen hat man Cäsium im Trinkwasser von Tokio gefunden. Meiner Erachtens müsste Tokio ab sofort evakuiert werden. Ja ich weiss, das geht nicht.  Ich spreche auch nicht davon von heute auf morgen 36 Millionen Menschen zu evakuieren, aber Japan braucht jetzt einen Plan dafür, wo diese Menschen in den kommenden Jahren leben sollen. Tokio wird wohl zunehmend verseucht werden und für Menschen quasi unbewohnbar. DAS ist die atomare Wirklichkeit. Kommissionen, Sicherheitsüberprüfungen. Die finden raus, was sie herausfinden wollen. Auch diesen Sonntag sind Wahlen – und für die Wähler wieder eine Chance zumindest der CDU eine Absage zu erteilen und anders als in Sachsen-Anhalt ein deutlicheres Zeichen zu setzen, wie es NICHT geht.

Ich bin an sich kein großer Wahl-Fan. Und die CDU und die FDP haben an einem Punkt recht: Auch Rotgrün hatte damals die Altmeiler nicht abgeschaltet. Das Atomausstiegsgesetz bedeutete auch garantierte Restlaufzeiten. Der alte Atomkompromiss wäre den Wählern von heute nicht mehr zu verkaufen. Die Wollen überwiegend einen schnelleren Ausstieg.

Jetzt, wo sich der Nebel lichtet um Merkels angebliche Atomwende wird deutlich, dass die Bundesregierung alles andere als bereit ist für einen schnellen Automausstieg. Sie tut derzeit alles um diesen zu verhindern. Das wichtigste scheint dabei der Bevölkerung das Gefühl zu geben, sie werde mit ihren Sorgen ernst genommen und alles werde noch einmal überprüft.  Aber wie ich und viele andere schon von Anfang des Moratoriums an schrieben: Es gibt keine neuen Erkenntnisse: In Fukushima ist ein Szenario eingetreten, dass immer realistisch war. Das bezieht sich vor allem auf die Folgen. Der Weg hin zu einem GAU kann unterschiedlich sein. Es geht bei der Atomkraft mehr um die möglichen Folgen bei einem Störfall, als darum wie gut man weiß wie es zu Störfällen kommt. Die sind und waren nie ausgeschlossen. Das beweisen u.a. Tschernobyl, Harrisburg jetzt Fukushima. Dabei hat Japan vielleicht noch Glück gehabt, dass es scheinbar nur ein Atomkraftwerk so hart erwischt hat. Nicht auszudenken, was wäre, wenn es 20 Atomkraftwerke wären die gleichzeitig diese Probleme machen würden.

Ernüchtern ist auch wie in Tschernobyl, mit welchen Mitteln am Ende auf diese Krisen reagiert wird. Da müssen die die Arbeiter ihre Schutzanzüge selber mit Klebeband dichtkleben. Von den Arbeitern wird verlangt, dass sie quasi ihr Leben opfern zum Wohle aller. Das ist die Realität. Und dabei gilt es zu beachten, dass es keine ungefährliche Strahlendosis gibt. Ja selbst die natürliche, radioaktive Strahlung ist gefährlich.

Am nächsten Sonntag könnten einige Grundlagen gelegt werden für das Aus der Atomenergie in Deutschland. Natürlich muss  das mit  dem Druck von der Straße auch sichergestellt werden.

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