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Archiv für die Kategorie ‘Sexismus’

Sexismus in unserer Gesellschaft – Brüderle /QUED

Januar 27, 2013 2 Kommentare
Deutsch: Rainer Brüderle

Deutsch: Rainer Brüderle (Photo credit: Wikipedia)

Es ist schon bezeichnend, was man alles so liest zum Thema Sexismus und  Brüderle. Da geht ein Riss durch die Gesellschaft. Für die einen ist die ganze Debatte absolut absurd, weil ja “Gar nichts passiert ist”, bzw. sehen sie sogar, dass Sexismus banalisiert würde (Broder). Manche Journalistin gibt pauschal den Frauen schuld, wenn sie nicht adäquat reagieren. Der Mann kann da offenbar gar nichts falsch machen?

Wenn Frau Betroffene sexueller Belästigung ist, muss sie offenbar aus Sicht mancher irgendwas falsch gemacht haben. Ich musste da an den Film “The Accused/Angeklagt” aus 1988 mit Jodie Foster denken:

Ich denke es macht gar keinen Unterschied wie schwer es wiegt, was z.B. ein Mann tut. Immer finden sich Menschen, die die Aktion oder Tat rechtfertigen oder relativieren. Der Betroffenen einen Mitschuld zuzusprechen ist dabei ein häufig vorkommendes Muster.

Wer jetzt Brüderle Sexismus absprechen will, der tut nur denen einen Gefallen, die weiter ihren Sexismus praktizieren wollen. Nein Brüderle hat weder vergewaltigt noch kam es in den beschriebenen Fällen zu einer Sexuellen Nötigung. Auch gibt es im Bereich des sprachlichen Sexismus sicher schlimmere Fälle, als das, was die Journalistin Himmelreich hier notierte.

Darum geht es aber gar nicht: Es geht zum einen ganz konkret um den Mann, den Politiker, den Kandidaten Rainer Brüderle. Zum anderen geht es darum, wofür sein Verhalten steht.

Meine Vermutung ist, dass viele Kritiker des Sterns ein ähnliches Verhalten selber an den Tag legen oder für ganz normal halten. Manche weisen auch darauf hin, dass man die eigenen Privilegien (z.B. als Mann) oftmals gar nicht sieht, weil sie für einen normal sind. So wird es sich auch mit solchen Grenzüberschreitungen verhalten: Herr Brüderle bewegt sich ganz normal in seinem Verständnis. Und diejenigen Frauen und Männer, die ihm beispringen, für die ist das auch ganz normal.  Sexismus ist ja eben auch alltäglich und nicht die Ausnahme. Ganz nebenbei ist keiner von uns davon frei, auch ich nicht.

Manche zeichnen auch ein Horrorbild der Zukunft, in einer Welt ohne Sexismen. Die wäre ihrer Meinung nach so:

  • Männer und Frauen dürfen nicht mehr miteinander reden
  • Gegenseitige Attraktion wäre verboten

Eine erschreckende Vision. Wie um alles in der Welt kommt man darauf, dass es nur so geht: Entweder verbale Übergriffe und Anzüglichkeiten oder gar nicht mehr miteinander reden? Was für ein schreckliches Menschenbild haben die Menschen? Sind das alles Menschen mit extremen Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit und Beziehung?

Diese Vision ist genau so dumm, wie zu behaupten, dass man Ausländer*innen oder Migrant*innen entweder beleidigen kann oder man kann nicht mit ihnen reden.

Sprich die betroffenen Gruppe muss froh sein, dass sie überhaupt wahrgenommen und angesprochen wird, weil sonst nur die totale gesellschaftliche Ausgrenzung bleibt. So wird Sexismus nicht mehr nur zum alltäglichen Ärgernis, sondern umdefiniert zur unabdingbaren Voraussetzung on Kommunikation und somit zur Existenz in unserer Gesellschaft.

Und deswegen gehts mir ehrlich mit vielen Kommentaren und manchen Diskussionen, die pro Brüderle sprechen so, dass mir Herr Brüderle fast leid tut solche Fürsprecher zu haben. Denn so schlimm wie so mancher Kommentar ist selbst Brüderle nicht. Ich glaube z.B. nicht, dass Brüderle Frauen ihre gesellschaftliche Existenz absprechen wollen würde, wenn sie sich seinen Avancen auf rüde Weise entziehen. Ganz im Gegenteil von manchen Männern und Frauen.

Da wird zum einen Teil beklagt,  dass sich Frauen ja wehren sollen. Tun sie dies aber vor Ort und deutlich gelten sie schnell als zickig und prüde. Tun sie es laut und deutlich öffentlich, wie Frau Himmelreich, so ist das auch nicht ok. Frauen sollen also still sein. Viele beklagen, dass man das ganze doch privat und leise klären kann. Mein Eindruck von Brüderle war aber, dass er an dem Abend die stille Grenzziehung von Frau Himmelreich nicht akzeptiert hat. Und offenbar weder vorher noch nachher bei anderen Frauen auch nicht.

Es ist beschämend, wenn Politiker wie Edathy, der mir durchaus durch den NSU-Ausschuß etwas sympathisch geworden war, sich genötigt fühlen einem sabernden, geilen Altpolitiker beizuspringen und dafür die Medien und damit auch betroffenen Frauen anzugreifen.

Die #aufschrei-Welle auf Twitter hat deutlich gezeigt, wie normal die Brüderles unter uns sind. Auch diese Welle stieß auf Kritik und vor allem Ignoranz. Sexismus ist zwar alltäglich, wird aber negiert und oft als Erfindung dargestellt. Damit soll er offenbar unsichtbar gehalten werden.

Ich finde daher so wichtig und toll, dass sich einige Journalist*innen und Twitter*innen trauen da etwas öffentlich zu machen, was im Grunde alltäglich ist. Alle nehmen dabei in Kauf, dadurch Nachteile zu erfahren. Wohingegen die Brüderles und Broders darauf hoffen können, dass sie den Sturm unbeschadet überstehen.

Mir sind diese stumpfen Geschlechtsgenossen, die nichts sehen wollen und gerade ein Vorurteil nach dem anderen Gegen Männer bestätigen mächtig peinlich, weil sie mich als Mann beleidigen. Wir sind natürlich alle nicht frei von Fehlern, aber damit sollte es anfangen: Ein wenig Selbstreflexion und nicht diejenigen anzugreifen, die betroffen sind. Niemand erwartet ja gleich die vollkommene Einsicht. Aber was man da zur Zeit liest ist einfach nur peinlich und man glaubt manchmal wir wären in Deutschland in den 50er Jahren stehengeblieben.

Brüderle-Debatte sehr wichtig

Januar 25, 2013 3 Kommentare

Selten hat in Deutschland Sexismus mal die Aufmerksamkeit, die er jetzt hat. Brüderle sei dank! ;-) Natürlich ist das, was im STERN und in der SPIEGEL geschrieben wird nicht ungewöhnlich. Aber genau das ist ja das Problem!

Wenn man sich das Gespräch zwischen Ulrike Demmer im Gespräch mit Stephan Karkowsky im Deutschlandfunk genau anhört, kann man hören, was da aber oft nicht stimmt. Da verwechselt Herr Karkowsky mehrfach dumpfe Anmache mit “Flirten”. Nein, das ist nicht das selbe.

Und wenn  beide nach Rechtfertigungen für Brüderle suchen frage ich mich auch, wieso. Das er “aus einer anderen Zeit kommt”, das er “aus dem Land der Weinköniginnen kommt”.

Aber wie sprechen hier ja nicht über “Opa Rainer”, der ein wenig seltsam ist und um den Frauen in der Familie einen Bogen machen. Es handelt sich um den neuen designierten Spitzenkandidaten der FDP. Ein Mann, der richtungsweisende Entscheidungen im Land mittragen und gestalten soll. Und genau das ist für mich auch Begründung genug Geschichten von vor einem Jahr aufzuwärmen. Von mir aus auch von vor 10 Jahren.

Wir wollen nicht über die Qualifikation und den Charakter von Spitzenleuten reden? Interessant. Oder gehts hier eher um den Tabubruch: Das alles nicht-politische privat ist und man nicht darüber berichtet. Bisher galt wohl für Politiker in Berlin: Feuer frei. Insbesondere für alles hinter der zweiten Reihe, wenn man die Kritik der FDP an der Veröffentlichung anschaut. Da wird der Zeitpunkt kritisiert. Natürlich macht der STERN so eine Geschichte nicht zu jedem abgewrackten Provinzpolitiker. Die FDP hat eigentlich entschieden,  den Charakter  Brüderle ins öffentliche Licht zu rücken. Die FDP hat beschlossen, trotz des sicher vorhandenen eigenen Wissens zu dessem Charakter, diesen Mann als Führungsfigur zu etablieren. Und nun beschwert man sich, wenn sein Charakter gewogen wird?

Nein, man schreibt nur über Hinterbänkler aber auf gar keinen Fall über Leute, die in die Erste Reihe aufrücken? Was für ein Humbug!

 

Sexismus-Vorwürfe gegen Piraten bei Tagesschau angekommen

Schon lustig, wenn man vor Jahren mal eine Sexismus-Diskussion (Juli 2009) angestoßen hat und dann nach drei Jahren sieht, wie sie in der Tagesschau ankommt:


Dabei fing ich gerade wieder an sie sympathisch zu finden durch die ganzen bescheuerten Angriffe von anderen Parteien. Die greifen nämlich ausgerechnet die einzig guten Elemente der Piraten an, während sie deren Normalität und negativen Tendenzen als gewöhnlich gar nicht beachten.

Ausgerechnet bei der Urheberrechtsfrage könnte ich ja fast 100% d’accord gehen.

Früher waren die Piraten ja mal meine Lieblingsfeinde, sind aber zunehmend langweilig geworden. Naja mal sehen was jetzt abgeht. Auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt der JuPis das Thema aufzubringen, das bringt bestimmt einige Minus-Prozentpunkte ;-)

TAZ: “Schämt euch, ihr Schlampen!”

Juli 10, 2011 1 Kommentar

Da will mal wieder jemand witzig sein:

Trikottausch 14: Teamcheck Objektiv: Schämt euch, ihr Schlampen! – taz.de.

Denis Yücel ist aber nicht witzig, sondern einfach nur sexistisch. Und viele Kommentatoren denken: In der entsprechenden Rubrik ist ALLES erlaubt oder wer Sexismus kritisiert sei einfach nur humorlos.

Ich denke aber das Gegenteil: Eben so eine Denke – die eine absolute Zügellosigkeit beim Sexismus propagiert verkennt die Lage! Sexismus ist eben nicht einfach nur ein sprachlicher Ausrutscher, sondern immer auch Wegbereiter für Gewalt gegen Frauen. Daher kann man das eben nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Was heir eher durchkommt ist die Meinung, dass es hier ja “NUR” um Frauen und Frauenfußball geht  – also wozu die Aufregung? Ein solcher Artikel wäre selbst als Satire im Männerfußball undenkbar! Man würde das einfach so nicht schreiben, weil Sexismus gegen Männer einfach nicht so gut in bestehende Muster passt. Der Artikel besagt: Frauen sind eh midnerwertig, also entwerte ich sie weiter.

Damit ist er aber in meinen Augen noch viel verwerflicher als manch ein sexistischer Ausrutscher in nicht-satirischen Artikeln. Es ist davon abgesehen genau so platt und schlecht wie die Reduzierung der Kanzlerin Merkel auf ihr Frausein bei manchem Kabarettisten, dem zu ihrer Politik nix intelligentes einfällt.

 

Leutnant Dino zieht ab

Juli 7, 2011 9 Kommentare

Unter Spektakuläre Wende im Fall Don Dödel berichtet Isi:

Don Dödel hat auf seinem privaten Internetblog unter dem Jubel anderer Dödel die Anschrift eines Frauenhauses veröffentlicht. In Frauenhäuser würden von lügenden Müttern die Kinder den Vätern wegentführt. Es sei ein Recht der Männer zu wissen, wo die Frauenhäuser zu finden sind. Wegen der Kinder. Das genannte Frauenhaus erwirkte eine einstweilige Verfügung zur Entfernung der Daten und setzte sich durch. Logisch. Don Dödel legte aber “Berufung” ein, beantragte ein noch hübscheres Gesicht, eine Sänfte in das zuständige Amtsgericht und Erdbeereis für alle diskriminierten Männer. Der Richter am Amtsgericht lehnte Dödels “Berufung” ab. Auch Prozesskostenhilfe bekam er keine. Don lehnte den Richter ab, befangen sei der, meinte unser Held. Der Richter lehnte nun auch den Befangenheitsantrag ab und Don Dödel beweint die “offensichtliche bösartige Parteilichkeit zu seinem Nachteil”. Ein Held sei er trotzdem, sagen seine Leser und feiern fröhlich seinen Untergang.

Yippieh!

Gemein ist nicht “Leutnant Dino” gegen, den Isi auch Klage führt und der seine Seiten offline genommen hat. Am nächsten Freitag soll dann die Urteilsverkündung sein. Ich drücke Isi natürlich die Daumen, aber bisher siehts eh schon ganz gut aus. Anifeministen und Sexisten muss man schlagen, wo man kann.

Als Begründung führe ich an, dass Antifeminismus eben alles ist, nur keine emanzipatorische Bewegung. Fundamental versuchen sie die Argumente des Feminismus umzudrehen unter der Behauptung die Männer irgendwie befreien zu müssen oder zu wollen. Dabei verhaften sie aber primär in alten Denkmustern. Antifeministen beziehen sich oft auf faschistisch anmutende Weltbilder. für sie sind oft Frauen schmutzig und böse. Nix neues. Früher haben die Männer auch gerne Frauen als hysterisch abgestempelt und eingesperrt. Diese Welt wünschen sich die Dinos dieser Welt zurück. Back to Mesozoikum?

Nein, wir brauchen keine Dinos. die sind ausgestorben und das ist auch gut so. Kein Jurassic Park mit Antifeministen! Obwohl sie mir eingesperrt schon mal besser gefallen. Ausgestorben aber sind sie mir am liebsten:

„Neues aus der Anstalt“ kann Sexismus nicht überwinden

Februar 24, 2011 3 Kommentare

ich nehme an, dass nicht nur ich mich über die Sendung von „Neues aus der Anstalt“ vom 25.01. beschwert hatte. In der neuen Sendung vom 22.02.2011 (Video) griff man das Thema Frauen, Weiblichkeit, Frauenquoten, … auf.

Der Anfang:

Die interessanten Passagen kommen hier oder hier .

Aber über Plattitüden und Vorurteilen ist man nicht hinausgekommen.  Wie z.B. der Spruch zu “Mond/Möndin”. Klingt alles nach Männern mit Minderwertigkeitskomplex. Da hilft auch die Quotenfrau Monika Gruber nichts, die zu den Herren keinen Kontrapunkt setzt. Alles nur seichte Unterhaltung mit wenig  Biss. Ein wenig Vorurteile drüber, fertig ist das Kabarett. Ne tut mir leid, das ist mir zu wenig – und gleichzeitig vom Schlechten zu viel!

Manche Männer kapierens halt nicht: Es geht bei der Kritik gegen Sexismus nicht darum, das Männer weiblicher werden soll. Ein Mann muss sich nicht dadurch beweisen, dass er Frauen hasst und beleidigt. Von mir aus sollen sie ruhig die eine oder andere Übertreibung im Feminismus angreifen – aber dann bitte mit Niveau und auch da wo es passt. Mit dem Stammtischniveau kann ich allerdings wenig anfangen.

 

Forschungsbericht: Bundeswehr Ort eigenwilliger Umgangsformen

Jede 20. Frau in der Bundeswehr wird vergewaltigt. Die Mehrheit, rund 58% berichten von sexistischen Bemerkungen, berichtet eine Studie mit dem seltsamen Titel “Truppenbild mit Dame”. Dies berichtet Tanja Kreil in der TAZ von heute. Und schließt mit dem Satz “Tanja Kreil war übrigens nie bei der Bundeswehr.

Wundern kann uns das nicht. Militär und Krieg sind eine traditionelle Männerdomäne. Wäre es nur nach den Frauen gegangen, hätten wahrscheinlich viele Kriege gar nicht stattgefunden. In Armeen wird Männlichkeit abgefeiert, wie sonst wohl an kaum einen Ort. Dort ist Töten und Gewalt cool. “Soldaten sind Mörder” sagte Tucholsky. Ich habe da die Aufregung von Soldaten über so eine einfache Tatsache nie verstanden. Ihr lernt doch, wie man tötet? Ihr werdet doch in fremde Länder geschickt um eben dies zu tun. Ok, natürlich – Frieden sichern…. aber ja nicht mit Verhandlungen, sondern mit Waffengewalt. Armeen sind eben kein Männergesangsverein. Die Waffen, die da verfügbar sind, sind absolut tödlich und gefährlich. Und wenn man das ausspricht, ist es schlimm?

Heiliger Assange

Dezember 8, 2010 5 Kommentare

Ich wollte eigentlich nichts schreiben, bis sich der Nebel nicht weiter gelichtet hat. Aber da alle möglichen Blogger (und da vor allem Männer), jetzt grade wieder telepolis es nicht lassen können ihrem Helden beiseite zu springen möchte ich auf einige Aspekte eingehen:

Zu gutem Sex gehört auch das gegenseitige Einverständnis der beiden Geschlechtspartner. Gesetzlich und gesellschaftlich wurde das lange Jahre anders gesehen. Vergewaltigung in der Ehe war in Deutschland nicht strafbar und noch immer glauben viele ein Mann könne sich beim Sex alles erlauben, sofern die Frau denn erst mal grundsätzlich eingewilligt hat. Dass sie dann aber ihre Meinung ändern könnte oder nicht jeden Scheiss akzeptiert – und dass dann die Mißachtung ihrer Grenzen als sexueller Mißbrauch oder Vergewaltigung zu interpretieren ist, sollte eigentlich klar sein.

Viele können es nicht lassen ihren Schmutz auf die beiden Frauen abzuladen. Und dahinter steht für mich eher ein Denken wie: „Assange ist ein Mann und der Held der Geschichte, es kann einfach nicht sein, dass er gefehlt hat!“ – Wir waren alle nicht dabei. Ich muss da auch nicht jedes Detail wissen.

Offenbar lebt Assange in den Augen vieler Blogger/Hacker den modernen Männertraum (Florian Rötzer auf telepolis):

Liest man, was die Daily Mail aus den Polizeiberichten [extern] erzählt, dann wird die ganze Angelegenheit noch konfuser und zu amourösen Liebschaften, die sich ergeben, wenn hübsche, Prominenz bewundernde Frauen auf einen jungen Mann treffen, der Weltruhm genießt und sich entsprechend wichtig nimmt – und sexuell attraktiv. Und dann auch noch, dass Assange nicht nur zwischen den Frauen wechselte, sondern auch den Computer als wichtiger betrachtete als die Frauen.

… und ist insofern unfehlbarer als der Papst.

Für mich siehts so aus, dass ich es für eher unwahrscheinlich halte, dass sich Frauen solche Geschichten ausdenken und sich freiwillig in das Kreuzfeuer der Medien begeben. Ausschließen kann man ja nix – aber die Bloggerkollegen schließen jetzt schon eines aus: Das Assange hier in irgendeiner weise einen Fehler gemacht hat. Im Gegenteil – sie bewundern ihn jetzt schon dafür, wie scheisse er sich den Frauen gegenüber verhalten hat. Man kennt das ja auch vom Fall Kachelmann. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung aber die Frauen die die Anzeige erstatten sind von Anfang an  schuldig ? Komisches Verständnis und leider allzu durchschaubar sexistisch.

Netizens Mainstream

November 30, 2010 6 Kommentare

Anhand einiger Artikel zum Jugendmedienstaatsvertrag sieht man sehr gut, wie der Fokus vieler Netizens sehr einseitig ausgerichtet ist. Wie z.B. Swen Wackers Rant im Landesblog.

Fakt ist, dass der derzeitige Entwurf wohl noch unausgegoren ist. Aber was ist daran besonders? In Deutschland ist auch defakto das Asylrecht abgeschafft, aber es kümmert wenige. Die Vereinigungsfreiheit/Koalitionsfreiheit sollte abgeschafft werden und es hat auch kaum jemand interessiert außer linksradikale Gewerkschafter.

Aber wenns drum geht, dass einige Blogs vielleicht irgendwie ihre Inhalte kennzeichnen sollen wird der Weltuntergang beschworen. Oder wenns mal wieder ums Urheberrecht geht und die Enquetekommission im Bundestag. Das Gleiche. Zweierlei Maß. Gegen Zensur: Klar.

Mittlerweile werden meine Kommentare und Artikel auf immer mehr Blogs gesperrt/zensiert. Und das gerade au Blogs in denen mit wehenden Fahnen gegen Zensur gewettert wird. Auch hier: Zweierlei Maß.

Unter dem Strich betrachtet sind viele Netizens derart in ihrem eigenen Mainstream gefangen und in dem Glauben an die Gerechtigkeit ihrer eigenen Sache, dass sie ohne weiteres mit den Mitteln ihrer Gegner arbeiten und argumentieren, nur um Recht zu behalten.

Bei den Piraten z.B. gibt es viele, die die Emanzipation der Frau am liebsten zurückdrehen würden, weil sie ihnen zu weit geht. Damit aber verhalten sie sich fundamental antiemanzipatorisch und gegen die Grundrechte. Dennoch meinen sie sich als Vorkämpfer der Grundrechte etablieren zu können.

Grundrechte, Demokratie. Das sind alles nur Schlagwörter, die jeder nach Belieben verwendet. So mancher glaubt, wenn er IRGENDEINE Partei wählt bei einer Wahl, mit seiner Stimme die Demokratie zu stärken. Mehr jedenfalls, als jemand der sagt “NONE OF THE ABOVE“. Das aber wiederum ist in vielerlei Hinsicht eine unsinnige Auffassung. das ist so, als wenn man sagt man müsse aus einer Auswahl von fünf schlechten Autos immer EINES wählen, weil man nur dadurch die Qualität von Autos steigern würde. Das Gegenteil erscheint aber sinnvoller: Wenn wir uns beim Kaufen oder bei Wahlen zurückhalten sind wir anspruchsvoll und fordern mehr als das, was geboten wird. Und letztendlich sind Wahlen nicht das einzige Mitteln um politisch aktiv zu werden. Im Gegenteil. Wahlen sind einfach. Stimme abgeben, nach Hause gehen. Das DAS demokratische Kultur ist, wird uns seit Jahrzehnten von den Mainstreammedien eingeredet. Genau so wie es angeblich von besonderer Kultur zeugt, wenn man in irgendeiner der Mainstream-Parteien eintritt. Auch egal welche.

Wem alles so egal ist – Hautpsache man wählt oder Hauptsache man ist Mitglied einer etablierten Partei, der muss sich nicht wundern, wenn am Ende IRGEND WAS rauskommt.

Siehe auch GRÜNE, Hamburg-Moorburg, Kohlekraftwerk Moorburg. Jemand der Mitglied der GRÜNEN ist und diese auch wählt wegen ihrer Energiepolitik und dann das mitträgt, trägt für die Politik der Hamburger GRÜNEN Mitverantwortung. Denn er hat ihnen seine Stimme gegeben. Ihnen Vertrauen geschenkt.

Politik ist immer ein Kompromiss. Der Parlamentarismus treibt jedoch immer wieder seltene Blüten und ist mit einer echten Basisdemokratie unvereinbar. Wahlen sind dabei nur das Feigenblatt, dass das Bild schönt und doch hilft das Falsche zu etablieren.

Über die Bedeutung von Sexismus und Feminismus

November 2, 2010 14 Kommentare

Nach den Ereignissen der letzten Tage und natürlich auch schon davor hat sich bei mir noch einmal der Bedarf eingestellt zu Sexismus und Feminismus zu reflektieren.

Was ich immer wieder feststelle ist, dass Antisexismus oder auch Feminismus in vielen Augen, gerade natürlich der meiner Geschlechtsgenossen, als nicht wichtig dargestellt wird. Vor einiger Zeit hatte ich ja zu dem Thema schon einige Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der Piratenpartei. Aber was nicht erstaunt: Sexismus ist überall!

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass Sexismus als solches nicht geringfügiger einzustufen ist als Rassismus. Allerdings findet man in so manchem pseudolinken Blog zwar eine scharfe Distanzierung von Rassismus – nur beim Sexismus wird oft und gerne mal die Sau rausgelassen. Wie z.B. Hartmut Finkeldey:

Veranlasst wurde ich von Roberto de Lapuente, also Isis Haßobjekt Nummer eins (die will ja, dass ich ihr n Kind mach: Wird nix, Isi. Biste zu häßlich für! Zu dumm sowieso). Der hats würdig beantwortet. Auch ich stelle klar: Mit Frustinetten-Linken, die abfrusten, weil ihr Lebensplan nicht aufging und sie nicht die Traute haben, offen gegen die untragbaren Zustände hier vorzugehen, die deswegen als Internet-Anonymas Gift spritzen nicht gegen Rechts, sondern gegen die eigenen Genossinnen und Genossen, mit solchen setze ich mich nicht mehr auseinander. Zumal, wenn ich zufällig genau weiß, wie angepasst – zum Teil staatlich gefördert – die ihr Geld verdienen.

Bei anderen Bloggern ist es subtiler und durch Auslassungen sichtbar, wie bei binsenbrenner.de “Der Tenor ist stets derselbe – wir haben, mit Verlaub, die Schnauze voll von Krieg, Rassismus und Sozialabbau und wir werden dem nicht weiter tatenlos zusehen.” Der Autor Markus Weber fordert dabei eher die natürliche Unterwürfigkeit der Frau, die sich nicht männlich benehmen soll. So etwas von Männern zu fordern wäre aus solcher Männer Sicht sicher ungehörig. Denn Männer wussten es ja immer schon besser als Frauen, was für die gut ist.

Und so erntet man beim Sexismus-Vorwurf oftmals Unverständnis und Ablehnung. Das ist im übrigen bei anderen Feldern genau so. Niemand bezeichnet sich selbst gerne als Rassist oder Antisemit. Da heisst es dann: “Man wird ja noch Israel kritisieren dürfen” oder “Ich habe nichts gegen Ausländer, aber das geht alles zu weit, da hat Sarrazin recht”. Auch Rassisten fordern Unterwerfung.

Rassismus und Sexismus gemein sind die immanenten Herrschaftsprinzipien. Nur das Geringwertigere ist gut unterdrückbar. Es ist nur einer gewissen political correctness geschuldet, dass so wenige Menschen sich klar zu ihren -Ismen bekennen. Denn die Anerkennung dessen bedeutet (noch) auch ein gesellschaftliches Abseits aus dem man sich natürlich so schnell wie möglich herausbewegen will.

Es sind nicht immer die direkten Attacken, die körperliche Gewalt, die die Verhältnisse schaft, die ich beklage, sondern oft liegt es einige Etagen tiefer: Sexismus ist ganz tief in uns allen verwurzelt. Da macht niemand eine Ausnahme. Und man legt das nicht ab wie einen Mantel.

Die feinere Art des aktiven Sexismus kann man an der Leugnung der Problematik erkennen und am Angriff auf den Feminismus. Sexismus wird in der Öffentlichkeit oftmals immer noch als nicht-existent deklariert. Dabei umgibt er uns alltäglich. In der Werbung, in der Sprache, in den Medien im allgemeinen. Es geht hier immer um Abwertung und Kontrolle. Um Fremdbestimmung und dem Schutz der bestehenden Verhältnisse.

Zieht man da einmal die Decke weg, so wirds oft mal hässlich. weil der schöne Schein in Gefahr ist. Daher wird meist nicht nüchtern geantwortet, sondern sehr emotional. So hat mir Frank Benedikt per Mail erklärt ich hätte mir jetzt einen Krieg aufgehalst und würde mächtig Prügel beziehen. Der Bloggerin Isi schrieb er, dass er ihr bitter rausgeben werde.

Ein anderes wiederkehrendes Element vieler dieser männerdominierter Blogs ist, dass es oft auf einen digitalen Schwanzlängenvergleich hinausläuft. In meinem Blog kommentierte Benedikt z.B. “Da meine Position die des materiell wie idealistisch deutlich Stärkeren ist, bin ich weiter bereit, eine Hand auszustrecken und eine ruhige Diskussion zu suchen, denn die Linke muß vorankommen.” Auch an anderen Stellen im Internet findet man eine derartige Überheblichkeit. Offenbar sind da manchen Herren ihre Klickraten zu Kopf gestiegen. Doch Hochmut kommt vor dem Fall! Auch die Piraten haben sich in ihrem Erfolg gesonnt und gemeint meine Kritik ignorieren zu können, weil ich weniger als 1000 Follower habe. Die feiern sich sogar heute noch als Partei des größten Twitter-Zuwachses unter den Piratenparteien. Ich denke da oft seufzend “Männer!” – leider ists nicht weit her mit meinen Geschlechtsgenossen und ihrer Kritikfähigkeit. Nach den Piraten kräht mittlerweile kein Hahn mehr. Und ihr eigener Oberbürgermeisterkandidaten-Hahn in Flensburg hat es in der ersten Runde geschafft mit 0,9% als letzter durchs Ziel zu kommen.

Da gibt es viele Parallelen. Selbstherrlichkeit, Selbstüberschätzung und mangelnde Sensibilität. Der Übergang zu offen antiemanzipatorischer Politik ist da dann fließend.

Das kommt dann, wenn man bestimmte Grundrechte nicht anerkennt. Wenn man z.B. den Feminismus nicht als wichtige Befreiungsbewegung anerkennt und insgeheim von einer Rückkehr zur guten alten Zeit der Männerherrschaft träumt.

Das Internet führt dabei Meinungen zusammen, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Was dabei total irre ist, ist die Argumentation, dass man die ganzen Differenzen am besten unter den Teppich kehrt und damit dann eine vereinte linke “Volksfront” schaffen könnte.

Anarchosyndikalisten gehen weniger davon aus, dass die Lösung in dem Folgen hinter einer gemeinsamen größeren Leitidee liegt, sondern darin, dass sich die Unterdrückten selbst organisieren und mit Direkten Aktionen Tatsachen schaffen. Bündnisse dienen dabei allzu oft der Verwässerung der eigenen Interesse – und Stellvertreter unser Interessen dienen auch und vor allem sich selbst. Wer meine dem größeren Ganzen zu dienen und u.a. meine Interessen zu vertreten, dem schlägt meine ganze Skepsis ins  Gesicht. Allzu oft ist das Abgeben oder Unterlassen der Kritik der erste Schritt zu politischen Fehlentwicklungen gewesen. Es ist meine feste Überzeugung, dass der einzige Weg der ist, bei seinen eigenen Interessen anzufangen und sich dann mit anderen zu organisieren – nicht zuallererst in strömungsübergreifenden Bündnissen, sondern dort wo einem der eigene Schuh drückt – und abseits zentralistischer Organisationen. Wir brauchen keine Blog-Kasper, die uns vormachen wie wir zu denken haben. So ist denn auch mein eigenes Blog nichts anderes als Ausdruck meiner selbst und keine Anleitung zum Denken, wie sich viele andere Blogs verstehen.

Mich interessiert eine vereinte Linke herzlich wenig. Mich interessiert welche Ziele Menschen tatsächlich verfolgen. Und welche Folgen ihr Treiben in der Realität hat. Blogs die Sexismus beheimaten gehören in meinen Augen jedenfalls nicht zu einem linken Spektrum, was ich tolerieren müsste. Wer hier anfängt zu tolerieren verrät in Wirklichkeit wesentliche linke Kritik!

s.a. “sorry ladies

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