Die Unterwanderung der Piratenpartei durch die Männerbewegung schreitet fort. Statt ein gemeinsames Forum für die vom Vorstand eingesetzte AG Gender einzurichten, wurde NACH dem Antrag der AG GENDER schneller noch ein Forum mit mehreren Unterforen(!) für eine dubiose AG 2G gegründet. Diese enthält AUSSCHLIESSLICH LESEGESCHÜTZTE Foren.
Das ist das Ende jeglicher transparenter parteiinterner Diskussion. Die Männer haben den Frauen verweigert ein einziges Unterforumzu haben, wo nur sie schreiben dürfen. Dafür haben sie es geschafft außer Konkurrenz eine ganze AG mit Unterforen zu errichten, die zum Großteil lesegeschützt sind für alle Piraten!!
Damit wird deutlich, dass meine bisherigen Vermutung des Versuches der Unterwanderung zutreffen. Leider sind einige Frauen so dämlich sich da als Alibi-Frauen missbrauchen zu lassen und somit dieser chauvinistischen AG noch einen gewissen Neutralitätsanstrich zu verpassen.
Das ist der soundsovielte Hinweis auf diverse Sachen, die bei den Piraten falsch laufen. Bisher ist die Partei mit wenigen Ausnahmen gar nicht bis nur sehr zaghaft diesen bedenklichen Tendenzen begegnet.
Man kann daher nur allen progressiven Kräften raten, sich von dieser dubiosen und chauvinistischen Partei fernzuhalten und ihr die Leigitimisierung nicht zu geben. für eine Trendumkehr hat die PP ganz offenbar keine Kraft mehr – das einzige was noch hilft ist die gesellschaftliche Isolation dieser Spinner.
Es gibt sicher auch immer noch vernünftige Leute in der PP – aber die werden auch bald merken, was gespielt wird. Bisher jedenfalls sehe ich da kein Aufstehen der progressiven Kräfte. Leider.
Nun hat sich in der Piratenpartei eine Frauen AG gegründet. Das könnte ein positives Signal sein, wäre nicht eine allgemeinere Gleichberechtigungs-AG daran gescheitert, dass einige Männer meinen eine AG gegen Männerdiskriminierung aufrecht erhalten zu müssen.
Die Männer AG scheint im wesentlichen darauf gerichtet zu sein Antiemanzipatorische Politik voranbringen zu wollen. Ein etwas kindisches „Wenn es eine AG Frauen gibt, muss es auch eine AG Männer geben“. Zudemm mussten die Foren da offenbar wegen Entgleisung bereits geschlossen werden.
Interessant finde ich, obwohl in meinem Blog immer wieder ein Hauptargument war, dass es nur Menschen gäbe, in dem Forum der Piraten jemand jetzt schreibt „Jede Benennung der AG ohne „Männer…“ – etwa mit verbrannten Umschreibungen wie „Gleichstellung“ würde nichts Anderes als die bekannte einseitige Frauenförderpolitik aller anderen Parteien befürchten lassen.“ Was machen wir daraus? Alle Menschen sind gleich, aber manche sind GLEICHER? Ein gemeinsames Forum wurde abgelehnt, weil manche Frauen offenbar nicht als gleichwertig genug akzeptieren, um mit ihnen auf gleicher Augenhöhe im selben Forum zu diskutieren.
Ich möchte an dieser Stelle einiges an Kritik an der PP zurücknehmen. Wenngleich die AG Männer meines Erachtens überflüssig ist, so finde ich es dennoch gut, dass sich die Piraten nun dem Thema grundsätzlich stellen. Bedauerlich, dass man sich aber für zwei AGs entschieden hat.
Das rechte Protagonisten des Schlages Arne Hoffmann, der Frauen für grundsätzlich dümmer als Männer höt, sich zu den Mitgliedern der Piraten Männer AG zählen, lässt auch tief blicken und aufhorchen.
Zu Männer-Rechten: Natürlich haben Männer die gleichen Rechte wie Frauen. Es geht nicht so sehr um das Recht, als um die grundsätzliche Situation. Es gibt viele Ungleichheiten und Benachteiligungen in unserer Gesellschaft. Dazu zählt sicher auch, dass so mancher Mann schief angesehen wird, wenn er Erziehungszeiten nimmt. Nein, das hat er nicht verdient. Und es ist ganz offenbar auch so, dass Jungen in der Schule inzwische benachteiligt sind. Ich bin der Erste der dafür ist, geeignete Maßnahmen zu ergreifen um da etwas zu unternehmen. Dennoch sind diese Einzelfälle mitnichten vergleichbar mit der wesentlichen Ungleichbehandlung von Frauen, die sich zeigt in:
Niederigeren Löhnen
Höherer Altersarmut
Höhere Opferzahlen körperlicher Gewalt
Alltäglicher Sexismus in Medien, auf der Straße, im Beruf,….
Geringerer Einfluss von Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft, Politik
…
Vieles, vieles. Demgegenüber gibt es bei Männern nur einige Benachteiligungen, die dann aber auch wiederum etwas mit Rollenbilder zutun haben. Meines Erachtens ist es auch ein großer Fehler, dass vor allem viele Männer denken beim Feminismus ginge es um einen Machtkampf zwischen Männern und Frauen. Das ist wiederum eine sehr männliche Sichtweise – hier wird dann oft die tägliche Unterdrückung von Frauen auf die Frauen proijiziert, die sich wehren und ihnen wird unterstellt, sie wollten die Männer unterwerfen.
Liebe Geschlechtsgenossen: Wie wenig Selbstbewusstsein habt ihr eigentlich, wenn ihr es nicht ertragt mit Frauen auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren? Und nur weil ihr kein Selbstbewusstsein habt, müsst ihr helfen, Frauen zu unterdrücken? Weak… Ich kann nur dazu raten keine Angst zu haben, Rollenbilder in Frage zu stellen und für die Gleichstellung aller Menschen einzutreten. Nur mit annähernd gleichen Chancen können wir davon träumen, fundamentale Grundrechte zu erfüllen. Wir dürfen eine Benachteiligung aufgrund von Merkmalen, die uns in die Wiege gelegt sind nicht dulden. Jedenfalls nicht über ein gewisses Maß hinaus. Da wir alle ja verschieden sind, können wir nicht alle alles gleichermaßen erreichen. Aber wir sollten versuchen Hindernisse und Schranken abzubauen, um jedem und jeder eine freie Entfaltung zu ermöglichen. Daran müssen wir arbeiten. Und ich hoffe, dass sich die Bewegung in der Piratenpartei fortsetzt, die diese findamentalen Rechte anerkennt. Und ich hoffe, das die Hardcore-Frauenhasserfraktion, die es da noch gibt – und die offenbar gerne die Piratenpartei als Männerpartei isntrumentalisieren wollte marginalisiert werden kann. Ich würde mich darüber freuen, wenn die Piraten es schaffen in diesem Themengebiet den Status der Pubertät zu überwinden und zu einer eigenen, reifen Überzeugung zu gelangen. Deren Haltung wird eine andere sein, als die der GRÜNEN, ganz klar – und das kann auch gut sein, wenn es gelingt. Letztlich haben die anderen Parteien mit ihrer Politik auch nicht die Diskriminierung überwunden – und in vielen Parteien, die formal eine Quote haben hat sich doch gleichzeitig ein Macho-Stil etabliert. Insofern beobachte ich weiter mit Spannung, wie sich das Thema in der PP weiter entwickeln wird.
Eigentlich war ich ja schon einige Beiträge weiter nach meinem Anfangsartikel Piratenpartei und Frauen. Und ich hielt das Ganze schon für vorerst abgeschlossen. Aber nun da telepolis noch mal in die gleich Kerbe hauen. Man glaubt ja, man habe es mit Klonen zu tun, wenn man folgenden Satz liest (habe ich den in den Kommentaren nicht fast wortgleich zig mal gelesen?)
…Willkommen im 21sten Jahrhundert (bzw. 3ten Jahrtausend), liebe GleichstellungskämpferInnen. Und gleichzeitig meine Gratulation dafür, liebe FeministInnen, dass euer Einsatz so reiche Früchte getragen hat.
Gleich in der ersten Dekade des jungen Jahrhunderts (bzw. Jahrtausends) hat sich nämlich eine Partei gebildet, die alles, wofür ihr gekämpft habt, als Selbverständlichkeit betrachtet. Natürlich sind Frauen und Männer gleichberechtigt, natürlich ist sexuelle Orientierung Privatsache. Und nur wenn man das nicht in jedem zweiten Nebensatz betont, heißt das nicht, dass man (als Pirat) sich in die gesellschaftliche Steinzeit zurückwünscht. Nein. Die Piraten sind die Folgegeneration der Bürgerrechtsbewegung und stellen sich zusätzlich der Herausforderung der digitalen Revolution, des Umbruchs unserer Gesellschaft, die gerade in ihre eigene Zukunft stürzt. In die Informationsära. Diese Herausforderung wird von der „alten“ Generation der BürgerrechtkämpferInnen (und hier sind alle Altersgruppen vertreten) mangels Verständnisses ihrer Tragweite nicht wahrgenommen. Deswegen musste auch eine eigene Partei her.
Soso, da kommt also ein Fritz Effenberg, der gut eine Generation älter ist, als ich und will MIR erklären, das ICH zur alten Generation von Bürgerrechtskämpfern zähle? Nein lieber Fritz, wenn hier einer von vorvorgestern bist, dann bist Du es. Ich selbst zähle zur Generation Amiga würde ich sagen – die, denen der C64 noch verweigert wurde (wieso braucht mein Sohn einen Computer?). Ich bin seit gut 1987 online, damals noch in BTX und Mailboxen. Als ich schon Software aus dem Internet runterlud haben mir meine Klassenkameraden (Generation C 64) noch erklärt, dass das technisch unmöglich sei. Ich gehöre zu der Generation, die noch die Mühen kennengelernt hat eine EMAIL zu senden und nicht zu wissen, ob die jemals ankommen wird.
Ich habe mit anderen in meiner Stadt, das erste digitale Stadtmagazin herausgegeben und verwende Creative Commons seit 2001 für meine Werke ein. Ich war jahrelang der einzige Mensch in meinem Bekanntenkreis, der überhaupt Email benutzt hat. Ich habe das Bürgernetz Schleswig-Holstein mitgegründet und damals schon (irgendwann in den 90ern) im Rahmen unseres Internet-Dienstages eine Veranstaltung mitorganisiert unter dem Titel „Braucht die Politik das Internet? Braucht das Internet die Politik?“ – thematisch waren wir damals schon dort, wo heute die Piraten zu denken anfangen. Und jetzt kommen irgendwelche Männer an, die die letzen Jahre nichts dazugelernt haben und wollen mir erzählen, was die Stunde geschlagen hat? Ich gehöre nicht zu denen, die ständig mit ihrer Lebenserfahrung rumwedeln, aber mir gehen diese pseudomodernen Machos mehr und mehr gegen den Strich. Im Gegensatz zu den Männern, die sich die alten Zeiten zurückwünschen habe ich mich eben weiterentwickelt und bin nicht beim Thema Internet und Computer stehen geblieben.
Nun kommen die Piraten und streichen die weibliche Form ihrer Mitglieder. Und da atmen einige Männer tief und erleichtert durch – denn wenn sie schon sonst Frauen nicht diskriminieren dürfen, so bietet ihnen diese Partei offenbar die willkommene Plattform ihre Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren – und die wenigen Frauen, die sich dem Votum unterordnen und Mitglieder geblieben sind stimmen da auch gerne ein. Genau, wir Frauen verzichten auf unsere Rechte, das ist wahre Freiheit!
Die Bürgerrechtsbewegung der 80er und 90er (a.k.a. „Grüne“) hat Unersetzliches für unsere Gesellschaft geleistet, muss aber jetzt einsehen, dass es neue Aufgaben zu lösen gilt. Gleichstellung und Umweltbewusstsein sollten zumindest innerhalb des Bürgerrechts-Milieus als Standard gelten. Und zur Überschrift dieses Beitrags: Eigentlich gibt es kein Problem zwischen Frauen und Piraten. Nur zwischen den beiden Generationen der Bürgerrechtsbewegung. Und auch hier nur, weil die ältere sich (wie immer) anstellt.
Was für ein hohles Geschwätz. Ich weiss nicht, was das Bürgerrechts-Milieu ist – die Piraten sind es sicher nicht. Und was soll das bedeuten, das es „Standard“ ist? Es gibt viele Besserverdienende, die mit ihren fetten SUVs zum Shoppen in den Ökoladen fahren. Ja, für die ist Ökologie auch „Standard“. Meine tägliche Erfahrung im Alltag sagt mir, das Umwelt und Gleichstellung immer noch aktuell und brennende Themen sind. Das einzige Problem sind Leute, die meinen das Ende der Geschichte erkannt zu haben. Seien es nun die Klimaverschwörer oder die „Es-gibt-keine-Diskriminierung“-Spinner (oder wie Leute wie Fritz, der offenbar auch an die Mondlandungsverschwörung glaubt). Ihnen allen zueigen ist die Negierung unbequemer Tatsachen. Wo man sich selbst und sein Verhalten etwa in Frage stellen muss. Aber nein, Selbstkritik ist ja sowas von vorgestern. Piratenpartei & Co haben es da viel leichter – hier kommt der Kernsatz noch mal „ eine Partei gebildet, die alles, wofür ihr gekämpft habt, als Selbverständlichkeit betrachtet“ Seht ihr – so einfach ist das – ihr blöden Feministinnen – man muss es einfach nur als Selbstverständlichkeit betrachten und schon verschwinden Probleme. So sollten Hungernde vielleicht auch einfach Wohlstand als Selbstverständlichkeit betrachten und schwupps, weg ist der Hunger!? Gleichberechtigung ist ebenso wenig selbstverständlich wie Demos ohne Polizeigewalt. Aber wahrscheinlich glauben manche, der Demonstrant müsse hier auch nur feste an die Gewaltfreiheit der Polizei glaube. Hey, wenn ihr ganz fest dran glaubt, verschwinden vielleicht sogar die entsprechenden Szenen vom Video?
Wie ich in anderen Beiträgen schon ausführte, ist der Ansatz einer Avantgarde und ein unbeirrter Fortschrittsglaube das eigentliche, was von vorgestern ist. die Rassenprobleme in den USA damals verschärften sich, bevor Bürgerrechtler zum Widerstand aufriefen. davon, das irgendwer etwas für selbstverständlich erklärt, ist noch gar nichts erreicht! Und was ich hier sehe ist der Versuch eine Verschlimmerung der Gleichberechtigung herbeizuführen, gespeist durch Ignoranz und Dummheit – und per selbsternanntem Elitenstatus. So meint man sich der Kritik insgesamt entziehen zu können. Alle die nicht kapieren, das die PP die Avantgarde sind, sind eben von vorgestern.
Woran erinnert mich das noch gleich? An die fanatische Begeisterung für Maos Ideen z.B.:
Ich sehe hier kaum Beiträge von kritisch denkenden Piraten, sondern sehr viel AOL/me too von Anhängern der PP. In dem Falle findet der Bezug eben nicht auf Mao statt, sondern auf eine Ideologie, die sich selbst als jenseitig der Kritikfähigkeit definiert. Revolutionär auf seine Art, aber m.E. auch brandgefährlich.
Aufgrund verschiedener Diskussionen mit Piraten bin ich auf ein Muster gestoßen, dass sich in verschiedenen Varianten wiederholt:
Im klassischen politischen Diskurs orientiert man sich zumeist an Ursache und Wirkung, z.B.:
Wenn Rechtsextreme Anschläge bergehen, so können sie als Verursacher identifiziert und zumindest in der Theorie sie und ihre Theorien auch öffentlich bekämpft werden.
Wenn Männer sexistisch sind, so erscheint es normalerweise legitim diesen Sexismus als unerwünscht zu brandmarken.
Bei den Piraten funktioniert das aber anders. Ich glaube das liegt an der traditionellen Nähe des Denkens zur amerikanischen Ausformung des „Freedom Of Speech“ das im 1. Zusatzarktikel zur US-Verfassung formuliert wurde. Von vielen Piraten wird daher jeglicher Meinungsäußerung eine höhere Toleranz gegenüber gebracht, als „allgemein üblich“.
Allerdings geht diese Toleranz mit extremen Angriffen gegen Menschen einher, die:
Rechtsextreme angreifen – oft werden Antifaschisten mit Faschisten gleichgesetzt und im Zuge dessen oft sogar als schlimmer angesehen. Mir erschien es sogar so, das für viele Piraten jeglicher Angriff udn Diffamierung auf Antifaschisten als legitim erscheint, während Rechtsextreme eher als Schutzbedürftige angesehen werden. Es scheint als besonders verdienstvoll zu gelten im übertragenen Sinne mit den Schmuddelkindern zu spielen, da man anhand der Toleranz gegenüber den Rechtsextremen am besten seine eigene Toleranz beweisen kann. Dies geht dann sogar oft weit über das hinaus, was unsere Verfassung tolerieren würde. Man würde da offenbar begrüßen, wenn unsere Verfassung sich an dem Punkt mehr amerikanisiert – und Nazis mehr Müll als bisher verbreiten könnten.
Feminististische Thesen, die die Gleichstellung von Mann und Frau zum Ziel haben, werden als diskriminierender angesehen, als die Diskriminierung der Frauen. Die Gleichheit versucht man dadurch herzustellen, das man sozusagen Waffengleichheit herstellt. Im wesentlichen bedeutet dies eine Sicherung des Status Quo, von der naturgemäß die Männer mehr profitieren würden und effektiv an vielen Orten weniger Frauen vertreten wären, bzw. die Einkommen weiter sinken etc. etc. – die Implikationen einer solche Politik werden negiert – bzw. die Existenz von Sexismus in unserer heutigen Welt auch.
Ein wenig erscheint das wie eine Vogel-Strauß-Politik: Es gibt keinen Rassismus, es gibt keinen Sexismus – wo gegen Gesetze verstoßen wird, soll bestraft werden, aber das wars dann auch.
Piraten sind sowieso recht staats- und verfassungsgläubig. Keine andere Partei scheint so gewissenhaft beim Aufhängen von Plakaten (s.a. Plakatfouls). Man glaubt das wenn sich nur alle schön an die Regeln halten, dass dann alles gut wird. Ok, man ist auch bereit auf Großdemos zu gehen Killer-Schach zu spielen oder an Flashmobs teilzunehmen. Aber eben entweder im gesitteten Rahmen in Wahrnehmung der staatlich verbrieften Rechte oder als PR-Aktion für die eigene Partei und deren Themen. Wenig zu spüren ist vom Geist des Kampfes für Bürgerrechte. Man will alles besser machen. Man will alles richtig machen. Und man will gerne alles anders machen. Dennoch geht es den Piraten im Wesentlichen aber um eine gesellschaftliche Anerkennung. Keine Kleinpartei war so gut bei der offiziellen Anerkennung für die Bundestagswahl. Dieses Bemühen und auch der naive Glaube, dass wenn man alles richtig macht auch alles gut enden wird ist Teil ihres Erfolgsrezeptes und ihrer Überzeugungskraft. Es KANN einfach nicht anders sein, als das sie in bester Absicht recht haben und auch ihre Ziele erreichen. Zum Teil wird das auch gelingen durch Selbstaffirmation und ein bis dato ungebrochenes Selbstbewusstsein. Im Gegensatz zu vielen Mitgliedern anderer Volksparteien glauben die Piraten oft sogar, was sie sagen. Woran soll ein SPD-Mitglied noch glauben? An Soziale Gerechtigkeit und gleichzeitig an die Richtigkeit von Hartz IV? Unmöglich.
Was gut und wichtig ist, ist das die Themen, die die Piraten auch vertreten zur Zeit stärker wahrgenommen werden. Das politische Establishment ist ähnlich verwirrt. wie damals bei dem Auftreten der GRÜNEN. Aber wo sind die GRÜNEN heute? Man sagt die Revolution frisst ihre Kinder. die Piratenpartei ist nicht langsam gewachsen. Man hat vor einiger Zeit noch vielerorts Kommunalwahlen ausfallen lassen, aber war dann kurze Zeit später zur Europawahl präsent. Die Untiefen der Kommunalpolitik sind nicht so ihr Ding. Die Ambitionen sind größer. Der angestrebte Sprung ist weit. Doch sie haben keine Strategie außer vielleicht einer Wahlkampfstrategie. Was z.B. wenn sie den Sprung ins Parlament schaffen und sogar die Option einer Regierungsbeteiligung bekommen? Dann müssten ideologische Lücken sehr schnell geschlossen werden, ebenso wie schmerzhafte Kompromisse. Die GRÜNEN haben sich unter Rot-GRÜN verraten und die Piraten würden das auch tun. Selbst wenn sie die politische Landschaft nachhaltig verändern werden. Ich denke nicht, das die Piraten eine Eintagsfliege sind. Ich denke sie werden genau so Teil des Systems werden, wie die GRÜNEN. D.h. sie werden im Kompromiss auch das Gegenteil von dem unterstützen, was sie sich zum Ziel gesetzt haben. Dies insbesondere, da sie mit zunehmendem Erfolg sich auch mehr Kritiker und Feinde heranziehen werden. Die Piraten sind bereits heute berechenbarer als die GRÜNEN damals. Die GRÜNEN hatten wenigstens einige zeitlang noch Leute, die einen Plan hatten, die auch systemkritisch dachten. Die Piraten sind heute schon zu brav, konservativ und angepasst – auch wenn sie sich gerne als rebellisch in Szene setzen: „Arrrr“ – das ich nicht lache. Denkt wirklich jemand, das man mit solchen Karnevals-Inszenierungen jemanden erschrecken kann? Die Piraten sind nicht die Clowns-Army . Und die Mitglieder sind ein bunter Haufen von Leuten, die oft nicht viel mehr verbindet als eine Affinität zum Internet und zu Piratenkostümen. So ein wenig politisches Blind Date. Von Ex-DVU bis Ex-GRÜNE und Ex-Linke findet man da aus jeder Partei etwas – Enttäuschte aller Parteien sammeln sich bei den Piraten. Der Wahlkampf, der Wahlkampf,… der kann viele ideologische Probleme überdecken. Ich weiss nicht was passiert, wenn dieser bunte Haufen sich wirklich mal versucht auf eine Linie zu einigen. Ich schätze am Ende kann es nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauslaufen. Radikale Forderungen werden da unter den Tisch fallen – und die Fraktion mit der größten Nähe zum Mainstream wird sich durchsetzen. Wären die Piraten keine Partei wären sie viel spannender und glaubwürdiger. Niemand erwartet von einer chaotischen Nerdorganisation, dass sie sich Gedanken zum Krieg in Afghanistan macht – aber von einer Partei, die Einfluss haben möchte nicht nur in der Opposition schon. Und da wirds dann oft schnell peinlich.
Werfen die Piraten Politikern und anderen gerne vor, sie wären rückständig, Internetausdrucker oder „so 20. Jahrhundert“, weil inkompetent beim Internet, so erscheinen sie in mancherlei Hinsicht sehr „19. Jahrhundert“, in dem sie eher aus Unkenntnis, denn aus intensiver Reflexion Diskurse negieren, die sich 100 Jahre oder länger entwickelt haben. Die Piraten sind nicht wirklich dekonstruktivistisch oder poststrukturalistisch. Sie fühlen sich auch gerne als Avantgarde. Auch nicht gerade ein postmodernes Konzept. Die Fahnen und der ganze Kult um das Piratensein sieht oft auch mehr als Zuflucht oder Orientierung für Orientierungslose aus. Wer braucht schon Fahnen und eine Zugehörigkeit, wenn er genug eigenes Selbstbewusstsein hat? Welche Lücken füllen die Piraten? Welche Projektionsfläche bieten sie ihren Mitgliedern? Gibt es auch Mitglieder, die ihre eigene Rolle in der Partei selbst reflektieren? Ich glaube die wenigsten.
Ich betrachte dennoch die Piraten mit einer gewissen Restsympathie, auch wenn ich mich von ihnen abgewandt habe aufgrund der o.g. Phänomene. Die Kernthemen sind wichtig – und sie gehören in die Öffentlichkeit. Leider gehen die in dem ganze Zirkus jetzt etwas unter. So manche Einzelaktion von Nicht-Piraten hat da evt. auch schon mehr bewirkt. Leider ist der Wahlkampf der Piraten nicht sehr anders zu den etablierten Parteien. Ich vermisse auch von ihnen veranstaltete Diskussionsveranstaltungen zu den neuen Themen. Die Inhalte kommen zu kurz, die Propaganda nicht.
Da Julia Seeliger in ihrem Blog einige Fragen zum Frauenanteil in der Piratenpartei (und andere) stellte, möchte ich das Ganze noch mal in diesem Blog aufgreifen.
Folgende Phänomene sind für mich interessant:
Der Frauenanteil ist bei der PP signifikant geringer als in anderen Parteien
Die Partei (also die Mehrhheit der Männer) hatte entschieden, dass es keine „Piratin“ gibt, sondern das nur als Neusprech „Pirat“ gilt. Es gibt also keine weibliche Form von Pirat.
Ich hatte selbst meine eigenen Erfahrungen gemacht, als ich das Thema Frauen bei den Piraten ansprach. Nun scheint den Piraten ihre bewusst antifeministische Politik auf die Füße zu fallen. Wenn Sie an der 5-Prozent-Hürde scheitern, dann kann man mit Sicherheit diese Dummheit dafür verantwortlich machen.
Zusammenfassend kann man sagen, das die PP den feministischen Diskurs für abgeschlossen hält, Gleichstellung sei erreicht und somit gäbe es keine Probleme mehr und jegliches Eingehen auf Frauen daher unnötig. Dahinter steckt meines Erachtens aber vielmehr einerseits Unwissenheit über die Hintergründe des feministischen Diskurses und andererseits simples Männer/Macho-Gehabe der alten Schule – nur in neuen Kleidern.
Was ich für extrem bedenklich halte ist, das ausgerechnet eine Partei, die gegen die 1984-isierung unserer Gesellschaft angetreten ist mit der Festlegung aud den Neusprech „Pirat“ genau das betreibt, was in dem Buch beschrieben wird. Daran sieht man, das dort nicht wirklich verstanden wurde, was an der Welt, die in 1984 beschrieben wird so bedenklich ist.
Sprache ist verräterisch – sie kann sich sowohl positiv wandeln – als auch missbrauch werden um bestimmte Ziele zu verfolgen. Lezteres hat die PP getan.
Bis sich hier und auch frauenpolitisch nichts tut, ist die Partei für mich und viele andere progressiv eingestellten Menschen absolut unwählbar. Ich bin schon länger politisch aktiv als es die Piratenpartei gibt. Die PP denkt, sie können alle vergangenen Diskurse komplett ignorieren und mit einem weissen Papier starten. Fakt ist aber, dass sie auf dem aufbaut, wofür viele Menschen sich seit Jahren und Jahrzehnten einsetzen. Es ist etwas verwirrend auf einmal eine Partei zu sehen, die viele der Themen aufgreift, die man seit längerem beackert – aber die so tut, als hätten sie die Themen erfunden. Und die auf der anderen Seite viele andere Themen komplett negiert. Insgesamt wirkt die Partei dadurch nicht sehr reif. Dies hat sicher auch damit zutun, das einerseits der Altersdurchschnitt jünger ist, als in anderen Parteien und leider auch damit, dass viele junge Männer Feminismus eher als Repression erleben und eben nicht als Befreiungsmethode (auch für sich selbst) entdeckt haben.
Die Piratenpartei ist schon ein lustiger Verein. Allgemein ist man dort gegen Neusprech. Man hat ja 1984 gelesen oder glaubt es zu kennen.
Genau DAS aber hat man sich selbst in die Satzung geschrieben:
Abschnitt A: Grundlagen
§ 1 – Name, Sitz und Tätigkeitsgebiet
…
(5) Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.
Laut Duden allerdings ist es durchaus möglich eine weibliche Form von Pirat zu bilden. Was also haben wir hier? Wieso haben die Piraten das gemacht?
Diese Regelung in der Satzung ist quasi antifeministisch. Laut Wikipedia werden in der Feministischen Linguistik feminine Endungen auch dort gebildet, wo dies zu Wort-Neukreationen führt (Beispiel „Bundeskanzlerin„). Die Piratenpartei hat nun aber das Gegenteil gemacht: Von einem Wort, zu dem es bereits eine weibliche Form gibt, haben sie diese per Satzungsbeschluss entfernt. Hierbei handelt es sich also um eine bewusste Sprachmanipulation. Da dies ganz bewusst vollzogen wurde ist dies eine Message, die wir als Empfänger entschlüsseln müssen:
Ich stelle zunächst fest, das die Mitglieder mehrheitlich Männer waren, die diesen Beschluss gefasst haben.
Es lässt sich auch sagen, das die Piratenpartei mit Sicherheit zumindest Feministischer Linguistik (FL) gegenüber feindlich gegenüber steht.
Man kann auch festhalten, dass es in Deutschland keine Partei gibt, die die weibliche Form ausschliesst. Vielleicht liegt es daran, das „Mitglied“ eigentlich geschlechtsneutral ist. Die Piraten haben aber bewusst einen anderen Begriff gewählt, der eben nicht geschlechtsneutral ist.
Da die FL für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch eintritt – und die Piraten hier eine Gegenbewegung vollziehen, muss man ergo diesen Satzungsabschnitt als bewusst sexistisch und frauenfeindlich werten. Als Signal an Frau, dass sie als Mitglied weniger Wert ist als die Männlichen Kollegen. Warum? Um einen geschlechtsneutralen Begriff zu wählen hätte man ja auch „Piratin“ als geschlechtsneutral definieren können. Wollte man aber nicht. Man hat ganz bewusst die männliche Form gewählt um damit ein Signal zu setzen.
Wie so vieles, was in der Piratenpartei passiert, ist auch das verschieden von dem, was in anderen Parteien passiert. Die Piraten sehen sich dabei oftmals jenseits aller gesellschaftlichen Diskurse. Sei es nun das Rechts/Links-Schema. Piraten denken sie sind nicht-sexististisch, agieren aber dennoch so. Es wird Zeit, das die jungen Männer erwachsen werden und sich ihrer Verantwortung bewusst werden im Umgang mit Frauen wie im Umgang mit Geschichte.
Übrigens: Mit solchen Angriffen tut man der Piratenpartei einen Gefallen, denn man stärkt den innerparteilichen Kritikern den Rücken: Das dort endlich mal Vernunft einkehre. Ich unterstütze alle Forderungen der Piratenpartei,aber was in der Partei verzapft wird ist unter aller Sau. Die Piratenpartei muss vor allem im Moment an ihrer Glaubhaftigkeit arbeiten um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Dazu müssen viele dort ganz ganz schnell erwachsen werden!