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Archiv für die Kategorie ‘Sexismus’

Sexismus-Vorwürfe gegen Piraten bei Tagesschau angekommen

Schon lustig, wenn man vor Jahren mal eine Sexismus-Diskussion (Juli 2009) angestoßen hat und dann nach drei Jahren sieht, wie sie in der Tagesschau ankommt:


Dabei fing ich gerade wieder an sie sympathisch zu finden durch die ganzen bescheuerten Angriffe von anderen Parteien. Die greifen nämlich ausgerechnet die einzig guten Elemente der Piraten an, während sie deren Normalität und negativen Tendenzen als gewöhnlich gar nicht beachten.

Ausgerechnet bei der Urheberrechtsfrage könnte ich ja fast 100% d’accord gehen.

Früher waren die Piraten ja mal meine Lieblingsfeinde, sind aber zunehmend langweilig geworden. Naja mal sehen was jetzt abgeht. Auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt der JuPis das Thema aufzubringen, das bringt bestimmt einige Minus-Prozentpunkte ;-)

TAZ: “Schämt euch, ihr Schlampen!”

Juli 10, 2011 1 Kommentar

Da will mal wieder jemand witzig sein:

Trikottausch 14: Teamcheck Objektiv: Schämt euch, ihr Schlampen! – taz.de.

Denis Yücel ist aber nicht witzig, sondern einfach nur sexistisch. Und viele Kommentatoren denken: In der entsprechenden Rubrik ist ALLES erlaubt oder wer Sexismus kritisiert sei einfach nur humorlos.

Ich denke aber das Gegenteil: Eben so eine Denke – die eine absolute Zügellosigkeit beim Sexismus propagiert verkennt die Lage! Sexismus ist eben nicht einfach nur ein sprachlicher Ausrutscher, sondern immer auch Wegbereiter für Gewalt gegen Frauen. Daher kann man das eben nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Was heir eher durchkommt ist die Meinung, dass es hier ja “NUR” um Frauen und Frauenfußball geht  – also wozu die Aufregung? Ein solcher Artikel wäre selbst als Satire im Männerfußball undenkbar! Man würde das einfach so nicht schreiben, weil Sexismus gegen Männer einfach nicht so gut in bestehende Muster passt. Der Artikel besagt: Frauen sind eh midnerwertig, also entwerte ich sie weiter.

Damit ist er aber in meinen Augen noch viel verwerflicher als manch ein sexistischer Ausrutscher in nicht-satirischen Artikeln. Es ist davon abgesehen genau so platt und schlecht wie die Reduzierung der Kanzlerin Merkel auf ihr Frausein bei manchem Kabarettisten, dem zu ihrer Politik nix intelligentes einfällt.

 

Leutnant Dino zieht ab

Juli 7, 2011 9 Kommentare

Unter Spektakuläre Wende im Fall Don Dödel berichtet Isi:

Don Dödel hat auf seinem privaten Internetblog unter dem Jubel anderer Dödel die Anschrift eines Frauenhauses veröffentlicht. In Frauenhäuser würden von lügenden Müttern die Kinder den Vätern wegentführt. Es sei ein Recht der Männer zu wissen, wo die Frauenhäuser zu finden sind. Wegen der Kinder. Das genannte Frauenhaus erwirkte eine einstweilige Verfügung zur Entfernung der Daten und setzte sich durch. Logisch. Don Dödel legte aber “Berufung” ein, beantragte ein noch hübscheres Gesicht, eine Sänfte in das zuständige Amtsgericht und Erdbeereis für alle diskriminierten Männer. Der Richter am Amtsgericht lehnte Dödels “Berufung” ab. Auch Prozesskostenhilfe bekam er keine. Don lehnte den Richter ab, befangen sei der, meinte unser Held. Der Richter lehnte nun auch den Befangenheitsantrag ab und Don Dödel beweint die “offensichtliche bösartige Parteilichkeit zu seinem Nachteil”. Ein Held sei er trotzdem, sagen seine Leser und feiern fröhlich seinen Untergang.

Yippieh!

Gemein ist nicht “Leutnant Dino” gegen, den Isi auch Klage führt und der seine Seiten offline genommen hat. Am nächsten Freitag soll dann die Urteilsverkündung sein. Ich drücke Isi natürlich die Daumen, aber bisher siehts eh schon ganz gut aus. Anifeministen und Sexisten muss man schlagen, wo man kann.

Als Begründung führe ich an, dass Antifeminismus eben alles ist, nur keine emanzipatorische Bewegung. Fundamental versuchen sie die Argumente des Feminismus umzudrehen unter der Behauptung die Männer irgendwie befreien zu müssen oder zu wollen. Dabei verhaften sie aber primär in alten Denkmustern. Antifeministen beziehen sich oft auf faschistisch anmutende Weltbilder. für sie sind oft Frauen schmutzig und böse. Nix neues. Früher haben die Männer auch gerne Frauen als hysterisch abgestempelt und eingesperrt. Diese Welt wünschen sich die Dinos dieser Welt zurück. Back to Mesozoikum?

Nein, wir brauchen keine Dinos. die sind ausgestorben und das ist auch gut so. Kein Jurassic Park mit Antifeministen! Obwohl sie mir eingesperrt schon mal besser gefallen. Ausgestorben aber sind sie mir am liebsten:

„Neues aus der Anstalt“ kann Sexismus nicht überwinden

Februar 24, 2011 3 Kommentare

ich nehme an, dass nicht nur ich mich über die Sendung von „Neues aus der Anstalt“ vom 25.01. beschwert hatte. In der neuen Sendung vom 22.02.2011 (Video) griff man das Thema Frauen, Weiblichkeit, Frauenquoten, … auf.

Der Anfang:

Die interessanten Passagen kommen hier oder hier .

Aber über Plattitüden und Vorurteilen ist man nicht hinausgekommen.  Wie z.B. der Spruch zu “Mond/Möndin”. Klingt alles nach Männern mit Minderwertigkeitskomplex. Da hilft auch die Quotenfrau Monika Gruber nichts, die zu den Herren keinen Kontrapunkt setzt. Alles nur seichte Unterhaltung mit wenig  Biss. Ein wenig Vorurteile drüber, fertig ist das Kabarett. Ne tut mir leid, das ist mir zu wenig – und gleichzeitig vom Schlechten zu viel!

Manche Männer kapierens halt nicht: Es geht bei der Kritik gegen Sexismus nicht darum, das Männer weiblicher werden soll. Ein Mann muss sich nicht dadurch beweisen, dass er Frauen hasst und beleidigt. Von mir aus sollen sie ruhig die eine oder andere Übertreibung im Feminismus angreifen – aber dann bitte mit Niveau und auch da wo es passt. Mit dem Stammtischniveau kann ich allerdings wenig anfangen.

 

Forschungsbericht: Bundeswehr Ort eigenwilliger Umgangsformen

Jede 20. Frau in der Bundeswehr wird vergewaltigt. Die Mehrheit, rund 58% berichten von sexistischen Bemerkungen, berichtet eine Studie mit dem seltsamen Titel “Truppenbild mit Dame”. Dies berichtet Tanja Kreil in der TAZ von heute. Und schließt mit dem Satz “Tanja Kreil war übrigens nie bei der Bundeswehr.

Wundern kann uns das nicht. Militär und Krieg sind eine traditionelle Männerdomäne. Wäre es nur nach den Frauen gegangen, hätten wahrscheinlich viele Kriege gar nicht stattgefunden. In Armeen wird Männlichkeit abgefeiert, wie sonst wohl an kaum einen Ort. Dort ist Töten und Gewalt cool. “Soldaten sind Mörder” sagte Tucholsky. Ich habe da die Aufregung von Soldaten über so eine einfache Tatsache nie verstanden. Ihr lernt doch, wie man tötet? Ihr werdet doch in fremde Länder geschickt um eben dies zu tun. Ok, natürlich – Frieden sichern…. aber ja nicht mit Verhandlungen, sondern mit Waffengewalt. Armeen sind eben kein Männergesangsverein. Die Waffen, die da verfügbar sind, sind absolut tödlich und gefährlich. Und wenn man das ausspricht, ist es schlimm?

Heiliger Assange

Dezember 8, 2010 5 Kommentare

Ich wollte eigentlich nichts schreiben, bis sich der Nebel nicht weiter gelichtet hat. Aber da alle möglichen Blogger (und da vor allem Männer), jetzt grade wieder telepolis es nicht lassen können ihrem Helden beiseite zu springen möchte ich auf einige Aspekte eingehen:

Zu gutem Sex gehört auch das gegenseitige Einverständnis der beiden Geschlechtspartner. Gesetzlich und gesellschaftlich wurde das lange Jahre anders gesehen. Vergewaltigung in der Ehe war in Deutschland nicht strafbar und noch immer glauben viele ein Mann könne sich beim Sex alles erlauben, sofern die Frau denn erst mal grundsätzlich eingewilligt hat. Dass sie dann aber ihre Meinung ändern könnte oder nicht jeden Scheiss akzeptiert – und dass dann die Mißachtung ihrer Grenzen als sexueller Mißbrauch oder Vergewaltigung zu interpretieren ist, sollte eigentlich klar sein.

Viele können es nicht lassen ihren Schmutz auf die beiden Frauen abzuladen. Und dahinter steht für mich eher ein Denken wie: „Assange ist ein Mann und der Held der Geschichte, es kann einfach nicht sein, dass er gefehlt hat!“ – Wir waren alle nicht dabei. Ich muss da auch nicht jedes Detail wissen.

Offenbar lebt Assange in den Augen vieler Blogger/Hacker den modernen Männertraum (Florian Rötzer auf telepolis):

Liest man, was die Daily Mail aus den Polizeiberichten [extern] erzählt, dann wird die ganze Angelegenheit noch konfuser und zu amourösen Liebschaften, die sich ergeben, wenn hübsche, Prominenz bewundernde Frauen auf einen jungen Mann treffen, der Weltruhm genießt und sich entsprechend wichtig nimmt – und sexuell attraktiv. Und dann auch noch, dass Assange nicht nur zwischen den Frauen wechselte, sondern auch den Computer als wichtiger betrachtete als die Frauen.

… und ist insofern unfehlbarer als der Papst.

Für mich siehts so aus, dass ich es für eher unwahrscheinlich halte, dass sich Frauen solche Geschichten ausdenken und sich freiwillig in das Kreuzfeuer der Medien begeben. Ausschließen kann man ja nix – aber die Bloggerkollegen schließen jetzt schon eines aus: Das Assange hier in irgendeiner weise einen Fehler gemacht hat. Im Gegenteil – sie bewundern ihn jetzt schon dafür, wie scheisse er sich den Frauen gegenüber verhalten hat. Man kennt das ja auch vom Fall Kachelmann. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung aber die Frauen die die Anzeige erstatten sind von Anfang an  schuldig ? Komisches Verständnis und leider allzu durchschaubar sexistisch.

Netizens Mainstream

November 30, 2010 6 Kommentare

Anhand einiger Artikel zum Jugendmedienstaatsvertrag sieht man sehr gut, wie der Fokus vieler Netizens sehr einseitig ausgerichtet ist. Wie z.B. Swen Wackers Rant im Landesblog.

Fakt ist, dass der derzeitige Entwurf wohl noch unausgegoren ist. Aber was ist daran besonders? In Deutschland ist auch defakto das Asylrecht abgeschafft, aber es kümmert wenige. Die Vereinigungsfreiheit/Koalitionsfreiheit sollte abgeschafft werden und es hat auch kaum jemand interessiert außer linksradikale Gewerkschafter.

Aber wenns drum geht, dass einige Blogs vielleicht irgendwie ihre Inhalte kennzeichnen sollen wird der Weltuntergang beschworen. Oder wenns mal wieder ums Urheberrecht geht und die Enquetekommission im Bundestag. Das Gleiche. Zweierlei Maß. Gegen Zensur: Klar.

Mittlerweile werden meine Kommentare und Artikel auf immer mehr Blogs gesperrt/zensiert. Und das gerade au Blogs in denen mit wehenden Fahnen gegen Zensur gewettert wird. Auch hier: Zweierlei Maß.

Unter dem Strich betrachtet sind viele Netizens derart in ihrem eigenen Mainstream gefangen und in dem Glauben an die Gerechtigkeit ihrer eigenen Sache, dass sie ohne weiteres mit den Mitteln ihrer Gegner arbeiten und argumentieren, nur um Recht zu behalten.

Bei den Piraten z.B. gibt es viele, die die Emanzipation der Frau am liebsten zurückdrehen würden, weil sie ihnen zu weit geht. Damit aber verhalten sie sich fundamental antiemanzipatorisch und gegen die Grundrechte. Dennoch meinen sie sich als Vorkämpfer der Grundrechte etablieren zu können.

Grundrechte, Demokratie. Das sind alles nur Schlagwörter, die jeder nach Belieben verwendet. So mancher glaubt, wenn er IRGENDEINE Partei wählt bei einer Wahl, mit seiner Stimme die Demokratie zu stärken. Mehr jedenfalls, als jemand der sagt “NONE OF THE ABOVE“. Das aber wiederum ist in vielerlei Hinsicht eine unsinnige Auffassung. das ist so, als wenn man sagt man müsse aus einer Auswahl von fünf schlechten Autos immer EINES wählen, weil man nur dadurch die Qualität von Autos steigern würde. Das Gegenteil erscheint aber sinnvoller: Wenn wir uns beim Kaufen oder bei Wahlen zurückhalten sind wir anspruchsvoll und fordern mehr als das, was geboten wird. Und letztendlich sind Wahlen nicht das einzige Mitteln um politisch aktiv zu werden. Im Gegenteil. Wahlen sind einfach. Stimme abgeben, nach Hause gehen. Das DAS demokratische Kultur ist, wird uns seit Jahrzehnten von den Mainstreammedien eingeredet. Genau so wie es angeblich von besonderer Kultur zeugt, wenn man in irgendeiner der Mainstream-Parteien eintritt. Auch egal welche.

Wem alles so egal ist – Hautpsache man wählt oder Hauptsache man ist Mitglied einer etablierten Partei, der muss sich nicht wundern, wenn am Ende IRGEND WAS rauskommt.

Siehe auch GRÜNE, Hamburg-Moorburg, Kohlekraftwerk Moorburg. Jemand der Mitglied der GRÜNEN ist und diese auch wählt wegen ihrer Energiepolitik und dann das mitträgt, trägt für die Politik der Hamburger GRÜNEN Mitverantwortung. Denn er hat ihnen seine Stimme gegeben. Ihnen Vertrauen geschenkt.

Politik ist immer ein Kompromiss. Der Parlamentarismus treibt jedoch immer wieder seltene Blüten und ist mit einer echten Basisdemokratie unvereinbar. Wahlen sind dabei nur das Feigenblatt, dass das Bild schönt und doch hilft das Falsche zu etablieren.

Über die Bedeutung von Sexismus und Feminismus

November 2, 2010 14 Kommentare

Nach den Ereignissen der letzten Tage und natürlich auch schon davor hat sich bei mir noch einmal der Bedarf eingestellt zu Sexismus und Feminismus zu reflektieren.

Was ich immer wieder feststelle ist, dass Antisexismus oder auch Feminismus in vielen Augen, gerade natürlich der meiner Geschlechtsgenossen, als nicht wichtig dargestellt wird. Vor einiger Zeit hatte ich ja zu dem Thema schon einige Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der Piratenpartei. Aber was nicht erstaunt: Sexismus ist überall!

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass Sexismus als solches nicht geringfügiger einzustufen ist als Rassismus. Allerdings findet man in so manchem pseudolinken Blog zwar eine scharfe Distanzierung von Rassismus – nur beim Sexismus wird oft und gerne mal die Sau rausgelassen. Wie z.B. Hartmut Finkeldey:

Veranlasst wurde ich von Roberto de Lapuente, also Isis Haßobjekt Nummer eins (die will ja, dass ich ihr n Kind mach: Wird nix, Isi. Biste zu häßlich für! Zu dumm sowieso). Der hats würdig beantwortet. Auch ich stelle klar: Mit Frustinetten-Linken, die abfrusten, weil ihr Lebensplan nicht aufging und sie nicht die Traute haben, offen gegen die untragbaren Zustände hier vorzugehen, die deswegen als Internet-Anonymas Gift spritzen nicht gegen Rechts, sondern gegen die eigenen Genossinnen und Genossen, mit solchen setze ich mich nicht mehr auseinander. Zumal, wenn ich zufällig genau weiß, wie angepasst – zum Teil staatlich gefördert – die ihr Geld verdienen.

Bei anderen Bloggern ist es subtiler und durch Auslassungen sichtbar, wie bei binsenbrenner.de “Der Tenor ist stets derselbe – wir haben, mit Verlaub, die Schnauze voll von Krieg, Rassismus und Sozialabbau und wir werden dem nicht weiter tatenlos zusehen.” Der Autor Markus Weber fordert dabei eher die natürliche Unterwürfigkeit der Frau, die sich nicht männlich benehmen soll. So etwas von Männern zu fordern wäre aus solcher Männer Sicht sicher ungehörig. Denn Männer wussten es ja immer schon besser als Frauen, was für die gut ist.

Und so erntet man beim Sexismus-Vorwurf oftmals Unverständnis und Ablehnung. Das ist im übrigen bei anderen Feldern genau so. Niemand bezeichnet sich selbst gerne als Rassist oder Antisemit. Da heisst es dann: “Man wird ja noch Israel kritisieren dürfen” oder “Ich habe nichts gegen Ausländer, aber das geht alles zu weit, da hat Sarrazin recht”. Auch Rassisten fordern Unterwerfung.

Rassismus und Sexismus gemein sind die immanenten Herrschaftsprinzipien. Nur das Geringwertigere ist gut unterdrückbar. Es ist nur einer gewissen political correctness geschuldet, dass so wenige Menschen sich klar zu ihren -Ismen bekennen. Denn die Anerkennung dessen bedeutet (noch) auch ein gesellschaftliches Abseits aus dem man sich natürlich so schnell wie möglich herausbewegen will.

Es sind nicht immer die direkten Attacken, die körperliche Gewalt, die die Verhältnisse schaft, die ich beklage, sondern oft liegt es einige Etagen tiefer: Sexismus ist ganz tief in uns allen verwurzelt. Da macht niemand eine Ausnahme. Und man legt das nicht ab wie einen Mantel.

Die feinere Art des aktiven Sexismus kann man an der Leugnung der Problematik erkennen und am Angriff auf den Feminismus. Sexismus wird in der Öffentlichkeit oftmals immer noch als nicht-existent deklariert. Dabei umgibt er uns alltäglich. In der Werbung, in der Sprache, in den Medien im allgemeinen. Es geht hier immer um Abwertung und Kontrolle. Um Fremdbestimmung und dem Schutz der bestehenden Verhältnisse.

Zieht man da einmal die Decke weg, so wirds oft mal hässlich. weil der schöne Schein in Gefahr ist. Daher wird meist nicht nüchtern geantwortet, sondern sehr emotional. So hat mir Frank Benedikt per Mail erklärt ich hätte mir jetzt einen Krieg aufgehalst und würde mächtig Prügel beziehen. Der Bloggerin Isi schrieb er, dass er ihr bitter rausgeben werde.

Ein anderes wiederkehrendes Element vieler dieser männerdominierter Blogs ist, dass es oft auf einen digitalen Schwanzlängenvergleich hinausläuft. In meinem Blog kommentierte Benedikt z.B. “Da meine Position die des materiell wie idealistisch deutlich Stärkeren ist, bin ich weiter bereit, eine Hand auszustrecken und eine ruhige Diskussion zu suchen, denn die Linke muß vorankommen.” Auch an anderen Stellen im Internet findet man eine derartige Überheblichkeit. Offenbar sind da manchen Herren ihre Klickraten zu Kopf gestiegen. Doch Hochmut kommt vor dem Fall! Auch die Piraten haben sich in ihrem Erfolg gesonnt und gemeint meine Kritik ignorieren zu können, weil ich weniger als 1000 Follower habe. Die feiern sich sogar heute noch als Partei des größten Twitter-Zuwachses unter den Piratenparteien. Ich denke da oft seufzend “Männer!” – leider ists nicht weit her mit meinen Geschlechtsgenossen und ihrer Kritikfähigkeit. Nach den Piraten kräht mittlerweile kein Hahn mehr. Und ihr eigener Oberbürgermeisterkandidaten-Hahn in Flensburg hat es in der ersten Runde geschafft mit 0,9% als letzter durchs Ziel zu kommen.

Da gibt es viele Parallelen. Selbstherrlichkeit, Selbstüberschätzung und mangelnde Sensibilität. Der Übergang zu offen antiemanzipatorischer Politik ist da dann fließend.

Das kommt dann, wenn man bestimmte Grundrechte nicht anerkennt. Wenn man z.B. den Feminismus nicht als wichtige Befreiungsbewegung anerkennt und insgeheim von einer Rückkehr zur guten alten Zeit der Männerherrschaft träumt.

Das Internet führt dabei Meinungen zusammen, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Was dabei total irre ist, ist die Argumentation, dass man die ganzen Differenzen am besten unter den Teppich kehrt und damit dann eine vereinte linke “Volksfront” schaffen könnte.

Anarchosyndikalisten gehen weniger davon aus, dass die Lösung in dem Folgen hinter einer gemeinsamen größeren Leitidee liegt, sondern darin, dass sich die Unterdrückten selbst organisieren und mit Direkten Aktionen Tatsachen schaffen. Bündnisse dienen dabei allzu oft der Verwässerung der eigenen Interesse – und Stellvertreter unser Interessen dienen auch und vor allem sich selbst. Wer meine dem größeren Ganzen zu dienen und u.a. meine Interessen zu vertreten, dem schlägt meine ganze Skepsis ins  Gesicht. Allzu oft ist das Abgeben oder Unterlassen der Kritik der erste Schritt zu politischen Fehlentwicklungen gewesen. Es ist meine feste Überzeugung, dass der einzige Weg der ist, bei seinen eigenen Interessen anzufangen und sich dann mit anderen zu organisieren – nicht zuallererst in strömungsübergreifenden Bündnissen, sondern dort wo einem der eigene Schuh drückt – und abseits zentralistischer Organisationen. Wir brauchen keine Blog-Kasper, die uns vormachen wie wir zu denken haben. So ist denn auch mein eigenes Blog nichts anderes als Ausdruck meiner selbst und keine Anleitung zum Denken, wie sich viele andere Blogs verstehen.

Mich interessiert eine vereinte Linke herzlich wenig. Mich interessiert welche Ziele Menschen tatsächlich verfolgen. Und welche Folgen ihr Treiben in der Realität hat. Blogs die Sexismus beheimaten gehören in meinen Augen jedenfalls nicht zu einem linken Spektrum, was ich tolerieren müsste. Wer hier anfängt zu tolerieren verrät in Wirklichkeit wesentliche linke Kritik!

s.a. “sorry ladies

Eigentümlich Links?

Oktober 31, 2010 13 Kommentare

Im Netz tummeln sich ja so einige Menschen und Blogs, die von sich behaupten “irgendwie links” zu sein. Ich bin versucht zu sagen “Sind wir nicht alle ein bißchen?”

Ein Beispiel ist Roberto De Lapuente. Sein Blog nennt er “Ad Sinistram“. Lateinisch für “linksab” oder “linksum”. Herr DeLapuente kopiert zwar auch einige seiner Artikel zu Indymedia (vermutlich zu Werbezwecken), aber er schreibt auch anderswo, wie z.B. auf infowars.wordpress.com. Dort auch eine Vielzahl an Verschwörungstheorien aus dem rechten Spektrum, wie zur “Obama-Täuschung“. Zitat:

Wie Obama Amerika in eine faschistische Diktatur umwandeln will, mit zwanghaften Nationaldienst, inländische Spitzel, gesetzwidriges Abhören und Überwachen, Zerstörung der Verfassung, FEMA Gefangenenlager und Kriegsrecht.

Das klingt wie abgeschrieben von der amerikanischen Tea-Party-Bewegung, für die Obama ja abwechselnd der Antichrist, ein Affe, ein heimlicher Moslem, Hitler, …. ist. Nun hat DAS nicht Herr Lapuente geschrieben, aber warum schreibt man an solchen Orten? Gerade erst hat er gejammert, dass FAU-Mitglieder gerne auf seine Werbung verzichten wollten. So schnell vergeht sein Wohlwollen. Wie so oft schließt er sein Lamento mit wirren, mehrdeutigen Worten, von denen wir vielleicht lieber gar nicht wissen wollen, was für Gedanken da wieder hinter stecken:

So wie der deutsche Anarchosyndikalismus ein Traum bleibt – man könnt ihn aber als Alptraum haben: das ja! Als Gruppe schwafelnder und dogmatisiernder Predigergestalten; als eine frei denkende, frei handelnde, besonnene und charakterlich lockere Veranstaltung scheint selbst die humanistischste Gesinnung in diesem Lande undenkbar…

Den Anarchosyndikalismus mit Humanismus zusammenzuwerfen ist schon verwegen. Da halte mich mich doch lieber an meinen Lieblingsphilosophen Foucault der zum Humanismus schrieb:

„Ich verstehe unter Humanismus die Gesamtheit der Diskurse, in denen man dem abendländischen Menschen eingeredet hat: Auch wenn du die Macht nicht ausübst, kannst du sehr wohl souverän sein. […] Je besser du dich der Macht unterwirfst, die über dich gesetzt ist, umso souveräner wirst du sein. Der Humanismus ist die Gesamtheit der Erfindungen, die um diese unterworfenen Souveränitäten herum aufgebaut worden ist: die Seele (souverän gegenüber dem Leib, Gott unterworfen), das Gewissen (frei im Bereich des Urteils, der Ordnung der Wahrheit unterworfen), das Individuum (souveräner Inhaber seiner Rechte, den Gesetzen der Natur oder den Regeln der Gesellschaft unterworfen).“ (Michel Foucault, Von der Subversion des Wissens, 1974, S.114)

Vielleicht ist dieser Humanismus, dieses Linkssein bezeichnend für eine größere Gruppe von Menschen, die nichts für eine bessere Welt tun als zu lamentieren, aber im Grunde mit ihrem Geschreibsel und ihrem Handeln genau die Verhältnisse stützen, die es zu bekämpfen und verändern gelten würde?

Ich vermute mal, das passiert alles unbewusst. Es schreibt sich da fast ganz von selbst. und so hat auch ein andere Protagonist, Frank Benedikt vom Binsenbrenner das gleiche Problem wie Lapuente. Auch sein Geschreibsel und Verhalten stieß auf Ablehnung einzelner FAU-Mitglieder. Und so applaudieren sie sich gegenseitig und bestätigen sich dabei, dass sie zu den Guten gehören – und die FAU sind die blöden, weil die sie nicht lieb haben. Die gehören jetzt zur Out-Group. So wohlig warm ums Herz wird diesen Linken nämlich nur bei ihres gleichen, wo man sich selbst Gefälligkeitsrezensionen schreibt und sich die gegenseitige Großartigkeit bestätigt. Das hat schon im Kindergarten toll funktioniert. Warum also nicht auch in der Blogosphäre. So manch einer fällt ja auch rein auf die Logik der Blog-Rankings. Aber wenn man mal nachdenkt? Gut ist nix besonderes. Wenn sich BILD, FAZ und ZDF gegenseitig zitieren ist das ein anderer Mainstream. Aber da gibts wenigstens tatsächlich Leserzahlen und Einschaltquoten. Auch wenn die dort auch nix über Qualität und Kreativität der Beiträge aussagen.

Mancher Kommentator meinte ja hier auch: Was willst du denn? Ist doch alles ganz normal. eine Hand wäscht die andere! Machen doch alle! Ne, ich nicht. Ich habe zwar auch Blog-Freunde im Internet – aber da haue ich auch zwischen, wenn es nötig ist. Das machen mir dann manche auch zum Vorwurf. Die Frage ist doch aber in wieweit ein Blog kritisch ist und das eigene Weltbild hinterfragt. oder schwimmt man in der Soße von “Irgendwie ist ja jeder ok, wir sind alle ein wenig links – und warum nicht auch ein Interview bei eigentümlich frei?” Das ist genau die Soße in der die Piratenpartei auch mitschwimmt. Da zählt nur noch “Oben Bleiben” im Sinne von populär, beliebt, viele Follower, viele Wähler, whatever. Und doch ist dass das Tor zur Beliebigkeit!

Apropos: Bei Ad Sinistram ist jetzt wieder Werbefläche frei. Da kann man sich also Präsenz kaufen. Ist das nicht klasse? Das haben wir wohl dem Rauskicken der FAU-Werbung zu verdanken. Wie schön, dass es käufliche Blogs gibt. Da weiß man jedenfalls, was man hat. Am besten nicht drüber nachdenken, was so dahinter steckt. Das verdirbt nur den Appetit.

Was da “rechts” ist und was “links” ist kaum wahrnehmbar. Das erinnerte mich an John Cleese in “Clockwise”:

Rezensionen kann man auch selber schreiben…

Oktober 18, 2010 21 Kommentare

Durch einen Link wurde ich darauf aufmerksam, dass Roberto DeLapuente auch mal ein Buch (“Unzugehörig”) geschrieben hat. Bei Amazon fand ich eine Rezension. Der User hieß “abc” und schrieb nur diese eine Rezension.

Beim Lesen des Textes dachte ich: Das klingt verdammt wie DeLapuente selbst. Dann viel mir das neue FAZ-Werkzeug ein und ich verglich die Rezension mit einem seiner neuen aber ähnlich klingenden Texte. Ergebnis: Die FAZ-Maschine sagt zu beiden Texten das gleiche (wie ich erwartet hatte). In dem Fall wie: “Georg Wilhelm Friedrich Hegel”. Ein Zufall? Vielleicht. Andere Texte führen durchaus zu anderen Ergebnissen. Aber etwas anderes fällt dort auch auf: Es gibt ganze 2 Kommentare – der eine fordert kritisch zur Lektüre des Blogs auf und wurde downgevotet, so dass er nicht angezeigt wird. Der andere fordert zum Kauf des Buches auf und wurde als allgemein hilfreich gevotet.

Weiterhin auffällig ist in der Rezension dieser Satz “Alle Texte wurde für die Buchausgabe nochmals sorgfältigst überarbeitet und ergänzt, so dass sich ein Kauf allemal lohnt.” Das deutet darauf hin, dass der Rezensent darüber bescheid weiss, wie das Buch vorbereitet wurde. Das können nur der Verlag selbst, der Autor oder Freunde wissen, sofern dieses Faktum nicht vorher veröffentlicht wurde. Auf binsenbrenner.de rezensierte Christian Klotz das Buch inklusive Link zu Amazon und verwies zusätzlich auf eine weitere wohlmeinende Rezension von Frank Benedikt auf spiegelfechter.de (dort sind auch die Kommentare vielsagend). Da ist die Männerclique also mal wieder zusammen – wie es so oft unter Bloggern läuft – man stützt sich gegenseitig – von kritischer Distanz bei den Rezensionen ist weit und breit nichts zu lesen. Ist man im wirklichen Leben noch so bedeutungslos und die eigenen Ergüsse noch so belanglos – hier bestätigen sich Webfreunde gegenseitig wie toll sie sind. Auch Margareth Gorges als Web-Freundin von DeLapuente sekundiert mit einer positiven Rezension im Freitag(Zitat: “Roberto J. de Lapuente mit seinem Blog ad sinistram ist der Aufklärer des neuen Jahrtausend”) . Dann noch Markus Vollack (“epikur”) von Zeigeistlos, der hier einen Co-Blogger auf ihrem Blog rezensiert /Zuvor ein Interview in zeitgeistlos mit DeLapuente). Und noch Stefan Sasse, der übrigens auf im Spiegelfechter schreibt(Zitat: “Oftmals spürt man die Anleihen beim Stil großer Autoren wie Camus, Marcuse, Orwell und Sartre.”(die würden sich im Grabe umdrehen!). Über die Motivation der Herren und der Dame sagt dieses Zitat von Benedikt in den Kommentaren so einiges:

So steht es auch bei mir drüben im Blog geschrieben, aber da Jens “Affiliate” ist und für all die Arbeit auch was (sind eh nur Kleinbeträge) verdienen soll, steht hier halt der Amazon-Link drin. Kuck mal, das ist simple Interessenabwägung – Jens muß was verdienen, damit er vor allem auch hier weiter hochqualitative Artikel schreiben kann, Roberto muß was dazu verdienen, damit er weiter so wuchtige Sachen schreiben kann und Jork, der Verleger, muß was verdienen, damit er sich weiter den “Luxus” leisten kann, eigenwillige und non-konforme Autoren verlegen zu können. Das ist das leidige Lied vom Geld, und wenn alle solidarisch spenden würden für derlei Arbeit(!), wären wir nicht gezwungen, gelegentlich auch was zu verkaufen oder Werbung zu schalten.

Wer sich im übrigen die Blogroll der Herren anschaut findet weitere Indizien dafür, dass man von den Rezensionen und Aktivitäten nicht viel kritische Distanz erwarten kann. Es handelt sich dabei wohl eher im eine Meinungs-Seilschaft?

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