Vor einigen Monaten schrieb ich einen Artikel unter dem Titel Rechtsrutsch bei Readers Edition – unter dem Eindruck einiger Artikel mit rechtsradikalem Unterton.
Nun ist die Readers Edition (RE) endgültig am rechten Rand angekommen. Ein kritischer Kommentar in einem meiner eigenen Artikel gegenüber der Entwicklung der RE (der m.W. keine persönliche Beleidigung enthielt) wurde gelöscht. Da der Kommentar gelöscht wurde und ich keine Kopie habe, kann ich ihn nicht zitieren. Die Redaktion begründete den Schritt mit folgendem Kommentar:
Sehr geehrte Kommentatoren,
Die Redaktion beobachtet das “Treiben” selbstverständlich genauestens. Die anstößige Passage, die auch die Plattform selbst beleidigt ist von uns entfernt worden. Wir bitten Sie künftig wieder in einem respektvollen und angemessen Umgangston miteinander zu diskutieren und sämtliche Beleidigungen oder gar Diffamierungen außen vor zu lassen. Andernfalls sehen wir uns leider gezwungen, diese Diskussion zu schließen.
Mit freundlichen Grüßen,
Nicole Oppelt
(i.A.)
Ich schrieb dazu in einem Kommentar, den ich hier veröffentliche, weil dieser Kommentar und meine Artikel wohl bald dort verschwinden werden:
„@Nicole Oppelt & all:
Ok, ich habe die Botschaft der RE verstanden: Ihr habt HIER gewonnen. Euch gehört jetzt die Readers Edition. Es hätte kein besseren Beweis dafür gegeben, als die Reaktion von Frau Oppelt. Damit ist die Diskussion und meine Tätigkeit als Hobbyautor in der RE beendet, da es nun eine eidneutige Positionierung gibt. An dieser Stelle mein Abschied von der Readers Edition, die eine zeitlang als eine hoffnungsvolle Alternative zur Wikinews entstand, aber sich inzwischen endgültig den antidemokratischen Kräften ergeben hat und dies mit der Zensur eines Kommentars eines der Autoren, die der Entwicklung gegengesteuert hat als deutliches Signal gesetzt hat. Das Beste, was der RE jetzt passieren könnte, wäre seitens der Investoren einfach als Experiment abgebrochen zu werden (und hoffentlich aus den Fehlern zu lernen).
Ich werde nicht weiter auf Diskussionsbeiträge eingehen, da das Einzige, was ich damit bewirken würde, den Eindruck erwecken würde, dass hier eine Meinungspluralität existieren würde. Alles weitere wird sich in meinem Blog ritinardo.wordpress.com finden.
Jeder, der die Artikel in der Readers Edition verfolgt hat, sieht, das dies inzwischen immer mehr einen Autoren-Pool von Menschen mit rechstradikaler Gesinnung oder Verschwörungstheoretiker bildet. Die mangelnde Substanz wurde in den letzten Monaten immer wieder versucht mit Schnippseln aus dem StudiVZ aufzufrischen, die von Nicole Oppelt zusammengstellt wurden. Da fragte man sich oft, ob es denn sonst zu wenig Substanz bei den Autoren gab?
Die treuesten Anhänger bei den Lesern, Kommentatoren und auch vielen Autoren waren mit einigen wenigen positiven Ausnahmen Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker. Wenn dies die Klientel war, so musste sie bedient werden – und nicht vergräzt. Deswegen war auch mein wörtlicher Kommentar zu viel des Guten „Die Readers Edition verkommt leider immer mehr zu einer Behausung für Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker.“ Vorbehaltlich der Tatsache, das ich leider keine Kopie meines Kommentares vorweisen kann, gehe ich davon aus, das GENAU DIESE Passage zur Löschung geführt hat. Denn normalerweise greife ich keinen Autoren persönlich an. Was ich allerdings schon, wie in dem Kommentar, tue ist es eine Gruppe von Autoren oder einzelne Autoren versuchen einzuordnen – oder wie auch hier geschehen Entwicklungen, die ich beobachte, zu kritisieren. Dies kann und darf aber normalerweise in einem Citizen Journalism-Blog kein Grund zur Löschung eines Artikels oder Kommentars sein.
Dennoch möchte ich an dieser Stelle für die grundsätzliche Gerechtfertigkeit für Moderation in Diskussionsthreads stimmen. Allerdings sollte diese besonders dort greifen, wo echte Persönlichkeitsrechte verletzt werden, bzw. das eindeutige Ziel ist persönlich zu diffamieren. Dies ist mit in der RE in den letzten Jahren oft so gegangen, doch NIE hat dabei die Redaktion der RE eingegriffen.
Aber als ich zum ersten mal IN der RE, die RE selbst kritisiere, wird dieser als erster Kommentar gelöscht. Ich habe vor dem Absenden daran gedacht, dass alleine das Erwähnen der Readers Edition zu mehr Reaktionen seitens der RE führen würde. Die Äußerung „die auch die Plattform selbst beleidigt“ weist eindeutig darauf hin, worum es hier eigentlich geht: Zum einen skann man keine „Plattform“ – also z.B. WordPress – beleidigen. Die Löschung erfolgte ohne Kontaktaufnahme mit mir. Außerdem erhielt ich auf folgende Mail, die ich am 25. November 2008 verschichte und hier nun am Ende leicht gekürzt veröffentliche keine Antwort:
Hallo,
mein Eindruck ist, das Beiträge wie die von Herrn Böckern den Versuch
darstellen, die Readers Edition als offenes Blog für das Einbringen
rechtsradikaler Gesinnung zu nutzen:
http://www.readers-edition.de/autor?user_id=M.J.G.Boecker
Die Readers Edition ist sicher eine bunte Mischung an Autoren - und ich
will niemandem der ernsthaft an einem Thema schreibt absprechen seine
Meinung kundzutun. Mein Eindruck ist aber, das mache Beiträge in Tonfall
und Themenfall eher die Grenzen ausloten was hier möglich ist. Im Moment
ist es nur grenzwertig. Die Haltung von Herrn Böcker zu Herrn Nitzsche
wird in seinem eigenen Blog deutlich: "Henry Nitzsche ist -salopp
formuliert- ein cooler Typ."
Es geht hier also nicht darum einen kritischen oder aufklärerischen
Artikel zu schreiben, sondern Positionen dieser seltsamen Partei
gesellschaftsfähig zu machen. Siehe dazu auch deren Position zu Was wir
wollen: http://www.arbeit-familie-vaterland.de/index.php?id=23 - Alles
mit Sicherheit im Rahmen dessen was erlaubt ist. Genau wie bei der NPD.
Aber da sehe ich dann auch nicht viele Unterschiede.
Zusammendfassend also: Ich glaube das hier versucht wirde die Readers
Edition zu benutzen. Die Frage ist ob sich die Readers Edition benutzen
lassen will. In gewissem Rahmen lebt die RE sicher auch von
widersprüchlichen Positionen, aber dann doch besser in konkreten Thesen
zu dem einen oder anderen Thema - aber doch nicht um so etwas wie die
neorechte Bewegung den Lesern näherzubringen?
Meine Absicht ist es auf etwas aufmerksam zu machen. Vielleicht reden
Sie da ja in ihrer Redaktion mal drüber und überlegen sich wo für sie
auch in Zukunft Grenzen sind. M.E. sollte die Grenze nicht erst dann
gezogen werden, wenn ein Artikel gegen Gesetz verstößt, sondern deutlich
früher. Die RE muss ein gewisses Profil bewahren, das eine breitere
Leserschaft anspricht. Artikel wie die o.g. können dazu führen das das
RE-Profil verändert wird und somit auch die Leserschaft.
...
In der Folgezeit war kein Widerstand gegen rechtsradikale Artikel und Äußerungen nicht zu erkennen – aber mit dieser ZENSUR, sehr wohl ein Widerstand gegen Kritik an der Entwicklung.
Angriffe auf mich als Autor erfolgten z.B. vom user Mosgeist als Beispiel „Der kleine Pfennig ist da noch der Harmlosere, denn wenn man seine „Ergüsse“ des umgebenden Schaumes entblößt, verbleibt nur noch das Geplapper eines gelehrigen Papageis.“ – von der RE dazu KEINE REAKTION.
Fazit: Mein Vorwurf in meinem Artikel hat die Readers Edition durch die Reaktion der Löschung meines Kommentars bestätigt. Was aus meiner Sicht hier passiert ist das, was auch in Boulevard-Blättern wie der BILD passiert – dort schreibt man Artikel, die eine bestimmte rechte Gesinnung in der Bevölkerung fördert und bedient. In der RE können die Autoren dies selber tun. Im Prinzip kann jeder Idiot in der RE einen Artikel schreiben. davon gibt es dort eine zunehmende Masse. Ich möchte von diesem Vorwurf allerings gezielt einige Autoren ausnehmen, die sich dort nachwievor Mühe geben. Viele der von mir geschätzten Qualitätsautoren, die auch in der Bestenliste auftauchen, vermeiden es allerdings im Gegensatz zu mir bewusst oder unbewusst mit bestimmten Themen zu provozieren. Aus meiner Sicht allerdings müssen Artikel Thesen auf die Spitze treiben und muss man auch klar und deutlich sagen, wenn etwas falsch läuft. So könnten Artikel dazu verhelfen mehr Klarheit zu entwickeln.
Die RE hat aus meiner Sicht mit der Löschung eines harmlosen, aber kritischen Kommentars ihre letzte Unschuld verloren. Es gibt für mich keinen Grund mehr, dort etwas zu schreiben, und mich damit in den Machtbereich der RE-Redaktion zu begeben. Diese hat das Prinzip des ehrlichen Citizen-Journalismus verraten in dem sie Kritik am Projekt selbst zensiert hat.
Ich werde mich darum bemühen einige meiner Artikel gelöscht zu bekommen, da ich es nicht einsehe, meine Artikel, zu denen es dort in Kommentaren schwerste Angriffe gegen mich als Person gab, stehen zu lassen, nur damit einige Autoren Ihren Spass haben können damit mich zu beleidigen, wohingegen meine Abwehr gelöscht wird und somit die Diskussionen dort insgesamt verzerrt. Wundert euch daher nicht, wenn einige meiner Artikel demnächst verschwinden werden.