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re:publica: Ein Rüstungskonzern als Sponsor? Die Inhalte, … #rp13
DAIMLER als einer der Hauptsonsoren der re:publica. Offenbar damit auch eingekauft ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche. DAIMLER ist ein deutscher Rüstungskonzern. In der Wikipedia wird die Kritik so zusammengefasst:
Hauptkritikpunkte sind Verfehlungen bei der Übernahme/Fusion von Chrysler und der erfolgten Trennung, der fehlende Wille zu Umwelt- und Klimaschutz, fehlende soziale Verantwortung, sowie Verflechtungen in Rüstungsgeschäfte.
Ist es wirklich nötig, dass sich dieser Kongress am Whitewashing dieser Firma beteiligt?
Von einem ersten Überblick erschien mir das, was in den Vorträgen lief doch wieder sehr vorhersehbar. Wie ein schlecht gelaunter Sascha Lobo. Diese larmoyante Mischung aus gezwungenem Humor, gespieltem Desinteresse, ab und zu mal eine Beleidigung des Publikums, es ist so langweilig, um es böse zu sagen “sowas von 2000er”. Die Lockerheit kommt gut an im Mainstream. Deswegen auch die Problemlosigkeit finanzstarke Sponsoren zu finden.
Mir ging es schon in den letzten Jahren so, dass ich das Gefühl habe zum einen bewegt sich die Netzcommunity in verschiedene Richtungen. Die Nähe zur Nichtkommerzialität ist deutlich zurückgegangen. Suchmaschinenoptimierung kriegt man an jeder Ecke angeboten. Manche versuchen immer noch immer ganz vorne zu sein bei den Themen. Jede Woche eine neue Technologie. Dabei werden dann viele Bedenken über Bord geworfen. Es gibt immer noch Vertreter die Datenschutz-Spackeria. Facebook darf man fast nicht mehr kritisieren, weil Menschen Angst haben, man macht ihnen das Spielzeug kaputt.
Die Netzcommunity – wieso eigentlich gerade dort und plötzlich das deutsche “Netzgemeinde” – gerade hier gibts ja keine passende Übersetzung. Lieber verzichten auf ein englisches “Q&A”? Die Netzcommunity also ist so zersplittert wie nie zuvor. Das wäre meine aktuelle Kernerkenntnis. Und gerade diese Gespaltenheit macht es schwer, an einem Strang zu ziehen.
Zwischen kommerziellen und strenger Nichtkommerzialität kann es eben kaum Kompromisse geben. Ich denke das man gerade heute eigentlich diese Community als Idee beerdigen muss, weil es sie nicht gibt. Das macht die re:publica 2013 besonders deutlich.
Im wesentlichen spaltet es sich wohl eher in die beiden großen Veranstaltungen “re:publica” kontra “Chaos Communication Congress”. Wobei letzterer eher von Engagement im nichtkommerziellen und ncihtprofessionellen Bereich geprägt ist. Bei der re:publica sind inzwischen scheinbar selbst die Aktivist*innen bezahlte Mitarbeiter (oder Gründer*innen)?
Web 3.0 – Unser Web / niemandes Web
Als Reaktion auf verschiedene Skandälchen rund um Soziale Netzwerke taucht nun wieder eine Frage auf, auf die ich bereits 2008 Antworten gefordert habe. Damals hatte ich zu Was kommt nach dem Web 2.0 geschrieben:
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“Bedeutung” – es wird in Zukunft darauf ankommen, das vorhandene Daten mehr darüber mitteilen, was sie bedeuten. ( Semantic Web )
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“Teilen” – Das Teilen von Information wird immer wichtiger. Es gibt zwar schon diverse Ansätze auch und gerade durch Web 2.0 – doch stossen diese auch immer wieder an technische und rechtliche Grenzen.
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“Rechte” – Das Internet bildet einen riesigen Raum von Rechtsunsicherheiten. Dies liegt auch zum teil daran, das das Recht nicht für das Internet gemacht wurde und zum teil veraltete Konzepte einfach auf das Internet ausgedehnt wurden. Wir brauchen mehr Klarheit und Einfachheit.
Ich würde heute einen neuen Schwerpunkt beim Eigentum legen. Firmen wie Facebook, Yahoo oder Google gehören unsere Daten. Während wir bei den Netzwerken umsonst mitmachen dürfen werten sie unser Nutzerverhalten aus und dienen wir ihren Profitinteressen. Es ist naiv sich auf der einen Seite total auf Firmen zu verlassen – und dabei macht Größe noch nicht einmal einen großen Unterschied. Zum anderen erwartet man jede Art von Freizügigkeit.
Manche langjährigen Blogger und Netzaktivisten meinen jetzt die Antwort auf alles gefunden zu haben: Wir müssen mehr auf unseren eigenen Blogs bloggen. Dort würden uns ja die Daten gehören. Vergessen tun sie dabei die letzten 10 Jahre vergessen. Facebook wurde 2004 gegründet, Twitter 2006. Soziale Netzwerke wie diese (ja es gibt auch freie Alternativen) lösten bestimmte Probleme:
- Einstiegshürde. Obwohl Blogs die Hürden dramatisch senkten, wie bereits zuvor die Einführung von HTML, war und ist das Einrichten eines eigenen Blogs für viele User immer noch eine nicht einfach zu bewältigende Herausforderung.
- Mitbekommen was läuft. Das Netz ist voller Informationen. Aber wollen wir wirklich täglich alle möglichen Seiten absurfen? RSS hat da für einige Websites und Blogger eine Lösung gebracht, um bestimmten Streams zu folgen. Viele nutzten den Google Reader (anno 2005). Dessen Abschaffung beschwor viele Proteste herauf. Fakt ist aber auch, dass das Folgen in Sozialen Netzwerken viel einfacher ist für die Mehrheit der Menschheit und zudem einen Rückkanal ermöglicht. Und damit als Feature der Mehr Interaktivität auch etwas bietet, was ich mich erinnere die einfachen User bereits auf Veranstaltungen unseres Bürgernetzes in den 90er Jahren von Webseiten forderten. User wollen immer mehr Interaktivität und immer mehr mitbekommen.
- Soziale Vernetzung. Soziale Netze bieten wie der Name schon sagt die Möglichkeit des “Socializing”. Die Ausage “Der Mensch ist ein soziales Wesen” ist trivial aber sehr war und besonders essentiell. Auch bei Blogs gibt es eine sog. Blogosphäre in der man sich austauscht und aufeinander bezieht. Aus meiner Sicht vereinfachen Soziale Netzwerke diese Interaktion und demokratisieren sie auch in dem Sinne, dass mehr Leute daran teilnehmen können.
Das Problem aktueller Sozialer Netzwerke ist aber dennoch ein Demokratiedefizit. Die Daten der User werden verkauft und sie wie Vieh missbraucht. Versuche der User innerhalb von Facebook gegenüber Änderungen der Datenschutzbestimmungen aufzustehen scheiterten bisher regelmäßig aufgrund fehlender Masse. Wenn wir uns in Strukturen bewegen, die uns nicht gehören und noch wichtiger bestimmten Firmen gehören, die damit ihren wirtschaftlichen Verwertungsinteressen verfolgen werden wir als einzelne User aber auch als Gruppe immer den kürzeren ziehen.
Die Lösung kann aber weder sein, dass jeder Mensch nun sein eigenes Blog eröffnet, noch das wir hunderte alternativer Netzwerke auf Basis von Open Source eröffnen. Die Lösung wäre zum einen Soziale Netzwerke auf Basis offener Standards, die miteinander interagieren und zum anderen die Finanzierung der Infrastruktur. Das sind schwierig zu lösende Fragen. So mancher Ansatz hat sich als verfehlt herausgestellt. Weil manche kleine, geile Firma angetreten ist als Startup Facebook Konkurrenz zu machen (Beispiel Diaspora). Aber wenn man sich in die Logik des “freien” Wettbewerbs, ins Haifischbecken, begibt, dann werden immer die größeren die kleineren Fische fressen. Es sei denn man ist in der Lage selber die kleineren Fische zu fressen und die großen auszutricksen. Denn auch Microsoft und Google mussten ja einmal klein anfangen.
Meine Hoffnung liegt aber nicht darin, dass endlich die kleine Firma kommt, die alles richtig macht. Wenn wir wollen das Soziale Netzwerke anders laufen, müssen wir sie von Grund auf selber und richtig machen. Dazu braucht es Soziale Verträge. Wir als User müssen die Bedingungen festlegen, nach dem die Netzwerke betrieben werden und das heißt auch, dass wir sie selber betreiben müssen. Bestimmte Regeln müssen festgeschrieben werden als Selbstverpflichtung. Eine demokratische Mitbestimmung muss möglich sein. Es kann also nur um eine vollständige und transparente Organisation gehen. Eigeninteressen müssen dabei zurückstehen. Konstrukte bei denen eine Firma etwas sponsort werden auf Dauer nicht tragfähig sein und scheitern. Ich bin sicher es sind intelligente Möglichkeiten der Finanzierung hinzubekommen, wenn man sich nur ein wenig den Kopf zerbricht. Ohne Beteiligung der User wird es allerdings nichts werden. Die Umsonst-Kultur wird hier natürlich zuschlagen. Daher wäre meine Empfehlung auf freiwillige Spenden zu setzen statt auf einen Pflichtbeitrag. Wikipedia ist auch ein Beispiel wie sich ein freies, soziales Netzwerk selbst erhalten kann und vielleicht können sie auch wichtige Impulsgeber sein bei einer solchen Entwicklung.
Was uns m.E, aber wenig weiterbringt ist zu glauben mit einer Rückbesinnung auf die Anfangszeit des Web 2.0 würden wir die Zukunft bewältigen können. Facebook und Google werden nur bezwungen, wenn wir es schaffen ihnen voraus zu sein und unsere Nischen schaffen, die sie nicht aufkaufen können. Letztlich leben alle kommerziellen Firmen von unserem Geld. Wenn wir in der Lage sind die Profitinteressen auszusperren, die ja dann oft nur den Kapitalanlegern zugute kommen, sollten wir unsere eigenen Kosten massiv senken können. Dazu ist aber etwas mehr Weitsicht von nöten.
Leider haben sich Alternativen wie identi.ca/status.net nicht als richtiger Ansatz erwiesen. Soziale Netzwerke müssen entweder in einer Nische gut funktionieren oder eine kritischen Masse erreichen. Dazu brauchen auch freie soziale Netzwerke eine Strategie, weil sie sonst in ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit vor sich hindümpeln und die ewige theoretische Alternative bleiben. Was nützt es mir, wenn identi.ca Open Source ist, wenn doch die meisten User auf Twitter unterwegs sind?
Kritik an Googles Kampagne ist heuchlerisch
Oliver Neuroth kommentierte jüngst für den SWR “Googles Kampagne ist heuchlerisch“. Unter anderem wirft er Google vor keine selbstlosen, sondern wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.
Aber was heißt schon selbstlos? Er selbst ist Journalist und plädiert für eine gerechte Entlohnung von Verlagen und JournalistInnen. Keine wirtschaftlichen Interessen?
Der Nutzer kann die ersten Zeilen bei Google News lesen, ohne die Seite der Zeitung besuchen zu müssen. Und dafür könnte der Google-Konzern, der pro Monat rund eine Milliarde Dollar verdient, doch wohl ein paar Cent an die Verlage abgeben.
Zunächst einmal setzt er den Hinweis auf Inhalte mit den Inhalten selbst gleich. Zum einen aus meiner Sicht: Wie liest man denn sonst Artikel? Etwa auf die Seite einer Zeitung surfen und dann dort suchen? Das hat man vielleicht 1995 gemacht, aber heute? Zum anderen vergleicht der Kommentator hier den Gesamtgewinn eines Konzernes mit der Vergütungshöhe EINES Artikels. Weil er will ja nicht ernstlich vorschlagen, dass alle Verlage der Welt insgesamt nur ein paar Cent (also unter 10 Cent) bekommen. Wieviele Artikel werden pro Monat wohl geklickt? Nehmen wir mal an 10 Milliarden mal pro Monat. Würde jede der Artikel mit 10 ¢ vergütet würde das Google News 1 Milliarde Euro pro Monat kosten. Der Gewinn von Google liegt laut “Der Westen” 7,5 Milliarden Euro pro Jahr, so würde dem Gewinn von 7,5 Milliarden Euro Mehrkosten von 12 Milliarden Dollar und somit einen Nettoverlust von 4,5 Milliarden Euro oder 5,8 Milliarden Dollar bedeuten.
So schnell geht das mit den “ein paar Cent”. Zudem muss man auch sagen, dass Google News an der Bereitstellung und an den Klicks selber nichts verdient. Google könnte auch argumentieren, dass es selber als Suchmaschine nur die Websites verlinkt, die auch bezahlen. Verdienen tut Google News primär an Werbung und daran, dass Firmen seine Suchmaschinentechnologie kaufen/mieten.
Falsch ist zudem, dass lediglich Google von dem neuen Gesetz betroffen wäre, wie in dem Kommentar dargestellt. Die Aufregung darüber, dass Google seine “Marktmacht” einsetzt für die eigenen Interessen ist künstlich und noch heuchlerischer. Denn es ist es anderes, wenn ich lese:
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) verurteilten die Kampagne als „üble Propaganda“. Es sei ein Unding, dass der Konzern seine marktbeherrschende Stellung einseitig für die eigenen Ziele nutze.
Was repräsenieren denn diese beiden Verbände, die sämtliche Zeitungsverlage repräsentieren als selbst eine absolute Marktmacht? Wieso ist ihr Engagement rein philanthropisch während Googles Interessen die Verkörperung des Bösen sind?
Eine gute Vergütung – ja darauf warten viele Onlinejournalisten seit Jahren vergeblich von den Zeitungsverlagen. Häufig gelten sie als Journalisten zweiter Klasse, die entsprechend geringer entlohnt werden. Wenn den Verlagen die Inhalte so viel wert sind, dann sollten sie auch dazu bereit sein ihre MitarbeiterInnen entsprechend zu entlohnen. Als Anwalt für unterbazhlte JournalistInnen taugen sie jedenfalls nicht.
Schavans Plagiate
Ich empfinde anläßlich derAufdeckung einiger Plagiate von Annette Schavan da zweierlei:
- Eine gewisse Genugtuung, dass hohe PolitikerInnen mit angeblich lupenreinem Abschluss darüber stolpern, dass sie geschummelt haben.
- Die Offenbarung der Lückenhaftigkeit und teilweise Beliebigkeit von Abschlüssen.
Ich finds bezeichnend, dass es viele Journalisten und Wissenschaftler gibt, die sich jetzt auf Schavans Seite schlagen. Es geht hier ja darum, dass man Bundes-BildungsministerInnen ein viel höherer Standard angelegt werden muß, als an irgendwen sonst. Beklagt wird, dass es kein zweites Gutachten gibt.
Was hier m.E. auch stattfindet ist ein Kulturclash: Es stellt sicher heraus, dass die Anforderungen an Dissertationen und anderen Arbeiten gar nicht so geprüft werden (können), wie es die Noten oft suggerieren. Aufgeklärt wird das von einem aus Sicht etablierter WissenschafterInnen “Internet-Mob”, der freiwillig oder ehrenamtlich fremde Dissertationen prüft, um einen eventuellen Mißbrauch zu finden. Dabei kommt dann die Arbeitskraft von Massen (oder auch Software) zum Einsatz.
Wenn ich da auf dem Schavanplag mehrere Stellen finde, die eindeutig Plagiate sind. D.h. in Schavans Fall mehrere Quellenangaben, die sie, so weit ich das verstehe, 1:1 abgeschrieben hat, so besteht für mich überhazot kein Zweifel, dass das Abschreiben bewußt geschehen sein muss.
Es kann nicht sein, dass man auf der einen Seite bestimmte Abschlüsse hochhält – an dem wissenschaftlichen System nichts ändern will, z.B. durch die Ermöglichkung von Kooperation oder das Aufweichen wissenschaftlicher Standards. Aber dann, wenn hochstehende Persönlichkeiten (insbesondere die, die selber WissenschaftlerInnen ehren) diese Regeln zu ihren Gunsten gebogen haben, relativiert man diese Verfehlungen.
Was hier passiert ist ein Schutzinstinkt, der verhindern will, dass Vorteile der Eliten gefährdet werden. Dann lebt man lieber mit dem Verletzen der Regeln bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn ich eine Textstellen kopiere, dass weiß ich auch, dass ich sie kopiere. Und ich bin nicht wissenschaftlich ausgebildet. Wenn eine Bildungsministerin das angeblich unwissentlich tut, dann beleidigt das meinen Verstand. Denn damit sagt sie und ihre UnterstützerInnen, dass wir zu blöd sind so einen simplen Tatbestand zu erkennen.
Ich will nix dagegen sagen, wenn Zitate falsch gekennzeichnet werden . also wenn klar ist: da hat jemand nur was vergessen oder einen Fehler gemacht. Beurteilt werden muss natürlich das Gesamtwerk. Wie man aber etwas abschreiben kann ohne es zu merken, dass will mir nicht in den Kopf.
Nun offiziell: Ziele von Liquid Feedback unvereinbar mit Datenschutz
In einem Offenen Brief hatten die Entwickler von Liquid Feedback im April 2011 argumentiert: “Unvereinbar mit der Notwendigkeit politischer Transparenz finden wir jedoch den Wunsch, den Parteimitgliedern, die sich lediglich anonym beteiligen wollen de facto ein Mitentscheidungsrecht einzuräumen“.
Nun bestätigt der Berliner Datenschützer die Kritiker*innen in einer Antwort an die Berliner Piraten. U.a.:
…Auch der demokratische Grundsatz parteiinterner Öffentlichkeit spricht nicht für die Erforderlichkeit des Klarnamenprinzips. Der demokratische Willensbildungsprozess einer Partei setzt verfassungsrechtlich nämlich keineswegs eine generelle Kenntnis des Abstimmungsverhaltens der Mitglieder voraus; im Gegenteil ist gerade die Möglichkeit geheimer Abstimmungen eine Minderheiten schützende demokratische Vorkehrung. Wenn durch das Klarnamenprinzip im LQFB also Abstimmungen generell namentlich nachvollziehbar werden sollen, läuft das den verfassungsrechtlichen Vorgaben einer demokratischen Parteistruktur zuwider….
Hab’ ich ja auch schon gesagt… . Aber da sieht man mal wieder, dass die Piraten nur sehr wenig Ahnung von Demokratie haben.
Fiasco Diaspora- Was läuft schief?
Das Projekt Diaspora ist vorerst mit dem bisherigen Plan gescheitert. Warum können sich solche Projekte und Alternativen wie auch StatusNet (identi.ca) oftmals nicht durchsetzen?
Aus meiner Sicht liegt das oft aml Egoismus der Entwickler und an der doch sehr kapitalistischen Struktur der Gründungsunternehmen. Im Grunde setzt ja Open Source auf Offenheit. Bei übermächtigen Gegnern wie Facebook oder Twitter reicht es nicht, wenn ein Entwicklerteam mit ein wenig Wagniskapital versucht eine Alternative aufzubauen. Solange jedoch das Konkurrenzdenken an vorderster Stelle steht, wird es schwerfallen eine breitere Masse anzusprechen.
Projekte kommen und gehen. Erfolgreiche Projekte wie Debian oder Firefox haben auch eine starke Organisation hinter sich, die über die Ziele wacht und die Community und die Demokratie organisiert.
Zu viele Projekte leben von einem einzelnen Programmierer, einem Zirkel von Programmierern oder einer Startup-Firma. Geht denen das Geld aus, weil sich die Idee nicht schnell genug monetarisieren läßt, sterben auch Open Source-Projekte.
Aber auf diese stümperhafte Art wird man Facebook oder Twitter nicht kacken können. Dazu kommt das NIH-Syndrom: ”Not invented here!” – Kommt nicht von uns – kann nicht gut sein. Gerade im Open Source Bereich tummeln sich eine Heerschar ehrgeiziger Männer und die Vielzahl an Software und Protokollen ist dort kaum geringer als im kommerziellen Bereich. Dazu fällt mir dann wieder die Geschichte von qmail ein.
Gegen Facebook hilft nur, dass sich eine Szene herausbildet, die strategisch zusammenarbeitet und UnterstützerInnen sammelt. Ein demokratischer Aufbau von Organisationen und Entscheidungen sorgt dafür, dass niemand unsinnige Alleingänge macht.
Es ist natürlich jedem unbelassen seine Bahnen ganz alleine um die Sonne zu ziehen. Das mag auch Anregungen geben. Aber nur gemeinsam sind wir stark genug den Großkonzernen etwas eigenes entgegenzusetzen!
Weder Henne noch Ei: Liquid Democracy
Heute gibts auf tagesschau.de ein Interview zu LD. Ich sehe das ja sehr kritisch, weil es m.E. vollkommen am falschen Punkt ansetzt: Eine technokratische Lösung für fundamentale Demokratieprobleme. Aus den Antworten auf tagesschau.de ergibt sich folgendes:
Zitate:
- “Liquid Democracy steht für die Idee, dass die Grenze zwischen repräsentativer und direkter Demokratie fließend ist.”
- “tagesschau.de:Soll die repräsentative Demokratie dadurch abgeschafft werden?” - Nein. Uns geht es nicht darum, die repräsentative Demokratie überflüssig zu machen oder zu ersetzen. Uns geht es darum, Schnittstellen in die bestehenden Parlamente zu schaffen und die bisherigen Verfahren zu ergänzen.
Nun ist LD nicht das gleiche wie die Politik der Piraten. Aber wenn wir das mal als neues Politikmodell begreifen, dann sehen wir hier schon, dass LD nicht zur Direkten Demokratie führt. Hier geht es um Repräsentative Demokratie 2.0. . Das Individuum soll mehr beteiligt werden und das Gefühl haben mitzuwirken. Ähnlich wie bei Bürgerhaushalten oder anderen Beteiligungsverfahren.
Mitreden dürfen ist aber nicht gleichzusetzen mit direkter Beteiligung an Entscheidungen. Dazu ist z.B. ein nicht ganz unwesentlicher Punkt, dass die entscheiden sollen, die auch tatsächlich betroffen sind. Sprich: Ein atomares Endlager wird nicht dadurch besser, dass die Mehrheit via LD bestimmt, dass es in einer Gemeinde errichtet wird.
In einer Direkten Demokratie sollte das gar nicht möglich sein: Natürlich dürfen nur die Bürger vor Ort entscheiden, was sie sich zumuten wollen.
Dann betont die Frau Paetsch auch ”Wir sind da noch am Anfang“. D.h. die Entwickler sind sich selbst gar nicht bewusst, wohin die Reise geht. Meine Verutung dazu ist, dass LD Probleme löst, die es gar nicht gibt. Ein typisches Symptom. Und ein Garant dafür, dass LD mehr Probleme schafft, als es löst. Jedes demokratische Werkzeug muss eigentlich eine klare Zielvorstellung haben, weil sonst die Gefahr besteht, dass es an ganz anderen Stellung Wirkungen zeigt, die gar nicht gewünscht sind.
Und vor allem: Wenn LD nicht die Repräsentative Demokratie in frage stellt, so spricht das eine deutliche Sprache, was von der Ernsthaftigkeit eines direktdemokratischen Ansatzes über dieses Werkzeug bei den Piraten zu halten ist. Gleiches gilt natürlich auch für Vollversammlungen, denen nur eine Auswahl an Piraten beiwohnen kann – und die somit das Gegenteil von Basisdemokratie darstellen.
Meine Soziale Netzwerk Bilanz
Im Internet sind verschiedene Soziale Netzwerke in Konkurrenz zueinander. Namentlich nennen ich Twitter, Identi.ca,Facebook und Google+ .
Für mein ganz persönliches Arbeiten habe ich mich inzwischen ganz auf Twitter eingeschossen. Der Hautpgrund ist die geringe Komplexität un Überschaubarkeit des Dienstes. Identi.ca hat in verschiedener Hinsicht verloren: Sicher ist es der richtige Weg solche Netzwerke verteilt aufzubauen und Monopolen entgegenzuwirken. Allerdings bringt es auch nichts in einem Netzwerk unterwegs zu sein, dass dauerhaft weniger User hat. Ich hatte am Ende identi.ca nur noch als Proxy für Twitter benutzt. Am Tag als identi.ca mir dann den Zugang sperrte, weil in den USA ein Gesetz verabschiedet werden sollte, nach dem identi.ca selbst auch immer wieder an mangelnder Stabilität litt, beschloss ich, es nie wieder zu nutzen. Nein und ich will mir auch keinen eigenen identi.ca-Server aufsetzen.
Zu Facebook folgendes: Die datenschutzrechtlichen Implikationen einer Nutzung sind überhaupt nicht mehr überschaubar. Facebook macht mir Angst. Damit meine ich vor allem den Umgang der Leute damit. Das blinde Vertrauen in Facebook und die Selbstverständlichkeit wie hier irrwitzige Nutzungen passieren. Ich kann Facebook nicht unterstützen. Ich habe zwar einen Account. Den nutze ich aber nicht richtig. Und ich will mich darüber auch nicht mit Freunden vernetzen – schon gar nicht unter einem realen Namen! Aus meiner Sicht fällt es daher weg, weil es indiskutabel ist. Dazu kommt die Komplexität des Netzwerkes Facebook als solches – und das hat es mit Google+ gemein. Ich habe keine Lust eine Botschaft in mehrere Netze zu verteilen. Und ich will auch keine Diskussionen online führen. Facebook und Google+ entwickeln sich ja langsam zu einem Ersatz für Foren und Kommentare.
Was Facebook angeht so erwarte ich da bald einen großen Crash – einen Datengau unendlichen Ausmaßes und katastrophalen Folgen. Das ist doch alles auf Sand gebaut. Die Macher haben doch selber gar keinen Überblick mehr darüber, was da alles passiert. Aber alles ist in einer Hand. Ich kann daher die Begeisterung für fb nicht verstehen. Mir macht das einfach nur noch Angst.
Zudem schätze ich die Kürze von Twitter. Netzwerke pflegen ist überschaubar. Dabei muss ich nicht jeden als Freund bezeichnen oder “liken”. Diese ganzen Etiketten werden gerade bei Facebook so inflationär gebraucht, dass sie eh gar keinen Wert mehr haben. Mit “Freund” meint man oft nur noch, dass man irgendwen irgendwie kennt – nicht persönlich – nur den Namen z.B. .
Wohin sich das ganze entwickelt ist unklar. Erst kürzlich wiesen der ULD in Schleswig-Holstein und der Datenschutzbeauftragte von Hamburg darauf hin, dass bei Facebook erneut die Rechte der User reduziert wurden.
Es gibt bei Sozialen Netzwerken erheblichen Nachholbedarf, um sie wirklich zuverlässig zu machen und für jeden einfach nutzbar – ohne erhebliche Risiken einzugehen. Leider stürzen sich zu viele, auch Organisationen, PolitikerInnen, … auf Facebook ohne es zu verstehen oder mit einer beneidenswerten Portion Gottvertrauen. Warnende Stimme wie der ULD in Kiel werden da oft als Spielverderber angefeindet. Na mal sehen was passiert, wenn der große Crash kommt. Denke in den nächste 1-2 Jahren wird er kommen.
Nie wieder Ebooks? (Bookzilla)
Schon öfters habe ich PDFs gekauft, z.B. bei der TAZ oder anderswo. Nun bin ich auf eine ganz neue Art von Betrug gestoßen: Es werden PDFs angeboten, die keine PDFs sind, sondern per DRM (Digital Rights Management) gesichert.
Wie z.B. dieses Angebot von Bookzilla. Im Kleingedruckten sieht man dann dort:
Dieses eBook können Sie auf allen Geräten lesen, die pdf- und DRM-fähig sind. z.B. auf dem Acer LumiRead & Sony Reader - nicht auf dem Kindle.
(aber im FAQ zu PDF kommt man nur auf eine leere Seite , 7.2.12, 11.30 Uhr)
Wenn man so ein Buch kauft, kann man bei Bookzilla im Download-Bereich eine Datei herunterladen, die “URLLink.acsm” heisst. An dem Punkt habe ich dann gemerkt, dass der Kauf dieses Buches nicht so normal funktioniert, wie ich es erwartet habe.
Seit Jahrzehnten nutze ich PDFs. PDFs sind eigentlich immer lesbar und selten geschützt. Ein “pdf eBook” ist also unzweifelhaft etwas, dass ich schon millionen male geöffnet habe? Weit gefehlt. Auch die Beschreibung, dass so wie ich es gelesen habe das PDF auf allen Geräten lesbar ist, das auch PDFs lesen kann war nicht korrekt. Dort stand auch nicht: Dieses eBook läuft nur auf Windows,… und NICHT auf Linux. Fakt ist aber, dass Bookzilla, die sich selbst als große Förderer von Freier Sotware darstellen, mich auf einmal zwingen wollen, unfreie Software zu installieren, nur um ein BUCH zu lesen. Und das nicht aufgrund zwingender technischer Voraussetzungen, sondern weil Bookzilla mir misstraut.
Warum aber sollte ich, sollten wir Bookzilla und den Herstellern von eBooks vertrauen, wenn diese uns nicht vertrauen?
Ich widersrpach also dem Vertrag und wurde per Email darauf hingewiesen:
Sehr geehrter Herr Pfennig,
vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte beachten Sie, das Downloads nicht unter das normale Widerrufsrecht fallen: § 1 Widerrufsrecht …“Das Widerrufsrecht gilt ferner nicht für Downloads von Audio-Dateien, eBooks und / oder Software, da diese aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht zur Rücksendung geeignet sind“. Der Hinweis auf DRM-Verschlüsselung ist in der Artikelbeschreibung deutlich erkennbar. Sollten technische Probleme vorliegen, die eine Stornierung auf Kulanzbasis rechtfertigen, so schildern Sie uns diese bitte möglichst detailliert. Alle wichtigen Informationen zum Thema Widerrufsrecht & Rücksendungen finden Sie unter: http://www.bookzilla.de/shop/action/magazine/5039/widerrufsrecht.html?aUrl=90006951 Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gern jederzeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen Ihr Team vom Bookzilla.de-Kundenservice
Sollte es tatsächlich so sein, dass eBooks nichts anderes sind als der Versuch dem Konsumenten fundamentale Rechte gänzlich abzusprechen? Insbesondere möchte ich öffentlich darauf verweisen, dass das Wort “DRM” zwar in der Artikelbeschreibung vorkommt, aber nicht, dass Bookzilla keine Kunden mehr haben möchte, die Linux benutzen. DRM ist das eine – sofern es eine Technologie ist, die jeder benutzen kann. Schlimm genug. Etwas anderes ist es, wenn bestimmte Kunden willlkürlich vom Gebrauch einer Ware ausgeschlossen werden. Es ist kein Mangel, den ich zu verschulden habe, dass Bookzilla eine Technologie verwendet, die auf meinem Rechner nicht funktioniert. Gerade der Ausschluss des Widerrufrechtes ist ja ein so schwerer Haken, dass ein Verkäufer doppelt und dreifach darauf hinweisen müsste, dass im Gegensatz zum Papierbuch der Widerruf nicht möglich ist.
Vielleicht lohnt es sich hier an der Stelle mal einen Präzendenzfall zu schaffen? Anwälte, die da ihren Spaß dran hätten und auch gute Chance sehen, dürfen sich bei mir melden. Auch Gleichgesinnte. Ich werde an dieser Stelle darüber informieren, wie dieser Fall weitergeht.
Was sagt eigentlich der FSFE zu dem Fall, der ja Partner von Bookzilla ist?
Piraten verwirrt: Erst Ex-NPD-Mitglieder nun gar keine Geheimnisse mehr?
Die Frankfurter Rundschau berichtet über zwei Piraten-Mitglieder, die Mitglied in der NPD waren. Zeitgleich wurde bekannt, dass in Schleswig-Holstein ein Rechtsradikaler aktiv ist. Aus Sicht der Piraten in Schleswig-Holstein liegt das nicht etwa daran, dass die Piraten inhaltlich für Rechtsradikale attraktiv sind, sondern lediglich an ihrer “offenen Struktur”. Ich bezweifle das. Denn zunächst einmal können Rechtsradikale ja in jeder Partei Mitglied werden. Aber die Piraten haben sich seit Jahren auf die Fahnen geschrieben sich nicht in das Rechts/Links-Schema einordnen zu wollen. Das ist dann aber auch eine Art Code dafür, dass sie eigentlich rechts sein wollen. Klingt komisch, erkläre ich aber gleich: Denn “Links” sein, war immer progressiv. Die “Linken” in Deutschland waren die, die die Demokratie wollten. Die Rechten dagegen wollten die bestehenden Verhältnisse beibehalten oder wieder herstellen. Wer sich also nicht klar gegen “Rechts” als Kategorie abgrenzt, bzw. sich nicht als links oder progressiv definiert, der kommuniziert allen Rechten nach außen, dass hier nicht ein Plätzchen frei ist.
Verwundern tut dann aber folgendes Zitat aus der FR von Oliver Höfinghoff:
„Wer ein Amt oder Mandat haben will, sollte generell jede vorherige Zugehörigkeit zu anderen Parteien und Organisationen offenlegen, dass verstehe ich unter politischer Transparenz“
Erst lassen sie sich also auf Rechtsradikale ein, schaffen es auch nicht sie auszuschließen, wie z.B. Bodo Thiesen. Und nun wollen sie dafür aber die ganze politische Aktivität ihrer Mitglieder aufrollen. Und damit im Namen von Transparenz auch Dinge offenlegen, die auch zur eigenen Privatsphäre gehören. Das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Privatsphäre. Bei den Piraten, auch in diesem Bundesland, nach wie vor unklar. In Zeiten der Datenschutz-Spackeria will man schon genau wissen, wo Organisationen stehen. Bei den Piraten sieht das ganze mehr nach Flaschendrehen aus. Oder anders ausgedrückt: Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht.


