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Archiv für die Kategorie ‘International’

Erster Mai = DGB-Demo?

MayDay_2011_parade_15

MayDay_2011_parade_15 (Photo credit: Alan Wilfahrt)

Was als Aufstand für die Einführung des Achtstunden-Tages begann, wurde in Deutschland zum Ritual und zum offiziellen Feiertag. Der Erste Mai in Chikago wurde von Anarchist*innen organisiert. Um so erstaunlicher die Entwicklung, dass man von linksradikalen Gruppen heute jedes Jahr die Zuerkenntnis des Ersten Mais als Eigentum des DGB lesen kann. “Die DGB-Demo“: So als wenn die ersten Reihen, in die oftmals SPD-Politiker*innen mitlaufen die Erfinder des Ersten Mais wären. Vergessen offenbar der Blutmai und andere Ereignisse. Der ADGB und die neue Arbeitspolitik mit Arbeitsfront - im Nachkriegsdeutschland wurden fatale Entwicklungen weiterentwickelt.

Warum also sollte man dem DGB den Platz zugestehen Eigentümer des Ersten Mais zu sein. Schlimm genug, dass die Medien immer von DEN GEWERKSCHAFTEN schreiben und damit oftmals nur die zentralisierten Gewerkschaften unter dem Dach des DGB meinen. Schimmer, dass die ausgeklammerten selber diesen Neusprech übernehmen und sich als  Bewegung definieren, die sich außerhalb der Tradition des Ersten Mais verortet, nur weil dieser vielerorts DGB-dominiert ist und von Würstchenständen und von Reden geprägt ist, die langweilig sind, die pro-militaristisch sind und alles andere als sozialrevolutionär.

So lange linksradikale Gruppen und Gewerkschaften nicht in der Lage sind ihre eigene Bewegung als solche anzuerkennen und sich selber auszugrenzen, so lange werden auch der DGB gesellschaftlich dominant bleiben. Nicht das alles am Ersten Mai hinge, aber wenn es daran schon scheitert, muss man gar nicht erst über weiteres nachdenken. Denn es gibt damit keine Vergangenheit, keine Vision, keine Position und keinen Anspruch der verwirklicht werden könnte. Damit bleibt jegliche Kritik am Kapitalismus zahnlos und verkommt genau so zum Ritual wie auf der Gegenseite die DGB-Organisierung des Ersten Mais.

Dem Kapitalismus ist es egal, wie verbalradikal irgendwelche Kleingruppen sich gerieren. Spannend wird es doch erst dann, wenn das was gesagt wird auch gemeint ist und sich glaubhaft als echte Alternative zum bestehenden System präsentiert?

Youtube sperrt Video wg. 35 Sekunden !

Der slowenische Aufstand: Wir machen keinen Unterschied – sie sind alle fällig!

Ne diskriminiramo, vsi so gotovi!

Ne diskriminiramo, vsi so gotovi!

Slowenien erlebt den heftigsten Aufstand seit zwei Jahrzehnten und den ersten überhaupt, der sich gegen das politische Establishment richtet, gegen den Sparkurs und in manchen Orten gegen den Kapitalismus an sich. Alles begann Mitte November mit einem Protest gegen den korrupten Bürgermeister von Maribor, der zweitgrößten Stadt in Slowenien (ca. 150.000 Einwohner*innen). Der ist mittlerweile zurückgetreten. Dabei fand ein Slogan Verbreitung, der nun zum Symbol der Proteste geworden ist: “Sie sind alle fällig.” Es handelt sich um dezentrale, antiautoritäre und nicht-hierarchische Proteste, die auch Leute umfassen, die nie zuvor auf die Straße gegangen waren. Proteste finden selbst in kleinen Dörfern statt. Wir sind gespannt wie es weitergeht!

Die Anarchistische Föderation in Slowenien (FAO – Federation of Anarchist Organizing), die Teil der IFA ist, hat uns Materialien zukommen lassen, die wir  übersetzt haben und hiermit gerne veröffentlichen.

slo vstaja

slo vstaja

Wir machen keinen Unterschied – sie sind alle fällig!

Von Federacija za anarhistično organiziranje (FAO, Föderation für anarchistische Organisierung)

In den letzten Tagen ist die Geschichte mit all ihrer Wucht über uns hereingebrochen. Mit dem Aufstand in Maribor hat etwas begonnen, von dem viele dachten, dass es unmöglich sei: Die Menschen organisierten sich selbst, drängten ihren Bürgermeister in die Ecke und zwangen ihn zum Rückzug. Gleichzeitig zündeten sie den ersten Funken für einen breiten Widerstand gegen die politisch-ökonomische Elite und das kapitalistische System. Da wir keine Wahrsager*innen sind, können wir nicht voraussehen, was nun folgen wird, aber wir wissen, dass uns Romantisierung und Naivität nicht weiterhelfen werden, sondern nur Organisiertheit und Entschlossenheit.

Von unten nach oben und von der Peripherie ins Zentrum

Vstaja slovenija

Vstaja slovenija


Der Protest hat sich über das ganze Land ausgeweitet und ist übergegangen in einen slowenischen Aufstand gegen die Politiker*innen und die herrschende Klasse. Jeder Teil des Landes empfiehlt den Politiker*innen in seiner Sprache, dass ihre Zeit jetzt abgelaufen ist. Die Dezentralisierung des Widerstands und die Tatsache, dass der Widerstand nicht von oben oder von den Herrschenden organisiert ist, sondern von unten, von Seiten der Menschen, die von niemandem repräsentiert werden, ist eines der bedeutendsten Merkmale der jüngsten Entwicklungen der Geschehnisse. Wenn wir die Solidarität zwischen den Menschen aufrechterhalten und die Übernahme des Aufstandes durch die politische Klasse verhindern wollen, so muss die Dezentralisation vorwärts getrieben, verstärkt und verteidigt werden.

Die Polizei ist überall, doch nirgends unsere Rechte

Die Brutalität der Polizei gegen die Protestierenden ist keine Überraschung. Was allerdings überrascht, ist die Hoffnung einiger, dass sich die Polizei dem Widerstand anschließen könnte. Die Wahrheit ist, dass die Polizei nicht das primäre Ziel dieses Aufstands ist und dass die Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstrierenden nicht sein eigentlicher und einziger Horizont sind. Dieser Konflikt zielt auf die kapitalistische und politische Klasse, sowie auf das ganze System als solches. Die Polizei ist nicht unser Bündnispartner, denn sie erfüllt ihre systemische Aufgabe und war nirgendwo und niemals ein Verbündeter des Widerstandes. Erinnern wir uns zurück: Die Polizei ist ein repressiver Apparat des Staates, deren strukturelle Funktion die Verteidigung der herrschenden Verhältnisse und der Interessen der herrschenden Klasse ist. Dies gilt auch weiterhin, auch wenn sich unter der Uniform ebenfalls ausgebeutete Subjekte befinden. Solange sie den Befehlen ihrer Vorgesetzten Folge leisten, werden sie Polizist*innen bleiben. Erst wenn sie das nicht mehr sind, können sie gerne Teil des Aufstandes werden. Die Hoffnung zu erwecken, dass sie auf unserer Seite stünden, ist daher letztendlich naiv. War denn ihre Intervention bei den jüngsten Demonstrationen so vorbildlich, wie es einige behaupteten und war sie tatsächlich im Interesse der Menschen? Haben wir denn die brutale Zerschlagung des Protests in Maribor und die Drohungen des Innenministers Gorenak, dass er alle Köpfe des “illegalen” Protests schnappen wird, vergessen?

Keineswegs sind wir überrascht vom Moralisieren über “Randalierer*innen” und “Gewalt”, das sich in den sozialen Netzwerken ausbreitet. Die Regierung und die Medien haben uns einen Knochen hingeworfen, auf den sich manche sofort gestürzt haben. Doch was sind zehn entglaste Fenster, eine zerschlagene Tür eines öffentlichen Gebäudes, eine aufgerissene Straße im Vergleich zur strukturellen Gewalt des Staates? Die Perspektivlosigkeit der Jugend, Arbeitslosigkeit, Prekarität (die stete Unsicherheit des Arbeitsplatzes), Kürzung von Stipendien, Suppenküchen, Entlassungen von Erzieher*innen in den Kindergärten, Leistungskürzungen in der Gesundheitsversicherung, Kürzungen im Bildungs- und Forschungsetat, Zwang zur Frühverrentung, Senkung von Löhnen, Renten, Urlaubstagen und das Verschwinden von billigem Wohnraum, junge Menschen, die als Untermieter oder bis zum Alter bei ihren Eltern leben müssen, die Verletzung der Rechte von Homosexuellen, Migrant*innen, Frauen, religiöse Minderheiten … wir könnten diese Reihe noch weiter fortsetzen. Aber mit ihr haben wir noch nicht das Thema der Korruption angesprochen, der Vetternwirtschaft, des Klientelismus und der Kriminalität der herrschenden Elite. Sie zwingen uns immer mehr zu arbeiten, doch die Früchte dieser Arbeit eignet sich die kapitalistische Klasse immer wieder aufs Neue an. Dieses System basiert auf Ausbeutung.Und nun sage jemand, wer denn hier an wem Gewalt ausübt? Wie können wir es uns erlauben mit den Menschen, die uns die Zukunft stehlen, zusammenzuarbeiten? Die Jugend ist wütend und sie hat keine Zeit zu verlieren. Deswegen hört auf sie zu verurteilen: Gemeinsam können wir unsere Aufmerksamkeit auf die wirklichen Probleme lenken.

Eine noch größere Gefahr ist es, sich auf die Repression nach innen und die Zusammenarbeit mit der Polizei zu stützen. Haben wir in unserer Gesellschaft nicht schon genug Kontrolle, Kameraüberwachung und Repression? Sollen wir nun etwa auch der Polizei helfen bei ihrer Jagd nach “Randalierer*innen”, sie ihnen ausliefern, um dadurch viele junge Leute aus diesem Aufstand auszuschließen, die überhaupt erst einen entscheidenden Beitrag zu ihrem Zustandekommen geleistet haben? Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist ein Schlag ins Gesicht für unsere Sache, die Verurteilung von jungen Menschen, die ihre Forderungen direkter artikulieren, blockieren die Entwicklungspotentiale des Widerstandes. Die Herrschenden bezeichnen das Zerschlagen von Glas als Gewalt, in Zukunft könnte diese Gewaltbezichtigung auf alle möglichen Formen des Widerstandes ausgeweitet werden, die unangemeldet oder passiv sind und letztlich keinen Schaden zufügen. Für ein System, das uns seit Jahren erniedrigt, ausraubt und vernichtet, sind wir alle Randalierer*innen. Deshalb drücken wir diesmal erneut unsere volle Solidarität gegenüber den Gefangenen aus und fordern ihre Freilassung, das Ende der medialen und juristischen Verfolgung, so wie die Rücknahme aller Strafen gegenüber den Menschen, die sich an den Demonstrationen beteiligt haben.

Alle Macht den Menschen, nicht den Parteien

Wegen der anfänglichen Spontaneität des Aufstandes, in der die Kreativität der Massen zum Ausdruck kam, eröffnete sich auch ein Raum für strategische Überlegungen. Damit sich der Aufstand zu einer sozialen Bewegung mit konkreten Forderungen, Zielen und Visionen entwickeln kann, müssen die richtigen Formen gefunden werden, wie diese Forderungen ausgedrückt werden können. Zudem muss eine organisatorische Form gefunden werden, die dies alles ermöglicht. Falls nicht, wird der Aufstand sich verflüchtigen und die Verhältnisse werden weiterhin bleiben, wie sie sind.

Wenn es um die Bestimmung der Forderungen geht, sollten wir Schritt für Schritt vorgehen. Wir sollten mit denjenigen Forderungen anfangen, die bereits innerhalb des Aufstandes zum Ausdruck kamen. Dabei geht es um soziale Fragen, das öffentliche Gesundheitssystem, das Bildungssystem und das Arbeitsrecht. Das heißt jedoch nicht, dass wir nicht einfach das alte System verteidigen wollen. Neben der Verteidigung der Rechte, die in jahrhundertelangen Kämpfen errungen wurden, müssen wir gleichfalls auch eine langfristige Perspektive haben. Solange Staat und Kapital existieren, werden die Ursachen der Ausbeutung und Zerstörung innerhalb des Schul-, Gesundheits- und Sozialsystems weiter erhalten bleiben. Daher müssen wir uns auf diesen Gebieten weiter selbst organisieren und aufhören, über Brotkrumen zu verhandeln. Denn Rechte werden nicht gewährt, sondern erkämpft!

Vielleicht wird sich ein Teil der korrumpierten politischen Elite mit der Tatsache zufrieden geben, dass ihre Zeit nun abgelaufen ist und die politische Bühne verlassen. Allerdings werden andere an ihre Stelle treten, die von uns dafür keine Legitimität bekommen haben und sie werden Entscheidungen in unserem Namen fällen. Ihre Interessen sind nicht unsere Interessen, und das zeigen sie uns tagtäglich mit unzähligen Beispielen von Vetternwirtschaft und Korruption sowie Reformen und Gesetzen gegen die kapitalistische Krise, die uns weiter an den gesellschaftlichen Rand und darüber hinaus drängen. Deswegen müssen alle abtreten, vom ersten bis zum letzten. Es wäre naiv daran zu glauben, dass es irgendwo saubere und unverdorbene Menschen gibt, und wir ihnen bei den Wahlen nur unsere Stimme geben müssten, damit sie uns, da sie ja das Beste für uns wollen, aus der Krise retten. Das politisch-ökonomische System mit seiner Autorität und Hierarchie macht ein Leben unmöglich, dass in Einklang mit unseren Wünschen und Bedürfnissen steht und uns nicht zu entfremdeten Wesen macht. Solange der Kapitalismus existiert, in dem eine Minderheit über die Mehrheit herrscht und sie ökonomisch und sozial am Boden hält, wird unser Leben leer bleiben. Wenn wir uns nicht erheben und uns für die Alternative entscheiden, wird es immer jemand geben, der über uns herrschen wird: der Patriarch in der Familie, die Dekan*innen und die Studentenvertreter*innen an den Fakultäten, die Vorgesetzten auf dem Arbeitsplatz und die Politiker*innen in der Regierung. Die verlogene Demokratie, die sie uns regelmäßig bei Wahlen feilbieten, ist nicht die einzige Möglichkeit gesellschaftliches Leben zu organisieren.

Organisieren wir uns dort, wo wir arbeiten, leben und studieren

Damit der Aufstand und seine Forderungen eine reale gesellschaftliche Macht hervorbringen kann, ist Selbstorganisation notwendig. Wenn wir von Organisation des Aufstandes sprechen, denken wir selbstverständlich an die Form der Organisierung, die eine andere sein wird, als die uns bisher bekannten Formen der gesellschaftlichen und politischen Organisierung. Wir müssen uns von unten her organisieren, ohne Hierarchie oder irgendwelche Anführer*innen, und überall dort, wo man uns ausbeutet und unterdrückt: in unseren Kiezen, am Arbeitsplatz, in den Bildungsinstitutionen. Die Bauern und Bäuerinnen sollten sich zu Genossenschaften zusammenschließen, und die Genossenschaften sollten sich mit städtischen Strukturen zusammenschließen. Eine spontane und kreative Selbstorganisation entwickelt die freiheitlichsten Verhältnisse und erzeugt Strukturen, welche dem Einzelnen volle Partizipation ermöglichen. Ihr folgen die Prinzipien der direkten Demokratie, der gegenseitigen Solidarität, des Antifaschismus und der Abwesenheit von Autorität.

Als Methode einer derartigen Organisierung empfehlen wir zu Beginn die Institution einer direktdemokratischen Versammlung, wie sie in den letzten Jahren während den Aufständen weltweit praktiziert wurde. Wir können uns lokal organisieren, in kleineren Gruppen, um dann gemeinsam unsere zu Zukunft gestalten. Dabei erkennen wir unsere Bedürfnisse sowie die Bedürfnisse der einzelnen Lebensräume, Städte und Dörfer. Gleichzeitig können wir gemeinsam unsere Vorschläge formulieren, unsere Potentiale entdecken und sie in großem Maßstab gleichfalls verwirklichen. So werden wir die Schwesterlichkeit und Brüderlichkeit wiederherstellen. So werden wir die Einigkeit herstellen, in der allen alles zugänglich ist und wo für diejenigen, die Herrschaft wollen, nichts mehr da ist.

Daher empfehlen wir als weitere Schritte des Aufstandes eine Vernetzung der Versammlungen und die Gründung eines Organs für den bisher zerstreuten und sich in Entwicklung befindlichen Aufstand. Wir schlagen vor, dass wir uns auf Grundlage unserer gemeinsamen Interessen zusammenfinden in einer Front aus Gruppen und Einzelpersonen. Diese Front würde keine ideologischen Grenzen kennen, sie wäre inklusiv und wäre begründet in unseren gemeinsamen Forderungen. Die Front wäre horizontal organisiert ohne vermittelnde Körperschaften oder Funktionäre. Sie würde sich auf die Autonomie der Gruppen und Einzelpersonen stützen und auf direkt-demokratische Entscheidungen.

Alle Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen, die das alles für eine gute Idee halten, rufen wir dazu auf, sich über die offenen Versammlungen in ihren lokalen Gemeinden zu organisieren. Die Versammlungen bieten uns später die Möglichkeit, uns miteinander zu vernetzen. Holen wir uns gemeinsam unser Leben zurück!

Von den Straßen und Plätzen, 6. Dezember 2012.

FAO:

  • Alternativa obstaja (Alternative bleibt)
  • Anarhistična Fronta Posavje [ AFP ] (Anarchistische Front Posavje)
  • Anarhistična pobuda Ljubljana [ APL ] (Anarchistische Bewegung Ljubljana)
  • Avtonomna skupina Koprive (Anarchistische Gruppe Koprive)
  • Organizirana skupnost anarhistov Zasavje [ OSA ] (Organisierte anarchistische Gruppe Zasavje)
  • Tovarišija anarhistk/ov Maribor [ TAM ] (Anarchistische Genoss*innen Maribor)

Federation for anarchist organizing (FAO), Slovenia
a-federacija.org //// inter@a-federacija.org

policija

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CHRONOLOGIE DES AUFSTANDS

  • Maribor, Mittwoch, 21. November, 1.500 Menschen
  • Maribor, Montag, 26. November, 10.000 Menschen, 31 Verhaftete (alle am nächsten Tag entlassen)
  • Ljubljana, Dienstag, 27. November, 1.000 Menschen
  • Jesenice, Mittwoch, 28. November, 200 Menschen
  • Kranj, Donnerstag, 29. November, 1.000 Menschen, 2 Verhaftete
  • Ljubljana, Freitag, 30. November, 10.000 Menschen, 33 Verhaftete, 17 Verletzte
  • Koper, Freitag, 30. November, 300 Menschen
  • Nova Gorica, Freitag 30. November, 800 Menschen
  • Novo mesto, Freitag 30. November, 300 Menschen
  • Velenje, Freitag 30. November, 500 Menschen
  • Ajdovščina, Freitag 30. November, 200 Menschen
  • Trbovlje, Freitag 30. November, 300 Menschen
  • Krško, Samstag, 1. Dezember, 300 Menschen
  • Maribor, Montag, 3. Dezember, 20.000 Menschen, 160 Verhaftete, 38 Verletzte
  • Ljubljana, Moday, 3. Dezember, 6.000 Menschen
  • Celje, Montag, 3. Dezember, 3.000 Menschen, 15 Verhaftete
  • Ptuj, Montag, 3. Dezember, 600 Menschen
  • Ravne na Koroškem, Montag, 3. Dezember, 500 Menschen
  • Trbovlje, Montag, 3. Dezember, 400 Menschen
  • Jesenice, Dienstag, 4. Dezember, 300 Menschen, 41 Verhaftete
  • Brežice, Dienstag, 4. Dezember, 250 Menschen
  • Ljubljana, Mittwoch, 5. Dezember, Studierendenprotest vor der Kunstfakultät, 500 Menschen
  • Ljubljana, Donnerstag, 6. Dezember, Studierendenprotest vor dem Parlament, 4.000 Menschen
  • Koper, Donnerstag, 6. Dezember, 1.000 Menschen, 2 Verhaftete
  • Kranj, Donnerstag, 6. Dezember, 500 Menschen
  • Izola, Donnerstag, 6. Dezember, 50 Menschen
  • Murska Sobota, Freitag, 7. Dezember, 3.000 Menschen
  • Bohinjska Bistrica, Freitag, 7. Dezember, 50 Menschen
  • Ajdovščina, Freitag, 7. Dezember, 150 Menschen
  • Ljubljana, Freitag, 7. Dezember 3.000 Menschen
  • Nova Gorica, Samstag, 8. Dezember, 300 Menschen
  • Brežice, Sonntag, 9.Dezember 200 Menschen
  • Ljubljana, Montag, 10. Dezember, 100 Menschen
  • Maribor, Montag, 10. Dezember, 200 Menschen (Solidaritätsprotest für die Inhaftierten)
  • Ptuj, Montag, 10. Dezember, 200 Menschen
  • Ljubljana, Donnerstag, 13. Dezember
  • Maribor, Freitag, 14. Dezember
  • SLOWENIEN (in allen Städten), 21. Dezember

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/74848

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Weitere Links: FDA-IFA – Forum deutrschsprachiger Anarchist*innen

Kritik an Googles Kampagne ist heuchlerisch

November 28, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Oliver Neuroth kommentierte jüngst für den SWR “Googles Kampagne ist heuchlerisch“. Unter anderem wirft er Google vor keine selbstlosen, sondern wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.

Aber was heißt schon selbstlos? Er selbst ist Journalist und plädiert für eine gerechte Entlohnung von Verlagen und JournalistInnen. Keine wirtschaftlichen Interessen?

Der Nutzer kann die ersten Zeilen bei Google News lesen, ohne die Seite der Zeitung besuchen zu müssen. Und dafür könnte der Google-Konzern, der pro Monat rund eine Milliarde Dollar verdient, doch wohl ein paar Cent an die Verlage abgeben.

Zunächst einmal setzt er den Hinweis auf Inhalte mit den Inhalten selbst gleich. Zum einen aus meiner Sicht: Wie liest man denn sonst Artikel? Etwa auf die Seite einer Zeitung surfen und dann dort suchen? Das hat man vielleicht 1995 gemacht, aber heute? Zum anderen vergleicht der Kommentator hier den Gesamtgewinn eines Konzernes mit der Vergütungshöhe EINES Artikels. Weil er will ja nicht ernstlich vorschlagen, dass alle Verlage der Welt insgesamt nur ein paar Cent (also unter 10 Cent) bekommen. Wieviele Artikel werden pro Monat wohl geklickt? Nehmen wir mal an 10 Milliarden mal pro Monat. Würde jede der Artikel mit 10 ¢ vergütet würde das Google News 1 Milliarde Euro pro Monat kosten. Der Gewinn von Google liegt laut “Der Westen” 7,5 Milliarden Euro pro Jahr, so würde dem Gewinn von 7,5 Milliarden Euro Mehrkosten von 12 Milliarden Dollar und somit einen Nettoverlust von 4,5 Milliarden Euro oder 5,8 Milliarden Dollar bedeuten.

So schnell geht das mit den “ein paar Cent”. Zudem muss man auch sagen, dass Google News an der Bereitstellung und an den Klicks selber nichts verdient. Google könnte auch argumentieren, dass es selber als Suchmaschine nur die Websites verlinkt, die auch bezahlen. Verdienen tut Google News primär an Werbung und daran, dass Firmen seine Suchmaschinentechnologie kaufen/mieten.

Falsch ist zudem, dass lediglich Google von dem neuen Gesetz betroffen wäre, wie in dem Kommentar dargestellt. Die Aufregung darüber, dass Google seine “Marktmacht” einsetzt für die eigenen Interessen ist künstlich und noch heuchlerischer. Denn es ist es anderes, wenn ich lese:

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) verurteilten die Kampagne als „üble Propaganda“. Es sei ein Unding, dass der Konzern seine marktbeherrschende Stellung einseitig für die eigenen Ziele nutze.

Was repräsenieren denn diese beiden Verbände, die sämtliche Zeitungsverlage repräsentieren als selbst eine absolute Marktmacht? Wieso ist ihr Engagement rein philanthropisch während Googles Interessen die Verkörperung des Bösen sind?

Eine gute Vergütung – ja darauf warten viele Onlinejournalisten seit Jahren vergeblich von den Zeitungsverlagen. Häufig gelten sie als Journalisten zweiter Klasse, die entsprechend geringer entlohnt werden. Wenn den Verlagen die Inhalte so viel wert sind, dann sollten sie auch dazu bereit sein ihre MitarbeiterInnen entsprechend zu entlohnen. Als Anwalt für unterbazhlte JournalistInnen taugen sie jedenfalls nicht.

ARD & die US-Wahlen: Vollkommen inkompetent

Dort wird immer noch primär die “popular vote” als Ausgangsbasis genommen – und obwohl ziemlich klar ist, dass Obama der Gewinner der Wahl ist (Nate Silver. 92% Wahrscheinlichkeit) tut man so, als wenn es  bis in die frühen Morgenstunden dauern könnte.

Herr Schönenborn behauptet dann auch, dass in ALLEN Staaten “The Winner takes it all” gilt. Das ist definitiv nicht so (z.B. nicht in Maine und Nebraska).

Und wieder wird behauptet, dass es ein total knappes Ergebnis wird. Ich würde dagegen sagen, dass man spätestens mit dem Ergebnis von Florida (2 Uhr nachts) eine definitive Aussage wird treffen können, insbesondere in wie weit Vorhersagen zu den Ostküstenstaaten zugetroffen haben. Ich kann zu den derzeitigen Prognosen nur immer wieder Nate Silver empfehlen mit seinem Fivethirtyeight-Blog. Er hat bei der Wahl 2008 die beste Schätzung abgegeben. Er bezieht verschiedene Daten mit ein wie die Arbeitslosenquote, Parteiigkeit von Umfragen, Wirtschaftssituation,… . Und er geht davon aus, dass Obama mit 92% Wahrscheinlichkeit wiedergewählt wird. Natürlich kann es sein, dass es anders kommt, wenn es zu massiven Wahlmanipulationen durch die Republikaner kommt. Aber selbst dann wird wohl an einen Wahlsieg Obamas nichts vorbeiführen.

Aus meiner Sicht jedenfalls hängt die ARD ganz schön hinterher bei der Beurteilung der politischen Lage. Vielleicht liegts an der mangelnden Ausbildung von Herrn Schönenborn, denn der ist Journalist und eben kein Statistiker.

Verdrehte Wahrheiten: Clinton als Wirtschaftsexperte

September 7, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Mittlerweile sollten doch alle wissen, dass Bill Clinton einer der Hauptschuldigen für die aktuelle Krise war. Und zwar durch die Lockerung vieler Regularien.
Die Tagesschau dreht das ganze nun auf den Kopf und behauptet Bill Clinton hätte eine größere wirtschaftliche Kompetenz, die auf Obama abfärben sollte durch seine Rede auf dem Parteitag der Demokraten in Charlotte.

Das ist genau so schlau wie der Versuch die weltweite Krise auf zu geringe Sparbemühungen in Griechenland zurückzuführen. Ich frage mich jetzt jeden Tag: Für wie blöd halten die uns eigentlich?

 

 

Fiasco Diaspora- Was läuft schief?

Das Projekt Diaspora ist vorerst mit dem bisherigen Plan gescheitert. Warum können sich solche Projekte und Alternativen wie auch StatusNet (identi.ca) oftmals nicht durchsetzen?

Aus meiner Sicht liegt das oft aml Egoismus der Entwickler und an der doch sehr kapitalistischen Struktur der Gründungsunternehmen. Im Grunde setzt ja Open Source auf Offenheit. Bei übermächtigen Gegnern wie Facebook oder Twitter reicht es nicht, wenn ein Entwicklerteam mit ein wenig Wagniskapital versucht eine Alternative aufzubauen. Solange jedoch das Konkurrenzdenken an vorderster Stelle steht, wird es schwerfallen eine breitere Masse anzusprechen.

Projekte kommen und gehen. Erfolgreiche Projekte wie Debian oder Firefox haben auch eine starke Organisation hinter sich, die über die Ziele wacht und die Community und die Demokratie organisiert.

Zu viele Projekte leben von einem einzelnen Programmierer, einem Zirkel von Programmierern oder einer Startup-Firma. Geht denen das Geld aus, weil sich die Idee nicht schnell genug monetarisieren läßt, sterben auch Open Source-Projekte.

Aber auf diese stümperhafte Art wird man Facebook oder Twitter nicht kacken können. Dazu kommt das NIH-Syndrom: ”Not invented here!” – Kommt nicht von uns – kann nicht gut sein. Gerade im Open Source Bereich tummeln sich eine Heerschar ehrgeiziger Männer und die Vielzahl an Software und Protokollen ist dort kaum geringer als im kommerziellen Bereich. Dazu fällt mir dann wieder die Geschichte von qmail ein.

Gegen Facebook hilft nur, dass sich eine Szene herausbildet, die strategisch zusammenarbeitet und UnterstützerInnen sammelt. Ein demokratischer Aufbau von Organisationen und Entscheidungen sorgt dafür, dass niemand unsinnige Alleingänge macht.

Es ist natürlich jedem unbelassen seine Bahnen ganz alleine um die Sonne zu ziehen. Das mag auch Anregungen geben. Aber nur gemeinsam sind wir stark genug den Großkonzernen etwas eigenes entgegenzusetzen!

Bombenanschlag auf syrisches Fernsehen und die Reaktionen?

Anschlag auf syrisches Fernsehen

Wieder mal interessant: Da gibt es einen terroristischen Anschlag auf ein Nachrichten-Medium, dass syrische Staatsfernsehen. Und in der Tagesschau von gestern gab es dazu nur ein Schulterzucken.

Vor einem Monat wurden bereits 7 Mitarbeiter eines anderen, staatstreuen Senders erschossen:

Wie glaubhaft ist unsere Haltung gegen islamistischen Terror, wenn man im Falle Syrien Beifall klatscht?

Haben bei uns Menschenleben tatsächlich so viel  unterschiedlichen wert? Und was wird das für eien Opposition sein, wenn sie an die Macht kommt, die ebenfalls wenig Probleme mit Mord zu haben scheint? Wird diese von der Bundesrepublik unterstützt?

Nachrichtengefälle

Was man heute schön sehen kann auf der Seite der Tagesschau ist, wie die Prioritäten verteilt sind:

  1. An erster Stelle die Marssonde Curiosity
  2. Das Attentat in den USA (7 Tote)
  3. Das Attentat in Israel (16 Tote)
  4. Die Gefechte in der Türkei (23 Tote)

Mal abgesehen von der Marssonde, die eine Ausnahme darstellt haben wir also drei Ereignisse mit Toten. Am wenigsten zählen dabei Türken und Kurden, danach kommen Ägypter und am meisten ist ein amerikanisches Menschenleben wert. Diese Einteilung ist aus meiner Sicht klar rassistisch. Wieso soll ich sieben Tote in den USA mehr bedauern als 23 Tote in der Türkei? Weil uns die USA so nahe ist? Und ägyptische Grenzsoldaten? Wären die Sikh in Indien Opfer geworden, wären sie vermutlich an Platz 4 gelandet?

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Kritik à la Robert Kurz

Der Tod eines Menschen ist immer ein trauriger Anlaß über ihn oder sein Werk zu schreiben. Da es aber so viele positive Nachrufe gibt – will ich – nicht über Robert Kurz, sondern über Kritik schreiben wie sie von ihm und anderen (Wertkritikern, etc. ) kam.

Ich beziehe zunächst einmal auf den Nachruf von Gaston Valdivia, der Robert Kurz zitiert:

“Die Theorie  sollte nicht mehr unmittelbar an die politische Praxis gebunden werden, also ihren legitimatorischen  Charakter verlieren und in ihrer Eigenständigkeit ernst genommen werden. Dies bedeutete eine Entfremdung von der politischen Linken.”

Natürlich darf und muss es auch abstrakte Kritik geben, die keinen Praxisbezug hat. Die Frage ist aber, welche Bedeutung sie haben kann oder darf?

In einem Video fordert Kurz dann doch dazu auf, dass sich Menschen global verbünden in ihrem Widerstand:
.

In der Wikipedia wird die Wertkritik u.a. so beschrieben:

“Die Arbeiterklasse ist aus wertkritischer Sicht selbst Teil des kapitalistischen Systems und deshalb nicht in der Lage, eine Rolle als revolutionäres Subjekt zu übernehmen.”

Das Revolutionäre Subjekt ist aus meiner Sicht tatsächlich bedenklich. Tatsächlich eben findet man Unterdrückung und prekarisierte Lebensbedingungen an jeder Ecke.  Klar ist in meinen Augen aber auch, dass ein zentrales Phänomen ist, dass durch die Gesellschaft eine Spaltung verläuft. Nicht die klassische ArbeiterInnenklasse – und es gib viele Graubereiche und Widersprüche. Aber diese Graubereiche stehen nur für die offene Frage, auf welcher Seite man steht oder welchen Weg man einschlägt. Viele Menschen haben die Wahl ihre Kraft einer diffusen  herrschenden Klasse anzudienen oder sich eben in die lange Reihe der Unterdrückten einzureihen und zu helfen sich gemeinsam zu wehren. Noch mehr Menschen aber haben diese Wahl nicht. Für mich ist das der Kern jeglicher linke Theorie.

Wenn man nun dne Prekarisierten ihre Sonderrolle abspricht und alles in einen Topf wirft, dann brauchen wir auch nicht mehr über Widerstand, Revolution, Gerechtigkeit oder Gleichheit zu reden. Dann stellt Wertkritik nur eine interessante Theorie dar, die die Bedeutung von Gedichtbänden oder Musik hat. Es kann den Geist anregen, aber es hat in der Praxis explizit keine Bedeutung. Wie sollen sich denn Prekarisierte vernetzen und organisieren? Und wer sagt uns dann, das nicht die, die vernetzen eben jene sind, die ganz nach der Wertkritik selbst Teil des kapitalistischen Systems sind? Wertkritik scheint zu bedeuten; Jeglicher Widerstand ist sinnlos. Wir kritisieren zwar die Verhältnisse aber wollen sie auf keinen Fall ändern. Wie soll denn eine Änderung passieren nach deren Theorie? Wer soll die organisieren? Sollen alle einen ideologischen Führer wie Herrn Kurz folgen?

Auch die Grüppchenbildung (KRISIS, EXIT!) und Grabenkämpfe lässt vermuten, dass da vieles doch nicht sehr ausgegoren ist. Oder anders betrachtet: das Fehlen einer konkreten Praxis führt dazu, dass auch der Bezug zu Realität verloren geht. Kann das eine im Populismus enden, so führt das Gegenteil zur absoluten Bedeutungslosigkeit. Vielleicht muss mna Werztkritik viel mehr verstehen als Reaktion auf das Dritte Reich – ein Ablehnen jeglicher Ideologie, Gefolgschaft und Organisation. Das Problem ist nur, dass jede Gesellschaft aus Organisation besteht – und daher eine Gruppe EXIT! mit einem Avantgardeanspruch eben auch eine Organisation darstellt, die sich dann aber selbst überhöht und fern von jeglicher demokratischen Kontrolle ist. Im übrigen auch bei vielen Linken ein Problem: Ob Buchläden oder andere Selbständige: Überall klassische kapitalistische-hierarchische Strukturen – der Inhalt der Bücher ist dabei ein anderer als die Praxis. Genau das ist das Problem – ein Entfernen von der Frage der Praxis führt nur dazu, dass die Praxis sich abkoppelt – abkoppeln kann – und man dort all das umsetzen kann, was man theoretisch für verdammenswert hält.

Auf die Art nehmen viele Linke sich selbst nicht ernst. Und wer sich selbst nicht ernst nimmt, wer soll ihn dann ernst nehmen?  Das ist m.E. das zentrale Problem der Linken zur Zeit. Sicher eine zu grobe Vereinfachung, aber doch allerorten ansatzweise vorhanden.

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