Zur Situation der SPD

Nachdem einige Tage der für die SPD verlorenen Bundestagswahl vergangen sind, lichtet sich etwas der Rauch und die Analysen dessen, was geschehen ist, setzen sich fort. Z.B. im Artikel in der ZEIT „SPD: Wo bleibt die Wut?“ von Susanne Gaschke.

Dort findet aber eine gar seltsame Aufarbeitung statt:

Sondern leistet euch erstens: Wut auf Wähler. Dass viele Menschen eine Große Koalition als demokratisch unbefriedigenden Zustand empfinden, ist nachvollziehbar. Dass sie sich des Problems allein auf Kosten der SPD entledigten, ist ungerecht. [ ... ]

Gönnt euch zweitens: Wut auf die Medien. In den vergangenen Jahren war es in großen Teilen der Hauptstadtpresse geradezu ein Sport, SPD-Vorsitzende zur Strecke zu bringen.

Der Vollständigkeit halber: Es wird auch Wut auf die SPD selbst gefordert. Aber diese beiden Punkten sind im höchsten Maße bedenklich. Das Hartz IV eine Katastrophe war und ist, kann jeder sehen, der sich das Gebilde und die Realität nur ein wenig näher angesehen hat. Alleine die Vielzahl an Klagen vor den Sozialgerichten und das hohe Maß an Fällen, in denen die Kläger recht bekommen sprechen für sich. Wer nicht sieht, das Hartz IV in erster Linie negative Folgen hatte, der lebt hinter dem Mond. Das tun offenbar viele der Unterstützer der SPD. Die Kritik an der eigenen Partei ist nicht fundamental, sondern maginal. So kritisiert Frau Gaschke die Inszenierung von Parteitagen. Das mag ja auch durchaus kritikwürdig sein, aber was das eigentliche Problem der SPD war und ist, ist dass sie die falsche Politik gemacht hat. Das sie allenfalls eine Chance auf eine Fortsetzung der Großen Koalition hatte lag daran, dass es kaum noch Menschen gibt, die diese Politik stützen. Wer Hartz IV toll findet, sit doch besser bei FDP & CDU aufgehoben. Hinzu kommt, dass man Helmut Kohl vieles unterstellen kann, aber dass es Rot-Grün war, die noch mehr als er die Politik der Sozialen Kälte mit dieser Reform durchgeprügelt haben. Wieso soll man sich nun noch vonr CDU/FDP fürchten, wenn die SPD klar gemacht hat, dass man sie fast noch mehr fürchten soll? Weil sie noch „sozial“ im Namen hat?

Die Entwicklung der Jahre seit Kohl zeigt ganz deutlich, dass die Politik zur Erringung der Macht und zum Machterhalt eigenen Gesetzen folgt auf derem Weg auch der Verrat der eigenen Prinzipien nicht nur möglich, sondern oftmals an der Tagesordnung ist.

Die SPD hatte eien Koalition mit der Linken ausgeschlossen. Dies bedeutet für potentielle Wähler, das wer eine linkere Politik haben wollte, auf gar keinen  Fall die SPD wählen durfte. Denn das wäre immer eine verlorene Stimme gewesen.

Besser fasst die Situation m.E. der Artikel „Die SPD setzt weiter auf Untergang“ in der telepolis zusammen. Zwar hatte ich selbst der SPD noch die 30 % zugetraut – aber es hat sich dann dieses mal doch gezeigt, das sich der Megatrend weiter fortgesetzt hatte – die SPD mit fliehenden Fahnen dem Untergang imme näher kommt. Mit dem neuen Personaltableau vielleicht sogar die letzte Chance auf Änderung in den Wind geschrieben wurde. Hat die SPD überhaupt noch eine Basis?

Die SPD hat wohl tatsächlich geglaubt, sie könne noch in der Oberliga mitspielen, ist aber tatsächlich in die Zweite Liga abgestiegen. (Wow, ein Fußballvergleich von mir?). D.h. Sie hat nicht einfach nur den Kampf um die Meisterschaft verloren, sondern befindet sich bereits jenseits von gut und böse. Hier endet auch die Nähe zum Fußball, denn die FDP ist immer noch kleiner, hat aber inzwischen mehr Einfluss in der Bundespolitik.

Aus meiner Sicht ist die Realität noch lange nicht bei der SPD angekommen, nicht einmal ansatzweise. Es sieht so aus, als ob sie das unter Schröder gelernte nicht vergessen können. Sie haben doch alles richtig gemacht, was die Apologeten einer Neuen Martkwirtschaft von Ihnen verlangt haben? Das Gejammer der SPD darum, dass sie nicht von der Industrie geliebt wurde – oder wenn wieder einmal die Industrie ihre Versprechungen nicht hielt – sei es beim Pfand oder der Schaffung von Ausbildungsplätzen, war nur schwer zu ertragen.

Alles hat die SPD richtig gemacht, wie man es von ihr erwartet hat. Man hat als erstes die Neue Mitte bedient – und nun? Undankbarkeit. Warum? Weil die Welt eben nicht so funktioniert. Die SPD ist zwar von Anbeginn eine gespaltene Partei, trägt aber ursprünglich doch einen gewissen sozialrevolutionären Anspruch von Gleichbehandlung und Gerechtigkeit mit sich herum. Die SPD hat aufgegeben, diesen Anspruch noch erfüllen zu wollen. Man hat das Geschwafel von neokonservativen Thinktanks geglaubt und versucht mit einem Motto wie „Sozial ist, was Arbeit schafft“ moderner, wirtschaftsfreundlicher und erfolgreicher zu sein, als die CDU. Lustig ist dabei, dass es der Wirtschaft zum Teil besser ging, als die SPD noch sozialer war.

Denn die ganzen Behauptungen, dass es der Wirtschaft schlecht ginge, schlecht ginge wegen zu hoher Löhne, zu geringem Kündigungsschutz, Behauptungen, dass es nur deswegen so viele Arbeitslose gäbe, weil diese noch nicht Zuckerbrot und Peitsche gespürt hätten, haben sich als unwahr herausgestellt. Wahr ist, dass es der Industrie zumeist gut geht. Die Industrie ist mobil und spielt mit der Politik. Die globale Finanzwirtschaft ist noch mobiler – und um den Wirtschaftsstandort für sie attraktiver zu machen, hat man im Steuersystem und der Wirtschaftspolitik herumgestrichen. Der Effekt der versprochen wurde ist aber nicht eingetreten. Nach Rot-Grün und nach der Großen Koalition erlebt man kein prosperierendes Deutschland mit dankbaren Investoren.

Die Prekarisierung großer Teile der Bevölkerung hat sich fortgesetzt. Und die SPD wird als Gegner der Interesse der Betroffenen wahrgenommen und nicht als Anwalt der Armen. Bekanntermaßen spielt die soziale Herkunft in Deutschland auch eine immer größere Rolle bei den Bildungs- und Aufstiegsschancen.

Unter dem Strich muss man sagen, dass mit den Versprechungen der Neuen Marktwirtschaft auch die Schröder-SPD gescheitert ist. Aber weder das eine noch das andere ist tot. Eine 180-Grad wende ist auch nicht einfach. Und so wie sich die SPD in den vergangenen Jahrzehnten verhalten hat, kann sie die vielleicht auch gar nicht mehr glaubhaft hinbekommen. Die SPD wurde instrumentalisiert, um in Bereichen zu streichen, die die CDU wohlwissentlich nicht angefasst hatte. Weil es da sonst Aufstände gegeben hätte. Die SPD konnte dies tun – in Zusammenarbeit mit den Mainstream-Gewerkschaften.

Dies alles hat der deutschen Bevölkerung nicht genutzt, sondern erheblich geschadet. Insofern ist es ganz einfach: Die verlorenen Bundestagswahl ist eine Strafe für eine verfehlte Politik gewesen. Es gäbe eine linke Mehrheit in Deutschland, wenn diese gewollt wäre. Dazu ist die SPD aber nicht mehr fähig. Bereits 2005 hatte sie diese Kraft zur Erneuerung nicht mehr. Wenn man sich ihre Bundestagsabgeordneten anschaut, so sind da auch die Mehrzahl eher konservativ als progressiv. Insofern wird sich wohl in Zukunft eher die Frage stellen, ob die Linke mit den GRÜNEN koaliert.

Insofern kann man der SPD nichts mehr raten. Sie wussten es ja immer besser und werden weiter scheitern. Für eine Umkehr ist es vermutlich bereits zu spät. Das kommt davon, wenn man sich nur in seiner eigenen Blase bewegt.

Ticker #9 zur Finanzmarktkrise

In den gestrigen Tagesthemen wurde berichtet das die EU beschlossen hat das keine Großbank bankrott gehen soll. Aha – also die Brandstifter werden beschützt während kleiner Banken, die Opfer der Politik der Großbanken werden aufgekauft werden sollen. Dann sah sich Merkel dazu berufen den Staat als zentrale Kontrollinstanz hochzuloben. Komisch, warum hat man dann immer das Gegenteil getan? Dann will man die Gehälter der Banker angeschlagener Banken, die die Hilfe der Bundesregierung in Anspruch nehmen auf 500.000 EURO jährlich beschränken. Da wird einfach wieder an der Neiddiskussion gebastelt. Auf der anderen Seite will man aber nichts an der Wurzel der Probleme tun – Augenwischerei. Der Börsenexperte der Tagesthemen behauptete, das es ein Gesetz der Marktwirtschaft sei, das ein Staat der Anteil an Unternehkmen kauft auch die Regeln bestimmt. Aha – Marktwirtschaft ist also wenn der Staat Anteilseigentümer an Unternehmen hat und zentralistisch Regeln aufstellt. Ich dachte immer das wäre die Definition von Sozialismus?

Also Sozialismus= Marktwirtschaft, Dann ist wahrscheinlich Sozialismus= zügellöser Kapitalismus?

Und dann war da noch der Herr Joachim Wagner, der in einem Kommentar gleich klarstellte, das das derzeitige Paket der Bundesregierung „alternativlos“ sei. Ich habe gelernt das man das das Tina-Prinzip nennt. Auf deutsch: Man darf die ganzen Maßnahmen nicht infrage stellen – es ging nur so und nicht anders – das gilt wohl auch für die ganzen anderen Regierungen die alle unterschiedlich auf die Krise reagierten.

Demokratie ist also wenn keine Fragen gestellt werden dürfen. Es gibt eine zentrale Meinung und die darf nicht hinterfragt werden. Denn wir haben ja Krise. Nun seid schon still – ihr dürft uns dann ja nächstes Jahr wieder wählen.

Da halte ichs doch lieber mit den Iren und sage NEIN.

Und das mag die Tagesthemen gar nicht. Man pickte sich einen der EU-Vertragsgegner heraus, unterlegte einige Fakten mit Psycho-Musik und stellte das NEIN der Iren als Werk der USA dar. Oh ja die Weltverschwörung. Diese Iren waren also alle nur bezahlt. Wenn Nachrichten mit Psycho-Musik arbeiten schrillen bei mir allerdings immer die Alarmglocken. Manipulation live!

Hört bitte auf uns zu verarschen! Untersucht mal bitte die Beziehungen zwischen den Politikern und  den Banken, die zu retten sie versprochen haben!

POINTER: Welche Geldanlage ist sicher (Verbraucherzentrale NRW)

Veröffentlicht in:  on Oktober 9, 2008 at 11:17 Kommentar schreiben
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Ticker #8 zur Finanzmarktkrise

Ticker #7 zur Finanzmarktktrise

Der lustige Begriffe „Nullwachstum“ – fast so gut wie „Nullschrumpfung“ soll auf die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr zutreffen.

Presseschau n-tv: „Die Angst geht um

Erweiterung (Handesblatt -Blogs):

Das Handelsblatt löscht einen Beitrag in einem Blog von Harald Uhlig (Professor am Department of Economics der University of Chicago) mit der Begründung „die Befürchtung, dass der Blog-Beitrag von Herrn Uhlig in der Öffentlichkeit irrtümlich nicht als die persönliche Meinung eines Wissenschaftlers, sondern als redaktioneller Beitrag des Handelsblatt wahrgenommen werden könnte und der Eindruck entsteht, das Handelsblatt rufe zu einem „Run“ auf die Commerzbank und andere Finanzhäuser auf.

Meine Meinung zu dem Vorfall: Wenn ein einzelner Beitrag als Gefahr angesehen wird, dann muss der Beitrag entweder sehr viel wahrer gewesen sein als zu vermuten war oder es um die Finanzen viel schlimmer stehen als wir alle vermuten. Daher kann man nur alle Sparer aufrufen ihre Konten zu plündern und diese stattdessen in vernünftige lokale Projekte zu stecken. Offenbar sind keine Einlagen sicher – warum sonst sollte man so eine Meinung löschen. Das Handelsblatt sollte sich bewusst darüber sein das gerade solche Löschung den gegenteiligen Effekt haben. Und bitte löschen sie dann auch Beiträge die zu optimistisch sind. Sie sollten auf der Seite der Anleger und Sparer stehen und nicht nur auf der Seite der Großbanken!
– Aber: Der Blog geht weiter.

Ticker #6 zur Finanzmarktkrise

Der IWF meldet das sich die weltweiten Verluste derzeit auf 1,4 Millionen Dollar belaufen. Opel stoppt die Produktion in mehreren Werken.

Steinbrück faselt von einem „Schirm für Deutschland“ und ein Banker sagte dazu im Fernsehen das es ja bewiesen sein das wenn man einen Regenschirm mitnimmt es nicht zu regnen anfängt. Na wenn das deren Logik ist. Währenddessen nutzt Merkel die Krise um sich wieder einmal zulasten der Politik zu profilieren.

Und wieso soll man der Politik vertrauen die diese Krise weder hat kommen sehen noch darauf vorbereitet scheint. Im Grunde versucht man die ganhze Zeit nur die Bürger zu beruhigen damit die Wirtschaft in Ruhe ihr Scherflein ins trockene bringen kann.

Ticker #5 zur Finanzmarktkrise

Gestern wurde bei Anne Will über die Finanzmarktkrise debattiert. Erfreulich das Herr Dreßler auch einige Punkte ansprach, die ich hier bereits nannte (Video-Seite). Inzwischen hat sich wieder einiges getan. AFP meldet das Deutschland wohl über eine Billionen Dollar und nicht 568 Milliarden. Die GRÜNEN fordern mittlerweile die Verstaatlichung der HRE.

Zur Situation der Autoindustrie: Autobauer im Sog der Finanzmarktkrise Feiertagszusammenfassung.

Dann noch: Unicredit

Und noch mal Fortis: BNP übernimmt Mehrheit an Fortis-Bank und belgisches Versicherungsgeschäft

Man sollte nicht vergessen, das es durchaus noch alleine in Europa weitere hundert Banken und Finanzinstitutionen treffen kann. Meines Erachtens kann man nicht den Steuerzahler für alle diese Anlagen zahlen lassen.

Apropos – (hier ist die DAX-Kamera )

Ticker #3 zur Finanzmarktkrise

  • Auch die italienische Unicredit gerät ins Wanken „Unicredit plant nun mit einer Abspaltung von Teilen des Immobilienportfolios in einen Fonds dem starken Kursverlust entgegenzuwirken.
  • Mittlerweile bringt Frankreich ein 300 Milliarden Euro-Paket in die Diskussion ein.
  • Und der Chef der Internationalen Währungsfonds, Strauss-Kahn, hat in Washington die europäischen Regierungen aufgefordert, sich auf eine Ausweitung der Bankenkrise vorzubereiten.
Veröffentlicht in:  on Oktober 2, 2008 at 11:49 Kommentar schreiben
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Ticker #2 zur Finanzmarktkrise

Das sollte man mal for the records festhalten: „Allianz-Chefvolkswirt: Talsohle der Finanzkrise bald durchschritten„. Ich selbst wette dagegen und behauptet das wir nicht einmal am Anfang der Krise sind. Einige hundert Banken werden in den USA noch dran glauben. Und hier in Deutschland ist ja noch fast nichts passiert. Ich rechne fest damit das eine der deutschen Großbanken Opfer werden wird. man muss ja bedenken das die Folgend er Krise und Zusammenbrüche in den USA in Deutschland ja erst Monate und Jahre durch sinkende Gewinne zu spüren sein werden. Ich würde vermuten, das die Krise Anfang 2009 in Deutschland beginnt zu wirken und zwar zunächst mit einer ausbleibenden Frühjahrsbelebung. Die Amerikaner werden keine deutschen Autos mehr kaufen z.B. – also von 335 840 in 2007 auf dann vielleicht nur noch 30.000? Also es wird die Exportwirtschaft am härtesten treffen – und Deutschland als Exportnation auch sehr hart, genau so wie z.B. China.

Dann noch „Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat als erster Top-Banker ein staatliches Hilfsprogramm für europäische Geldhäuser nach dem Vorbild der USA ins Spiel gebracht.“ – na der wird wohl wissen warum. Mir geht aber auch der Gedanke nicht aus dem Sinn, das dieser ganze „Bailout“ als Idee bereits in den Schubladen lag.

Und wird das Bailout-Paket nun in den USA verabschiedet? Ich glaube fast nicht. Wie Jon Stewart von der Daily Show ja schon kritisierte – die jüdischen Feiertage führten zu einem Stop jeglicher Rettungsversuche. Was nun? Ist es jetzt schlimm oder kann man einfach Urlaub machen? Die Politiker scheinen nicht wirklich zu denken das entweder das Paket Sinn macht oder das die Krise wirklichen Schaden anrichten könne. Im Grunde müssen sie ja eh alle gewusst haben was kommt. Deswegen ja auch der Gedanke an das Konzept mit dem Bailout in der Schublade.

Ticker #1 zur Finanzmarktkrise

Um mal zu dokumentieren welche Ausmaße die Finanzkrise derzeit schon hat liste ich hier ab jetzt die betroffenen Konzerne inm EU-Raum:

  • IKB
  • Hypo Real Estate
  • Fortis
  • Bradford & Bingley
  • Sachsen LB

Das ist sicher mit heutigem Daum (29.09.) noch nicht vollständig. Bei neuen Unternehmen gibts einen neuen Ticker.