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Archive for Juli 2012

Kritik à la Robert Kurz

Der Tod eines Menschen ist immer ein trauriger Anlaß über ihn oder sein Werk zu schreiben. Da es aber so viele positive Nachrufe gibt – will ich – nicht über Robert Kurz, sondern über Kritik schreiben wie sie von ihm und anderen (Wertkritikern, etc. ) kam.

Ich beziehe zunächst einmal auf den Nachruf von Gaston Valdivia, der Robert Kurz zitiert:

“Die Theorie  sollte nicht mehr unmittelbar an die politische Praxis gebunden werden, also ihren legitimatorischen  Charakter verlieren und in ihrer Eigenständigkeit ernst genommen werden. Dies bedeutete eine Entfremdung von der politischen Linken.”

Natürlich darf und muss es auch abstrakte Kritik geben, die keinen Praxisbezug hat. Die Frage ist aber, welche Bedeutung sie haben kann oder darf?

In einem Video fordert Kurz dann doch dazu auf, dass sich Menschen global verbünden in ihrem Widerstand:
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In der Wikipedia wird die Wertkritik u.a. so beschrieben:

“Die Arbeiterklasse ist aus wertkritischer Sicht selbst Teil des kapitalistischen Systems und deshalb nicht in der Lage, eine Rolle als revolutionäres Subjekt zu übernehmen.”

Das Revolutionäre Subjekt ist aus meiner Sicht tatsächlich bedenklich. Tatsächlich eben findet man Unterdrückung und prekarisierte Lebensbedingungen an jeder Ecke.  Klar ist in meinen Augen aber auch, dass ein zentrales Phänomen ist, dass durch die Gesellschaft eine Spaltung verläuft. Nicht die klassische ArbeiterInnenklasse – und es gib viele Graubereiche und Widersprüche. Aber diese Graubereiche stehen nur für die offene Frage, auf welcher Seite man steht oder welchen Weg man einschlägt. Viele Menschen haben die Wahl ihre Kraft einer diffusen  herrschenden Klasse anzudienen oder sich eben in die lange Reihe der Unterdrückten einzureihen und zu helfen sich gemeinsam zu wehren. Noch mehr Menschen aber haben diese Wahl nicht. Für mich ist das der Kern jeglicher linke Theorie.

Wenn man nun dne Prekarisierten ihre Sonderrolle abspricht und alles in einen Topf wirft, dann brauchen wir auch nicht mehr über Widerstand, Revolution, Gerechtigkeit oder Gleichheit zu reden. Dann stellt Wertkritik nur eine interessante Theorie dar, die die Bedeutung von Gedichtbänden oder Musik hat. Es kann den Geist anregen, aber es hat in der Praxis explizit keine Bedeutung. Wie sollen sich denn Prekarisierte vernetzen und organisieren? Und wer sagt uns dann, das nicht die, die vernetzen eben jene sind, die ganz nach der Wertkritik selbst Teil des kapitalistischen Systems sind? Wertkritik scheint zu bedeuten; Jeglicher Widerstand ist sinnlos. Wir kritisieren zwar die Verhältnisse aber wollen sie auf keinen Fall ändern. Wie soll denn eine Änderung passieren nach deren Theorie? Wer soll die organisieren? Sollen alle einen ideologischen Führer wie Herrn Kurz folgen?

Auch die Grüppchenbildung (KRISIS, EXIT!) und Grabenkämpfe lässt vermuten, dass da vieles doch nicht sehr ausgegoren ist. Oder anders betrachtet: das Fehlen einer konkreten Praxis führt dazu, dass auch der Bezug zu Realität verloren geht. Kann das eine im Populismus enden, so führt das Gegenteil zur absoluten Bedeutungslosigkeit. Vielleicht muss mna Werztkritik viel mehr verstehen als Reaktion auf das Dritte Reich – ein Ablehnen jeglicher Ideologie, Gefolgschaft und Organisation. Das Problem ist nur, dass jede Gesellschaft aus Organisation besteht – und daher eine Gruppe EXIT! mit einem Avantgardeanspruch eben auch eine Organisation darstellt, die sich dann aber selbst überhöht und fern von jeglicher demokratischen Kontrolle ist. Im übrigen auch bei vielen Linken ein Problem: Ob Buchläden oder andere Selbständige: Überall klassische kapitalistische-hierarchische Strukturen – der Inhalt der Bücher ist dabei ein anderer als die Praxis. Genau das ist das Problem – ein Entfernen von der Frage der Praxis führt nur dazu, dass die Praxis sich abkoppelt – abkoppeln kann – und man dort all das umsetzen kann, was man theoretisch für verdammenswert hält.

Auf die Art nehmen viele Linke sich selbst nicht ernst. Und wer sich selbst nicht ernst nimmt, wer soll ihn dann ernst nehmen?  Das ist m.E. das zentrale Problem der Linken zur Zeit. Sicher eine zu grobe Vereinfachung, aber doch allerorten ansatzweise vorhanden.

NPD-Kader sucht das rettende Ufer

Was für eine Farce. Da will ein NPD-Kader aussteigen – und der NDR interviewt ihn in aller Naivität. Da werden dann Bilder bedient, dass er ja so unwahrscheinlich rechts wäre, weil er so “bürgerlich” wäre. Aha, weil das Bürgertum ja nie nationalkonservativ war? Da kann ich nur auf die DNVP verweisen. Genau das BÜRGERLICHE ist doch die Basis und das gefährliche an jedem Rechtsradikalismus! Und warum müssen wir so tun, als wenn sonst alle NPD-Kader Skinheads wären?`Das ist doch Unsinn!

(mehr beim NDR)

Und muss es für NPD-Kader eine zweite Chance geben? Ich denke nicht. Für Mitläufer vielleicht … wenn glaubwürdig. Aber in dem Fall sieht doch jeder, dass da jemand Angst hat, was jetzt im Zuge mit der Aufklärung der NSU-Morde alles ans Tageslicht kommt. Und auch sieht, dass man mit der NPD keinen Blumentopf gewinnen kann. Zur NSU sagt er:

Von den Taten der sogenannten Zwickauer Terrorzelle sei er überrascht gewesen, so Molau. Weder habe er der Szene die dafür nötige Organisationsfähigkeit zugetraut, noch das Ausmaß der Konspiration.

Da kann er viel erzählen. Ich denke nicht, dass es irgendwelche führenden NPD-Kader gibt, die nicht den nötigen Einblick in die Szene haben. Die 140 Morde, die vor dem Bekanntwerden der NSU-Morde in Deutschland bekannt waren, werden gerne verdrängt, besonders bei Bürgerlichen. Da können sich NSU, NPD und CDU die Hand reichen. Womit ich die nicht gleichsetzen will, aber das Maß an Verleugnung und Verharmlosung von rechter Gewalt ist seit Jahrzehnten mehr als nur opportun in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft.

Kategorien:Deutschland, Politik, Rassismus, Terror Schlagworte: , ,

Unwissende Ermittlungsbehörden? 2+2=3?

Bei dem, was da alles im Zusammenhang mit der NSU passiert ist, wundert es doch sehr, welche Verteidigung man da so hört. Bei jedem kleinen Verbrechen wären die Indizien so erdrückend, dass es sofort zu einer Verurteilung – in dem Fall z.B. gegen den Verfassungsschutz kommen müsste.

Was aber muss man lesen? Es wären nur Stumpfe Routine, Inkompetenz und Ignoranz, die dazu geführt hätten. Auf deutsch also: “2+2=3″ ?

Dabei liegt z.B. der Verfassungsschutz/Verfassungsrecht  historisch gesehen schon immer rechtsradikalem Gedankengut sehr nahe, wie bei Theodor Maunz oder Wolfgang Schäuble.

Solange die Öffentlichkeit bestimmte Antworten nicht sehen und hören will, bleibt ihr die Wahrheit verborgen. Aber genau dies ist der Grund, warum die NSU so lange ungehemmt morden konnte. Und eben nicht nur die NSU. Von den insgesamt 149 Todesopfern spricht man lieber nachwievor nicht. So kann man auch die NSU weiter als Ausnahme sehen, die ja nun beendet ist. Aber wenn man so ab und zu in die Rubrik “Deutsches Haus” in der Jungle World reinschaut – die ganzen Sachen, die nicht hochgekocht werden,  dann sieht der Zusammenhang ganz anders aus. Dann ist rechtsradikaler Terror in Deutschland die Normalität, der nur durch Patriotismus ein Mäntelchen umgehängt bekommt.  Es macht es schwerer rechtes Gedankengut  klar abzugrenzen, denn viel rechtes wird in der Öffentlichkeit, als das eigentlich normale dargestellt – und derjenige, der dem nicht folgt, ist derjenige mit einem Problem. Und die ganzen rechtsradikalen Übergriffe sollen wir so sehen, wie Naturkatastrophen, die aus heiterem Himmel passieren. Komischerweise ja immer gerade zu sportlichen Großereignissen im nationalen Taumel stärker als zu anderen Zeiten.

Der wahre Grund ist,  dass man mit “vaterlandslosen Gesellen”, wie es Linksradikale nun mal sind keinen verlässlichen Staat auf bauen und in den Krieg ziehen kann. Daher ist dem Staat der Rechtsradikale aus so lieb und wird von ihm finanziert und aufgepäppelt. Flippt der aus und mordet mal wieder, wird mal auf die Finger gehauen, mehr aber auch nicht. Und solange  das so gesehen wird, wird auch das Morden und der tägliche Terror weitergehen.

Als Lehre aus dem Dritten Reich zog der moderne deutsche Staat, das Wegschauen eine Tugend ist. Nichts könnte eine falschere Lehre aus der Vergangenheit  sein. Ein solches Denken ruft gerade zu eine Wiederholung der Geschichte herbei. Insbesondere unter der kommenden Wirtschaftskrise, wenn die Autoabsätze in den Keller gehen.

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