Too much chaos

I habe ja auch ab und zu eine Sendung vom Chaosradio oder Chaosradio Express genossen. Aber seit einiger Zeit mag ichs immer weniger.  Heute dann mal dazu gekommen CRE1565 zur Privatsphäre zu hören.

Ich finds gruselig. Da wird mit Begriffen um sich geworfen und durchmischt bis es keinen Sinn mehr ergibt. Da werden im Laufe der Sendung mehrfach Widersprüche erzeugt, die nicht aufgelöst werden.

Es wurde zwar immer wieder auch mal erwähnt, das Datenschutz seine Vorteile hat, dann aber oft und immer wieder zerpflückt. Und bei der Kritik am CRE kommt jetzt auch ein anderes Problem zum Vorschein, dass der CRE aus meiner Sicht hat: Zu lang und zu unstrukturiert. D.h. es fällt mir schwer mich auf etwas konkretes zu beziehen. Ich greife jetzt zufällige Stellen heraus. Ohne schriftlichen Text ist sowas aber schwierig.

Viel Unsinn in der Sendung stammt von Christian Heller (plomlompom). Bedenklich finde ich einen Trend, die man zunehmend beobachten kann bei einem Teil der Netizens, insbesondere im Umfeld der Piraten, aber auch des CCC die zum Teil fundamentale Prinzipien des Datenschutzes angreifen. Begründet wird dieser neue Trend meines Erachtens aus einer zunehmenden Verwirrung aufgrund neuer Vernetzungsmöglichkeiten. Will man auf der einen Seite seitens der klassischen Politik oft gar nicht diese neuen Möglichkeiten akzeptieren, so wollen einige Netizens am liebsten vor der Anzahl und Größe der Möglichkeiten und des Netzes kapitulieren. Alles ist möglich, nichts sollte geregelt werden. Und parallel zur Negierung des Datenschutzes als meine ich sogar essentielles Menschenrecht wird Meinungsfreiheit, Freiheit und absolute Transparenz als Popanz vor sich hergetragen. Es wird nicht wirklich differenziert oder Öffentliche Interessen und Menschenrechte abgewogen, sondern einseitig alles was Datenschutz und Privatsphäre betrifft abwertet, weil sie dem Wunsch nach Öffentlichkeit und Transparenz im Wege steht.

Das ist eben die alte Haltung von Scott McNealy “You have zero privacy anyway. Get over it.” (1999). Und jetzt wird uns das ganze als was brandneues verkauft. Aus meiner Sicht ist das ganze aber eher eine Denkfaulheit. man greift lieber zu neuen Modellen, verkündet eine neue Zeit – und befreit sich somit von einigen Grundrechten. Das sind durchaus Leute, die intelligent sind. Aber sie nutzen diese Intelligenz dazu statt eine Abwägung der verschiedenen Interessen zu wagen einen Teil auszublenden.

Das es sich dabei um Grundrechte handelt, geht dabei unter. Es gibt viele Leute, die für diese Grundrechte gestritten haben. Und ich prophezeie – aber dazu muss man kein Prophet sein – das sich die Netz-Szene genau an diesem Punkt immer weiter spalten wird. Bisher war die Spaltung eher von einer zur nächsten Generation. Und tendenziell sind auch die Vertreter der neuen Linie des “Privacy is Dead” offenbar jünger. Doch wie mein Zitat zeigt ist das eine Haltung die durchaus älter ist – und auch von vielen Wirtschaftsunternehmen vertreten wird. Denn man will mit Daten handeln. Dabei partizipiert die Gesellschaft nicht wirklich an den Gewinnen. Bei einem Fortschreiten dieses Weges wird es einseitige Gewinner geben – und der Verlierer ist das Individuum – und irgendwann dann eben sogar auch die Meinungsfreiheit.  Denn wer die Privatsphäre abschaffen will, will auch die Möglichkeit der Anonymität abschaffen. Damit aber passiert eben das, was wir dem Überwachungsstaat seit Jahren vorwerfen: Die Menschen verhalten sich anders, sie werden bestimmte Dinge nicht mehr sagen. Und das wird wiederum direkte Auswirkungen auf unsere Demokratie haben und der Weg für einen neuen Faschismus wird geöffnet, wo sich jeder ständig rechtfertigen muss, weil er total transparent ist.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Privatsphäre unabdingbar ist, wenn man Mensch bleiben will. Die Umsetzung ist nicht einfach. Aber es ist nötig – und technisch durchaus machbar, sofern man diesen Weg einschlagen will. Dazu denke ich auch, dass die grundsätzliche Idee eines “digitalen Radiergummi” zwar albern klingt, aber nicht so absurd ist. Heute ist sowas denke ich noch nicht praktikabel. Es muss dazu die Software und das Internet einen Charakter verändern und deN Datenschutz eingebaut haben.

In der Sendung wird wenn ich es richtig mitbekommen habe OpenData und OpenGovernment gar nicht erwähnt. Das ist bezeichnend. Denn da gehts genau darum Daten gezielt, unter Abwägung mit dem Datenschutz, öffentlich zu machen. Das ist m.E. ein moderner Ansatz. Nicht einfach, aber man kann sich diese ganzen Gedanken nicht sparen.

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