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Archive for April 5, 2010

Zum Hype um das iPad

Nachdem ich dann diese seltsame Sendung auf dradio wissen nachgehört habe, war ich etwas enttäuscht wie wenig kritischer Geist da übriggeblieben ist. Über große Strecken klang das ganze wie eine Werbeveranstaltung von Apple.

Es wird aber mal Zeit klar zu kommunizieren, dass viele der verkündeten Einfachheiten die vorbildlich sein sollen nicht eingelöst wurden. Bzw. so nicht einlösbar sind:

  1. Out-of-the-box-Funktionieren. Klingt ja toll . will jetzt auch alles sein. Wenn man genauer hinschaut ist es nicht so. Immerhin wurde in der Sendung darauf hingewiesen, dass man die Gesten zur Bedienung wohl doch erst erlernen müsste.
  2. Intuitivität, die Oberfläche erfahren. Da denke ich auch inzwischen das da jemand zu viel geraucht hat. Es ist ein plausibles Verkaufsargument – aber ich konnte das im MacOS nicht nachvollziehen. Dort ist es so, dass viele Funktionen entweder gar nicht oder nur durch kryptische Tatstaturverrenkungen erreichbar sind.

Entscheidend bei der Problematik des Softwaredesigns finde ich, die Tendenz alles bis zur Unkenntlichkeit zu reduzieren und zu versimpeln. Früher hatten die Macs sogar ganz auf Kommandozeilen verzichtet. Ich war selber lange Jahre Mac-User und habe mich dann davon angewandt, weil ich damit nicht produktiv arbeiten konnte. Macs und nun im Besonderen das iPad setzen einen spezifischen Workflow voraus. Alternativen werden entweder ganz ausgeschlossen oder erschwert.

Ich bin durchaus der Meinung, dass Touchscreens in Zukunft mehr und mehr Verbreitung finden werden. Allerdings sind diese so neu auch nicht. Denn diese wurden bereits in den 40er(!) Jahren erfunden und seit Mitte der 70er verwendet. (Quelle: Wikipedia). Auch Tablet-Computer sind nicht neu. Seit Jahren werden sie von Bill Gates beworben, ihnen war aber bisher der Erfolg nicht beschieden.

Was ist das besondere am iPad? Zunächst ist es von Apple, das bei vielen Produkten erfolgsverwöhnt ist. Dann hat Apple einige Technologien weitergetrieben und neu zusammengefasst – es sieht erst mal schick aus – aber viel revolutionäres ist da nicht zu sehen. Im Wesentlichen scheint es mir doch ein aufgeblähtes iPhone zu sein. Was ja auch aus Sicht von Apple nicht falsch ist: Sie konnten sowohl Teile der Technologien als auch ihre Appstore nun auch für das iPad nutzen. Gutes Marketing.

Und ich glaube auch, dass Tablet-PCs einen begrenzten Anwenderkreis finden. Problematisch finde ich dabei aber beim Beispiel iPad:

  • Wenn man das iPad mit beiden Händen festhält, hat man naturgemäß keine Hand frei
  • Zum Filmeschauen will ich nicht 2-3 Stunden ein iPad in den Händen halten, zudem ist das Display dafür etwas zu klein. Es gibt da zwar Zubehör zum Aufstellen, aber das ist ja doch irgendwie was anderes, wenn das nicht Teil des Gerätes ist (im Kontrast zu Notebooks)
  • keine echte Tatstatur. Ja gibts auch als Zubehör. Aber das ist nicht wie man es idealerweise verwenden soll und auch das bieten Notebooks. Eine echte Tastatur fühlt sich anders an. Und beim Tippen auf dem Bildschirm muss ich das freihändig machen, wenn ich es nicht nur einhändig versuche.
  • weder USB noch DVD.  Da fehlts dann auch irgendwie.

Eine Bemerkung noch dazu, dass Steve Jobs Netbooks für überflüssig hält: In den letzten Jahren hat hier das größte Wachstum im PC-Markt stattgefunden und ich denke viele nutzen Netbooks als Zweit- oder Drittrechner. Sie sind ungemein praktisch und vielseitig, trotz ihrer geringen Größe. Apple hat das verschlafen und meckert jetzt – oder sie wollten schon lange ein iPad und sich keine Konkurrenz im eigenen Haus machen.

Fazit: Sicher ist das iPad ein guter Tablet-PC. Allerdings mit den gängigen Lock-Ins, die man bei Apple gewohnt ist. Ich bezweifle, dass es dafür einen nachhaltigen Erfolg über einen kurzfristigen Hype hinaus geben wird.

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