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Antwort auf “Die Presse, Lena Simon und die Piratinnen”

März 13, 2010 12 Kommentare

Der Mann der so böse guckt hat was geschrieben zu s.o.: “Aufmerksamkeitsökonomie, Die Presse, Lena Simon und die Piratinnen“. Eigentlich wollte ich darauf gar nicht antworten, weil der Text absolut redundant ist. Wurde aber oft retweetet auf Twitter, wohl eben aufgrund seiner Redundanz. Da kann jeder mitschwingen.

Also gut, schreibe ich doch etwas. Ich versuche mal die Argumente rauszupicken und darauf einzugehen:

Der Autor kritisiert, dass die Medien fragen, welche Position jemand in einer Partei hat. Er fordert die Medien dazu auf, sich der internen Parteistruktur der Piraten anzupassen in ihrer Berichterstattung, Zitat: “Die Piraten sollten eher die Presse in ihrem Stil der Recherche und Informationsbeschaffung verändern, als sich ihre Struktur durch den Stil der Berichterstattung aufdrücken zu lassen.

Dazu würde ich sagen: Das Gegenteil haben die Piraten auch vorgeworfen: Das Blogger und Medien die Stimmen von Einzelnen aufgenommen haben und auf die Gesamtpartei übertragen. Nicht zuletzt ist es auch das, was er später im Falle Lena Simon und den Piratinnen auch kritisiert. Wer sind die federführenden Piraten. Die ändern sich also täglich. Na toll. Also die Piraten sind der Mittelpunkt des Universums und alles muss sich um sie herumdrehen. So hört sich das für mich an. Das die Presse manchmal bedauerlich oberflächlich ist, ist klar. Aber es ist an der Piratenpartei klar zu kommunizieren und nicht Aufgabe der Presse piratisch zu werden. Alleine dieser Abschnitt ist an Dummheit kaum zu überbieten.

Nun zur Passage “Lena Simon und die Piratinnen”:

Zunächst meint er, dass das Thema leicht medial aufbereitbar war und auch durch gute Pressearbeit. Dabei würde ich konstatieren, dass die Pressemitteilung keineswegs gut gemacht ist und deren Inhalte wurde auch nicht von Onlinemedien übernommen (siehe Google News). Der eigentliche Wirbel entstand m.E. aufgrund der heftigen Reaktion vieler Piraten gegen die Gründung dieses Netzwerkes. Erst darauf regierten dann Online-Tageszeitungen wie die taz.

Weiterhin behauptet der Autor, dass “die Geschlechterfrage in der Wahrnehmung der meisten Piraten überhaupt keine Rolle spielt”. Was ist das für ein Argument? Korruption spielt auch in der Wahrnehmung der meisten FDP-Mitglieder überhaupt keine Rolle. Entscheidend ist doch, was vor unseren Augen passiert, ob nun Piraten davor die Augen verschließen oder es erkennen können oder nicht. Auch hier das Weltbild: Was der Pirat nicht sieht, das gibt es nicht!?

Der Auto bemängelt, dass nicht breiter über alle Parteien diskutiert wird. Aber nicht alle Parteien schließen weibliche Mitglieder per Satzung quasi aus der Partei aus, in dem definiert wird, dass es nur männliche Piraten gibt. Und dies ist ein aktueller Fall. Genau so wie die FDP derzeit unter Westerwelle leidet und nicht die SPD und CDU, so muss die PP nun ihre eigene Debatte ertragen.

Zu einem kritischen Artikel bei der Mädchenmannschaft fällt dem Autor nicht viel Schlaueres ein als “Hier ist Milde mit den Unwissenden angesagt und nicht die vorschlaghammerhafte Wucht einer mehr oder minder wohlfeil formulierten Tirade.“, Oh Gott gnädiger Pirat! Sie sind Deiner Kritik nicht würdig.Oder ist es vielleicht eher so, dass Du deren Argumente gar nicht verstehen konntest?

Zudem mokiert er sich über die Entschuldigung von DE:BUG für die Wahlempfehlung für die Piraten. Auch hier fällt der Groschen nicht. Es gibt eben Leute, die finden die Genderdebatte eben sehr wichtig und nicht so nebensächlich wie viele Männer und Frauen in der Piratenpartei. An anderer Stelle im Netz wurde auch schon deutlich, dass es viele intelligente Frauen gibt, die sich wieder on den Piraten abgewandt haben, aufgrund ihrer Einstellung zu Frauen u.a..

Dann schließt er mit:

Ich persönlich würde mich für eine Ordnungsmaßnahme gegen Simon aussprechen, kein Parteiausschluss aber eine Verwarnung, als klares Zeichen für alle Piraten, dass ein Versuch ein Thema über die Presse in die Partei hineinzudrücken nicht toleriert wird.

Aha. Interessante Interpretation von Meinungsfreiheit. Zur Klärung: Aus meiner Sicht hat Lena Simon niemals Zweifel daran gelassen, dass sie hier eine private Pressemitteilung verschickt hat. Es sind bereits im Namen der PP Pressemitteilungen gegen die Frauenquote verschickt worden, obwohl des dazu keinen Beschluss gab. DAS ist heftig – und DAS ist das offizielle Presseteam. Ein Parteimitglied zu verwarnen, weil es sich innerhalb der Partei organisiert und eine private Presemitteilung herausgibt ist lächerlich. Jeder weiss, dass Pressemitteilungen immer mit entsprechendem Ansprechpartner verschickt werden – und der ist bei den Piraten bekannt. Das niemand Lenas PM übernahm spricht auch dafür, dass das niemand falsch verstanden hat. Ich habe auch schon dutzende  Pressemitteilungen verschickt. Die Reichweite ist um so geringer je weniger etabliert man als News-Quelle ist. Eine Verwechslungsgefahr daher eher ausgeschlossen. Lena hat das gemacht, was sie konnte um das Netzwerk bekannter zu machen. Das die PP selber dabei nicht helfen wollte, hat sie auch bereits erklärt.

Insofern sehe ich das PR-Disaster als klassisches Eigentor der PP: Ein Thema wird marginalisiert und als unwichtig abgetan. Dann organisiert sich eine kleine Gruppe an Interessierten – und dann erfolgt der große Rückschlag des Parteivolkes auf die Spalter. Daraufhin dann das mediale Interesse, die amüsiert ist aufgrund des unprofessionellen Krisenmanagements. Wenn da jemand Konsequenzen ziehen muss dann diejenigen, die die Eskalation herbeigeführt haben. Also die Verweigerer. Alle, die gegen die Piratinnen unterschrieben haben, haben bewiesen, warum Lenas Aktion richtig war und sie haben zu dem katastrophalen medialen Bild beigetragen.

Erschreckend finde ich vor allem die Vielzahl dummer Piraten wie diesem Freak hier, der nicht einmal ansatzweise verstanden zu haben scheint, um was es ging und geht.

Zum Westerwelle und zur Moral in der Politik.

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Es geht eigentlich nicht um Westerwelle. Es geht darum ,was Politik heute ist. Und da geht es leider all zu oft darum, wer am nächsten an den Fleischtöpfen sitzt. Es gibt Politiker, die ehrliche Ansinnen haben, und es gibt oft ein gutes Haar an so manchem Gesetz. Doch im Laufe des Gesetzgebungsverfahren versuchen verschiedene Lobbygruppen Einfluß zu nehmen. Aber nicht erst dann. Wer darf mit dem Minister sprechen, wer darf mitreisen? Wer gehört wird hat Einfluß, und erst die Chance darauf, dass seine Interessen berücksichtigt werden.

Eine Idee, die ich gerne mal umgesetzt sehen würde wäre diese:

Von Nicht-Bessergestellten wird ein Empfang für Politiker organisiert. Da gibts dann keinen Champagner, sondern Sekt von ALDI, eine Scheibe trockenes Brot und vielleicht eine Erbsensuppe. Hier sollen Hartz IV-Empfänger die Chance haben Politiker als Gäste einzuladen und sich ihr Ohr zu leihen. Man würde sehen, welche Politiker dann überhaupt kommen. Aber ich denke, es hätte einiges an Symbolkraft. Denn die Politiker werden überall hin eingeladen – sei es nun in Yachtclubs, Golfclubs oder Empfänge einer Arbeitgeberbranche. Die Gewerkschaften finanzieren das auch locker. Für Hartz-IV-Empfänger wäre es wohl schon nötig, dass eine Organisation beim Organisieren hilft. Manche werden jetzt denken: Warum sollen gerade die armen Hartz IV-Empfänger den Politikern was schenken? Müssen sie nicht. Aber ich denke Politik ist so, dass sie sich ihre Ohren bezahlen lässt. Wer nicht gehört wird hat auch keinen Einfluss. Zudem taugt es auch dafür vielleicht einige Politiker zu beschämen?

Es ist nicht immer der direkte Weg, der zum Erfolg beiträgt. Vielleicht gibts die Idee ja auch schon umgesetzt?

Davon abgesehen würde ich dennoch dafür plädieren, dass ein Herr Westerwelle, der den Armen so moralisch auf die Pelle rückt nun seinen Hut nehmen sollte, da er doch zu unverblümt seine Seilschaften etablieren wollte. So wie so viele gerade aus der wirtschaftsnahen FDP. Wirtschaftsnähe ist gefährlich, denn der Schritt zur Korruption ist hier viel näher als bei eher wirtschaftsfernen Parteien.

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