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Piratenpartei und Frauen an der Spitze

Januar 25, 2010 14 Kommentare

Kann es sein, dass langsam das die fehlende Frauenquote bei den Piraten langsam dazu führt, dass Männer an der Spitze benachteiligt werden!? Wie das – nun sowohl in Schleswig-Holstein als auch in NRW wurde eine Frau Spitzenkandidatin – und das, obgleich Frauen ansonsten stark unterrepräsentiert sind!

So erscheinen dann die Spitzenkandidatinnen aus meiner Sicht eher als Feigenblätter vor dem Hintergrund einer sonstigen Männerdominanz. Ähnliches fällt mir zu Rechtsradikalismus und Antifa-Demos auf: Obwohl man sowohl aus dem PP-Vorstand als auch von der Basis ständig rechtsradikale Thesen hört gibt es doch immer wieder Versuche sich an antifaschistischen Demos zu beteiligen.

In beiden Bereichen scheint es mir so zu sein, das sowohl die Parteispitzen als auch die Basis erkannt haben, dass es da ein PR-Problem gibt. Aber anstatt sowohl durch inhaltliche Entscheidungen und Debatten eine andere Richtung einzuschlagen beschränkt man sich auf eine Symbolpolitik – sprich:

  • Wenn die eine Frau an die Spitze wählen können die ja nicht frauenfeindlich sein – oder…
  • Wenn die mit zu antifaschistischen Demos aufrufen können die ja nicht rechtsradikal sein.

Aber. Die können das! Wie kaum eine andere Partei sind hier die Basismitglieder aus pragmatischen Gründen bereit gegen ihre eigenen Überzeugungen für etwas zu stimmen, was sie für ihre “Bewegung” und der öffentlichen Wahrnehmung als wichtig ansehen.

Der Witz ist jetzt, dass Frauen wie Anika Tanck oder  Birgit Rydlewski dadurch zu eben dem werden, was die Piratenpartei oft als Gefahr einer Quote ansieht, nämlich dass Frauen als Quotenfrauen erscheinen. Hier geht es wohlgemerkt nur um den äußeren Eindruck.

Aber mal so rein statistisch betrachtet: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass in zwei Landesverbänden ausgerechnet jeweils eine Frau eine Spitzenposition (Landesliste und Vorsitz) bekommt, wo doch sonst die Frauen in starker Minderzahl sind und ansonsten die Quote weit von 50% entfernt ist? Piraten meinen ja gerne, dass sie nur nach Qualifikation entscheiden. Das ist mir zumindest bei Anika aus Flensburg jedenfalls nicht besonders aufgefallen.

Meine Interpretation ist, dass die Piraten hier auf direktem Wege eine Quote einführen die besonders gut sichtbar ist. Weder sind viele Piraten ansonsten der Meinung dass Frauen gleiche Chancen bekommen sollten, noch sprechen sie sich sonst für eine Quote aus. Ich sehe hier die gewählten Frauen viel mehr als Opfer als in Parteien in denen Landes-Listen nun einfach mal paritätisch besetzt werden.

Genau so wenig beweist eine Kanzlerin Merkel, dass sich die CDU ernsthaft um mehr Gleichberechtigung bemüht. Das ist nur Kulisse. Und die Piraten beweisen gerade mit ihrem Wahlverhalten, dass sie etwas vertuschen wollen. Nicht besonders glaubwürdig – und insbesondere weniger gerecht als eine Frauenquote. Ihr benutzt Frauen um von euren Problemen abzulenken!

Die Sache mit der Sprache…

Januar 25, 2010 2 Kommentare

Aus aktuellem Anlaß möchte ich noch mal auf die Sprache Bezug nehmen – und der Frage wie neutral sie ist, bzw. inwieweit andere  Sprachregelungen nötig sind.

Das allerwichtigste ist zu erkennen, dass unsere Grammatik wie sie gewachsen ist aus dem Zusammenhang der Geschichte zu betrachten ist. Das heißt: Natürlich ist Sprache und Grammatik nicht neutral, sondern ein Spiegel der Gesellschaft und der Entwicklungen.

Viele denken, dass alles was historisch ist, sich irgendwie aus sich selbst rechtfertigt, weil es eben so ist, wie es ist. Dazu muss man sich auch mal anschauen, was alles so angeblich Tradition ist.

  • Was mir neu war und ich erst neulich via ARTE lernen durfte ist, dass die “traditionelle” Tracht der Aymara-Frauen in Bolivien insgesamt sehr spät entstand und ihnen von den Spaniern aufgezwungen wurde.
  • Wenig traditionell sind auch die vielen Traditionsvereine in Deutschland. Die Trachten in Deutschland stammen zu 100% aus der Zeit der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert. S.a. Heimatbewegung – Tradition ist ein Konstrukt und war immer auch politisch determiniert.
  • Die Deutsche Sprache als solches ist auch ein Konstrukt. Z.B. bemühten sich Dichter wie Goethe und Schiller sehr darum Begriffe zu finden, die viele üblichen lateinischen Begriffe ersetzten wie z.B. “Diarium” -> “Tagebuch”. Das was vielen von uns heute als die traditionelle deutsche Sprache kennen ist zum großen Teil von einigen wenige ausgedacht – und dann immer wieder weiter standardisiert worden – unter den Maßgaben derjenigen, die die Macht hatten.

Unter dem Strich will ich damit sagen, dass es keine Grammatik oder Sprache gibt, die natürlich wäre – es gibt keine positive Geschichte auf die wir uns beziehen und die Sprache von heute als etwas Gegebenes annehmen könnten.

So wie die Gesellschaft und die Menschen früher ihr Sprache und ihre Kultur definiert haben – oder es bestimmt haben, so müssen auch wir heute dies tun – unter der Berücksichtigung unserer heutigen Maßstäbe. Regeln und Verhältnisse die gewachsen sind müssen hinterfragbar sein, denn auch die Bedingungen unter denen unsere Kultur gewachsen ist, waren oft mehr als fragwürdig. Und es gibt keinen logischen Grund, warum man ausgerechnet heute sich jeglicher Kritik oder dem Streben nach Änderung unserer Kultur enthalten sollte, da dies in anderen Zeiten von Diktaturen und Monarchien nicht der Fall war und eben unsere Kultur geprägt hat.

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